Lesernutzen

Was bringts deinem Leser?

Über Leser-Reaktionen, auf die man gefasst sein sollte, die es zu vermeiden gilt und was daran ungut ist, wenn deine LeserInnen denken „Warum sollte ich?“ habe ich schon geschrieben.

Wie wichtig es ist, so richtig handfesten Nutzen reinzubringen, ist ständig Thema – hier im Blog, in meinen Workshops und Coachings. Denn der tollste Text bringt nichts, wenn er nichts bringt. 😉

Schauen wir uns heute an, welche Leser-Reaktionen wir haben möchten:

neuesgelernt

Leser freuen sich, etwas Neues zu lernen. Das muss nicht immer bedeuten, dass ein Inhalt komplett neu ist. Es kann auch eine besonders verständliche Erklärung zu einem komplexen Thema sein. Oder ein Fremdwort, das im Text gleichzeitig erklärt wird. Oder ein interessanter Buch- oder Linkhinweis, mit dem dein Thema ergänzt ist.

Viele Selbstständige denken „es ist doch alles schon dagewesen“, doch das stimmt nicht. Je mehr du auf kleine Themenfacetten achtest und je mehr du ihnen deinen eigenen Dreh gibst, desto mehr gehst du in die Tiefe. Und nur in der Tiefe steckt bekanntlich der Lesernutzen. Bleibst du hingegen zu sehr an der Oberfläche, dann wissen deine Leser tatsächlich oft schon alles.

erinnert

Selbst, wenn man etwas eigentlich weiß oder schon öfter gelesen hat: Nicht immer bleibts im Kopf und vor allen Dingen macht man oft nichts damit. Ein schöner Mehrwert ist es, wenn du deinen Lesern etwas in Erinnerung rufst. Dann schnackelts im Hirn: „Aaaaaah! … das kenn ich doch, wollte ich, hab ich früher mal, stimmt eigentlich …“.

Je persönlicher du dein Thema anpackst und je handfester du wirst, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht nur bei der Erinnerung bleibt, sondern was damit passiert. Das kennst du doch: Oft liest man etwas wieder und wieder und wieder, doch diese eine Buchstelle oder dieser eine Blogtext sagt es in eigenen Worten so, dass es einen Heureka-Moment herbeiführt.

bestaetigt

Woran ich Euch immer erinnere, ist, dass Ihr MIT Euren Lesern sprecht, anstatt an sie hinzuschreiben. Das passiert nämlich leider ganz schnell, erst recht, weil das Schreiben für viele ein Act ist. Da ist dann die eigene Aufmerksamkeit verständlicherweise auf sich selbst und den Text gerichtet. Das Plaudern bleibt dann schnell außen vor. Gleichzeitig ist das eine wichtige Zutat, die ein Band zu deinen LeserInnen schafft.

Sich bestätigt und vor allem bestärkt zu fühlen, das schaffen keine nüchternen Fakten, dafür ist das Wie ausschlaggebend.

Was für ein schöner Mehrwert ist es, wenn du als Fachkraft etwas vorschlägst oder Verständnis hast, sodass deine Leser sich gut fühlen. „Das mach ich schon!“, „Ich muss nicht perfekt sein!“, „Es ist normal, dass ich da und damit Schwierigkeiten habe!“.

andereaugen

Etwas mit anderen Augen zu sehen, kann – je nach Thema – vieles bedeuten:

  • Es kann sein, dass du einen Perspektivenwechsel erreichst. Wenn Leser bisher eine bestimmte Position einnehmen und du ihnen eine andere vor Augen führst, du vielleicht sogar gezielt polarisierst.
  • Es kann sein, dass sie sensibilisiert dafür werden, dass eine Sache komplexer ist, als sie auf den ersten Blick aussieht. Oder dass sie sich zum ersten Mal gefühlsmäßig in andere Facetten des Themas eindenken können.

Dabei geht es nicht darum, dass sie deine Meinung teilen. Indem du in deinen Texten näher hinschaust, bekommen deine Leser ganz automatisch einen differenzierteren Blick. Je regelmäßiger Sie dich lesen, desto mehr verinnerlichen sie das – und profitieren im eigenen Alltag.

impuls

Nicht immer geht es bei Texten darum, ein Thema direkt zu lösen. Und nicht immer geht es darum, dass sofort was passiert. Der kleine Bruder vom Tun ist der Impuls. Da wird – in unterschiedlicher Stärke – etwas beim Leser bewegt.

Ein Impuls stößt innerlich etwas an. Manchmal ist es der erste Dominostein, und wenns der kleinste Schritt ist. Oft ist ein Impuls etwas, das pulsiert … manchmal mit längerer Inkubationszeit. Doch dieses Pulsieren, das du ausgelöst hast, ist dem Leser sehr stark bewusst und es ist im positiven Sinne aufregend für ihn.

veraendern

Schön ist es, wenn dein Text eine innerliche Bereitschaft anzündet. Manchmal passiert das durch einen Impuls. Doch es geht natürlich auch aus dem Stand. Allerdings nur, wenn du deine LeserInnen nicht überforderst.

Je kleiner und konkreter du wirst, je mehr du deine Leser wirklich an die Hand nimmst, desto mehr löst du die Lust aus: „Jetzt (bald) ist es soweit! Ich spüre, dass ich in die Gänge komme, ich habe das Zutrauen und die Lust, es anzupacken!“

tun

Die Königsklasse ist es, deine Leser ins Tun zu bringen. Besonders, wenn du über Persönlichkeits- und Lebensthemen schreibst, ist das ein anspruchsvolles Unterfangen. Denn hier spielen so viele Variablen mit rein, die es dem einzelnen Leser bisher schwer machen + du bist gefordert, deine Werkzeuge anders aus deinem Kopf in den Text zu bringen als du es kannst, wenn du 1:1 mit Kunden zu tun hast:

 

Die wichtige Frage VOR dem Schreiben:

Eine der drei weichenstellenden Fragen beim Vorausdenken jedes Textes ist „Was soll der Leser wissen, können oder tun?“ Ich empfehle meinen Kunden, sich das immer genau so zu fragen. Nicht „Was ist der Lesernutzen?“, sondern „Was soll der Leser wissen – können – oder tun?“ So stellst du sicher dass mindestens einer oder idealerweiser mehrere der genannten Aspekte im Text sind, und zwar richtig handfest.