Selbstdarstellung
Kommentare 8

Dein Business: Schwamm, Bauchladen oder klares Dach? (1)

Im letzten halben Jahr war ich über meine Ideenschneiderei wieder öfter als Dachdeckerin unterwegs. Dabei ist mir einmal mehr aufgefallen, dass eine meiner Hauptaufgaben ist, die Leute zu bremsen: Prescht nicht so schnell vor! Das gilt für Texte, für Businessideen, für Brainstormings, für Projekte …

Doch was heißt das denn nun genau, wenn ich immer sage: „Nicht vorpreschen?“ – Geht es darum, länger zu brauchen? – Ganz und gar nicht! Wenn Ihr mich und meine Ungeduld kennt, dann wisst Ihr: Ich bin auch von der schnellen Truppe. 🙂

Vorpreschen bedeutet, vorschnell Dinge zu überlegen, die noch gar nicht dran sind.

Heute sag ich Euch dazu mal ein paar Takte in bezug auf Euer Business.

Wo ordnest du dein Business ein?

In der Überschrift siehst du schon, welche Business-Präsentationen ich immer wieder sehe:

➡ Der Schwamm stellt Selbstständigen ein Bein, und zwar oft ohne, dass sie es merken. Denn er ist einerseits das Gegenteil einer klaren Positionierung [Man weiß nicht genau, was du machst.], andererseits sorgt er dafür, dass du dich eigenhändig im Meer der Konkurrenz versenkst. Der Schwamm ist sowas wie „Vorname Name. Beratung – Coaching – Training“, also ein unaussagekräftiger Firmenname, eine generische Berufsbezeichnung, gerne auf eine Art, wie das Tausende anderer Anbieter auch machen.

➡ Der Bauchladen-Effekt entsteht nicht nur, wenn jemand viel macht [„Und das macht er/sie auch noch!“], sondern er wirkt immer dann, wenn du Leistungen anbietest, die von außen mit keinem klaren roten Faden verbunden sind. Kein Wunder, dass der Bauchladen meist im Einklang mit dem Schwamm auftritt. Übrigens: Ich hatte über die Jahre schon ganz oft mit Bauchladen-InhaberInnen zu tun, die dachten, sie müssten sich von Leistungen trennen, das aber nicht wollten. Doch ich kann dich beruhigen: Nur in Ausnahmefällen muss man etwas weglassen – und meiner Erfahrung nach galt das Weglassen immer für Selbstständige, die aus Verzweiflung heraus die abstrusesten Zusatzleistungen angeboten hatten, so dass ein regelrechtes Flickwerk an „Zeug“ entstand. Generell ist Vielseitigkeit kein Problem, sondern immer die Präsentation.

Jetzt ist eins ganz wichtig: In deinem eigenen Kopf ist alles glasklar. Weil du dich kennst. Dein Business. Dein Fachgebiet. Das, was du MEINST und WILLST und WICHTIG FINDEST. Das ist das, was ich mit „Expertenkopf“ bezeichne.

Doch die Leute da draußen können sich immer nur an dem orientieren, was sie sehen. Das ist bei vielen von uns die Website – doch es geht natürlich um alles, mit dem du dich präsentierst: Visitenkarten, Briefpapier, Flyer, … und natürlich Persönliches: Was du sagst, wie du dich zeigst.

Das klare Dach

Wenn ich mit Kunden ein Dach herausarbeite, geht es keineswegs nur um „Welche Bezeichnungen gebe ich meiner Firma, mir selbst, etc.?“. Vielmehr ist erst einmal wichtig, welchen Kern dein Business hat/haben soll.

Genau hier preschen die Leute viel zu schnell vor. Da werden irgendwelche halbgaren Visionen, Zielgruppenbezeichnungen und Geschäftsideen ausgepackt … sofort irgendwelche Firmennamen und Slogans ausgedacht … und selbst gute Brainstormerei-Ansätze werden abgekürzt: Du brainstormst falsch.

❗ Doch in die Tiefe gehen kannst du immer erst, wenn die Kernpunkte festgelegt sind. Sonst produzierst du ein Mischmasch.

Ein Dach steht über deinem ganzen Business und besteht je nach individueller Lage aus ganz verschiedenen Teilen. Es geht immer um das, was potenzielle Kunden und Multiplikatoren von dir sehen. Dachbestandteile können sein:

  • Wie heißt deine Firma? Was sagt dein Logo aus, wenn du eins hast?
  • Welche Unterzeile gibt es – zum Firmennamen oder deinem Namen? Das kann ein Statement, eine Berufsbezeichnung oder ein Slogan sein.
  • Wenn du dich für eine Firmen- oder Berufsbezeichnung entscheidest, die Fakten-Infos bietet, kannst du ein Statement oder einen Slogan beistellen.

Machen wir mal ein Teilbeispiel:

Petra Huber
Beratung. Training. Coaching.

… kann alles machen.

Wenn sich Petra Huber aber von Haus aus „Konfliktspezialistin“ nennt, dann hat sie schon klar eingegrenzt, was sie macht. Oder sie sagt von sich „Petra Huber löst Konflikte“, dann ist das wieder eine andere Art von Selbstpräsentation.

Natürlich sind das jetzt rudimentäre Beispiele, die dir nur anhand der Unterzeile zeigen sollen, wie viel klarer die Orientierung ausfällt, wenn du weg vom Schwamm gehst. Je nachdem, was du für dich brauchst, gehen diese Dach-Infos natürlich Hand in Hand. Sie müssen einzeln überlegt und ineinander klug verzahnt werden, so dass jeder Aspekt einen eigenen, mehrwertigen Beitrag leistet.

Was, wenn du keine so klare Nische besetzt?

Zunächst: Ganz viele Selbstständige, mit denen ich über die Jahre zu tun hatte, haben ein festes Fachgebiet und sagen es nur nicht klar genug.

  • Ein Grund ist, dass sie sich zu sehr an anderen orientieren und dann zum Beispiel denken, man schreibt da eben nur „Psychotherapie“, „Finanzdienstleistungen“ oder „Beratung & Training“ o. Ä. hin.
  • Ein weiterer Grund ist, bei anderen Bezeichnungen wie „Experte“ oder „Spezialist“ o. Ä. zu sehen und sich damit nicht wohlzufühlen. Dieses absichtliche Neutralbleiben ist übrigens irre verbreitet: Lieber die Firma als sich selbst in den Mittelpunkt stellen. Doch denk dran: Als EinzelunternehmerIn BIST du die Firma! Das ist ja grad dein Vorteil!

Wir sind im Regelfall innerhalb eines klaren Fachgebietes aktiv. Also schreibs halt hin!

Nun gibt es aber natürlich viele Selbstständige, deren Dach nicht aus so einem klaren Fach besteht – gerade, wenn du vielseitig unterwegs bist. Und da stellst du dir mit dem Vorpreschen erneut ein Bein:

Denn es gilt erst einmal herauszufinden, was dir selbst wichtig ist – was dich und deine Arbeit ausmacht. Hier findet man die Dachbalken, die alle deine vielseitigen Leistungen und Interessen schlüssig bündeln.

Das hat allerdings schon auch was mit Goldschürfen zu tun. Wer zu oberflächlich drüber weggeht, schürft nicht genug.

Im zweiten Teil zeige ich dir eine Vorgehensweise, mit der du das Vorpreschen verhindern kannst.

 

8 Kommentare

  1. Liebe Gitte, wie immer gut auf den Punkt gebracht. Genau in dem Prozess bin ich selber auch gerade und werde erst dann an meinen Seiten etwas ändern, wenn der Kern und meine Ausrichtung zu 100% stehen. Solange muss es halt so bleiben, wie es ist.
    Was mir selber wichtig ist, weiß ich schon, wie ich es nach außen transportiere, da bin ich gerade dran.
    Daher bin ich schon auf den nächsten Input zu dem Thema von dir gespannt.
    Schönen Sonntag noch und viele Grüße nach München.
    Claudia

    • Gitte Härter sagt

      Huhu Claudia,

      genau! Das ist manchmal nicht so gut auszuhalten, wenn das Bisherige nicht mehr so stimmig ist. 🙂 Doch wenn man da zu schnell vorprescht, wird es lange nicht so gut und neu-stimmig, wie es sein soll.

      Viel Spaß beim Neugestalten! Das ist ja immer eine schöne Phase, zumal wir EinzelunternehmerInnen prinzipiell tun und lassen können, was wir wollen. Nutzen wir es aus!

      Herzliche Grüße
      Gitte

  2. Hallo Gitte,

    Dein Slogan-Workshop ist mir noch gut im Gedächtnis, obwohl schon einige Jahre her. Ab und zu guck ich noch in meine eigenen Unterlagen dazu und ziehe immer wieder etwas daraus.
    Sehr hilfreich, sich auf Wesentliches zu konzentrieren. Ideen, unser gesamtes Wissen und Können entfaltet sich oft gerade dann erst so richtig, wenn wir es in Projekten einsetzen müssen – ganz egal ob beratend oder schreibend oder handwerklich anpackend…

    Grüße
    Silke

    • Gitte Härter sagt

      Hallo Silke,

      jaaaaa, ich kann mich auch noch gut erinnern – ERDHAFTIG! 🙂

      Das Spannende finde ich ja, dass dieses Sich-Fokussieren und Verdichten nie aufhört. Es ergibt sich manchmal ein neuer Fokus oder eben eine Konzentration. Zuspitzen, ohne eng werden zu müssen (außer man will).

      Viele Grüße
      Gitte

    • Gitte Härter sagt

      Hallo Freiberuflerin,

      super, das freut mich sehr!

      herzliche Grüße
      Gitte
      (bissi spät dran)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.