Deine Leser

Mit deinen Lesern reden, statt an sie hinschreiben

Heute reden wir wieder mal über den Plauderton. Du willst es doch auch!

Ich habe einen triftigen Grund, warum ich Euch damit immer wieder trieze: Denn deine persönliche Schreibe macht den Unterschied,

  • wie einzigartig deine Texte sind,
  • wie gerne man sie liest,
  • wie greifbar du dich und dein Business machst,
  • wie gut deine Botschaft ankommt,
  • wie stark du einen Draht zu deinen Lesern herstellst
  • und wie flott sie dir aus der Feder fließen.


Jetzt betone ich ja immer wieder, wie wichtig es ist, mit seinen Lesern zu reden, anstatt einfach an sie hinzuschreiben. In Workshops sehe ich oft, dass sich Autoren dann in ein „Kennen Sie das?“ retten. Das kann man punktuell schon mal machen, doch das miteinander Reden bezieht sich auf ganz grundlegende Schreibaspekte:

Sei echt. Und ich meine echt echt!

Wenn du meine Videos anschaust, dann siehst du ganz viele kleine und große Eigenarten. Nicht nur bei Mimik und Gestik, sondern vor allen Dingen in meiner Sprechweise.

Im Business neigen viele dazu, sich zu verstellen. Meist, um vermeintlich „seriöser“ rüberzukommen, und zwar besonders, wenn sie veröffentlichen. Schaut Euch bloß mal die vielen Videos an, wo ganz tolle Leute, die ihr Fach aus dem Effeff beherrschen, völlig neutral in die Kamera starren, teilweise offensichtlich ablesen und möglichst perfekt reden. Abgesehen davon, dass das oft richtig schwierig zum Verfolgen ist, kommen die Personen total flach rüber.

Nun ist das eine, dass man sehr viel verschenkt, wenn man sich nicht traut, man selbst zu sein. Viel schlimmer aber ist, dass die meisten im wirklichen Leben total lebendig, engagiert und supergute Spontandenker sind.

Ich weiß, da kommt jetzt der Respekt vor dem Veröffentlichen dazu oder die Angst sich zu blamieren. Doch bei den meisten möchte ich das Skript wegnehmen, sie kurz schütteln und sagen: Jetzt red einfach! Das eine oder andere Unperfekte, ist überhaupt nicht tragisch und es kann endlich was überspringen.

Beim Schreiben sollte man dich ebenfalls RAUSHÖREN. Nicht nur, weil du dadurch einen Draht zu deinen LeserInnen kriegst, sondern um dich zu zeigen. Du bist nicht mehr austauschbar! Wir alle haben eine eigene Art. Die muss schriftlich durchkommen, wenn du für die Selbstständigkeit schreibst. Sonst verschenkst du ein irres Potenzial, das dir das Schreiben bringen kann. Schneller geht’s außerdem und mehr Spaß machen tuts auch, wenn das, was du schreibst, wirklich DEINS ist.

Meine Kunden zwinge ich regelrecht dazu, dass sie beim Konzipieren – dem Vorausdenken ihres Textes – im Selbstgespräch-Modus bleiben. Also ganz flott schriftlich denken, ohne rumzuformulieren.

Und wenn ich nicht vor dem Schreiben des Entwurfs wirklich streng erinnere „bleib jetzt unbedingt bei diesem ganz normalen Plauderton“, dann kannst du wetten, dass in 8 von 10 Fällen plötzlich alles Tolle, Normale beim Schreiben gnadenlos plattgetreten wird. So entsteht ein Teflontext, der an die Leser hinredet.

Das Fundament ist also der Plauderton.

Zeig eine gemeinsame Basis oder zumindest Verständnis

Schau dir mal drei, vier deiner Texte an, die du kürzlich gebloggt hast. Und jetzt frag dich mal unabhängig vom Inhalt: Wie persönlich geh ich denn da wirklich an meine Leser ran? Ich meine persönlich VON DIR AUS, nicht stilistisch.

Das ist nämlich die Crux, von der ich grad in diesem Video schon gesprochen habe: Im „echten“ Leben gehen wir viel intensiver auf unsere Gegenüber ein. Wenn du einen Vortrag hältst oder zu einem Netzwerktreffen gehst, bist du voll du. Du wirkst mit deiner dir eigenen Art:

  • Vielleicht bist du ein sprudeliger Mensch, der auf andere neugierig zugeht.
  • Vielleicht bist du naturwitzig und kannst alle sofort auflockern.
  • Vielleicht bist du eher zurückhaltend und hast eine warme Ausstrahlung.
  • Vielleicht bist du ein guter Beobachter und aufmerksamer Zuhörer.
  • Vielleicht bist du ein messerscharfer Argumentierer.

Ich könnte hier ewig weitermachen. Worauf ich hinauswill:

Wir haben unser Art, und mit dieser Art gehen wir ganz automatisch auf unser Gegenüber ein.

Schriftlich bekommen die Leser das nicht mit. Außer du bist dir selbst treu und erinnerst dich beim Schreiben, dass das nicht nur eine Informations- und Tipp-Weitergabe ist, sondern dass am Ende viele unterschiedliche, dir unbekannte MENSCHEN sitzen.

Es ist doch viel sympathischer, wenn da nicht nur Fakten oder Anweisungen rübergeschoben werden, sondern wenn die Person ganz natürlich mit mir „spricht“.

Ich weiß, das klingt abstrakt. Doch dreh das einfach mal um: Stell dir vor, du gehst in ein Kundengespräch oder einen Vortrag und deine Persönlichkeit wäre nicht sichtbar. Du würdest deinem Gegenüber nur neutrale Informationen, Anregungen und Tipps erzählen. Das wäre doch ganz schrecklich ohne persönliche Komponente! Wie so ein Info-Roboter.

Wenn wir echte Menschen vor uns haben, sozusagen zum Anfassen, dann denken wir automatisch dran, dass wir ein Gegenüber haben. Beim Schreiben kommt mir vor, konzentrieren sich zu viele nur auf die Inhalte und was sie alles von sich aus transportieren wollen – und vergessen, dass da eine Person ist, die wir erreichen möchten.

Das kannst du übrigens schon auf Social Media beobachten … vielleicht packst du dich gleich mal an der eigenen Nase. Es ist unglaublich, wie steril viele ihre Updates halten. Besonders tragisch finde ich das immer, wenn ich die Person dahinter kenne und weiß wie herzlich, witzig, spritzig, klug, schelmisch und lebendig sie ist. – Das hat übrigens nicht mit Interaktion zu tun, ich meine wirklich die Nachrichten, die du in die Welt schickst.

Also überleg dir: Für wen schreibste denn? Was brauchen deine LeserInnen, was haben sie für Vorbehalte und dann rede mit denen so, wie du es sonst auch tust. Meine deine Leser.

Lass durchblicken, wie du zu einer Sache stehst.

Denk jetzt bitte nicht, es geht darum, immer gleich einen Meinungsartikel zu schreiben. Es geht um deine insgesamte Schreibe.

Anstatt also neutral Informationen zu geben, sag doch, wie es dir mit einer Sache geht:

  • Kürzlich ging mir das Herz auf …
  • Ich lach mich immer scheckig, wenn …
  • xy strapaziert ganz schön meine Geduld …
  • Gestern war der perfekte Tag! …
  • Bei sowas könnte ich mir büschelweise die Haare ausreißen ..

Wenn wir ganz normal reden, reden wir nicht nüchtern vor uns hin. Es kommen automatisch solche ich-gefärbten Sätze aus uns raus. Doch je mehr „Schriftsprache“ du drauf hast, desto mehr kommen die von Haus aus gar nicht vor!

Die gute Nachricht. Standpunkte äußern lässt sich super üben:

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Schenk deinen Lesern DEINE Erfahrungen und Tipps

Es gibt ja ein paar grundlegende Dinge, die ich meinen Kunden wieder und wieder sagen muss. Das ist völlig normal, geht mir ganz genauso. Ich bin sogar froh, wenn mich im Sport die Trainerin erinnert, dass ich das Atmen nicht vergesse!

Eine Sache, an die ich immer wieder erinnere, ist: Schreibs von dir aus!

  • Ich will diese Methode nicht neutral geschildert haben, da könnte ich mir ein x-beliebiges Fachbuch kaufen. Ich will sie marionmäßig geschildert haben.
  • Ich will nicht einfach eine Entspannungsübung lesen. Wenn mir der Fritz diese Übung schon erklärt, soll er sie mir fritzig rüberbringen, erklären und mich motivieren, dass ich sie machen will.

Das bezieht sich auf die Schreibe UND auf die Inhalte. Viel zu oft werden Fremdinhalte genutzt, wo es viel spannender wäre, was Eigenes von dir zu bekommen: Weg mit der Krücke Fremdmaterial

Deine Leser brauchen nicht den x-ten Aufguss von „Vier Seiten einer Nachricht“ oder sowas. Worüber immer du schreibst: Die wollen was von DIR! Und wenn du ihnen die vier Seiten einer Nachricht von Friedemann Schulz von Thun erklärst, dann erklär DU sie ihnen.

Gib was von dir preis!

Schließlich ist es immer schön, etwas mehr von dem Menschen hinter einem Text zu erfahren. Da gibt es jetzt unterschiedliche Kaliber. Es gibt die kleineren Einblicke, wie du zu etwas stehst, die wir eben schon hatten.

Es gibt die Schlüssellochblicke in deinen Alltag:

  • Wenn du dein Thema daran aufhängst, wie du dich selbst organisierst.
  • Wenn du erzählst, dass du kürzlich am Schliersee warst und dir da dies und das passiert ist.
  • Wenn du dir ein neues Gerät gekauft hast und nicht damit klarkommst.

Es gibt die größeren Einblicke in die eigene Biographie:

  • Wenn du selbst etwas durchgemacht hast.
  • Wenn du einen Aha-Effekt hattest, der an ein bestimmte Ereignis gekoppelt war.
  • Wenn du bemerkst, dass du früher ganz anders warst.

Und dann gibt es das Zugeben von Defiziten oder Stolperern:

  • Du predigst Wein und trinkst Wasser in einer bestimmten Beziehung.
  • Du hast mit etwas, das du beruflich beherrschen solltest, große Schwierigkeiten.
  • Du hast einen Fehler gemacht und gibst den jetzt zu.
  • Du tust dich total schwer, mit einer bestimmten Person oder Situation umzugehen.
  • Du hast eine hinderliche dumme Angewohnheit.

Hier gibt es eine riesige Spanne: Manche haben eine Scheu, sowas überhaupt preiszugeben, selbst wenn es noch so eine banale Kleinigkeit ist. Doch gerade hier kann man sehr viel an Glaubwürdigkeit, Sympathie und Vertrauen zueinander schaffen.

Mal ganz abgesehen davon, dass es total tröstlich ist, wenn deine LeserInnen sehen: Hey, du machst selbst nicht alles perfekt und gehst tralalala durchs Business und durchs Leben.

Wichtig: Es geht um Gottes Willen nicht darum, zu privat zu werden.

Und natürlich ist gerade das Preisgeben von ganz Persönlichem durchaus sensibel zu handlen. Es ist schon zu vermeiden, dass die Glaubwürdigkeit leidet und man dich als schwach und unsicher wahrnimmt. Denn warum sollte ich dann bei dir eine Leistung buchen?

 

Du siehst: Mit deinen Lesern reden hat in erster Linie mit dem guten alten Plauderton zu tun und weniger mit irgendwelchen einzelnen eingestreuten Stilmitteln à la „Kennen Sie das?“