Struktur
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Warum der XX-Artikel dein Schreibfreund ist. Wenn du ihn lässt.

Im Zuge der unsäglichen Clickbait-Überschriften- und -Artikel gibt es aus meiner Sicht einen ganz großen Kollateralschaden: Den XX-Artikel.

Ich meine das hier:

  • 7 Gründe, vor dem Feierabend deinen Schreibtisch aufzuräumen.
  • 5 simple Tipps, um leichter aus dem Bett zu kommen.
  • 10 absolute Don’ts beim ersten Date.

Der XX-Artikel wurde aus meiner Sicht sowieso immer völlig falsch verstanden, denn er ist viel mehr als nur das Format, das man am Ende sieht.

Jetzt ist er in vieler Augen erst recht unattraktiv geworden. Kein Wunder, bei dem oberflächlich hingerotzten Quark, der damit in Massen produziert wird.

Dabei kann das XX-Prinzip ein wertvolles und vielseitiges Schreibwerkzeug sein:

Der XX-Artikel gibt dir endlose Plankton-Themen-Ideen.

In Workshops merke ich immer, wie sich manche alleine damit einen abbrechen, ein Thema zu finden. Also ich meine überhaupt ein Thema zu finden. Und wenn sie dann eine Idee haben, ist es manchmal schwierig, einen konkreten Aufhänger dafür zu finden, um die Arbeitstitel-Überschrift zu formulieren.

Wer jetzt Bahnhof versteht: Die Schreibphasen näher erklärt: 1. Das Plankton.

Beim XX-Format kannst du sofort mit beiden Beinen in ein konkretes Thema springen. Dabei hilft dir sogar mein Formular: XX-Artikel Mix & Match

Das XX-Format hat die Struktur bereits eingebaut.

Gerade Anfängern und allen, die lange beim Schreiben brauchen, empfehle ich als Startpunkt das XX-Format. Denn hier ist die Struktur von Anfang an fix. Der Artikel besteht aus den XX Punkten, die … Feddisch.

Darum …

… konzipiert sich der XX-Artikel so schnell.

In der Konzeptionsphase denkst du deinen Text voraus, noch bevor du ein Wort schreibst. Du wirst dir deiner Ziele, der genauen Zielgruppe und aller Inhalte klar. Hier packst du viel, aber realistischen Lesernutzen rein.

Wenn du vorausdenkst, statt während des Schreibens zu überlegen, kannst du dein Gehirn ganz flott auf die richtige Spur schicken, um genau die passenden Inhalte aus deinem Kopf zu ziehen. Die Konzeption ist aufgeräumt, weil es kein wilder Fließtext ist, sondern deine kleine Auflistung konkreter Punkte. Das kannst du wunderbar überblicken, dich im Gewichten und Verdichten üben. Und du trainierst ein Gespür für sinnvolle Reihenfolge.

… gleichzeitig ist es ein wahres Schweizer Messer für Artikel aller Art.

Du musst nämlich deinen Artikel nicht „XX Tipps/Dinge/Tabus …“ nennen! Du kannst das Format sogar nur zum Konzipieren verwenden und anschließend eine andere Struktur dafür wählen.

Oder du nutzt das XX-Format nur für einen Teilaspekt deines Artikels.

Der XX-Artikel hilft dir, dein Plankton spielend in die Tiefe zu führen.

Ein Satz, den du immer wieder von mir hörst: „In der Tiefe steckt der Lesernutzen!“ Wir suchen uns deshalb einen klitzekleinen, klaren Aspekt deines Fachthemas – das Plankton –, damit wir genug Platz haben, auch bei einem kurzen Artikel super in die Tiefe zu gehen, anstatt an der Oberfläche rumzukratzen.

Beim XX-Format musst du automatisch in die Tiefe gehen, weil es gar keinen Raum dafür lässt, drumrumzulabern oder vom Thema abzukommen.

Ein XX-Artikel zwingt dich dazu, deine Perlen rauszuholen (wenn du ihn gut machst!):

Da sind wir wieder bei den ätzenden XX-Artikeln, die seit einiger Zeit immer häufiger kursieren: Möglichst reißerische Überschrift mit dampfplauderischem Inhalt.

Das ist aber nicht die Schuld des Formates, sondern des Autoren! – Also mach du es anders und setz das XX-Format gezielt dafür ein, zentrale und gehaltvolle Punkte reinzupacken.

Mit dem XX-Artikel kannst du deine eigene Latte höher legen.

… das kannst du über die Anzahl machen – also zum Beispiel, indem du lernst, dich zu begrenzen. Was sind denn nun die DREI WICHTIGSTEN Tipps für jede Nachwuchsführungskraft? Nur DREI und wirklich WICHTIGSTE (aus deiner Sicht)?

Oder du legst die Latte über das Adjektiv höher.

Darum ist das XX-Format wunderbar an jedes Schreiblevel anpassbar, es wächst sozusagen mit dir mit.

Ein XX-Artikel schreibt sich flott, weil du am Ende praktisch nur auffüllen brauchst.

Da die Konzeption direkt die Struktur enthält und du keine Chance hast, auszubrechen (außer du ignorierst deine Plankton-Arbeitstitelüberschrift und Konzeption völlig, was öfter mal vorkommt), kannst du die Endversion des Textes sogar durcheinander schreiben.

Selbst, wenn du nicht nur eine Liste hast, sondern mehr zu jedem Punkt schreibst, kannst du sogar durcheinander auffüllen, weil alles vorher seinen Platz bekommen hat. Das ist ideal, um Artikel selbst bei wenig Zeit zwischendurch schrittweise fertigzumachen. Wohlgemerkt: Den quick & dirty-Entwurf. Kurzes Feintuning gibt’s natürlich am Ende immer!

Mit dem XX-Artikel kannst du gezielt deinen Schreibstil verändern.

Du willst lockerer, ernster, überraschender, herzlicher oder oder oder schreiben? Dann nützt dir die Überschrift. Aber Vorsicht: Gerade, wenn man von der Formulierung her gern was anders machen möchte, als bisher, ist man schnell zu sehr auf Satzbau und Wortwahl fixiert.

Das XX-Format ist deshalb so gut, weil du gleichzeitig fest den Inhalt im Blick hast.

Mit dem XX-Format kannst du deine Botschaft direkter + einzigartiger an die Leute bringen.

Du redest nicht so viel drumherum, sondern kommst klar auf den Punkt, worum es überhaupt geht. Darum ist das Format so beliebt bei den Lesern: Die freuen sich auch, wenn sie straight zur Botschaft kommen, vor allem, wenn die auch wirklich nützlich ist.

Wenn du jetzt noch dazu die Chance nutzt, etwas andere Adjektive und Hauptwörter in deiner XX-Arbeitstitel-Überschrift zu verwenden, dann landest du nicht immer bei den typischen Infos und Tipps, die überall sonst schon stehen.

Also verschmähe dieses geniale Schreibwerkzeug nicht, sondern nutze es gezielt aus!

 

6 Kommentare

    • Gitte Härter sagt

      Guten Morgen, Sylvia,

      oh, entschuldige: Clickbait ist „zum Klicken ködern“ (bait = Köder), also Webbesucher um jeden Preis zum Klicken zu bewegen.

      Diese Clickbait-Überschriften und -Artikel sind also so formuliert, dass es nur um die Klicks geht (viele der größeren Plattformen, die das zur Kunst erhoben haben, verdienen ja mit Werbung gelt). Darum nimmt das schlimmerweise auch immer mehr überhand, weil sich alle das abschauen:

      – Die 10 Blabla-Sachen. Nr. 5 wird dir das Herz brechen!
      – 3 Geheimnisse der Astrologie, die dir verraten, ob dich dein Partner verlässt
      – und so Schmarrn

      Die Inhalte dazu sind dann meistens zusammengeschustertes Zeug – ist ja auch nicht mehr so wichtig: die Leute haben ja schon geklickt.

      Viele Grüße
      Gitte

  1. Dein Ansatz klingt interessant und stimmig. Ich werde ihn mal bei meinem nächsten Artikel ausprobieren… Jedoch mit deutlicher Differenzierung der Überschrift. Denn diese ganzen 10 Dinge, die… oder so ähnlich finde ich recht nervig, auch wenn sie vielleicht Traffic bringen.
    Beste Grüße Heike

    • Gitte Härter sagt

      Hej, Heike!

      Da gehts mittlerweile so vielen so, mir wird auch ganz schwindlig, vor allem wenn dann nichts gscheits kommt.

      Wie gesagt: Überschrift entsprechend wählen oder einfach auch nur das Format nutzen und es anders zusammenpacken, so dass du DEINS machst und trotzdem das tolle Format nutzt.

      Viel Spaß!
      Gitte

    • Gitte Härter sagt

      Guten Morgen, Herr Kopp-Wichmann,

      klasse! Das freut mich riesig: dass ich Sie anregen konnte und über Ihren großartigen Artikel. Der demonstriert dann auch gleich meinen Punkt. 🙂

      Herzliche Grüße
      Gitte Härter

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