Schreibfluss

Der Einstieg in deinen Artikel – in mehreren Einstiegen

Heute morgen hatte ich einen Kreativitätsanfall. Ich baue meinen Artikel über den Texteinstieg so auf, dass du anhand verschiedener Anfänge, die ich für diesen Text hätte wählen können, einige praktische Varianten kennenlernst. Los gehts:

Der Einstieg in deinen Artikel

Gar nicht so leicht, gleich zu Beginn die richtigen Worte zu finden! Ich kenn das sogar noch von Schulaufsätzen: vor lauter Hirnen über den besten Einstieg ging total viel Zeit verloren. Dabei funktioniert wieder mal „keep it simple“ ganz wunderbar.

Ich hab dir einige einfache, universell einsetzbare Einstiege zusammengestellt.

➡ Du kannst deinen Lesern gleich ein wenig den Rücken stärken, gerade wenn du ein Problem ansprichst. Hey, ist keine Hexerei, ich helf dir … Hier kann dann ein normaler Fließtext-Artikel kommen oder du kannst einen XX-Artikel draus machen oder Frage-Antwort-Format. Doch denk dran: Ich empfehle dringend, den Text vorauszudenken, bevor du das erste Wort schreibst. Dazu kommen wir unten noch mal.

Der Einstieg in deinen Artikel

Viele SchreiberInnen machen sich mords den Stress, wie sie einen besonders guten Anfang hinbekommen. Doch lass mich dich gleich mal an eins erinnern: Der erste Entwurf deines Textes soll gar nicht perfekt sein! Er soll in einem Rutsch flott aus dir rausdürfen. Das geht überhaupt nicht aus dem Stand vollkommen druckreif.

➡ Du kannst mit einer typischen Annahme oder Herangehensweise starten, die du gleichzeitig entkräftest oder Lesern einen bestimmten „Zahn ziehst“. Bitte pass auf: Wenn du ein zusammenhängendes Thema ins Spiel bringst, wie ich hier das mit dem flotten Entwurf, dann entweder einen vertiefenden link setzen oder jetzt/etwas später im Artikel KURZ darauf zurückkommen, um das angerissene Thema abzuschließen. Sonst sind Leser enttäuscht, wenn sie in der Luft hängenbleiben.

Ein hübsches Stilmittel, das gleichzeitig den Schluss mit erledigt, ist es, mit Anfang und Ende eine Klammer um den Text zu bringen. Im Englischen heißt das so schön „to bookend“ und man kennt es besonders aus Zeitschriftenartikeln: Da steht eine Geschichte oder ein bestimmter Aspekt am Anfang, dann kommt der eigentliche Text und am Ende kommt man noch mal kurz auf das Eingangsthema zurück.

Der Einstieg in deinen Artikel

Über den Schluss hatten wir es schon. Doch was ist mit dem Anfang? Der sorgt bei vielen für ähnliche Kopfschmerzen, und zwar aus ganz unterschiedlichen Gründen:

  • Sie kommen beim Schreiben erst gar nicht in die Gänge, weil sie verzweifelt überlegen, wie der allerbeste, spannendste, neugierigmachendste Einstieg ins Thema aussieht.
  • Sie labern sich ins Thema – wissen das meistens sogar -, sodass sich der Beginn zieht wie Kaugummi.
  • Sie haben eine gute Idee, aber überlegen und feilen und überlegen und feilen und überlegen und feilen … und wenns blöd läuft, entgleisen sie dabei ihr Plankton-Thema.

➡ Dieser Einstieg kommt unvermittelt zum Problem. Damit können sich Leser, die sich damit rumschlagen, identifizieren [„Aha, dieser Artikel ist genau was für mich!“] und sie erkennen, dass es differenzierte Schwierigkeiten gibt [„Oh, das hab ich noch gar nicht bedacht!“]. Der vorgeschaltete Satz müsste nicht sein, ist bei einem Blog eine schöne Sache, einen Bogen samt link zu einem früheren Artikel zu schlagen und die Stamm-LeserInnen als Insider mitzunehmen.

Der Einstieg in deinen Artikel

Wie macht man Leser eigentlich so neugierig, so dass sie nach dem ersten Absatz hängenbleiben und zu Ende lesen müssen?

➡ Du kannst einfach mit einer Frage starten oder eine Frage innerhalb einer Anekdote in den Raum stellen. Das kann ganz unterschiedlich ausfallen, zum Beispiel:

  • Möchtest du (wissen, erfahren, können …)?
  • oder ein Statement machen, ohne die Lösung anzuschließen: Es gibt nur eine Sache, die mir in meinem Leben ganz besonders peinlich ist. Sogar so, dass ich heute noch tiefrot werde, wenn ich nur daran denke.

Leider hab ich mir keine Details gemerkt – vor Ewigkeiten hab ich irgendwo aufgeschnappt, dass Texte, die eine für Leser interessante Frage aufwerfen, eher bis zum Schluss gelesen werden. Damit ist allerdings eine inhaltliche Lücke gemeint, also zum Beispiel das mit der peinlichen Situation da – nicht nur eine Möchtest-Du-Frage.

Der Einstieg in deinen Artikel

Heute erfährst du, wie du deine Leser gleich im ersten Absatz in deinen Bann ziehst.

➡ Hier ginge es natürlich noch weiter: Du beginnst mit einem für deinen Leser attraktiven Versprechen, was er bekommt, wenn er weiterliest. Das Ganze geht natürlich weniger reißerisch – oder spektakulärer.

Wichtig: Versprich nur, was dein Text hält! Widersteh der Versuchung, allzu großmäulig aufzutreten, auch wenn das mittlerweile viele empfehlen, um Leser zum Klicken zu bringen. Wir Selbstständige, die aus Marketinggründen schreiben, leben nicht von möglichst vielen Klicks irgendwelcher Leute. Das ist eine andere Situation als die vielen großen Plattformen, die einfach nur einen weiteren Klick brauchen – ganz egal, ob die Leser zufrieden oder unzufrieden sind. Und: Wir müssen Vertrauen aufbauen, denn unterm Strich möchten wir Weiterempfehlungen und Aufträge.

Eine Variante könnte so aussehen:

Seit vielen Jahren mach ich jetzt ja Schreibcoachings und -Workshops und erlebe immer wieder, wie sich meine Kunden mit dem Anfang abquälen. Heute verrate ich dir, wie ich diese Anfangsstarre ganz schnell kuriere.

Der Einstieg in deinen Artikel

In diesem Artikel reden wir über die Hürde, die richtigen Worte zu finden, um die richtigen Leser richtig neugierig zu machen. Außerdem bekommst du einige Schablonen an die Hand, die du dir ganz einfach anpassen kannst.

➡ Das ist die moderate Form des Ausblickes, warum sich der Text lohnt. Du kannst eine kleine Vorschau liefern, also eine Zusammenfassung, worum sich der Text genau dreht.

Der Einstieg in deinen Artikel

Letzte Woche habe ich mit einem neuen Sportprogramm angefangen. Ein siebenwöchiger Video-Kurs! Sowas hab ich noch nie mitgemacht, und ich war ganz gespannt. Schon die Auftakt-E-Mail hat mich total darin bestätigt, dass meine Entscheidung richtig war. Der Trainer wirkt total sympathisch, hat mir erklärt, was mich erwartet und direkt Tipps gegeben, was ich alles tun kann, um in Eigenregie durchzuhalten.

Da ist mir wieder einmal bewusst geworden, wie oft wir im Anfang Chancen vergeben.

➡ Eine persönliche Erfahrung (oder die eines Kunden, Bekannten …) ist ebenfalls ein schöner Start in den Text. Achtung: Sie muss direkt relevant sein und, wie gesagt, entweder im Anfang abgeschlossen werden oder später kurz im Text oder am Ende beendet werden.

Der Einstieg in deinen Artikel

Bekomme ich auf Twitter einen link geschickt, klicke ich total neugierig drauf, nur um nach wenigen Sekunden enttäuscht mit dem Lesen aufzuhören. Allzu oft flacht bereits in den ersten Zeilen alles ab, womit mir in der Überschrift der Mund wässrig gemacht wurde.

➡ Du kannst mit einem Standpunkt starten. Gerne emotional, wenn du zu deinem Plankton-Thema besonders engagiert bist:

„Auf Social Media klicke ich oft neugierig auf einen vielversprechenden link. Einige Sekunden später überrollt mich eine Welle der Enttäuschung. Der Start ist so schnarchnasig, dass ich meist gar nicht weiterlesen will. Das meine ich gar nicht gemein, sondern es tut mir sogar ein bisschen weh, weil ich weiß, dass hier jemand schreiberische Chancen vertan hat.“

wichtigschauen

Der Einstieg in deinen Artikel

… muss weder nobelpreisverdächtig noch reißerisch sein. Er muss auch nicht einer bestimmten „Erfolgsformel“ folgen, lass dir da bloß nichts einreden!

Fang einfach an, ohne eine Wissenschaft draus zu machen! Du kannst:

… die Intro erst mal überspringen. Das geht ganz sicher gut, wenn du meiner Empfehlung folgst und immer einen konkreten Plankton-Arbeitstitel hast UND deinen Text komplett vorausdenkst (konzipierst). Denn dann hast du den Textaufbau und sämtliche Inhalte bestimmt und kannst es dir leisten, durcheinander zu schreiben!

… eines der Beispiele da oben nutzen, sogar wenn es dir zu lasch erscheint. Das jeweilige Prinzip kannst du vielseitig verändern und damit hast du die typischen Probleme beim Textanfang gebannt. Und du kommst in Schreibfluss. Im Feintuning später, wenn der komplette Entwurf vor dir liegt, kannst du den Anfang immer noch aufmotzen.

… ausnahmsweise immer, wenn dir beim Schreiben des Entwurfes partout nichts Gescheites einfällt, einen Platzhalter hinschreiben, z. B. „Hier steht dann später eine großartige Intro, warum x und z“ oder „Hier fällt mir später dann die beste Intro der Welt ein, dass …“. Also mach dir ruhig einen Spaß daraus und schreib mit dazu, dass es ganz supertoll sein wird, doch belass es nicht nur bei dem Platzhalter, sondern schreib dazu, welcher Kerninhalt drinstecken wird. So motivierst du dich und hältst bereits die Kernaussagen fest, die du deinen Lesern zu Beginn mitgeben willst.

Vergiss bitte das Wichtigste nicht: Den Plankton-Arbeitstitel! Der ist nämlich idealerweise so formuliert, dass du genau weißt, worauf dein Text hinausläuft. Wenn du dann noch alle Inhalte komplett vorausgedacht hast, weißt du inhaltlich genau, was du in der Intro sagen wirst, selbst wenn du noch nicht weißt, wie genau du es formulierst.

Ich habe mich heute für ein allgemeines „Einstieg in Artikel“ entschieden. Doch das könnte ich natürlich weiter zuspitzen, z. B. „5 Tipps, wie du Leser schon im ersten Absatz neugierig machst“. Das wäre ein anderer Text als „Tricks, mit denen du ganz flott einen soliden Einstieg schreibst“. Das wäre ein anderer Text als „Wie du im ersten Absatz spannend zusammenfasst, was der Leser davon hat, weiterzulesen“.

Ein kleiner Trick, wenn dir der Einstieg grundsätzlich schwerer fällt, ist es, die Überschrift zu nutzen. Du weißt ja: Die ist bis zum Feintuning nur für DICH da, ist also ein Arbeitstitel. Manchmal bringen angefangene Sätze in Fluss, zum Beispiel steht dann als Arbeitstitel-Überschrift das hier:

„Wie kann ich am besten in meinen Artikel einsteigen?“, fragst du dich vielleicht. Ganz einfach …

Sei ganz beruhigt: Das hat zunächst mal Entwurfsqualität. Erst, wenn der Text komplett vor dir steht, kommt das Feintuning. Da kannst du Überschrift und Intro jederzeit etwas umstellen oder aufhübschen.