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5 Gründe, Texte im Blog zu löschen

Seit bald zwanzig Jahren veröffentliche ich jetzt Tipps im Netz und habe schon zwei Websites komplett zugemacht, also insgesamt Tausende von Artikeln einfach so gelöscht.

Im ersten Moment kann ich da Franz nur zustimmen:

 

Auch SEO-Leute schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, wenn man alten Content entfernt, der vielleicht nach wie vor sehr populär + auf anderen Seiten zahlreich verlinkt ist.

wegwerfen

Dennoch gibt es aus meiner Sicht gute Gründe dafür, sich von Texten zu trennen.

1. Das bist nicht mehr du.

Besonders wenn du regelmäßig schreibst und erst recht, wenn du gezielt an deiner Schreibe gearbeitet hast, hast du dich weiterentwickelt. Wenn ich mir heute meine Texte aus den ersten Jahren anschaue, schüttelt es mich manchmal. Nicht, weil die Inhalte schlecht waren, sondern weil sie der Heute-Gitte nicht mehr entsprechen.

Es fühlt sich für mich nicht richtig an, wenn ich Texte vor mir habe, die nicht mehr nach mir klingen. Außerdem kann ich es nicht leiden, wenn ich meinen eigenen aktuellen Standards nicht gerecht werde. Beides ist als Selbstständige besonders wichtig, weil jeder Text ein Stellvertreter für mich und meine Arbeit ist.

Doch es ist auch aus schreiberischer Sicht schön, wenn ein Blog die eigene Entwicklung reflektiert: Denn wenn du heute lockerer, persönlicher und mit viel mehr Substanz schreibst, dann ist der alte Content kontraproduktiv.

2. Der Text ist überholt.

Manche Inhalte veralten. Wer beispielsweise eine Software-Funktion erklärt hat, die es so gar nicht mehr gibt oder einen Steuertipp empfohlen hat, der nicht mehr gültig ist, müsste den Artikel ergänzen. Doch warum sollte jemand einen veralteten Artikel durchlesen, nur um anschließend zu erfahren: Das gilt so aber nimmer! Je nach Inhalt ist es sinnvoller, den Artikel neu zu schreiben. Was ja unter dem bestehenden Link passieren kann.

Texte veralten aber auch, was die eigenen Ansichten angeht. Auf manche Inhalte schaut man zurück und sagt:

  • Das sehe ich heute differenzierter.
  • oder: Da würde ich heute ganz anders mit umgehen.
  • oder: Ich habe eine viel wirksamere Vorgehensweise als seinerzeit.

3. Rückblickend ist der Text nicht gut genug/nützlich/klar etc.

Oft sagen mir WorkshopteilnehmerInnen: „Ich lese Texte plötzlich mit anderen Augen. Jetzt fällt mir erst auf, wie … oberflächlich/uneindeutig/verwirrend … das ist.“

Das ist das Schöne, wenn man tiefer in eine Fähigkeit einsteigt: Man merkt mehr. Das kann dazu führen, dass du bei früheren Texten erst jetzt feststellst, dass der Aufbau nicht passt, dass zu viele Gedankenschleifen drin sind oder dass du etwas zu sehr vereinfacht hast.

Das muss nicht bedeuten, dass ein Text komplett raus muss. Doch manchmal ist es die bessere Wahl – erst recht, weil Texte, wie gesagt, immer ein Stellvertreter für dich, dein Blog und deine Leistungen sind. Die gute Nachricht: Man kann frühere Themen viel sinnvoller neu aufgreifen – oft ergeben sich so gleich mehrere großartige neue Texte, denn meistens sind alte Texte, bei denen es hakt, viel zu schwammig (kein Plankton).

4. Du hast Kraut und Rüben im Blog.

Viele starten mit ihren Blogs einfach so. Doch ohne klares Konzept passiert es halt sehr schnell, dass sich die Inhalte verselbstständigen. Erst recht, wenn du fleißig warst und dein Archiv stetig gewachsen ist.

Entweder wird jetzt die Blogwartung vernachlässigt, so dass manche Kategorien aus den Nähten platzen und andere dümpeln. Oder es kommt zum anderen Extrem und es gibt viel zu viele Kategorien.

Wenn dann noch ein wilder Mix an Inhalten dazukommt, vielleicht weil du zwischendurch mal Lust hattest, was Privates zu schreiben, das nicht wirklich mit dem Blogthema zu tun hat, entsteht zwangsläufig früher oder später Kraut und Rüben.

Machst du dich dann an einen roten Faden und eine neue Struktur, kann es gut sein, dass manche Inhalte keinen Platz mehr haben.

5. Texte passen nicht mehr ins Konzept.

… so geht es mir aktuell mit der Himbeerwerft. Mal abgesehen davon, dass mehrere der genannten Punkte zutreffen, habe ich insgesamt was anderes vor.

Und eigentlich wusste ich das schon, als ich die Seite kürzlich umgebaut habe. ABER: Ich habe besonders an zwei sehr vollen Kategorien von früher festgehalten, weil die Inhalte gut oder lustig sind – und weil insgesamt sehr viel Arbeit drinsteckt.

Also genau das, was Franz ansprach.

Wenn aber das, was man selbst oder/und für sein Business AKTUELL plant, etwas anderes ist, dann spielt es keine Rolle, ob es viele Inhalte gibt, die viel Zeit und Arbeit gekostet haben. Sind Inhalte für die aktuelle Richtung einfach nicht passend, dürfen sie dein Blog nicht belasten.

Klar ist dann immer die Entscheidung: Will ich die Inhalte anders nutzen? Ein eigenes Blog oder ein E-Book draus machen oder das bisherige Blog schließen, aber noch online einsehbar lassen?

Doch wenn Texte deine aktuellen Pläne verwässern oder überhaupt nicht sinnvoll reinpassen, dann ist es Zeit, sich zu lösen.

Die Arbeit, die man reingesteckt hat, ist ja nicht umsonst: Alles, was ich bisher in meinem Leben geschrieben habe – und das sind wirklich unzählige Artikel – hat vielen Lesern genützt und mich weitergebracht.

Ausmisten!

Die wenigsten von uns häufen Dinge – oder Menschen – im Laufe ihres Lebens immer nur an. In der Regel begleiten sie uns eine Weile. Dann hat man mal Lust auf was Neues, die Umstände verändern sich oder man lebt sich auseinander.

Genauso ist das mit Bloginhalten. Besonders, wenn du für dein Business bloggst. Das bedeutet nicht, vorschnell Zeug zu löschen. Es heißt einfach: Sei bereit zum Abklopfen – inklusive Ausmisten.

Das macht den Platz frei. Manchmal ist Tabula Rasa, also ein richtiger Neuanfang, sogar das Allerbeste! Gerade, wenn du keine Lust mehr auf dein aktuelles Blog hast.