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7 Sorten von Gelaber

Ihr wisst: Wir alle labern. Beim von mir empfohlenen Schreibprozess – vom Plankton bis zum Feintuning – stellst du sicher, dass nichts Unnötiges im Text landet. Trotzdem wird dein Entwurf mit Gelaber gespickt sein. Weil das einen guten Entwurf ausmacht! Der soll ja quick & dirty sein.

Auch wenn du bisher frei Schnauze schreibst, kannst du wetten, dass du in deinen Entwürfen laberst. Mal mehr, mal weniger.

Hier sieben Sorten von Gelaber, denn nicht alles erkennt man auf Anhieb, erst recht, wenn man sich in seinen Text verliebt hat.

1. Philosophieren

Nicht umsonst steht das Philosophieren an erster Stelle: Das wird gerne gemacht, um sich warm zu schreiben – manchmal, um alles etwas bedeutungsvoller zu bekommen.

  • Da schreibt jemand zum Beispiel darüber, dass es wichtig ist, zu sparen: Geld. Der eine hat es, der andere nicht. Wieder andere sagen, es macht nicht glücklich. Doch seien wir ehrlich, das sagen meistens die, die genug davon haben. Wie auch immer: Unser Verhältnis zum Geld ist oft gespalten. Dahinter steckt meistens unsere Erziehung. Von Kindesbeinen hören wir negative Glaubenssätzen, die …
  • Oder es geht um Eifersucht: Wenn wir uns verlieben, haben wir die berühmten Schmetterlinge im Bauch. Was für ein Gefühl! Als ob man schweben würde, man kann an nichts anderes mehr denken als an den anderen. Jetzt habe ich den Partner fürs Leben! Doch muss es immer gleich fürs Leben sein? Immerhin ist es in unserer schnelllebigen Zeit normal, dass Beziehungen immer kürzer werden …
  • Oder es geht darum, seinen eigenen Kleidungsstil zu finden: In unserer heutigen Gesellschaft gibt es ein sehr strenges Schönheitsideal. Schon Kinder werden damit konfrontiert und haben oft ein verschrobenes Bild. Das setzt den Grundstein für unrealistische Maßstäbe. Es geht schon bei den Barbies los. Schon in den 70er Jahren, als ich klein war, hat …

Assoziieren und ausschweifen ist immer eine schlechte Idee. Denn es ist in der Regel fürs aktuelle Thema nicht besonders mehrwertig. Klar: Vielleicht sind die Schmetterlinge der ersten Verliebtheit für den Eifersuchtsartikel relevant, doch dann sollte das eine gezielte Auswahl sein und keine weit ausholende Geste, die einen langen Gang verursacht (siehe nächster Punkt) oder schlichtweg wertvollen Platz verschwendet.

Die Devise lautet: Immer relevant bleiben! Richtig nah am ausgewählten Plankton-Thema.

Hier merkt man, dass eine der wichtigsten Schreibfähigkeiten die AUSWAHL ist: Wir sind die Fachleute. Um einen Text auf Kurs zu halten, dürfen wir nicht alles, was uns sonst noch so einfällt und was irgendwie in Zusammenhang steht, reinbringen. Das verwässert das Thema, macht zig weitere Türen auf und behindert die Aufmerksamkeit unserer Leser. Die sollen nämlich mit ihrem Kopf ungestört beim Thema bleiben können, um flüssig von oben nach unten zu kommen.

Wichtigstes Gut: Die Aufmerksamkeit unserer Leser

2. Der lange Gang

Gerne wird die Einleitung gedehhhhhhhhnt wie Kaugummi. Da steht in der Überschrift genau, worums geht, und der erste Absatz erklärt dann nochmal ausführlich, was die Überschrift meint. Oder die Überschrift ist unaussagekräftig, so dass man den Anfang damit verschwenden muss, erst mal klarzustellen worums geht.

Ebenfalls gern genommen: „Türen mehrfach einrennen“. Man hat schon klar gemacht, warum ein Thema wichtig ist und dann macht mans noch mal klar, vielleicht mit einem Beispiel und dann schickt man gleich noch ein paar Argumente hinterher, warum es wirklich wichtig ist.

Das Heimtückische: Man hat schnell ziemlich viel Text vor sich – was dazu führt, dass man da aufhört, wo es für die Leser interessant würde: Dem Wie geht das/was heißt das jetzt genau für mich?

So oder so: Wenn dein Text mehr Hinführung hat als Mehrwert, laberst du zu viel. Das kannst du einfach mit einem Textmarker sichtbar machen.

3. Das Déjà-vu

… das Déjà-vu haben in erster Linie die Leser, denn selbst fällt es einem meist nicht gleich auf, dass man jetzt das Gleiche noch mal sagt, nur ein bisschen anders.

Wenn man nämlich einfach etwas umformuliert, dann denkt sich der Leser: „Hä? Das hab ich doch eben schon mal gelesen!“ Und solche Doppelungen sollen natürlich nicht sein, weil sie stören.

Nicht nur behindern sie den Lesefluss, sondern sie längen den Text. Außerdem wirkt es unsorgfältig. Texte, die unnötig lange sind, versteht man außerdem nicht besonders gut.

Ich hör ja schon auf.

4. Der heiße Brei

Ertapp dich, wenn du drumrum redest! Ich weiß von meinen Kunden, dass das einerseits unbewusst passiert, andererseits bewusst eingesetzt wird. Weil: Wenn ich nachbohre, da jetzt mal Nägel mit Köpfen zu machen („Was meinst du genau?“, „Wie geht das?“, „Was genau kann der Leser da jetzt wie tun?“), dann kommt doch öfter ein: „Wäh, ich kann das nicht, ich glaub ich habe mich mit dem Thema übernommen!“

In der Regel ist das nicht der Fall. Denn wenn du sattelfest im Thema bist, kannst du ganz sicher konkret werden. Es ist eher ungewohnt und manche fühlen sich angreifbar, weil sie Farbe bekennen müssen. Bekenn Farbe! Du bist selbstständig in deinem Fach, natürlich weißt du Bescheid.

Immer, wenn du dich forderst, werden deine Text besser. Davon profitierst du über das Schreiben hinaus.

5. Ausgewalzt

Ein Gespür zu bekommen, wie viele Details eine Sache braucht, ist Übungssache. Darum ist es kein Wunder, im ersten Wurf manchmal zu kleinteilig zu werden. Dabei die Zielgruppe weder über- noch zu unterfordern, fällt nicht immer so leicht.

Wenn ich sage „Nur in der Tiefe steckt der Lesernutzen“, verwechseln das manche mit dem Auswalzen, was unter anderem zu Wiederholungen führt. Hast du ein Déjà-vu? – Ich auch!

6. Einfach umständlich

Es gibt sie, die bewundernswerten Auf-den-Punkt-Kommer, die immer druckreif reden. Kein Wort zu viel, total schlüssig und mitreißend. Doch das sind Ausnahmetalente, die meist viel reden (und schreiben).

Normalos wie wir sind im ersten Wurf einfach mal umständlich: Genau, wie wir nicht super effizient und geschliffen reden. Lausch mal Gesprächen! Hör dir mal selbst zu! Was wir oft für einen Quark zusammenreden – und trotzdem versteht man uns. Meistens zumindest.

Beim Schreiben haben wir den Vorteil, dass es die Feintuningphase gibt. Und da können wir wunderbar die natürliche Umständlichkeit bereinigen:

  • Lange Sätze teilen oder kürzen. Sogar, wenn sie in sich stimmen.
  • Überfrachtete Erklärungen vereinfachen.
  • Verschachtelten Satzbau sortieren und Zusatzinfos, wenn sie wirklich sein müssen, nebeneinander statt ineinander stellen.

Eine gute Übung ist, in der Feintuningphase ein paar Hundert Zeichen einzusparen. Je nach Textlänge 300 – 500 Zeichen. Da wird man ganz schön kreativ, wenn es nichts mehr einfach rauszuwerfen gibt. Das trainiert die Sags straffer-Fähigkeiten.

7. Weggekippt

Yep, auch ein weggekipptes Thema gilt als „Gelaber“, wenn es für den aktuellen Text nicht zielführend ist. Das ist wieder etwas tricky: Denn natürlich gibt es immer Berührungspunkte zu anderen Themen und weitere relevante Faktoren zu Zielgruppe, Verhaltensweisen o. Ä.

Wenn das Thema wegkippt, ist in 90 % der Fälle das Thema schuld: zu schwammig oder zu riesig gestartet. Der Rest liegt am „nicht aufgepasst“. Beides passiert extrem oft, wenn man drauflosschreibt und „den Text während des Schreibens spontan entwickeln lässt“.

Labern schadet.

  • ❗ Es erschwert das Verstehen.
  • ❗ Es führt zu Längen und steht einer lebendigen Schreibe im Weg.
  • ❗ Es verwässert – oder ertränkt – deine gute Informationen, Argumente und Tipps.

Darum im Feintuning den Laberdetektor einschalten!