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Such das Häää!

Mit dem „Häää?“ gehst du auf die Suche nach fehlender Aussagekraft.

Zum Beispiel: Du überlegst dir, einen Artikel zu schreiben und denkst dir als Thema aus „So kriegst du dein Leben in den Griff.“

Häää?

Worauf genau will ich hier eigentlich raus?

Leben ist groß. – Leben in Griff kriegen ist echt viel Holz. Das kann ja alles sein …

Darum:

fragezeichenmann

Häää? Was mein ich eigentlich genau? Etwa: So kannst du schauen, in welchen Bereichen deines Lebens du dich momentan eher fremdbestimmt fühlst, statt selbstbestimmt?

Yes! Das ist ein aussagekräftiges Thema, an dem du selbst glasklar erkennst, worauf du rauswillst. Das gute alte Geheimrezept: Konkret werden.

Anderes Beispiel:

Du schreibst einen Text: „So erziehe ich meinen Hund.“

Häää???

Über Hundeerziehung kann man Bücher schreiben. Was plane ich hier zu tun? Geht’s vielleicht nur darum, dass man mit einem Hund nicht redet, wie mit einem Menschen, weil der Hund klare, wiederholte Kommandos braucht?

Super. Das ist aussagekräftig!

Oder geht’s darum, wie ich dem Hund abgewöhne, an der Leine zu ziehen oder am Tisch zu betteln?

Yes! Das ist aussagekräftig!

Wann immer du bei der Themenwahl, im Konzept oder in deinem Entwurf auf Dinge stößt, wo du selbst sagst: Häääää?? Was mein ich denn? Worauf will ich denn genau hinaus?, ist es noch nicht aussagekräftig genug.

Immer, wenn was noch nicht aussagekräftig genug ist, stellst du dir und deinen Lesern ein Bein. Garantiert:

  • Das Schreiben dauert länger.
  • Es ist sehr wahrscheinlich, dass du ins Schwimmen kommst. Dann werden Inhalte willkürlich ausgewählt oder das Thema kippt sogar weg.
  • Es ist fast garantiert, dass der Lesernutzen unter seinen Möglichkeiten bleibt, gerne weil zu viel reingepresst wird.

Noch schlimmer ist es, wenn du es nicht merkst, dir das Schreiben locker von der Hand geht, du aber dafür total an der Oberfläche rumwaberst.

Das ist der eine Aspekt vom Häää?

Aus Lesersicht

Der zweite Aspekt vom Häää? ist: Wann immer es in einem Text einzelne Aussagen oder Passagen gibt, die nicht aussagekräftig sind, sagt der Leser Häää??? Besonders häääufig ist das bei Aussagen wie

– Machen Sie bloß nicht x.
– Es ist total wichtig, dies und jenes zu beachten.

Häää???

Warum ist es wichtig?
Warum darf ich eine Sache auf keinen Fall machen?

Lass deine Leser nie im Regen stehen, indem du einfach eine Behauptung raushaust, aber die Begründung oder der Zusammenhang fehlt.

Apropos „Zusammenhang“

Zusammenhang erinnert mich an eine weitere Häää?-Situation für Leser und das ist die, wenn man zu abrupt mit etwas konfrontiert wird. Zum Beispiel, wenn der Anfang zu kurz ist und man überhaupt nicht weiß, worums geht.

Oder weil eine Überleitung fehlt: Uns selbst ist klar, was wir meinen. Doch die Leser können sich nur an das halten, was auch dasteht. Kommt unvorbereitet was ganz anderes, ist das für deine Leser ein Gedankensprung: Häää?

Manchmal sind solche Häää-Situationen in Texten übers Layout zu lösen. Da merkst du: „Oh, ich hab hier mehrere Dinge zusammengepatscht, da fehlt mir jetzt einfach ein Absatz oder ich mach ne Zwischenüberschrift rein. Oder ich mach eine saubere Aufzählung und die einzelnen Punkte etwas aussagkräftiger als ichs bisher gemacht habe.“

Doch oft braucht es einfach eine klare Überleitung.

Also: Such das Häää!

Noch ein Zusatztipp, den Ihr kennt und an den ich immer wieder erinnere: Lest Eure Entwürfe LAUT! Wenn Ihr sie laut aufs Ohr kriegt, merkt Ihr solche Sachen viel mehr, als wenn Ihr sie leise vor Euch hinlest.