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Wortgewohnheiten

Es ist nicht alles mit großartigem Training oder Erfahrung verbunden! Bei zahlreichen Schreibaspekten gilt tatsächlich „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“. Da geht’s wirklich nur darum, sich der eigenen Gewohnheiten bewusst zu werden.

Hier ein paar simple Tipps, auf die Sie einfach nur Ihr Augenmerk richten brauchen, und schon werden Ihre Texte besser:

Inflationär genutzte Wörter

Dass wir alle einen verhältnismäßig geringen aktiven Wortschatz nutzen, ist klar. Genauer hingesehen gibt es eines oder mehrere Wörter, die wir besonders oft verwenden. So oft, dass wir es gar nicht mehr bewusst mitkriegen.

Ich zum Beispiel habe stets ein oder zwei „Saison-Wörter“, die ich exzessiv nutze. Keine Ahnung, wo die genau herkommen und warum sie sich eine Zeitlang so stark verhaken. Einmal war es konkret, dann großartig. Momentan ist es auch. Ich schreibe so oft „auch“, dass ich schon hysterisch lache. Wann immer ich einen Entwurf daraufhin durchforste, muss ich die Wörter-Suche bemühen, weil mir trotzdem noch welche durchrutschen.

Vielleicht nicken Sie bereits, weil Sie Ihre abgenutzteren Wörter kennen. Oder Sie schnappen ebenfalls gerne mal zeitweise so eine Saison-Wort auf.

Jetzt ist das eine, diese Wörter auszumerzen. Noch viel besser ist es, sich darüber zu amüsieren und ganz gezielt den aktiven Wortschatz aufzumöbeln, zum Beispiel mit dem Synonym-Dreisprung.

Sie werden staunen, wie viel variantenreicher Sie bald formulieren. Aber bitte nicht übertreiben.

Lieblingsformulierungen

Natürlich gibts auch Formulierungen, die sich richtiggehend festsetzen. Bei anderen fällt uns so eine Wiederholungsmacke überdeutlich auf, uns selbst ist sie meist gar nicht so stark bewusst. Hört man sich, zum Beispiel auf einem Video, kommt der große Schock. Kaum zu glauben, was man da unentwegt sagt.

Achten Sie aber nicht nur auf die Formulierungen, die Sie extrem häufig verwenden, sondern auch auf übliche Muster. Das „nicht nur, sondern auch“ ist ein super Beispiel. Vielleicht ist diese Formulierung so drin, dass sie automatisch aus Ihnen rausfließt:

Sie bekommen nicht nur [dies], sondern auch [das].

Doch je nach Satz ist ein „neben“ oder ein außerdem“ oder ein „Sie bekommen …“ die bessere Wahl.

Bitte immer entscheiden, ob Sie auf etwas komplett verzichten können. Gerade bei den Lieblingsformulierungen schleichen sich gerne unnötige Floskeln oder Schwafeleien ein. Bei uns allen.

Überfrachtete Sätze

Wenn Sie beim Schreiben plaudern und den ersten Entwurf „quick & dirty“ rauslassen, dann passiert es ganz schnell, Sätze zu überfrachten. Das ist ganz normal, denn wir denken nicht druckreif auf den Punkt, sondern uns fällt jede Menge ein, oft irgendwelche Einschübe und andere Ideen, die wir bei der Gelegenheit noch unterbringen und oft gar nicht merken, dass wir so einige Sätze und Anmerkungen viel komplizierter ausdrücken, als es nötig wäre. [<-]

Überfrachtete Sätze sind nicht unbedingt lange Sätze. Überprüfen Sie Ihre Und- sowie Oder-Konstruktionen. Oft sagen oder schreiben wir nämlich etwas unnötig doppelt und dreifach. Keep it simple!

Häufungen

Lesen Sie schon länger mit, dann kennen Sie den Tipp, auf Häufungen zu achten. Wenn Sie dazu neigen, besonders häufig Klammer-Einschübe zu machen oder andauernd Ausrufezeichen beziehungsweise Gedankenstriche o. Ä. verwenden, ist das nicht nur ein Zeichen, kräftig Unkraut zu rupfen, sondern diese Gewohnheiten beeinflussen natürlich Ihre Formulierungsmuster.

In dem Moment, wo Sie Ihre Häufungen reparieren, variieren Sie automatisch Ihre Schreibe.