Lesernutzen

Was du für deine Leser noch tun kannst: „Wir sind alle nur Menschen.“

Lass deinen Lesern ihre Gefühle!

Wir sind alle total unterschiedlich. Je nach Persönlichkeit, Erfahrungsschatz, aktueller Lebenssituation denken, fühlen und handeln wir verschieden. Wann immer du einen Text veröffentlichst, der näher an deine LeserInnen heranrückt, weil es zum Beispiel ums eigene Reflektieren geht, löst das eine ganze Menge aus – besonders, wenn Denk- oder Handlungsweisen verändert werden sollen.

Darum wirkt reine Tschakka-Propaganda oft anstrengend oder sogar demotivierend. Bei persönlichen Themen gehen wir den Lesern an die Substanz. So wunderbar und wichtig es ist, positiv zu appellieren, so wirkt es ganz anders, wenn du deinen Lesern ihre Gefühle lässt. Das kann bedeuten, dass du ansprichst, dass eine bestimmte Situation erstmal frustrierend sein kann oder dass du einfach nur in deinem Text aufgreifst, dass es eben nicht ganz so einfach ist.

Die Dinge sind komplexer, gerade wenn es um uns selbst geht.

Erst kürzlich habe ich darüber geschrieben, warum das Vereinfachen nachteilig ist. Damit ist allerdings auch gemeint, was sich in unseren Lesern alles bewegt.

Nehmen wir das Schreiben. Auf den ersten Blick ein reines Fachthema, ist das ein extrem persönlicher Prozess – und darum eben auch ein sehr komplexer. Da spielt nämlich unter anderem eine Rolle, was ich mir zutraue; wie weit ich mich aus der Deckung wage; wie klar ich Standpunkt zeige; wie kritisch ich bin; wie ich mit der Aussicht auf Feedback umgehe; wie mein Lernverhalten und meine Frustrationstoleranz ist; und und und

In meinen Workshops sag ich immer „Hab Spaß dabei!“, wohl wissend, dass das für viele oft nicht geht. Darum betone ich gleichzeitig: „Es ist völlig normal, dass es mal stockt und dass du die Dinge nicht auf Anhieb kannst. Bevor du dir also die Haare ausreißt, frag mich gleich, dann helf ich dir drauf!“

Schon der einfache Tipp „Sei wie du bist“ wirkt auf manche erlösend, doch bei anderen kommt eine Kaskade von „Aber“ oder gar Verunsicherung in Gang. Was, wenn ich mich als zu forsch, zu uninteressant, zu dumm oder oder oder empfinde?

Es ist vertrauenserweckend und eine Erleichterung, wenn man als Leser spürt, dass der Mensch hinter einem Text erkennt, dass eine Sache komplexer ist. Dass es so gut wie nie nur eine eindimensionale Sicht der Dinge gibt.

Zeig dich nicht nur als Experte, sondern als Mensch.

Es ist – gerade bei uns schreibenden Selbstständigen – sehr viel glaubwürdiger und sympathischer, wenn

  • wir realistisch sind,
  • persönliche Erfahrungen teilen
  • und dosiert auch Makel + Defizite preisgeben.

Das „dosiert“ bezieht sich darauf, dass das natürlich eine differenzierte Geschichte sein muss. Gleichzeitig soll unsere Zielgruppe ja das Vertrauen haben, dass sie bei uns fachlich gut aufgehoben sind. Wer seine Schwächen oder Defizite also übertreibt oder zu unsicher rüberkommt, bei dem möchte man nichts kaufen.

Der positive Zusatzeffekt ist, dass deine Texte automatisch einzigartiger werden, wenn du persönlicher wirst. Denn dann bekommen sie inhaltlich und schreiberisch deinen eigenen Stempel.

Was du für deine Leser noch tun kannst:

Teil 1: „Wir sind alle nur Menschen.“
Teil 2: Bestätige Sie!
Teil 3: Mut hat viele Facetten