Stil + Stilmittel

Nützliche Standards für den Schluss

Letzte Woche habe ich über die 7 Probleme beim Schluss geschrieben. Heute gebe ich euch ein paar Standards an die Hand.

Fangen wir mit dem Offensichtlichsten an:

Weglassen! Muss da überhaupt noch was kommen?

In Workshops streiche ich bei den fertigen Entwürfen oft den letzten Satz oder Absatz weg und sage: „Schau mal, du hast da oben schon perfekt aufgehört. Das ist schon rund. Du hast alles gesagt! Doch das, was du da jetzt noch angetackert hast, lässt alles wieder abflachen.“ Ein klarer Fall von Problem Nr. 2.

Es ist schon wichtig, einen Text nicht zu abrupt enden zu lassen. Ein XX-Artikel oder eine Übung wirkt beispielsweise oft nicht komplett, wenn es mit irgendeinem Tipp oder einer letzten Handlungsanweisung aufhört.

Sprich: Betrachte jeden Text immer individuell darauf, ob es zusätzlich zu dem, was du schon geschrieben hast, einen extra Schluss braucht oder ob der Text bereits komplett ist.

… kurzer Einschub:

„Schluss“ ist übrigens relativ. Ein Schluss kann

– der letzte Text-Abschnitt
– der letzte Absatz
– der letzte Satz sein

Also denk bei Schluss an ein sinnvolles Rundmachen, nicht an „da muss ja jetzt noch ein Paarzeiler kommen“.

Kommen wir zunächst zu einigen Verstärkern:

Verstärker sind eine besondere Schluss-Kategorie: Du brauchst sie nur, wenns überhaupt was zu verstärken gibt! Wenn du zum Beispiel am Anfang des Textes eine Kernaussage triffst, die so wichtig ist, dass du sie am Schluss noch mal betonen willst. Oder wenn dein Text länger ist und aus verschiedenen Aspekten besteht, du aber den wichtigsten Punkt speziell hervorheben möchtest. Ganz wichtig sind Verstärker, wenn dein Text die LeserInnen ins Tun bringen soll. Drei nützliche Verstärker sind:

➡ Die Wiederholung

Beim Reden machen wir es ganz automatisch: Wir sagen etwas, das uns sehr wichtig ist, noch mal, um sicherzustellen, dass es wirklich ankommt. Innerhalb von Texten ist das – dosiert eingesetzt – ebenfalls ein sinnvolles Stilmittel.

Wenn du den Schluss nutzt, um etwas zu wiederholen, und du das nicht nur als Zusammenfassung machst (zu der wir gleich kommen), sondern etwas noch mal neu verpackt ins Rampenlicht rückst, dann achte darauf, dass es nicht wiederkäuend wirkt. Denn wenn Leser ein 1:1-hab-ich-doch-grad-schon-gelesen-Gefühl haben, sind sie eher genervt.

➡ Der Appell

Wann immer deine Leser etwas beachten, ausprobieren, tun sollen, hast du mehrere Herausforderungen:

  • Du musst etwas wirklich Nützliches bieten, das für die meisten deiner Leser relevant und auf deren Alltag eindeutig übertragbar ist. Hier zählt nicht, ob du selbst was praxisnah und wichtig findest, sondern ob dein Text das genug vermittelt.
  • Du musst es so kleinteilig, konkret und machbar schildern, dass der Leser genau versteht, warum ihm das was bringt – was es ihm bringt – und was dabei wichtig ist. Erneut geht’s nicht darum, ob das in deinem Kopf so ist oder du was Bestimmtes meinst, sondern es zählt nur, was und wie es dasteht. In Realität greifen da unglaublich viele Texte zu kurz oder sind zu missverständlich.
  • Und du musst den Tatsachen ins Auge sehen, dass es die Königsklasse ist, seine Leser wirklich ins Tun zu bringen. Eine gute Info oder tolle Anregung alleine reicht nicht aus. Denk an die vielen Dinge, die du konsumierst und vielleicht beim Lesen toll findest, aber dann doch nie was damit machst oder mal nur kurz und dann wars das. Und ich meine nicht: mal ein Arbeitsblatt AUSFÜLLEN. Denn das ist zwar schon super, aber letztlich zählt immer nur, was der Leser am Ende praktisch damit macht.

Das sind die Voraussetzungen, die der Text erfüllen muss! Ein zusätzlicher Appell am Schluss kann noch so supi sein – wenn der Text den Rest nicht leistet, läuft er ins Leere.

➡ Der Lohn

Wann immer deine Leser irgendeine Form von Aufwand betreiben sollen – eben zum Beispiel Denkfragen beantworten, sich einige Tage beobachten oder ein Verhalten verändern -, ist es total wichtig, wirklich differenziert das „Was bringts?“ zu beantworten. Je mehr du hier zu bieten hast, desto stärker ist der Anreiz, es zumindest auszuprobieren.

Jetzt ist entscheidend, wie du deinen Text aufgebaut hast: Steht schon zu Beginn oder im Text wirklich differenziert, was es bringt, brauchst du keinen Lohn-Schluss, sondern kannst dich zum Beispiel für einen Appell entscheiden.

Oft sehe ich aber Texte, die inhaltlich total gute Anregungen bringen, aber dem Leser überhaupt nicht klar sagen, was es ihm bringt. Wenn das nicht schon im Text steht, ist der Schluss ein guter Platz.

Sehr nützlich: Die Zusammenfassung

Achtung, Achtung: Je kürzer der Text, desto unnötiger/kürzer ist eine Zusammenfassung. Das erwähne ich nur sicherheitshalber, weil manchmal die Leute so eifrig alles richtig machen wollen, dass sie das Gesamtbild ein wenig aus den Augen verlieren.

Je länger ein Artikel ist, desto mehr bringt die Zusammenfassung:

  • Dir, weil du damit sicherstellen kannst, dass deine Botschaft ankommt.
  • Deinen LeserInnen, weil sie selbst beim Überfliegen die Essenz mitbekommen.

➡ Alle Kernaussagen knackig auf den Punkt bringen.

In einem Text, der wirklich in die Tiefe geht, hast du mehrere Kernbotschaften. Für die Zusammenfassung jetzt aber bitte nicht eine lange Latte an Punkten wiederholen, sondern entscheide dich für 3-5 zentrale Kernpunkte, die du verdichtet auflistest. Ich persönlich mag es lieber, wenn eine Zusammenfassung nicht einfach 1:1 wiederholt, aber da sind die Geschmäcker verschieden.

Mir als Leserin bringt es immer etwas mehr, wenn ich was ein wenig anders vor die Augen bekomme. Als AutorIn hast du damit zwei Chancen, die Botschaft rüberzubringen – und die Gelegenheit, es zum Beispiel mit einem Verstärker zu koppeln.

Dann gibt es noch die Minimal-Variante: Eine Zusammenfassung in einem Satz. Ein schönes Beispiel dafür ist das „tl;dr“ [too long; didn’t read]. Das sieht man immer häufiger unter Web-Artikeln, muss natürlich nicht mit tl;dr überschrieben sein. Mal abgesehen davon ist es eine tolle Übung, das, was man in einem Artikel sagen will, in einen einzigen Satz zu bringen.

➡ Merksätze

Ein Merksatz ist was anderes als eine Zusammenfassung. Hier ist wirklich etwas gemeint, das dem Leser im Alltag dient, sich an deine Info oder deinen Tipp zu erinnern.

Das kann eine Eselsbrücke, eine Abkürzung oder ein Akronym sein. Oder du erfindest ein „Gebot“ à la „Du sollst nicht …“

Zusammenfassungen eignen sich besonders gut als durchgehendes Stilmittel.
Du kannst dir zum Beispiel ein Markenzeichen damit verpassen, dass du sagst „Andrea rät“ und dann kommen unter jeden Artikel immer 3 zentrale Kernaussagen. Oder du schließt jeden Artikel mit einem coolen Merksatz, den du twitterst und als eingebetteten Tweet unter den Artikel stellst. So gibst du deinen Blogartikeln einen individuellen Stempel und musst dir gar keine Gedanken mehr über die Art des Schlusses machen, nur wie du diesen speziellen Schluss möglichst gehaltvoll füllst.

Der Service-Schluss: weiterlesen, -hören oder -sehen

Naheliegend ist natürlich, dass du eigene Artikel, die den Text sinnvoll vertiefen, verlinkst. Innerhalb des Textes machst du das hoffentlich eh schon automatisch, aber bitte nicht inflationär, sondern wirklich nur, wenn es aktuell relevant ist. Denk bitte dran: Dein Artikel muss auch ohne das Lesen der links vollständig lesbar sein.

Nun ist es je nach Text so, dass es ein verwandtes Thema gibt. Wenn das wirklich sinnvoll ist, weil der Leser das jetzt ergänzend lesen sollte, dann verweise per link. Aber bitte nicht auf irgendwelche Artikel, die auch noch ganz nett wären. Dafür gibt’s die automatisierte Anzeige à la „Das könnte Sie noch interessieren“.

Sehr schön ist es zudem, andere Quellen anzubieten. Besonders für interessante Inhalte, die du nur angerissen hast – gerade, wenn du dafür nicht Fachkraft bist.

➡ Buchtipps

Für gute Buchempfehlungen sind viele Leser dankbar. Bitte schreib aber dazu, wenn du ein Buch nicht selbst kennst. Zum einen sind persönliche Empfehlungen viel mehr wert, zum anderen kann es sein, dass du mit Aussagen im Buch nicht einverstanden bist oder sie den Artikel sogar konterkarieren.

➡ andere Web-Artikel

Beim Verweis auf andere Websites bitte wann immer es geht auf die relevanten Inhalte linken und nicht auf die Hauptseite, außer du kannst die ganze Seite empfehlen. Und prüf bitte genau, ob das eine seriöse Seite ist und was sonst noch drauf ist. Ich hab schon öfter privat schnell mal einen link gegoogelt und dann mein blaues Wunder erlebt, was da noch so zum Vorschein kam. 🙂 Wenn du nicht sicher bist oder tendenziell Bauchweh bekommst, lieber nicht verlinken.

➡ Video, Podcast, DVD

… denk an andere Medien. Das können deine eigenen sein oder relevante Fremdquellen. Ich meine hier nicht wildes Auflisten, sondern wirklich kurz, knackig und total eng an deinen Inhalten. Solche Tipps müssen eine fette Daseinsberechtigung haben! Sonst schlagen sie dir den Text tot und nerven nur.

Und was ist mit Werbung?

Über Eigenwerbung habe ich im Probleme-Text schon kurz gesprochen: Wenn du ein Angebot hast, das direkt dazu passt, dann ist es selbstverständlich gut und sogar ein Service, wenn die Leistung dabeisteht.

Das muss nicht zwingend erst am Schluss sein.

Hast du gemerkt, dass ich „am Schluss“ und nicht „im Schluss“ geschrieben habe. Eine gute Idee ist es, das Text-Ende unabhängig von deinem eigenen Angebot zu formulieren. Dann stellst du sicher, dass der Text richtig rund abgeschlossen ist. Und erst dann kannst du beruhigt dein Angebot einbasteln oder druntersetzen. Aber bitte ebenso kurz und mit link auf die Details.

Kennt Ihr schon? – Darum sinds ja Standards!

Wenn du mit dem Schluss noch deine liebe Mühe hast, ist es eine gute Hilfe, sich auf Bewährtes zu verlassen. Doch natürlich kommt es immer auf uns an. Sich nur für eine Art von Schluss zu entscheiden, reicht nicht aus. Da kann es trotzdem noch zu den üblichen Problemchen kommen.

Denk einfach immer so rum: Gerade am Schluss hast du die Gelegenheit, etwas zu betonen oder eine nützliche Information nachzulegen.

❗ Nutze deinen Text von oben bis unten für Mehrwert.