überarbeiten

7 Probleme beim Schluss

Kürzlich gings ja um die Textanfänge – Video: 4 typische Probleme. Wie erwähnt, hat der Schluss oft ähnliche Probleme, gerne in Kombination.

Schau, was dir bekannt vorkommt:

Problem Nr. 1: Es ist ein dünner Labersatz.

Laberschlüsse erkennt man meistens selbst: Nämlich, wenn dir partout nicht einfällt, was du am Ende schreiben könntest oder du dich in ein liebloses Blabla rettest.

Natürlich kann man jetzt sagen: Schad ja nix! Solange der Text genug Nutzen bietet, ist es doch nicht so tragisch, wenn am Schluss nicht noch großartig was kommt. Stimmt absolut. Es geht auch gar nicht um preisverdächtige Sätze am Ende. Mit Labersatz meine ich ganz offensichtliche Lückenfüller, damit irgendwas dasteht.

Problem Nr. 2: Er nimmt den Schwung aus dem eigentlich überzeugenden Text.

Denk an einen tollen Film oder ein Buch: Eben hast du den Höhepunkt der Geschichte gelesen, bist noch ganz hyper, was da gerade passiert ist. Und dann kommt ein schnarchnasiger Nachklapp. Bei einem Buch zum Beispiel irgendein Epilog, der alles total abflachen lässt.

Ein schwachbrüstiger Schluss kann dir deine wahre Botschaft ganz genauso abflachen.

Problem Nr. 3: Er wiederholt nur, was bereits dasteht.

… damit meine ich nicht eine nützliche Zusammenfassung oder einen bewusst formulierten Verstärker, sondern einen Wiederkäuer. Irgendwas, das in der Überschrift oder im Text schon steht, kommt erneut- völlig ohne Mehrwert. Gerne ein bisschen umformuliert, aber dafür ausgiebig ausgewalzt.

Manchmal ist das eine Form des Verlegenheitsschlusses: Man weiß nicht recht, was sagen, also wiederholt man sich. Doch häufig ist es eine unbemerkte Gedankenschleife. Wenn man sich jetzt das Überarbeiten spart, rutscht es durch.

Problem Nr. 4: Er zieht ein zu überzogenes Fazit.

Da hast du dir Mühe mit einem richtig tollen Text gegeben und je größer dein Engagement fürs Thema ist, desto eher passiert es, dass die Gäule mit dir durchgehen, manchmal innerhalb des Textes: Beim Lesernutzen kleinere Brötchen backen

Beim Schluss macht sich das dadurch bemerkbar, dass man zu viel verspricht: „Wenn du anfängst mit joggen, wirst du sofort superhappy, weil dich die Glückshormone überschwemmen.“, „Wenn du diese kleine Übung machst, wirst du selbstsicher und lässt dir nichts mehr gefallen“. Allzu enthusiastische Versprechungen sind unrealistisch, erst recht, wenn sie gar nicht zum gelieferten Inhalt passen.

Problem Nr. 5: Er stellt den Text infrage.

Das Gegenteil vom zu dicken Auftragen gibt es genauso oft: das Abschwächen. Da wird vorher eine wichtige Verhaltensempfehlung gegeben oder eine tolle Übung oder sonstwas, aber am Schluss steht dann plötzlich: „Das könnte Ihnen wahrscheinlich dabei helfen, dass …“ oder „Möglicherweise nützt Ihnen das ja was, wenn …“ – „Hä?“, denkt da der Leser, und vor allem: Warum sollte ich das denn ernst nehmen oder ausprobieren, wenn offenbar der Experte, der mir das rät, nicht sicher ist, obs was bringt?!

Genau das ist ein großes Problem, wenn du dich als AutorIn vor Klartext scheust. Denn dieses Absichern führt zum Relativieren und Zurückrudern.

 

❗ Sowohl das Übertreiben als auch das Abschwächen mindert das Vertrauen in dich – als AutorIn und GeschäftspartnerIn.

Problem Nr. 6: Er öffnet die Tür zu einem anderen Thema.

Ihr wisst ja: Immer eng bei Eurem Plankton-Thema bleiben. Da Ihr ganz viel zu Eurem Fach im Kopf habt, besteht dauernd die Gefahr, dass zu viel in den aktuellen Text will. Dann macht man oft ganz unbemerkt neue Türen auf, die zu Nebenthemen führen.

Das ist unbefriedigend. Vor allen Dingen am Schluss. Denn dann wird entweder ein viel zu großes Fass aufgemacht, der Text ist unvermittelt aus und der Leser steht unbefriedigt davor. Oder Ihr merkt, dass da ein Fass offen ist und frühstückt es schnell noch kurz ab. Oberfläche trivialisiert!

Problem Nr. 7: Er mündet in einer unangenehmen Heizdecke

Ich glaub, ich hab auf schreibnudel.de noch gar nicht über Werbung in Texten geschrieben (das war wohl früher auf unternehmenskick). Muss ich mal drandenken. Jedenfalls: Klar schreiben wir Selbstständigen, um uns zu zeigen und um Aufträge zu bekommen. Doch viele wissen nicht recht, damit umzugehen und fallen in zwei Extreme.

  • Die einen verstecken regelrecht, dass man sie „kaufen“ kann.
  • Die anderen überfrachten ihre Texte mit Werbung.

Das führt zum unsympathischen und wenig vertrauenswürdigen Heizdecken-Effekt. Erst recht, wenn ein Text vor dem eigentlichen Lesernutzen endet und statt dessen ein „Kaufen Sie, dann sag ich Ihnen das“ kommt.

Es ist völlig legitim, einem Text ein passendes Angebot beizustellen. Es kommt sogar als Service rüber, sofern der Text nützlich ist UND das Zusatzangebot dasteht. Dann überzeugt der Text vom Angebot.

Wie geht’s besser?

… indem Ihr den Schluss bewusster einsetzt.

Nächste Woche zeige ich euch ein paar nützliche Standards für den Schluss, die Ihr nur noch mit mehrwertigem Inhalt füllen braucht.