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Wie ich für mich mehr aus dem Bloggen raushole

Immer wieder betone ich, dass wir Selbstständige nicht schreiben, weil uns langweilig ist, sondern weil ein Blog uns – und unserem Business – was bringen soll.

Im Blogkonzept-Workshop checke ich beispielsweise ab, was sich die TeilnehmerInnen von einem Blog erwarten. Immerhin bindet man sich da langfristig ganz schön Arbeit ans Bein, die einem erstmal nicht bezahlt wird.

Unter anderem geht’s dabei um den Mitteilungsdrang, die Bereitschaft, Wissen zu verschenken [Interview-Reihe Wissensteiler berichten von Kerstin Hoffmann, ich bin ebenfalls dabei] und persönliche Ziele.

Ich teile seit Beginn meiner Selbstständigkeit vor über 15 Jahren auf verschiedenen Websites und später Blogs intensiv mein Wissen. Hier einige Zusatzeffekte, die ich für mich persönlich über das Businessmäßige raushole:

1. Ich nutze die Freiheit der eigenen Plattform aus.

„Schreiben ist Freiheit“, erinnere ich Euch immer wieder. Das bedeutet nicht nur, dass man sagen kann, was man will, sondern auch wie man es will. Ein eigenes Blog bietet uns Selbstständigen einerseits den Freiraum, unsere Überzeugungen auszudrücken und unsere Herangehensweise zu zeigen. Andererseits ist es die ultimative Spielwiese, völlig anders an unser Fachthema ranzugehen und unser Schreibrepertoire zu erweitern.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man das oft viel zu wenig nutzt. Habe ich die ersten Jahre selbst nicht gemacht und mich an die gewohnten „So macht man das aber“-Themen, Artikel und Stile gehalten. Gar nicht mal aus Konformität, sondern weil es mir gar nicht anders in den Sinn kam.

2. Ich blogge mitunter zur Therapie.

Früher, auf meinem Selbstständigenblog, gabs da noch viel mehr Gelegenheiten: Wenn sich ein Lieferant saublöd verhält, sich eine Firma hirnrissige Kapriolen leistet oder eine Empfehlung schiefgelaufen ist. Da platzt mir schnell mal die Hutschnur, doch manches lässt sich beim Bloggen aktiv nutzen – als Aufhänger für ein schönes Thema oder um sich Luft zu machen. Natürlich mit irgendeiner Form von Mehrwert.

3. Ich unterhalte mich selbst.

Das Schöne und manchmal ein wenig Lästige beim Bloggen ist die Regelmäßigkeit. Klar: Man hat die Freiheit, weniger zu bloggen. Doch wenn die Schlagzahl zu gering ist, gibt es drei Probleme.

Erstens: Gerade die begeisterten LeserInnen warten. Das geht mir ja selbst bei meinen Lieblingsblogs so, dass ich sehnsüchtig auf neuen Stoff hoffe. Doch auch diejenigen, die ganz gern mal was mitnehmen, brauchen eine gewisse Regelmäßigkeit. Sonst steigt man aus, wenn ein Blog zu dümpeln scheint.

Zweitens: Bei selteneren Artikeln muss besonders hochwertige Substanz drin sein. Sonst lohnt sich das Dranbleiben nicht. Und weil bei uns Selbstständigen das Blog auf unsere Arbeit reflektiert. Bloggen wir also nur hin und wieder kleine Beiträgchen, stellen wir unser Fachgebiet recht einseitig, schlimmstenfalls oberflächlich dar.

Drittens: Bei Selbstständigenblogs ist ein riesiger Vorteil, dass du im Netz besser gefunden und öfter verlinkt wirst, wenn du nützliche Beiträge schreibst. Bei zu seltenen Beiträgen, ist dieser Multiplikationseffekts viel niedriger. Zudem bleibt das Blog lange Zeit recht dürftig, was die Gesamteinträge angeht.

Regelmäßig dranzubleiben hat mich zu einer noch schnelleren und vielseitigeren Schreiberin gemacht. Dazu komm ich gleich noch. ABER: Wer kontinuierlich bloggt, der braucht vor allem Spaß. Das liest man Texten an und es steigert die Ausdauer. Ich mag es, mich selbst zu unterhalten. Was ist eigentlich unterhaltsam?

➡ … manchmal geht das bei einer Idee los, die mich zum Lachen bringt, wie bei Ist Ihr Friseur krank oder warum erzählen Sie mir das? und “Ihr Kind ist ein Arschloch!” – Vom Umgang mit Kritik.

➡ … manchmal spiele ich mit anderen Formen, wie Der Einstieg in deinen Artikel – in mehreren Einstiegen.

Generell lässt sich viel über das Thema, die Überschriften und generell den eigenen Stil machen. So sorge ich immer wieder dafür, dass das Bloggen FÜR MICH spaßig bleibt.

4. Ich zeige absichtlich ein runderes Bild von mir.

Gezielt schreibe ich nicht nur Texte rund um mein Fach, sondern gebe immer wieder was von mir preis. Weil es sich oft anbietet, weil es mir mehr Spaß macht oder ich mal wieder aus Therapiegründen schreibe.

Außerdem gefällt es mir selbst, wenn ich bei Selbstständigen mehr vom Menschen erfahre. Besonders Leute, die mich interessieren, formen sich so insgesamt mehr.

Das ist vor allem für uns EinzelunternehmerInnen elementar: Wir bloggen ja nicht nur, um Informationen zu vermitteln, sondern wir bloggen, um uns greifbar zu machen und Vertrauen aufzubauen. Denn sich als kompetent zu etablieren, ist wichtig, doch ohne Vertrauen und Sympathie verkauft man nicht. Das schafft man, indem man persönlich schreibt + hin und wieder aus dem Nähkästchen plaudert, sich traut Meinungen, Makel und Defizite zu zeigen. Oder, so dosiert wie man will, private Einblicke gibt.

5. Ich fordere mich immer wieder neu raus.

Eben habe ich von der Freiheit gesprochen, zu variieren. Themen mal anders anpacken. Hin und wieder „auf Zeile schreiben“ oder sich gezielt mit Themen auseinandersetzen, bei denen man mit den Augen rollt beziehungsweise die schon x-mal abgearbeitet wurden – mit einem frischen Blick. Das ist unsagbar spannend für einen selbst!

Ich liebe es, in die Tiefe zu gehen und weiter zu überlegen. Auch ganz zu meinem Privatvergnügen, wie kürzlich beim „Warum soll man eigentlich über Tote nicht schlecht reden“-Beitrag, wo ich mir über diesen Spruch intensiv Gedanken gemacht habe.

6. Ich nutze die Regelmäßigkeit zu Trainingszwecken.

Über meine Selbstexperimente habe ich kürzlich schon geschrieben, weil das eine spannende Artikel-Form für die LeserInnen ist.

Doch rein die Tatsache wirklich regelmäßig dranzubleiben, möglichst mit gezieltem Üben und Variieren, bringt enorme Fortschritte. Super kann man das auf einen Blick beim Zeichnen sehen:

entwicklungzeichnen

Ich bin so gut geworden, nur durch das jahrelange, kontinuierliche Vor-mich-Hinwurschteln bei den selbstgezeichneten Artikelbildern, Icons und in Beiträgen [und den Mut, unperfekt zu sein], dass mich jetzt ein bisserl der Ehrgeiz gepackt hat und ich bei der wunderbaren Angelika aka Freiraumfrau den 30-Skizzen-Workshop mitmache, wo ich jeden Tag ein Bild zeichne und mir schwierige Perspektiven aussuche, zu dem ich dann kurzes, kundiges Feedback mit Tipps bekomme. Für mich hab ich beschlossen, dass ich Motive wiederhole, wobei ich dann Angelikas Tipps gleich anwende. Genau das brauchts beim Schreiben genauso.

Wenn ich meine Artikel im Abstand von einem Jahr zurückverfolge, sehe ich, wie sich meine Schreibe und mein Stil weiter herausgebildet haben. Meine früheren Texte mag ich oft gar nicht mehr lesen, weil sie meinen heutigen Ansprüchen nicht genügen oder mir einfach nicht mehr entsprechen. Das geht nur, weil ich alle Vorteile des Bloggens PLUS vor allem die Regelmäßigkeit in kurzer Schlagzahl konsequent durchgezogen habe.

Da sieht man, wie man auf jedem Level vom regelmäßigem Dranbleiben profitiert. Denn natürlich habe ich mich auch in den letzten fünf Jahren, seitdem ich aufs Schreiben spezialisiert bin, enorm weiterentwickelt – und tue es noch. Hätte ich nur jeden Monat mal einen Beitrag rausgehauen und nie variiert, wäre ich lange nicht soweit.

7. Ich dokumentiere meine Fortschritte.

… damit meine ich jetzt nicht nur Fortschritte wie durch die Selbstexperimente, sondern die Möglichkeit, im Blog zurückzublättern und zu sehen: Aaaaah, schau an, so hast du vor einem, drei, fünf Jahren geschrieben. Oder – wie beim Zeichnen oben – eine Gegenüberstellung zu machen.

Meist zum Jahresende mache ich dann ja die Blogwartung: Ich schaue mir an, welche Kategorien besonders voll geworden sind oder dümpeln. Ich überlege mir, ob ich was zusammenziehe, rauswerfe oder teile. Oder ob ich etwas Neues brauche. Denn darin sehe ich als Selbstständige unter anderem, ob ich besondere Themen favorisierie. Ich merke aus meiner Entwicklung, wo ich frühere Themen heutzutage differenzierter aufgreifen will oder meinen Blickwinkel der Vergangenheits-Gitte nicht mehr teile.

Das finde ich besonders schön: Zu analysieren und so richtig wahrzunehmen, was sich auf meiner [Web]Seite – und dadurch bei mir – alles getan hat.

Das alles ermöglicht das Bloggen.

Zusätzlich zum Marketingeffekt, der zu Aufträgen führt. Aber nur, wenn man es regelmäßig, durchdacht und intensiv macht. Wenn man die zusätzlichen Pluspunkte aktiv für sich nutzt – mit Experimentierfreude, Spaß und ohne Hemmungen.

Ich persönlich habe seit meinem ersten Blogbeitrag wahre Quantensprünge gemacht, obwohl ich vorher schon flott, locker und nützlich geschrieben habe. Damals hatte ich noch einen monatlichen Newsletter und habe viel für andere Medien geschrieben – was zur Folge hatte, dass ich mich von Ton und Form an deren Regeln halten musste. Mit den eigenen Blogs und der kurzen Schlagzahl kam da auf allen Ebenen frischer Wind rein. Genial! Das wurde mir durch diese Zusammenfassung gleich noch mehr bewusst.