Autoreninterviews

Buch-Interview: Stefanie Kirschbaum

Stefanie Kirschbaum, kirschbaum-beratung.de, coacht, trainiert + berät rund um Innovation, Kreativität, Zeit- und Selbstmanagement.

Letztes Jahr ist ihr Buch „Wie Betty das Wutgewitter bändigt“ erschienen, bei dem ich ein bisserl bei der Initialzündung mit dabei war:

Im Rahmen des Ideen-Ping-Pongs hatten wir Gold unter mehreren Ideen geschürft …

stefaniekirschbaumWow, Stefanie! Das war eine Überraschung, als deine nette Karte im Briefkasten lag – mit dem Hinweis, dass dein Kinderbuch schon im Laden ist! Oft werden Buchprojekte nämlich nur darum nichts, weil die Ideen in der Schublade bleiben. Skizzier doch mal kurz den Weg: Wann genau hattest du die Idee, ein Buch für hochsensible Kinder zu schreiben?

Die Idee kam mir wenige Tage vor dem Goldschürf-Gespräch mit Dir. Ich hatte bei einer Recherche im Netz festgestellt, dass es noch kein Kinderbuch für Kinder mit hoher Sensibilität gab. Und dachte: Das ist schade. Daran könnte ich etwas ändern… Im Gespräch hast Du mir Mut gemacht, dieses aktuelle Thema anzupacken.

 

Hochsensibilität ist ja seit einigen Jahren ein richtiges Trendthema. Was sind denn deine Berührungspunkte dazu?

Die Berührungspunkte sind folgende:

Vor Jahren, als ich den Begriff „Hochsensibilität“ noch nicht kannte, habe ich –selbsterkennend – festgestellt, dass ich an vielen Punkten im Alltag sensibler bin als andere. Beispiel: Gerüche. Den starken Geruch im Seminarraum, den ich als äußerst störend empfand, hat meine Kollegin nicht wahrgenommen. Oder: zu merken, was andere Menschen berührt und mich tief einfühlen zu können, während andere in derselben Situation wenig davon mitbekommen.

Erst empfand ich diese Sensibilität als Herausforderung. Schließlich habe ich sie angenommen, und alles war gut. Dann wurde ich Mutter von zwei Mädchen, und merkte bei meinen Kindern ganz bald, dass sie eine besondere Sensibilität in ihrer Wahrnehmung und Aufmerksamkeit mitbrachten. Meine jüngere Tochter war beispielsweise sehr sensibel gegenüber Geräuschen. Außerdem konnte sie viele Anziehsachen nicht anziehen, weil sie zu sehr kratzen. Auffallend war auch, wie gut sie sich, als ganz kleines Kind bereits, in andere Menschen einfühlen konnte, und ihrerseits Gefühle zum Ausdruck brachte.

 

… mir gefällt, dass der Verlag von Gefühlsreichtum und Gefühlsstärke spricht, die hochsensible Kinder mitbringen …

Ja, das ist wirklich so – und ein absolutes Geschenk! Hochsensible Kinder können gut die ganze Bandbreite von Gefühlen zum Ausdruck bringen. Alles: ihre Angst, ihre Wut, ihre Enttäuschung, ihre Dankbarkeit, ihre Liebe, ihre Freude.

Und noch mehr: Sie beweisen Gefühlsstärke in schwierigen Situationen.

Meine ältere Tochter beispielsweise hat öfters Nerven bewiesen, wenn ich mich überfordert fühlte. Sie hat mir zum Beispiel im Alter von 8 Jahren, als wir in einem stundenlangen Stau am Fernpass standen, und ich kurz davor war, umzudrehen, gesagt: „Mama, wir stehen jetzt hier schon so lange. Wir haben schon so viel geschafft. Jetzt geben wir nicht auf! Gleich geht es weiter!“ Und so war es dann. Zwei Minuten später ging es weiter und der Stau löste sich auf…

 

Wolltest du „immer schon“ ein Buch schreiben – und warum gerade ein Kinderbuch?

Ja, tatsächlich. Ich wollte immer schon ein Buch schreiben. Als Kind habe ich viel geschrieben. Mein allererstes Buch, natürlich unveröffentlicht, war ein Buch über Wellensittiche. Danach folgten Geschichten- und Gedichtbände, die ich vorzugsweise meiner Oma schenkte.

Später habe ich mit Freude im beruflichen Kontext geschrieben, aber „das Buch“ stand noch aus. Ein Trigger war auch hier noch einmal meine Oma, die mir, kurz bevor sie starb, ans Herz legte, meine „Gaben“ zu nutzen, denn dafür wären sie da. Als eine meiner Gaben empfand sie das Schreiben, als andere Gabe, wie ich Menschen psychologisch berate. Ihre Worte halte ich immer im Hinterkopf.

Nach unserem Goldschürf-Gespräch im Juli 2014, bei dem wir über verschiedene Buch-Ideen sprachen, lag mir das Kinderbuch am meisten am Herzen. Warum, kann ich gar nicht sagen. Es fühlte sich einfach gut an, obwohl ich wusste, dass es nicht einfach ist, für Kinder zu schreiben …

 

Wie bist du bei der Verlagssuche vorgegangen?

Zu dem Thema „Hochsensibilität“ lag nahe, dass ich als erstes den Festland-Verlag in Wien anspreche. Das ist ein Fachverlag für dieses Thema und ich kannte die dort verlegten Bücher. Auf meine E-Mail-Anfrage bekam ich spontan eine Antwort, eine Woche später telefonierten wir.

Die Verlegerin, Frau Parlow, wollte tatsächlich ein Kinderbuch für hochsensible Kinder auf den Markt bringen und war auf Autorensuche. Ich konnte keine Kinderbuch-Autorenerfahrung vorweisen, und verstand, dass sie sich nicht direkt auf eine Zusammenarbeit einlassen konnte. Sie bot aber an, dass sie mein Manuskript, auch kapitelweise, lesen und kommentieren würde.

Nach diesem tollen Gespräch machte ich mich gleich ans Werk, und reichte wenige Wochen später meine ersten Kapitel ein. Wir hatten richtig gute Gespräche, und ich war sehr dankbar für diese Art von Coaching, aus der ich sehr viele praktische Anregungen für das Schreiben mitnehmen konnte. „Betty“ wuchs und wuchs. Nach Abschluss des Schreibens bekam ich allerdings die Antwort vom Verlag, dass sie das Buch (zunächst) nicht veröffentlichen können. Die Gründe für die Absage hatten nichts mit der Qualität des Manuskriptes zu tun, und ich verstand die Entscheidung gut. Traurig war ich natürlich trotzdem.

Nach der Absage habe ich mich daran gemacht, ein gutes Exposé zu schreiben. Dieses habe ich samt Manuskript an vier Literaturagenturen gesendet, die sich auf Kinderbücher spezialisiert haben. Nach 4-8 Wochen bekam ich die Absagen. Weiterhin habe ich parallel drei oder vier Verlage angerufen und mündliche Absagen bekommen. Die Verlage hatte ich mir danach ausgesucht, ob sie bereits Bücher zu dem Thema Hochsensibilität veröffentlicht haben. Ich hatte vermutet, wenn dies der Fall ist, möchten sie vielleicht ihr Spektrum um ein Kinderbuch erweitern.

 

Wie war die Timeline? Wann hast du den Verlag unterschrieben und wann war Abgabe?

Von der Zeitschiene her war es so: Im Juli 2014 mit dem Schreiben begonnen, bis etwa Dezember 2014. Absage vom Verlag erhalten. Im Januar 2015 Exposé geschrieben, an vier Literaturagenturen samt Manuskript versenden, sowie Verlage telefonisch kontaktiert. In den zwei Monaten Wartezeit habe ich das Manuskript noch einmal überarbeitet, und die Illustratorin Anne Wöstheinrich beauftragt, die Illustrationen für die ersten drei Kapitel zu erstellen, damit das Manuskript größeres Interesse bei den Verlagen weckt.

Im März 2015 habe ich erneut den Festland-Verlag angesprochen. Es bestand immer noch Interesse an dem Buch und wir kamen ins Gespräch. Im Juli 2015 haben wir den Vertrag abgeschlossen. Und dann ging alles ziemlich flott: Am Text war nicht mehr viel zu machen, es fehlten allerdings noch der Großteil der Illustrationen und das Cover. Die Zusammenarbeit mit der Illustratorin war spannend. Kurz vor Weihnachten 2015 hielt ich das Buch das erste Mal in meinen Händen. Und kann nur sagen: das war ein ganz tolles Gefühl!

 

Kinderbücher wirken ja immer so simpel. Doch das täuscht, gerade bei einem Ratgeber. Das Buch besteht ja aus zehn Kurzgeschichten. Hast du erst bestimmte Facetten der Hochsensibilität rausgenommen und dann Geschichten dazu ausgedacht … oder wie bist du der Konzeption vorgegangen?

Du hattest mich vorgewarnt und es war auch so: Ein Kinderbuch zu schreiben ist schon etwas ganz Besonderes! Das Buch sollte das Thema Hochsensibilität kindgerecht und mit einer angenehmen Leichtigkeit vermitteln, so dass sich Kinder in der Geschichte wiederfinden, sich verstanden fühlen und sich im besten Fall mit der sympathischen Hauptfigur Betty identifizieren können. Gleichzeitig brauchte die Geschichte natürlich auch einen Spannungsbogen.

Meine Vorgehensweise war folgende: Ich habe die relevanten Themen gesammelt – Welche Besonderheiten haben hochsensible Kinder? Wo gibt es Herausforderungen und Schwierigkeiten? Welche guten „Lösungsansätze“ im Umgang mit hochsensiblen Kindern fallen mir ein? Dann habe ich mir eine kapitelweise Grobstruktur für die Geschichte gebaut sowie mir die wichtigsten Charaktere der Geschichte ausgedacht. Viele Ideen kamen allerdings auch erst beim Schreiben oder durch die Gespräche und das Feedback von der Verlegerin.

 

Du hattest in einer Mail erwähnt, dass zwischendurch deine Beharrlichkeit, Zuversicht und Geduld hart auf die Probe gestellt wurden. Wie das?

Ja, das ist natürlich rein subjektiv. Dieses Buch-Projekt war bzw. ist eine Herzenssache für mich. Ich wollte diese kleine Person namens Betty unbedingt auf die Bücher-Welt bringen. Entsprechend war ich emotional involviert.

Ich weiß nicht genau, was andere Autoren an Durchhaltevermögen benötigt haben. Aus meiner Sicht, hat es mich Überwindung gekostet, nach der Absage des Verlages, noch einmal anzuklopfen, um nachzufragen, ob nicht doch ein Interesse an der Veröffentlichung besteht …

Und dann gab es eine gefühlt lange Schwebephase: Wird es klappen oder nicht? Als Mensch, der Dinge gerne schnell umsetzen möchte, die ihm am Herzen liegen, kam mir die Zeit jedenfalls lang vor. Rückblickend staune ich jetzt eher, wie schnell und glatt alles lief … Es ist eben alles eine Frage der Perspektive!

 

Auf deiner Website lese ich dein Motto „Wer sich ändert, bleibt sich treu!“ und finde, dass das wunderbar dazu passt, seine Hochsensibilität anzunehmen …

Ja, um Annehmen geht es, aber nicht um ein Sitzenbleiben auf seiner Hochsensibilität. Man bleibt sich treu, indem man sich ändert. Schrittchen für Schrittchen. Dann kommt man mit vielen Situationen zurecht, die vorher eine Herausforderungen dargestellt haben …

Oder: man verändert die Situationen, statt sich ihnen ausgeliefert zu fühlen. All das heißt auch, mal über den Tellerrand zu schauen. Da sind wir ganz schnell bei meinem Lieblingsthema Kreativität. Die Fähigkeit, kreativ Probleme zu lösen, ist eine gute Grundausstattung für Veränderungsprozesse. Hochsensible Menschen haben davon üblicherweise eine dicke Scheibe abbekommen. In der Geschichte „Wie Betty das Wutgewitter bändigt“ erfährt man, wie Betty ihre Kreativität nutzt, um ihre Herausforderungen zu meistern.

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Wie Betty das Wutgewitter bändigt

Stefanie Kirschbaum
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