Struktur

Artikel-Formen: Selbst-Experimente

Ich bin ja ein großer Fan davon, Dinge auszuprobieren. Für uns Selbstständige ergibt das eine wunderbare Möglichkeit, einen ganz besonderen Nutzen zu bieten:

  • Wir machen etwas praktisch vor.
  • LeserInnen können – im Blog oder auf Social Media – nachverfolgen, was sich so tut.
  • Wir zeigen uns menschlich und nicht als oberschlaue Fachleute, die alles können … wenn wir ehrlich sind + das, was wir testen, eine Herausforderung für uns ist!

Persönlich hat es außerdem einen großen Vorteil: Die Disziplin steigt, wenn man öffentlich sagt, was man sich vornimmt – und es durchzieht.

Aber Achtung: Schreiberisch gibt’s da schon ein paar Sachen, die du beachten solltest. Denn bei Texten, die über einen selbst gehen, müssen immer deine Leser und deren Nutzen fest im Blick bleiben (zum Beispiel auch bei Interviews).

Du probierst was „am eigenen Leib“ aus

Heute geht’s mir nicht um einmalige Tests, also wenn du mal ein Rezept nachkochst oder von einem Produkt begeistert bist, sondern um intensivere Selbst-Tests, wo du wirklich etwas ausprobierst.

Zum Beispiel:

  • Ein einmaliger Test, wo du etwas, das für deine Zielgruppe interessant ist, probierst: deinen ersten Fallschirmsprung, mal in einen Floating-Tank legen, einen Speed-Dating-Abend mitmachen, fremde Leute ansprechen, … Du kannst dir sogar von deinen Lesern entsprechende Aufgaben stellen lassen!
  • Ein von vornherein zeitlich begrenzter Test, z. B. du verzichtest 28 Tage auf etwas oder gehst für ein halbes Jahr zwei Mal prob Woche in Sport. Es sollte dann etwas sein, das über einen sinnvollen Zeitraum geht, so dass du tatsächlich Fortschritte und wie es dir damit geht, festlegen kannst.
  • Ein längerfristiger „offener“ Test für eine neue Angewohnheit oder ein Produkt, zum Beispiel bei mir der Steh-Schreibtisch, wo ich in größeren Abständen immer wieder ein Update veröffentliche. Das kann eine bestimmte Gewohnheit oder eine Verhaltensweise sein, die du fest in dein Leben integrieren möchtest. Denk auch an Businessgewohnheiten, wenn deine Leser davon profitieren können. Zum Beispiel kannst du einen „Akquise-Tag“ pro Woche ausrufen, weil du von dir sagst, dass du zu lasch in der Akquise bist. Oder du beschließt, konsequenter zu netzwerken und berichtest, was du tust.

 

„Für deine Zielgruppe interessant“ heißt: Es bringt einen direkten Mehrwert, der zu deinem Blogthema passt. Bei einmaligen Aktionen kann das einfach ein „Ich hab mich mal getraut“ oder „Wie sich das anfühlt, aus der eigenen Komfortzone zu gehen“ sein. Das passt fast immer und du kannst einen direkten Bezug herstellen, wie es deinen Lesern bei deinem Thema sicher selbst oft geht.

Bei längerfristigen Sachen kannst du natürlich schreiberisch verschiedene Aufhänger finden. Es muss einen klaren Zusammenhang geben. Wenn ich also beschließe, abzunehmen und das in meinem Schreibblog kundtun will, dann muss ich mir überlegen:

Gibt es hier einen Ansatz, der einen direkten Bezug hat?

Sonst wäre das völlig themenfremd und es interessiert vielleicht einen kleinen Teil der Leser. Wenn ich aber sage: Ich nehme jedes Update dazu, eine besondere Schreibform zu demonstrieren und schreibe dann ein paar Takte zu „Heute Stilmittel der wörtlichen Rede“, „Heute: humorvoll schreiben“, dann kann ich das tun.

Gerade Blogs für Persönlichkeits- und Lebensthemen bieten sehr viel Raum, einen besonderen Ansatz zu finden – und aus dieser Warte ziehst du das dann schreiberisch auf.

Wenn du Leser einlädst, mitzumachen …

Achtung: Ich rede hier nicht von den inflationär auftretenden Challenges. Das ist eine andere Artikel-Form.

Bei einem Selbst-Test probierst DU was aus und lässt deine Leser teilhaben. Du kannst aber natürlich aktiv einladen, mit dir mitzumachen, um Meinungen und eigene Updates in den Kommentaren oder auf Social Media bitten. Auf Social Media ist dann natürlich ein eigener aussagekräftiger Hashtag ganz schön: So können Neugierige andere MitmacherInnen finden und du kannst darauf verlinken.

Wähle die sinnvollste Update-Frequenz

Ein Selbst-Experiment kann völlig unterschiedlich in einen oder mehrere Artikel einfließen. Du kannst entweder ankündigen, was du tun wirst und dann – je nachdem, was und wie lange du ausprobierst – Updates oder nur ein End-Ergebnis veröffentlichen.

Du kannst heimlich, still und leise was testen, dir Notizen machen und nachträglich sagen „Hey, schaut mal, was ich gemacht habe! So ergings mir und das und das ist dabei rausgekommen.“

Wenn es inhaltlich und thematisch passt, kannst du in regelmäßigen Abständen ein Update posten. Aber Achtung: Es muss sich genug getan haben, damit du nützliche Neuheiten schreiben kannst. Sonst wird es schnell langweilig.

Denk dran, dass du mixen kannst: Du kannst also zum Beispiel im Blog ausführlicher schreiben und zwischendurch immer mal twittern o. Ä. Das lässt sich dann je nach Medium später schön in einen Update-Text einbetten.

 

Das Wichtigste:

Übernimm dich nicht, wenn du so ein Selbst-Experiment startest!

Nimm dir also nicht zu viele Dinge gleichzeitig vor oder etwas, das noch zu herausfordernd für dich ist – außer das ist der Plan an der Sache à la von der Couchpotato zum ersten Marathon.

Und bitte nicht von vornherein sagen: Ich mach jetzt ein ganzes Jahr xy, wenn du nicht ganz sicher bist, dass du es durchziehst.

Sei ehrlich!

Probiert man selbst was aus, ist das Spannende daran, dass man „nur ein Mensch“ ist. Es ist völlig legitim, dass du sogar bei Vorhaben aus deinem eigenen Fachgebiet ins Schleudern kommst oder mal durchhängst oder oder oder. Genau das ist ja unter anderem das Schöne für deine LeserInnen.

Du machst was vor – und dir geht’s genauso wie ihnen selbst.

Ich mache auf meinem privaten Himbeerwerft-Blog ja alles Mögliche, und ich freue mich immer riesig, wenn LeserInnen mir sagen: „Ha, das hab ich jetzt nachgemacht, weil es mich so angemacht hat, wie du davon erzählt hast“ oder „Wenn die Gitte das schafft, krieg ich meinen Arsch auch hoch!“ – Dabei geht es oft gar nicht um dieselbe Sache!

Das Wichtigste: Lüg nicht. Stell dich nicht besser dar, als du bist.

➡ Du darfst Vorhaben abbrechen.
➡ Du darfst ins Schleudern kommen.
➡ Du darfst frustriert sein, weil Fortschritte nicht schnell genug gehen.
➡ Du darfst zugeben, wenn das erhoffte Ergebnis nicht eingetreten ist.

Das ist ja der Clou bei einem Selbst-Experiment: Du lässt deine LeserInnen miterleben, was da wirklich passiert. Ohne den Anspruch der Absolutheit. Ohne garantiert-supertolles Ergebnis. Das ist kein Ich-mache-alles-perfekt-Text, sondern ein „Ich probiere das jetzt aus, erlebe selbst, wie es mir damit geht und lasse euch daran teilhaben“.

Nebenbei bemerkt helfen so persönliche Texte, persönlicher mit deinen Lesern zu reden anstatt an sie hinzuschreiben und noch mehr an deinen Plauderton zu kommen.