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Die Schreibphasen näher erklärt: 1. Das Plankton

Ich empfehle ja fünf Schreibphasen:

(1) Plankton
(2) Konzipieren
(3) Entwurf quick & dirty
(4) Abstand
(5) Feintuning

Damit tun sich manche anfangs schwer. Völlig normal, denn es ist einfach ungewohnt. Darum mache ich diese Woche täglich einen Blogartikel, der die einzelnen Schreibphasen näher erklärt. Anhand meines konkreten Beispiels können Sie besser nachvollziehen, was gemeint ist und in Eigenregie am eigenen Thema mitmachen.

Heute: Was ist ein Plankton-Thema?

Vor ungefähr fünf Jahren habe ich einen Präsenz-Schreibkurs am Starnberger See gemacht und dabei gemerkt, dass meine TeilnehmerInnen ihre Themen viel zu riesig ausgewählt haben. Darum habe ich spontan das hier auf die Flipchart gemalt + noch mal erklärt, warum wir immer noch kleinere Themen brauchen, wenn wir beim Schreiben nicht an der Oberfläche kratzen wollen:

starnbergerseeplankton

Das hat allen so eingeleuchtet, und die ganze Woche über war immer vom „Plankton“ die Rede, dass sich das einfach gehalten hat. Seitdem bauen meine WorkshopteilnehmerInnen es gerne auch ganz selbstverständlich in ihren aktiven Wortschatz ein:

– „Ich planktoniere.“
– „Ist es planktonig genug?“

Legen wir das mal um auf ein Thema:

Kommunikation im Beruf
Das ist ein gigantisch großes Thema. Kommunikation im Beruf kann wirklich alles sein: Es kann ums miteinander Reden gehen, ums Telefon, um Konferenzen, um Korrespondenz, um Besonderheiten bei elektronischer Kommunikation – und innerhalb jedes dieser Themenfelder gibt es Abertausende weiterer Themen. Das wäre nicht mal nur ein Starnberger See-Thema, sondern ein wahrer Ozean. Nehmen wir also mal einen Themenbereich davon raus.

Wir wärs mit „guter Korrespondenz“?
Das hört sich schon kleiner an, doch das täuscht! Es ist nämlich ein See-Thema. Denn auch da gibt es alle möglichen weiteren Aspekte: Geht es um eine bestimmte Art von Korrespondenz (Rechnung, Mahnung, Akquise, Reklamation, …)? Geht es ums Layout, um Formelles, wie man Inhalte aufbereitet, Neugier schürt oder Ideen bringt? Oder geht es um Effizienz? … Rund um gute Korrespondenz kann man ein ganzes Buch schreiben.

Zoomen wir deshalb noch mehr rein:

Hm … Wie man einen guten Brief schreibt?
Aaah, jetzt werden wir schon kleiner. Doch Achtung: Das ist immer noch kein Plankton, sondern ein ziemlich dicker Fisch. Es kommt erneut darauf an, worum es geht – „guter Brief“ kann vieles sein: Um welche Art von Brief geht’s denn? Geht es um ein gutes Layout, um Formelles, um die Selbstdarstellung oder darum, etwas Bestimmtes zu erreichen? – Bei einem kurzen Blogartikel von sagenwirmal 1-2 Seiten ist das viel zu viel Stoff, wenn man es nicht fokussiert.

Etwa noch kleiner?
Ja – und noch konkreter, entweder auf einen Bestandteil konzentrieren oder einen klaren Kontext herstellen [siehe gleich bei der Arbeitstitel-Überschrift]:

Okay, wie wärs dann mit dem Betreff? Ist das ein Plankton-Thema?

Genau!

Das war das grobe Prinzip. Bevor ich das noch mal näher anhand eines anderen Business-Beispiels erkläre, eine kleine Übung für alle, die sich intensiver mit dem Plankton befassen wollen.

Nimm eines dieser kleinen Themen auf – natürlich eins, zu dem du einen persönlichen Bezug hast:

  • mein Klo putzen
  • mein Haustier und mein Bett
  • Geduld an der Supermarktkasse
  • immer wieder Snooze-Taste beim Wecker drücken
  • wenn der Paketbote nicht klingelt

Hast du eins, zum Beispiel das Klo putzen?

Dann überleg dir mal ganz spontan verschiedene Aspekte davon. Denk nicht schon in Themen oder Artikel, sondern krieg einfach mal ein Gefühl dafür, was alleine im Klo putzen so drin steckt:

  • Klo putzen ist eklig
  • was es so für Hausmittel gibt, das Klo zu entkalken
  • Männer, die im Stehen pinkeln
  • wenn das Klo schlecht abfließt

Bestimmt findest du mindestens zehn verschiedene Richtungen, in die du denken könntest. Zu jedem dieser in meinem Fall vier weiteren Ansatzpunkte lassen sich dutzendweise Texte schreiben!

Das war fürs Schreiben allerdings noch nicht das komplette Plankton-Thema! Sondern es geht erst mal darum, dass du erkennst, dass du in der Regel viiiiiel zu groß anfängst.

Die meisten würden vom Wohnung putzen oder vom Bad putzen reden. Und ja, das kommt auch mal vor (da kommt dann der konkrete Aufhänger ins Spiel, über den wir gleich reden). Gerade fürs Bloggen ist es ergiebiger und spannender, wenn du dein Thema viel weiter runterbrichst. Dann greifst du nämlich Besonderheiten auf und die LeserInnen bekommen bei dir nicht das, was überall sonst auch schon steht.

Soweit, so einleuchtend

Was heißt Plankton-Thema jetzt genau, wenn ich was schreibe?

Fürs Schreiben geht es nicht nur darum, ein kleines Thema zu wählen, sondern es bereits ganz konkret + scharf zu umreißen.

Beim Plankton-Thema geht es darum …
… nicht in einem riesigen Thema herumzuwaten, sondern ein kleines konkretes Themenaspektchen rauszubrechen.
… nie in Schlagwörtern zu denken, sondern in Arbeitstitel-Überschriften
… den Umfang fest im Auge zu behalten.

Die Aufgabe dieser ersten Schreibphase ist, dass das Plankton-Thema so aussagekräftig FÜR DICH SELBST ist, dass du ganz genau weißt, worauf dein Text hinausläuft.

Darum denkst du in diesem Stadium in Überschriften, die lediglich Arbeitstitel sind, also nichts mit der späteren Überschrift zu tun haben: Warum die Überschrift erst einmal für Sie da ist

Ein Beispiel:

Ich schreibe einen 1-2seitigen Blogartikel = immer vorher Umfang festlegen. Dazu noch mal das entsprechende Video:

Es geht mir um „Kooperationen in der Selbstständigkeit“ = herausgebrochenes, klares Thema, das erst zum Plankton-Thema wird, wenn ich ihm einen konkreten Dreh gebe.

Ich denke mir jetzt also in Überschriften – in Arbeitstitelqualität –, was ich rund um Kooperationen in der Selbstständigkeit schreiben könnte. Dabei muss ich im Auge behalten, dass ich nur 1-2 Seiten habe. Das ist nicht viel, wenn wir in die Tiefe gehen möchten. Darum muss das Thema klein bleiben. Morgen, bei der Konzeption, sehen wir, warum der Platz weniger ist, als man denkt!

  • X Dinge, die ich über mich gelernt habe, wenns um Kooperationen mit anderen Selbstständigen geht.
  • Warum ich keine Kooperationen mehr eingehe.
  • „Wenn es schon so anfängt …“ – wenn der Bauch von Anfang an bei einer Kooperationsanfrage grummelt: unbedingt darauf hören
  • Die Chemie ist nicht das Einzige, was für eine Kooperation wichtig ist: Warum sich jede Kooperation für alle Beteiligten auszahlen muss.
  • „Wir sollten unbedingt kooperieren!“ – X Makel an übereilten Kooperationsanfragen: Was haben Sie denn Handfestes zu bieten?

Und jetzt wird ein Schuh draus!
Denn jetzt ist ein von Haus aus kleines Thema gewählt, das erst durch das konkrete Aufhängen + in aussagekräftige Arbeitstitel-Überschriften-denken gleich viel klarer wird.

Noch ein anderes Beispiel:

Hund und Bett

  • Warum ich meinen Hund nie ins Bett lassen wollte, weil man das nicht soll – und wieso ich es jetzt doch mache.
  • X echte Nachteile, wenn ein Hund mit im Bett liegt
  • So schaffen Sie es, dass der Hund am eigenen Schlafplatz bleibt und rundherum zufrieden ist.

Sind Plankton-Themen so aussagekräftig + scharf ausgewählt, können Sie unzählige frische, spannende Themen aus Ihrem Bereich auswählen und so richtig Abwechslung reinbringen.

Das Beste ist aber, dass schon glasklar ist, worauf der Text hinausläuft. Dann geht auch gleich die zweite Phase, die Konzeption, viel flotter. Um die geht’s dann morgen.

Alle Teile dieser Artikelreihe:

Schreibphase 1: Plankton
Schreibphase 2: Konzipieren + Ziegen fordern mehr Mehrwert!
Schreibphase 3: Entwurf quick & dirty
Schreibphase 4: Abstand
Schreibphase 5: Feintuning

 

11 Kommentare

  1. Hi Gitte, erst mal nochmals vielen Dank für die tolle Möglichkeit hier fast „live“ mit dir zu schreiben 🙂

    Ich kam auf folgenden Arbeitstitel (Plankton-Thema):

    „So schnell wie möglich viele neue Klienten“: Warum es (fast immer) Zeit braucht online Kunden zu gewinnen und Sie deshalb noch heute mit dem Aufbau Ihrer (Online-)Reputation starten sollten“

    Was hältst du davon? Oder ist es noch zu breit? (Bei mir geht es momentan noch eher darum Zusammenhänge zu erklären, als konkrete Wie-Anleitungen zu geben. Denn bevor man mit der Umsetzung loslegen kann, muss man das Warum und das Was erst mal verstehen.)

    Viele Grüße
    Katharina

    • Gitte Härter sagt

      Hallo Katharina,

      schön, dass du dir Gedanken machst und meine erkärenden Blogartikel zu den Schreibphasen mitmachst. – Nochmal der Hinweis: Das ist kein Kurs, und ich gebe auch nicht in den Kommentaren die ganze Woche Feedback. Es geht wirklich nur um Blogbeiträge, bei denen ich jeden Tag eine Phase näher erkläre und wer mag, FÜR SICH mitmachen kann.

      Dieses Thema, das du hier hast, ich noch zu schwammig gewählt. Das siehst du morgen, wenn wir über die Konzeption reden. Darum behalte es dir mal so und versuch morgen, anhand meiner Erklärungen, zu konzipieren. Dann merkst du sofort, dass diese Arbeitstitel-Überschrift noch zu schwammig FÜR DICH ist. – Das ist nämlich schon ein weiterer Vorteil der Konzeptionsphase: Man merkt, noch bevor man ein einziges Wort schreibt, wenn man noch zu groß unterwegs ist und kann rechtzeitig das Thema schärfen und realistisch die Inhalte vorplanen. 🙂

      Viele Grüße
      Gitte

  2. Hallo Gitte, danke für die Klarstellung, das war mir nicht so bewusst. Und danke für dein Feedback (trotzdem). Ich habe gerade schon ein wenig mit dem Sortieren meiner Gedanken zum Thema angefangen und schon gemerkt, dass es noch besser (planktoniger) geht. Dann mal schauen wie es morgen weitergeht – und noch mal danke 🙂 Viele Grüße, Katharina

  3. Gitte Härter sagt

    … du musst an der Stelle nicht auf mich warten, Katharina.

    Denn wenn du jetzt schon beim Gedanken sortieren merkst: „Oha“ (was gut ist, denn das sollte auch so sein), dann frag dich:

    Worum gehts mir denn?
    Und keep it simple. Genau darum sind die ARBEITSTITEL-Überschriften ja da. Die sollen DIR das Thema klipp und klar festlegen.

    Frag dich also: Worum gehts mir?
    Und – ähnlich wie beim Beispiel mit der Kooperation da oben kannst du jetzt aus deinem schwammigen Ansatz sagen: Sodali, welche mindestens zehn Artikel-Planktonthemen stecken in meinem ersten Ansatz denn drin?

    • … nö nö, ich mach dann schon weiter und schaue morgen, was ich noch optimieren kann 🙂 Jetzt wollte ich dir gerade formulieren worum es mir geht und dabei merke ich schon, dass ich darüber noch mal genau nachdenken muss. Ich versuche nämlich gerade verschiedene Leser-Erkenntnisse in einen Artikel zu quetschen, was wohl genau das Problem ist 😉 Und ja, da stecken wirklich mehrere Artikel drin, nur konkretisieren muss ich sie noch.

  4. Huhuu, ich wollte eigentlich nur wieder Bildchen gucken kommen (für meine Tablet-Übungsstunde) und lande – beim Plankton,
    Und schrieb so übungshalber vor mich hin, was denn aus dem See-Thema: „Kreativität in der Natur“ so für vorläufige Plankton-Überschriften werden könnten.

    Und merke wieder, was für einen Spaß das macht. Das bekommt direkt für mich selbst sehr viel mehr Leben und Fleisch und Witz.

    An Überschriften fand ich erst mal nett:

    *Faule Ziegen am Weg
    * Weil mir drinnen nichts mehr einfällt
    * Weg vom „normalen“ Arbeitsplatz
    * Flucht vom Schreibtisch
    * Was ich von einer Taubenfeder und einer Pfütze lernen kann
    * Aufstehen und weggehen
    * Schlechtes Wetter für gute Ideen

    Wobei mir bei vielen noch gar nicht so klar ist, wo es hingeht, aber es wird eindeutig nicht so allgemein und so, wie ich selbst schon Beiträge geschrieben habe. Aber ich gehöre ja zu denen, die sich selbst beim Schreiben überraschen.

    Danke noch mal für die immerwiederkehrenden Plankton-Tipps. Man kann es ja nicht oft genug hören bzw. lesen.

    • Gitte Härter sagt

      Huhu Zamyat,

      ja, bei dir sprudeln die Idee immer gleich. 🙂

      An Themenideen wirds dir nie Mangeln. Schön, dass dich das Plankton auch schon fokussiert und dir Spaß macht. Ich habe dein Beispiel im heutigen Teil, der Konzeption, mal noch mal aufgegriffen – denn auch, wenn du dich gerne beim Schreiben überraschen lässt, empfehle ich dir unbedingt, mit diesen bruchstückhaften Ideen VOR DEM SCHREIBEN noch ein Stück weiterzugehen. Denn dieses „gar nicht so klar, wo es hingeht“ ist nicht so gut, weil du dann einen Text nie so richtig zielgerichtet VOLL MIT MEHRWERT packen kannst. Guck dir mal den heutigen Artikel an, da hab ichs noch mal aufgegriffen.

      Du hast trotzdem noch genug Freiheiten, und selbst wenn du die Konzeptionsphase komplett auslässt, schreibst du zielgerichteter. Was gerade den Sprudlern (+ ihren Texten) gut tut, ohne einzuschränken. 🙂

      Viele Grüße
      Gitte

  5. Puuuh, Ihr seid alle so kreativ und ich hab ganz schöne Schwierigkeiten mit dem Plankton. Muss wohl erstmal einen Workshop mit Gitte dazu machen, damit sie mich richtig „in die Enge treibt“.
    Auch wenn ich noch nicht wirklich weitermachen kann, schau ich mir das heute noch an.
    Dann mal sehen, ob ich nicht besser am plankton weiterarbeite.
    Herzlichen Gruß – Brigitte

    • Gitte Härter sagt

      Hallo Brigitte,

      das mit dem Plankton ist einerseits einfach und andererseits ist es wirklich eine Übungssache. Ich hatte tatsächlich schon öfter TeilnehmerInnen im Workshop, die sagten: JETZT kapier ich das erst richtig. Weil es natürlich greifbarer ist am eigenen Thema.

      Im wesentlichen geht es darum, dass du wirklich klein, klar und FÜR DICH aussagekräftig dein Thema formulierst. Also von Anfang an.

      Nehmen wir das Beispiel „Bewerbung“. So bewirbt man sich richtig, das wäre für einen 1-2seitigen Artikel viel zu groß und schwammig. Man weiß gar nicht, worum es dabei gehen soll. Da lassen sich ja gleich mehrere Bücher zu schreiben.

      Ein Plankton wäre:

      – 5 Besonderheiten, die Frauen ab 50 Jahren in ihrer Bewerbung herausstellen sollten

      oder

      – Mit diesen Fragen müssen Quereinsteiger im Job-Interview rechnen

      Ansonsten: Probier dich ruhig erst mal mit einem neutralen Fachgebiet. Zum Beispiel „Wohnung putzen“ herunterbrechen in Planktonthemen.

      Viele Grüße
      Gitte

  6. Super liebe Gitte,

    ich habe es gestern testweise gemacht. Einen klitzekleinen Beitrag zu einer der Überschriften geschrieben- und siehe da: es kam wieder mal ein ganz anderes Thema raus (das passiert mir ja öfter :-), da habe ich dann nur den Titel wechseln müssen.

    Wollte aber ansonsten tatsächlich warten auf deine weiteren Erläuterungen und das daran entlang für mich noch mal schnell durchlaufen. Selber tun macht halt immer schlauer als nur lesen und nicken :-).

    Danke, auch wenn es mich vom Buchschreiben abhält. Aber ich war heute schon so superfleißig und kreativ, da kann ich mal kurz „abhauen“ und hier weiter machen.

    Also auf zu Teil 2: Konzipieren!

  7. Pingback: Warum ich meine Blogartikel in Word vorschreibe - Sven Meyer

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