Lesefluss

Überleiten

Es gibt viele Gründe, warum die Aufmerksamkeit stolpert.

Mal ist es ein zu komplizierter Satzbau oder ein unbekanntes Wort oder oder oder. Ganz oft sind es unvermittelte Gedankensprünge im Text: Da hat sich der Autor was gedacht und in seinem Kopf ist alles total schlüssig, doch es gibt keine Überleitung für uns Leser, die uns darauf vorbereitet, was jetzt kommt.

Heute also ein paar Anregungen, was sich gegen abrupte Inhaltswechsel machen lässt. Das ist übrigens wieder so ein Thema, wo man denkt „ist ja eh klar“, aber genau daran haperts meistens. Also bitte nie vermeintliche Selbstverständlichkeiten übersehen.

Abstand halten

Stellen Sie sich ein aufgeregtes Kind vor, das in einem Schwall was raussprudelt. – „Langsam! Hol mal Luft und dann sags noch mal ganz langsam.“ Jetzt kommen die Informationen nacheinander raus und wir können sie verstehen.

Bei Texten ist das lustigerweise genauso. Halten Sie in der Feintuningphase immer Ausschau nach:

… übervollen Sätzen: Das müssen gar nicht mal lange Sätze sein! Es geht darum, Informationsgeballere zu vermeiden. Sie kennen Ihr Thema ja am besten, also passen Sie drauf auf, ob Sie Ihren Lesern da grad zu viel auf einmal zumuten. Da hilft das laute Lesen übrigens hervorragend, dazu komm ich aber eh gleich noch mal.

… Bleiwüsten-Passagen: Wenn ein größerer Abschnitt nur Fließtext ist, können Sie sicher sein, dass Abstände reingehören. Nicht nur, weil es sich besser liest [erst recht in Zeiten minikleiner Displays], sondern weil in einem megalangen Absatz immer Sinn-Pausen sinnvoll sind. Das ist ganz genauso wie beim Redebeispiel.

Lassen Sie Ihren Informationen genug Raum.
Sie geben Ihren Lesern damit die Gelegenheit, die Inhalte zu verarbeiten.

Oft reicht es in diesen Fällen, einen Abstand einzubauen: Manchmal ist das einfach nur ein Punkt statt eines Kommas, mit dem Sie mehrere Informationen klarer voneinander trennen. Oder es ist ein richtiger Abstand, also eine neue Zeile oder eine Leerzeile. Oder Sie wandeln einen prallgefüllten Satz in eine übersichtlichere Aufzählung um, so dass die einzelnen Informationen separat stehen:

5 x Feintuning für Aufzählungen

Zwischenüberschriften

Nicht immer reicht der Abstand aus. Mitunter ist ein klarerer Schnitt nötig: Verdeutlichen Sie mit einer Zwischenüberschrift, dass jetzt was Neues kommt.

Das nützt natürlich auch dafür, einzelne Inhalte stärker in den Mittelpunkt – und damit ins Bewusstsein – zu rücken.

Außerdem ist es lesefreundlicher, wenn Texte klarer durchstrukturiert sind. Dazu kommt, dass gerade Internetleser oft huschihuschi drüberlesen und sich damit schneller ein Bild machen können, was noch an Inhalten kommt.

Eine Logik-Brücke bauen

Höchste Zeit, an zwei weitere Klassiker zu erinnern, die Sie kennen:
[Aber machen Sie es auch?]

  • den Abstand zwischen Entwurf und Feintuning
  • das laute Lesen

Unser Hirn ist ein kluger Kopf. :mrgreen: In unserem Fall ist es sogar ein Expertenkopf. Darum fällt es uns gar nicht auf Anhieb auf, wenn was höchst unlogisch dasteht oder sogar eine Information fehlt. Wir wissen, wie was gemeint ist und eine Informationslücke ist in unserem Kopf keine. Erst recht, wenn wir einen Text frisch geschrieben haben.

Mir ist es schon passiert, dass ich Texte von mir am nächsten Tag gelesen habe und einzelne Sätze überhaupt nicht verstanden habe. Nicht nur: „Oha, das ist aber etwas missverständlich ausgedrückt“, sondern „Hä? Was zum Teufel soll das denn heißen?!“

Wenn man einen Gedankensprung im Text nicht erkennt, kann man ihn nicht verbessern!

Darum am besten ein wenig Abstand bekommen und sich dann den Text aufs Ohr geben. Das hat den Zusatznutzen, dass Ihnen generell mehr auffällt, was Sie verbessern können.

Sie stolpern dann über Sprünge im Text und merken, wenn es eine „Logik-Brücke“ braucht, Sie also einen Gedankengang nachvollziehbar machen müssen oder so umformulieren, dass es kein Sprung mehr ist, sondern ein fließender Übergang.

„Und nun zu etwas völlig anderem …“

Je nach Text kommt es vor, dass Inhalte nebeneinanderstehen, die nicht unmittelbar miteinander verbunden sind. Das ist zum Beispiel auch der Fall, wenn Sie eine Information einschieben und dann weitermachen. Natürlich ist es wichtig, zu prüfen, ob das überhaupt sein muss [siehe letzter Punkt] oder ob man es nicht besser an einer anderen Stelle bringt.

Gedankenschleifen killen

Wenn es jetzt mit Abstand, einer Aufzählung oder Zwischenüberschrift nicht getan ist, nimmt schon ein kleiner überleitender Satz die Leser gedanklich mit. Dann ist das Hirn vorbereitet und kann nahtlos folgen.

Natürlich sollten Sie nie zu etwas „völlig anderem“ kommen [Monty Python], denn dann stimmt vermutlich in Ihrem Text irgendwas nicht. :mrgreen:

Brauchts das überhaupt?

Schließlich gibt es noch den Löschknopf. Häufig kommen abrupte Informationen dadurch zustande, dass man die Tür zu einem neuen Thema ein wenig aufmacht, weil es irgendwie noch damit zusammenhängt. Da ist es meistens besser, auf dem eigentlichen Kurs zu bleiben und lieber mal einen eigenen Text zu schreiben.

Oder Sie merken, dass eine Information zwar ganz nett, aber nicht wirklich relevant für den Text ist, zumindest nicht so wichtig, dass sie unbedingt drin sein muss.

Jeder Text profitiert vom Straffen.