Deine Leser

Die Besonderheiten bei Persönlichkeits- und Lebensthemen

Es gibt einen großen Unterschied, ob du über ein Thema schreibst, das für alle gleich ist – oder ob deine Texte deinen LeserInnen persönlicher auf die Pelle rücken.

Was meine ich? – Wenn ich ein Kochrezept veröffentliche, über eine Fremdsprache blogge oder Computertipps gebe, ist diese Information für alle gleich. Allenfalls gilt es, die Erklärungen dem Wissensstand deiner Zielgruppe anzupassen: Doch auch dann wirst du nur prinzipiell unterscheiden, zum Beispiel laiengerecht erklären, was zu tun ist.

In dem Moment, wo du über Gefühle, Verhaltensweisen und persönliche Entscheidungen schreibst, wird es deutlich anspruchsvoller! Selbst, wenn du noch so sattelfest in deinem Thema bist + im persönlichen Kontakt mit deinen Kunden großartige Ergebnisse erzielst.

Grund 1: Die Variable „einzelner Leser“

Wir Menschen sind komplex. Immer, wenn du ein Thema hast, bei dem du möchtest, dass der Leser sich über etwas klar wird, sein Verhalten ändert, einen Entschluss trifft, spielt zunächst einmal die Persönlichkeit eine große Rolle.

Lassen wir deinen Leser selbst zu Wort kommen:

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Ganz schön viel Holz! Und das ist noch nicht alles, denn es gibt weitere „Mitmischer“:

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Wenn du dir jeden Punkt genauer anschaust, wird deutlich, wie viele Variablen schon in einer einzigen Person darüber mitentscheiden, ob und wie deine Botschaft ankommt. Vor allem, ob deine Leser etwas damit TUN.

Grund 2: Du hast es mit vielen Unbekannten zu tun

Es ist bereits anspruchsvoll, einen einzigen Leser richtig an die Hand zu nehmen. Noch dazu einen, den du gar nicht persönlich kennst!

Jetzt wird’s noch kniffliger: Tatsächlich hast du es mit vielen dir unbekannten Lesern zu tun, die wiederum ganz verschiedene dieser Variablen haben.

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Äh, und jetzt?

Zwei Denkfehler und die fatale Konsequenz

Es gibt bei Fachleuten, die schreiben, zwei Tendenzen:

➡ Die einen haben sich noch nie darüber Gedanken gemacht, dass ihre Leser ja nicht nur aus einer allgemein formulierten Zielgruppe bestehen, sondern aus einzelnen Persönlichkeiten. Das passiert übrigens ganz schnell, denn man geht beim Schreiben oft recht nüchtern vor. Da hat man dann vor Augen „Ich schreibe für Führungskräfte“ oder „Meine Zielgruppe sind Leute, die sich beruflich umorientieren wollen“ – und dann vergisst man häufig ganz einfach, dass die Leserschaft, die man da erreichen möchte, aus einzelnen Menschen besteht.

In Coachings oder Trainings ist das automatisch anders: Denn hier sitzen dann beispielsweise die Führungskräfte einzeln vor dir. Du kennst sie, kannst sie anschauen, sie stellen Fragen – oder du hakst ein, führst, bohrst nach. In der Regel mit konkreten Anliegen.

Etwas Bestimmtes vor Augen zu haben und dazu passgenaue Tipps zu geben, ist viel einfacher, als das Thema so aufzubereiten, dass die vielen unbekannten Persönlichkeiten da draußen sich angesprochen fühlen + aktiv werden können.

➡ Die anderen wissen um das Dilemma und schließen daraus, dass sie an der Oberfläche bleiben müssen. Wie soll das sonst auch gehen? Man kennt die Leute ja nicht, man kann niemals diese ganzen Variablen erahnen, geschweige denn wäre es machbar, sie zu berücksichtigen.

Die fatale Konsequenz ist, dass du mit angezogener Handbremse schreibst. Bleibst du zu oberflächlich, produzierst du leider schnell das, was ich „Okay-Texte“ nenne: Das sind Texte, die voller Engagement geschrieben sind, die oft sogar gut klingen, die aber nicht wirklich was bringen. Leider geben sie meist nur das wieder, was woanders schon zigmal steht oder enttäuschen den Leser. Denn sie erreichen ihn nicht oder hören gerade da auf, wo es für ihn relevant würde:

  • Was heißt das für mich?
  • Wie geht das?
  • Was kann ich tun?

Diese angezogene Handbremse blockiert außerdem dein Weiterkommen. Denn du nutzt die – durchaus fordernde – Gelegenheit nicht, dein Wissen neu und anders aus deinem Kopf zu ziehen.

Das Schreiben ist eine irre Bereicherung für uns selbst und unsere alltägliche Arbeit mit Kunden, wenn wir nicht versuchen 1:1 abzubilden, was wir im Alltag tun, sondern wenn wir unseren Expertenkopf anders anzapfen.

Fokussierter und relevanter werden

Mein Vater hat immer einen dieser Sprüche zitiert, den ich damals saublöd fand: Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. 😉

Ich bevorzuge ja „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“. Erst, wenn wir auf etwas aufmerksam geworden sind, können wir auch drauf achten.

Alleine beim Schreiben viel mehr die MENSCHEN im Blick zu behalten, die deine Zielgruppe ausmachen, zeigt dir, dass – und wo – du aufpassen musst: Wo es mehr zu erklären, den Rücken zu stärken, an der Hand zu nehmen gilt. Wo es wichtig ist, nicht zu viel zu verlangen oder es bei Appellen zu belassen.

Beim Schreiben gibt es zahlreiche Ansätze, wie du deine Texte allgemein relevanter machen kannst – von der Themenwahl über die genaue Zielgruppe über die sinnvolle Struktur und Auswahl der Inhalte. Hier auf schreibnudel.de findest du Tipps und Anregungen ohne Ende, acker dich besonders durch die von mir empfohlenen Schreibphasen. Auch wenn du das Prinzip schon kennst!

Weil:

Durch das Plankton-Thema und die Konzeption bist du gezwungen, richtig konkret zu werden. Genau hier steckt die Chance, die fast alle Selbstständigen, mit denen ich schreibe, noch nicht richtig ausnutzen: Sie denken sie gehen schon handfest in die Tiefe, und doch greifen sie im ersten Anlauf immer noch viel zu kurz. Da geht noch jede Menge!

Wenn du dich schwer tust, das alleine wirklich konkret zu machen, arbeite mit mir: Wir berücksichtigen diese Relevanz für alle deine LeserInnen in jedem Workshop und Coaching.