Selbstdarstellung

Dein Business: Ein klares Dach für dein Business finden (2)

Im ersten Teil ging es um verschenkte Potenziale, die mit einer schwammigen Selbstdarstellung einhergehen. Ein Sonderfall davon ist der Bauchladen.

Heute zeige ich dir eine strukturierte Vorgehensweise, wenn du ein aussagekräftiges Dach für dein Business finden möchtest, das dich klar positioniert und gleichzeitig einen roten Faden für deine Leistungen bietet.

Schritt 1: Nur die Fakten!

NIX formulieren, sondern alle nackten Fakten auf den Tisch – aber auf keinen Fall nur in Listen- und Schlagwortformat, sondern schreib mit etwas mehr „Info-Fleisch an den Knochen“ auf ein Blatt Papier:

  • Wie heißt deine Firma genau? (inkl. Berufsbezeichnung + Logo, wenn du eins hast)
  • Verwendest du ein Statement oder einen Slogan?
  • Was genau tust du? In einem oder zwei kurzen klaren Absätzen für dich mal aussagekräftig hinschreiben, wann man bei dir richtig ist. – Wichtig: Ich meine hier keinen Blabla-Elevator Pitch, sondern es geht um Aussagekraft.
  • Für welche Zielgruppe arbeitest du? Übrigens: Erstaunlich viele Selbstständige befassen sich gedanklich mit dem, was bisher war, auch wenn Sie sich künftig neu ausrichten möchten. Wenn du also eh dein Dach neu machen willst, dann vergiss das Bisherige und konzentrier dich auf das, was du künftig anstrebst.
  • Was sind deine Leistungen, also was kann man bei dir kaufen? Und auch hier gilt: Die nackten Fakten auf den Tisch! Also weder formulieren, noch Werbetexte schreiben, noch irgendwelche kleinteiligen Romane. Schreib einfach in einer kurzen Übersicht, was du für welche Zielgruppe bietest.

Schau, dass diese Antworten komplett sind! Du glaubst nicht, wie oft ich rein bei dieser Faktenzusammenstellung schon bremse, zurückpfeife, nachfragen muss, weil Dinge vergessen werden oder die Leute schnell-schnell durch die Fragen hudeln.

Du machst gerade ein Dach für dein Business. Nimm dir gefälligst Zeit dafür. – Erneut: „Zeit nehmen“ heißt nicht „lang brauchen“. In der Regel kennt man sich gut genug und weiß, ob man lieber noch mal einige Tage über etwas brütet oder welche Antworten schon rund sind.

Pass aber auf: Gerade, wenn du bisher schwammig unterwegs bist oder neue Schwerpunkte setzen möchtest, passiert es schnell mal, dass einem Lücken, Unschärfen und Widersprüche in den Antworten auffallen. Da nicht drüberweggehen, sondern weiter rein:

➡ Wo ist was unklar?
➡ Warum gibt es einen Widerspruch?
➡  Wo ist es noch nicht konkret genug?

Bleib auf Fakten-Ebene und werde aussagekräftig. Mach dich erst an den nächsten Schritt, wenn dieser erste „Fakten-Schritt“ eindeutig festlegt, worum es bei dir geht.

Schritt 2: Nur sammeln! Offen in alle Richtungen

In dieser Phase legst du erst mal fest, was du brauchst und haben willst. So ein Dach ist durchaus eine Präferenzsache. Es gibt Leute, die von vornherein sagen „Ach, ich möchte nicht gerne eine persönliche Berufsbezeichnung, mir ist eine informative Firmenunterzeile lieber“ oder „Ich will auf jeden Fall meinen Vor- und Zunamen statt irgendeines ausgedachten Firmennamens, weil ich mich mit meinem Namen etablieren will“.

Wenn du keine Präferenzen hast, dann lass das erst mal offen. Das gilt generell für diese Phase: Alles bleibt offen, alles darf aufgenommen werden. Du legst nicht schon was fest und prescht vor, ABER du bleibst schön auf Kurs!

Denn es geht hier nur um dein Dach, also um diese prinzipiellen Bestandteile:

  • Wie heißt deine Firma? Was sagt dein Logo aus, wenn du eins hast?
  • Welche Unterzeile gibt es – zum Firmennamen oder deinem Namen? Das kann ein Statement, eine Berufsbezeichnung oder ein Slogan sein.
  • Wenn du dich für eine Firmen- oder Berufsbezeichnung entscheidest, die Fakten-Infos bietet, kannst du ein Statement oder einen Slogan beistellen.

Es geht NICHT darum, dein Business auszugestalten, Zielgruppen zu hinterfragen und Leistungen festzulegen! Die Fakten hast du im Schritt 1 schon festgelegt. Jetzt geht’s nur um das, was man auf den ersten Blick von dir sieht.

Hier darfst du jetzt Ideen sammeln: Formulierungen, die dir gut gefallen oder Ideen für Berufsbezeichnungen oder einen Slogan.

Wichtig:

In der Regel finden sich in der Ausbeute von Schritt 1 ganz klare Schwerpunkte und rote Fäden. Ich sehe sie jedenfalls immer sofort, wenn ich die ersten Antworten lese (und auf mehr Aussagekraft nachgebohrt habe).

Nun ist es allerdings so, dass man es selbst oft nicht so eindeutig sieht, selbst wenn die Schwerpunkte einen mit der Schaufel über den Kopf hauen. Wenn du also nichts siehst, dann beantworte dir für dich in wenigen Absätzen die Fragen: Was ist mir bei meiner Arbeit besonders wichtig? Und: Was macht mich aus? – Aber bitte nicht in glatt formuliertem Visions-Blabla, sondern im Selbstgespräch-Modus, und zwar ganz für dich selbst à la: „Ich will, dass bei meinen Kunden echt was passiert – da bin ich wie so ein Terrier, der sich im wunden Punkt verbeißt, auch wenns weh tut“.

Denk bitte dran: Das ist NICHT die Formulierphase! Ich hab oft schon Leute, die sagen „Aber so kann ich das nicht zu meinen Kunden sagen!“ und dann blockieren sie sich selbst. Es geht noch lange nicht ums Festlegen und End-Formulieren.

Am Ende dieser Phase solltest du entschieden haben, welche Dachbestandteile du nutzen willst (je nachdem, was du auswählst und wie du es am Ende nennst, kann später was wegfallen oder dazukommen) + zu jedem Aspekt wild Ideen gesammelt haben oder einzelne Begriffe, die dir supergut gefallen, weil sie zu dir passen und richtig kraftvoll ausdrücken, was du tust.

Schritt 3: Perlen finden

Jetzt hast du die Faktenlage vor dir – von Schritt 1 – und du hast die möglichen Dachbestandteile ausgewählt plus offenes Brainstorming gemacht. Nun sind wir noch immer nicht beim Formulieren. Erneut also Vorpresch-Gefahr, vor allem, weil man sich gerne in einzelne Ideen aus Schritt 2 verliebt. – Gemach, Gemach!

Jetzt liest du dir erst noch mal aufmerksam die Fakten-Lage durch, damit du nicht versehentlich zu einseitig wirst. Denn auch das passiert sehr oft: Selbstständige finden eine Firmenbezeichnung oder eine Slogan-Idee gut und merken gar nicht, dass die nur einen Teilbereich ihres Business abdeckt oder – noch schlimmer – auf eine falsche Zielgruppe fokussiert. Darum immer erst mal den Kopf auf die Fakten bringen.

Danach gehst du deine Ideen-Ausbeute aus Schritt 2 durch und markierst dir farbig, was dir gut gefällt. NOCH NICHTS verändern oder kombinieren. Du markierst dir einfach, was dir gut gefällt und wenn dir dabei was Schönes noch einfällt – vielleicht eine Variation oder eine neue Idee, dann darf die mit dazu.

JETZT bist du bereit!

… mit der Ausbeute aus diesen drei Schritten hast du alles, was du brauchst, um dich ans Festlegen und Formulieren zu machen. Da das total individuell ist, kann ich dir hier keine Schablone geben. Doch so hast du auf jeden Fall das Vorpreschen verhindert, denn erst JETZT bist du in der Lage, sinnvoll auszudenken, wie du was nennst und insgesamt einen roten Faden in dein Business bringst.

Wenn du Unterstützung brauchst, kannst du mich als Dachdeckerin buchen: Dann pfeif ich dich zurück, frage nach, trage bei, schürfe Gold, finde mit dir die Perlen und wir formulieren Dach samt rotem Faden.

PS: Braucht jeder so ein Dach? Vorteilhaft ist es immer, weil du dich klarer – und damit auch kompetenter – nach außen zeigst. Wer bereits einen festen Kundenstamm hat, kann sich natürlich absichtlich etwas zurückhalten oder den Fokus enger setzen. Es ist einfach ein großer Unterschied, ob du bereits etabliert bist und dein Laden läuft.