Korrespondenz/Marketing

Schreiben verbessern – ganz nebenbei

Übung-Symbolbild - Bleistift mit Noitzblock auf Holzbank

Die meisten von Ihnen schreiben nicht hauptberuflich. Wer jetzt noch nicht so versiert ist, der kommt ins Wenn-ich-mal-Zeit-habe-Dilemma. Manchmal wäre die Zeit sogar da, doch man denkt nicht dran. Ach, ich wollte ja eigentlich!

Ich bin sicher, das geht den meisten von uns so. Nicht nur beim Schreiben. Ich kenne beides auch nur zu gut! 🙂 Darum bin ich ein großer Fan davon, wenn sich was nebenbei einbauen lässt. Da fast alle von uns beruflich irgendwas schreiben, lässt sich das vortrefflich für mehrere Fliegen nutzen.

In 2010 habe ich schon mal vorgeschlagen: Verbessern Sie Ihre Korrespondenz in nur fünf Tagen! Sowas ist eine gute Sache: Konsequent ein paar Tage den Fokus auf Briefen und E-Mails zu haben und jeden Tag etwas „dazuzubauen“.

Sie können bei Ihrer Korrespondenz und bei allen anderen Texten, die Sie so schreiben, punktuell Ihre Schreibmuskeln ausbauen. Hier 25 Anregungen, die nicht nur banal klingen, sondern wirklich einfach sind.

Entscheidend ist allerdings nicht, ob Sie „das eh wissen“, sondern ob Sie es beim Schreiben umsetzen beziehungsweise etwas regelmäßig bewusst verändern. Nur dann klappt es mit dem Nebenbei-Schreibfähigkeiten-verbessern.

1. Anrede mal anders (für viele geht das schon beim Personalisieren los)

2. Geht der Betreff bzw. die Überschrift aussagekräftiger?

3. Wird gleich zu Beginn deutlich, worum es geht? Nur dann kann das Hirn des Lesers von Anfang an aufmerksam mitlesen.

4. Synonyme nutzen – aktiven Wortschatz erweitern: variieren Sie besonders die Verben immer wieder, oft gibts sogar ein kraftvolleres Wort

5. Floskel-Alarm: Wir alle nutzen Floskeln. Ab jetzt bemerken und durch „Freistil“ ersetzen.

6. Wie persönlich ziehen Sie den Leser mit rein? Soll Ihnen da jemand helfen, ein Problem zu lösen oder brauchen Sie was superschnell? Ist das denn deutlich formuliert, besonders wenn es eine Bitte um Unterstützung ist?

7. Hat der Leser alle relevanten Informationen? Oft hilft ein erklärender Satz oder Dreizeiler, um einen klaren Zusammenhang herzustellen.

8. Eingeschobener Nebensatz: Brauchts den wirklich, sollte er am Ende stehen oder lieber ein eigener Satz sein?

9. Ich-lastig? Reden Sie zu viel von sich selbst, beginnen vielleicht ständig Sätze mit „Ich“? Dann einfach mal die Sätze etwas umstellen.

10. Sie-lastig: Besonders bei verkäuferischen Texten kippt das gerne ins Sie-Extrem, gerne noch mit dem ständigen Einstricken des Namens. Dosieren, dosieren!

11. Marketingsprech ausmerzen: Alles, was nach Werbeslogan oder Anbiedern klingt bitte normalisieren, wie Sie sich auch wohl fühlen würden, es persönlich zu sagen.

12. Elendig lange Sätze: Keine Sorge, Sie brauchen nicht lauter Minisätze bauen. Doch je länger ein Satz, desto abklopfen, denn dann schweift man meistens ab. Sogar, wenn alles relevant ist, tut sich der Leser mit dem Verstehen schwer.

13. Bleiwüste: viel Text auf einen Haufen – geht was kürzer, kann was raus oder zumindest klarer gliedern

14. Wertschätzung und Danke sagen. Gerade in der Korrespondenz ist man oft sehr inhaltsbezogen – zackzackzack – was eine gute Qualität sein kann, doch oft sehr nüchtern ankommt. Geht’s zusätzlich netter?

15. Sprunghaft: Mehrere Anliegen im Text? Dann von vornherein sagen und einzelne Absätze machen, anstatt wild hin- und herzuspringen. Bei mehreren Anliegen ist das Nummerieren mit Zwischenüberschriften super, weil alles im Blick bleibt und der Empfänger es abarbeiten kann.

16. Viele Hauptwörter? – raus damit oder in Verben umwandeln

17. Vorsicht vor neuen Türen: Machen Sie in einem Nebensatz die Tür zu einem neuen Thema auf? Oder lenken Sie in der Korrespondenz den Fokus auf was, das schon erledigt war, oder das Sie gar nicht weiter vertiefen wollen? Dann verkneifen Sie sich die Anmerkung.

18. Umstandskrämer: langer Satz oder umständliche Erklärung – wie lässt sich das einfacher sagen?

19. „Maulfaul“ :mrgreen: – arg kurz und im Telegrammstil unterwegs? Wenn Empfänger oft was fragen oder nicht auf Anhieb das liefern oder tun, was Sie wollen, dann nicht so geizig mit den Inhalten!

20. Ist eine Auflistung übersichtlicher? Je nach Anliegen brauchts keinen oder nur wenig Fließtext und eine kleine Liste bringt mehr Übersicht.

21. Schwamm erkennen: Wollen Sie auf jeden Fall eine Antwort, dann schreiben Sie nicht „bei Interesse“ oder „es wäre schön“? Brauchen Sie etwas zu fester Deadline, dann Klartext. Machen Sie etwas nicht, dann ein eindeutiges Nein statt Um-den-Brei-reden, Ausreden oder gar Rechtfertigungen.

22. Was häuft sich? Fast jeder von uns hat irgendeine Macke – bei den einen sinds die Ausrufezeichen, bei anderen Gedankenstriche oder eine bestimmte Formulierung. Dosieren: raushauen oder umformulieren.

23. Grußformel variieren

24. Straffen üben: Jeden Text kann man verdichten, ohne dass was wegfällt. Machen Sie sich einen Sport daraus, das Gleiche in weniger Wörtern zu sagen.

25. „Klingt das überhaupt nach mir?“ Wenn Sie den Text (laut) lesen: Hört man Sie dann raus oder könnte er von irgendwem sein? Verändern Sie den Text so, dass er mehr nach Ihnen klingt. Da muss nicht der perfekte Text bei rauskommen! Nur so, dass Sie sagen: Yep, jetzt bin das viel mehr ich als vorher.

 

Nehmen Sie die Liste wirklich als Anregung

… also jetzt nicht alles abarbeiten! 😯 Es geht einfach nur um den Fokus, an Ihrer Schreiberei zu arbeiten. Ganz zwanglos und buchstäblich im Vorbeigehen. Sie werden merken, dass sich das Eine oder Andere ziemlich schnell verhakt.

Zum Beispiel werden Sie darauf aufmerksam, dass Sie viel zu viele Hauptwörter nutzen. Also mal gezielt darauf achten und in jeder E-Mail oder in Blogartikeln immer öfter mal welche rauskicken beziehungsweise in Verben umwandeln. Schon nach kurzer Zeit merken Sie, wie Sie Ihre Sätze von Haus aus anders bauen. – Genau das ist das Coole daran, wenn man sich eine Sache in den Fokus nimmt und da wirklich drauf achtet, anstatt immer gleich tausend Dinge gleichzeitig perfektionieren will.

Natürlich kann unser Hirn mehr leisten, und so können Sie eine Sache verstärkt in den Fokus nehmen und nebenbei Kleinigkeiten verändern. Zum Beispiel die fest gespeicherte Grußformel aus der Signatur nehmen und sich je nach Empfänger individueller verabschieden.

Haben Sie Spaß damit, im Alltag hier und da was an Ihrer „Schreibe“ zu drehen! Wenn Sie es regelmäßig machen, wirkt sich das generell auf Ihr Schreiben aus.