Deine Leser

Verflixte Zielgruppen-Patzer!

Eine der drei weichenstellenden Fragen für jeden Text ist die Zielgruppe. Es ist total wichtig, dass du differenziert festlegst, für wen du diesen aktuellen Artikel schreibst.

Erschreckend viele Autoren gehen von „für jeden“ aus. Und ja: Es gibt immer mal Themen, wo das stimmt. Doch in der Regel lässt sich eine konkretere Leserschaft definieren.

Nehmen wir ein Kochrezept: Richtet es sich wirklich an „alle“?

Oder:

… an gute Köche + passionierte Laien, die schon Ahnung + Lust haben?
… an Koch-Newbies, die mehr Anleitung brauchen?
… an Anti-Köche, denen alles zu kompliziert ist?

Je nachdem, wen man als AutorIn erreichen möchte, sieht man hier sofort, dass diese Zielgruppen völlig andere Bedürfnisse haben:

  • Da sind einmal die unterschiedlichen Vorkenntnisse, die sich auf das Thema auswirken (Worüber schreibe ich? Was braucht/will diese Zielgruppe?)
  • Andererseits bestimmen die Vorkenntnisse, welche Fachbegriffe und Fähigkeiten ich voraussetzen und nutzen kann (Was kann ich mit meinen Lesern machen + wie darüber schreiben?).
  • Es wirkt sich außerdem ganz massiv darauf aus, wie stark du deine Leser motivieren, überzeugen und an die Hand nehmen musst. Erst recht, wenn sie etwas tun sollen.

Bei vielen Themen verlierst du Leser bereits auf Anhieb, wenn du an ihren Bedürfnissen vorbeischreibst.

Offene Türen einrennen beziehungsweise zuschlagen

Stell dir mal bitte kurz vor, du schreibst über Work-Life und Entspannung. Ich gehöre zu deiner Zielgruppe:

zielgruppentext1Es gibt typische Fehler, die dir deinen Text sofort zum Entgleisen bringen:

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Diese drei klassischen Entgleiser können einzeln oder in Kombination auftreten. Schauen wir sie uns näher an:

Fehler Nr. 1: Du bist voll überzeugt, gehst aber zu sehr von dir aus

Alle, die engagiert in ihrem Fach sind, wissen, warum es wichtig ist und welche Wirkungen es hat. Gerade, wenn du selbst total überzeugt bist, ist die Gefahr groß, dass du überstülpst. Darüber hab ich kürzlich schon mal gebloggt: Gehst du zu sehr von dir aus?

Es ist total super, wenn du voll überzeugt bist, doch leider setzen wir dann oft zu viel voraus. Du legst mir eine voll tolle Entspannungsmethode ans Herz, aber weil du genau weißt, wie sie geht, merkst du nicht, dass ich überhaupt nicht mitkomme:
Gar nicht so leicht – Übungen und Anweisungen glasklar beschreiben.

Oder du versprichst mir den Mörder-Effekt, weil du geübt bist. Zum Beispiel entspannt dich eine Methode praktisch sofort, aber bei mir tut sich überhaupt nichts.

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Fehler Nr. 2: Du kippst zu sehr in ein Extrem

Jetzt kommen wir ins Reich des Missionierens und des Überforderns. Wer seine Botschaft als Weisheit aller Dinge anpreist, erreicht schnell, dass Leser skeptisch zurückweichen – oder sie fühlen sich bedrängt.

Sehr oft sage ich meinen Schreib-Schäfchen: „Fahr mal einen Gang runter!“ Wenn du von 0 auf 100 gehst, dann schreckst du deine Leser ab:

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Fehler Nr. 3: Du drehst dich um eine Türe, die bereits offen ist

Ganz oft wird zu viel Text damit vergeudet, die Leser von etwas zu überzeugen. Dabei wird oft schon im Titel die relevante Türe geöffnet oder eine kurze Hinführung reicht. Statt dessen wird begründet, warum was wichtig ist und dann ein Beispiel gemacht, warum es wichtig ist und dann werden Konsequenzen genannt, warum was wichtig ist und dann wird appelliert, dass man das Wichtige tun soll. Bestenfalls wird der Leser ungeduldig – schlechtestenfalls ist der Text aus, bevor konkrete Tipps kommen was-und-wie.

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Vorsicht vor dem Für-alle-Topf!

Es ist wahnsinnig schnell passiert, die Leser in den „alle“-Topf zu werfen. Doch wie du siehst, machst du es dir dadurch schwerer, deine Leser wirklich zu erreichen.

Gerade bei einem Blog schreiben wir in kurzer Schlagzahl ganz unterschiedlich über unser Thema. Und je nachdem, wie du dein Blog ausgerichtet hast, hats du schon eine Grundweiche gestellt.

Bloggt jemand generell für „blutige Kochanfänger“ sind viele Voraussetzungen damit klar. Schreibt wer ein „Mini-Auszeiten-Blog für Leute, die zu viel arbeiten und nicht gut im Pausenmachen sind“ auch. Ist ein Blog für „Schwarzseher und Ängstliche, die endlich ihr Leben in die Hand nehmen“ ebenfalls.

Selbst dann stellt sich natürlich pro neuem Text immer noch die Frage, für wen genau dieses Thema gedacht ist. Also stets abklopfen: Will ich hier jemand Bestimmtes erreichen? Je stärker zu differenzierst, desto mehr kannst du auf die Bedürfnisse der angepeilten Leserschaft eingehen.

Doch die meisten Blogs haben keinen so engen Fokus. Da steht dann eher eine Thematik/grobe Richtung fest, z. B.

  • Kochblog für gesunde Küche
  • Work-Life-Balance: zur Ruhe kommen trotz viel Arbeit
  • für alle, die selbstbestimmt(er) leben wollen

… und da ist die Spannbreite der unbekannten Leserpersönlichkeiten halt groß. Zu groß!

Verschenk nicht das Potenzial deiner Texte, indem du vorschnell drauflosschreibst! Mach dir vorher – pro Artikel – differenziert Gedanken, für wen du gerade schreibst. Dann triffst du deine Leser da, wo sie es brauchen, und sie können mit deinen Inhalten wirklich was anfangen.

Nur dann nützen deine Texte. Und nur, wenn sie nützen, bringen sie auch was – deinen Lesern und deinem Business.