Struktur

Schreib hin und wieder „auf Zeile“

Übung-Symbolbild - Bleistift mit Noitzblock auf Holzbank

Ich habe schon mal darüber gebloggt, dass es bei einigen Texten schön ist, wenn die Textmenge in etwa gleich ist. Das ist natürlich kein Muss, doch es sorgt dafür, dass Passagen ausgewogen „bedient“ werden.

Bei einer Typologie zum Beispiel oder einem Selbst-Test mit Auswertung ist das besonders wichtig, weil sonst ein Ungleichgewicht entsteht: Manche Typen oder Resultate erscheinen optisch wichtiger oder unbedeutender – und damit „besser“ oder „schlechter“. Außerdem ist es enttäuschend für Leser, wenn ihr eigenes Ergebnis dürftiger ausfällt.

Unabhängig davon ist es eine phantastische Übung, sich von Haus aus eine bestimmte Anzahl an Zeilen zu geben:

  • Es fordert, das Wesentliche aus dem Kopf zu holen. Und weniger Wichtiges wegzulassen beziehungsweise auch mal opfern zu müssen.
  • Es zwingt, Prioritäten zu setzen. Das Relevante beim Schreiben ist das, was man als Leser nicht bewusst wahrnimmt: Die Auswahl!
  • Und es regt außerdem an, vielseitiger zu formulieren, um die Textmengen wirklich auzugleichen.

Nächste Woche fahr ich ein paar Tage weg

Hä? Spinnt die Gitte jetzt? Warum erzählt sie das mitten im Text, dass sie wegfährt? – Weil es dazugehört.

Wenn ich verreise, dann überlege ich erst, welche Tasche ich nehme:

gepaeckaufzeile
Je nachdem, wieviel Platz die Tasche bietet, pack ich völlig anders.

Genauso ist es bei vorher festgelegter Textmenge:

Du schreibst nicht einfach mehr oder weniger, sondern wählst deine Inhalte + Formulierungen ganz anders aus!

Gelernt hab ich das so richtig durchs Bücherschreiben für den GU-Verlag. Einige von Euch wissen ja, dass ich bis vor ein paar Jahren zahlreiche Ratgeber geschrieben habe. Einige der über zwei Dutzend Bücher sind bei GU erschienen – und die sind die absoluten Layout-Meister. Das war mir als Autorin immer eine wahre Freude: Denn schon beim Schreiben des Manuskripts stellten die verschiedenen Text-Elemente ganz unterschiedliche Anforderungen, damit das Ganze ein Gesicht hat und die Leser nicht mit Bleiwüste erschlägt.

Es sieht natürlich auch klasse aus und vor allem ist es lesefreundlich, wenn Text gefällig und ausgewogen angeordnet ist.

Da war es gang und gäbe, den Fließtext aufzulockern und zum Beispiel Text-Elemente wie diese zu haben:

tippkastenzeilen
Ich habe irre viel dadurch gelernt – und in den Jahren darauf immer wieder experimentiert, mir von vornherein für einzelne Passagen oder Elemente die Textmenge zu begrenzen.

Üb das hin und wieder!

Stell dich „blind“ vor die Aufgabe, ganze Texte oder Text-Elemente in eine vorher festgelegte Form zu bringen.

Gib dir für den Anfang nicht zu wenig Platz, sonst wird’s zu oberflächlich!

Der XX-Artikel oder eine XX-Passage eignet sich übrigens besonders gut dafür. Wenn du bisher viel Fließtext-Artikel schreibst, lockert beides außerdem dein gewohntes Textformat auf.

Warum der XX-Artikel dein Schreibfreund ist – wenn du ihn lässt!

Am besten je nach Thema 4-7 Zeilen pro Punkt. Natürlich brauchst du die letzte Zeile nicht komplett füllen!

Der Clou ist jetzt:

  • Schreib von Anfang an genau „auf Zeile“. Also nicht erstmal im Entwurf drauflos schreiben, was dir einfällt und später dann zu längen oder zu kürzen. Sondern schreib auf Anhieb genau die richtige Zeilenanzahl.
  • Achte außerdem drauf, dass du sämtliche Passagen gehaltvoll füllst! Also nicht mit Füllmaterial aufblähen, wenn dir ein Punkt zu dürftig gerät. Es geht hier nicht um „irgendwie gleich lang“, sondern um ausgewogen und gleichermaßen gehaltvoll.
  • Das bedeutet nämlich manchmal, dass du einen Punkt etwas anders nennst oder mal etwas zusammenlegen oder trennen musst. Das schult ungemein, wie du mit deinem Fachwissen umgehst und du wirst automatisch versierter im Formulieren.

Wenn du das immer wieder übst, profitiert deine Schreibe (und Denke fürs Schreiben) enorm!