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5 ausgeflippte Ideen, an einen Text ranzugehen

Du kannst dir das Schreiben spannender, besonderer und spaßiger machen, indem du dir von vornherein einen außergewöhnlichen Rahmen für einen Text schaffst: Heute stelle ich dir fünf Ideen vor, wie du mal ganz ausgeflippt an dein Thema rangehen kannst.

Es kann sein, dass daraus dein Text entsteht. Es kann auch sein, dass du es einfach nutzt, um Stoff für einen ganz anderen Artikel zu sammeln.

Wie würde … das Thema angehen?

Das ist ein klassischer Tipp, der für viele andere Situationen genutzt wird – fürs Schreiben ist er genauso hilfreich: Nimm den Blickwinkel einer anderen Person ein.

  • Das kann eine bekannte Person sein, z. B. Salvador Dali, Dr. Who, Nina Hagen.
  • Es kann eine fiktive Person sein – aus einem Roman oder TV, die dich beeindruckt.
  • Oder jemand aus deinem Umfeld: die praktische Großmutter, die Lebenskünstlerin von nebenan, der logische Schwager. Eine Katze oder der Goldfisch.

Wenn du dich in diese andere Person versetzt, schaust du völlig neu auf deine Themen.

  • Ein Managementtrainer überlegt, wie seine resolute Oma damit umgehen würde, wenn bei Meetings jeder mit seinem Smartphone beschäftigt ist.
  • Eine Webdesignerin schreibt darüber keine Kompromisse einzugehen, wenn ein Kunde aus Kostengründen abwinkt, und stellt sich vor, wie man Dagobert Duck trotz hartnäckigen Knauserns von einer Idee überzeugt.
  • Ein Coach plädiert dafür, den eigenen Rhythmus zu beherzigen, und lässt einen Kolibri mit einer Kuh debatieren.

Alles geht! Hab Spaß damit – wir wollen nicht nur frische Ideen, sondern in erster Linie ganz viel Gaudi. So werden die Schreib-Betten aufgeschüttelt, was die Lust entfaltet.

Dieser Blickwinkel-Wechsel hilft übrigens sehr gut, wenn du mit einem Thema unsicher bist, denn das nimmt Hemmungen: „Ich schreib das jetzt mal aus Sicht von XY [der überzeugt von sich ist und selbstbewusst über das Thema spricht]“.

Zwei oder drei überraschende Begriffe miteinander koppeln

Was hat X mit Y gemeinsam?

z. B. Was hat der Sonnenuntergang mit dreckiger Wäsche gemeinsam?

oder: Von A, B und C.

Von heulenden Nichten, wilden Meerschweinchen und einem wackeligen Holzgeländer.

Achtung! Diese Kombinationen sind auf verschiedene Arten für Texte verwendbar:

  • Du kannst Dinge, die gerade aktuell für dich sind, kombinieren und einen gemeinsamen Nenner finden, z. B.: Mein Sixpack, mein Dachfenster und ein Buch, das die 10. Auflage nicht erreicht.
  • Du kannst passend zu einer vorhandenen Themenidee entsprechende Begriffe finden und die überraschende Kombination als Sprungbrett nutzen.

Etwas x-Beliebiges nehmen und daraus einen Tipptext schreiben

Eine besonders schöne Sache ist es, sich selbst herauszufordern. In Workshops oder der Schreibnacht vor einigen Jahren habe ich das schon verwendet, etwa zu einer Stimmtrainerin gesagt:

Geh in die Küche, nimm irgendein Küchengerät und mach eine Übung draus. Zum Beispiel: Wie Sie mit einem Küchensieb an Ihrer Stimme arbeiten können.

Der Clou ist: Man hat selbst natürlich noch keinen blanken Schimmer, was man da schreiben könnte! Dadurch kommt garantiert was ganz Besonderes raus. Du wirst erstaunt sein, was dir alles an sinnvollen neuen Methoden und Übungen einfällt, erst recht, wenn du dich mit dem Gegenstand forderst.

Das kannst du natürlich genauso im übertragenen Sinn nutzen. Bei einem Tipp „Rhabarber gegen Stress“ kann es sich um das Wort „Rhabarber“ handeln und eine lustige kleine Übung, wie man sich in stressigen Situationen mit „Rhabarberrhabarberrhabarber-Gemurmel“ runterholt, die Atmung normalisiert, die aufgeregte Stimme tieferlegt und gleichzeitig lachen muss, was auflockert.

Zitat/Redewendung/Motto, das offensichtlich erfunden ist

Wir alle kennen die vielen Zitate – vor allem fernöstliche Weisheiten. Es ist sehr lustig, wenn man im Stil solcher Weisheiten oder Redewendungen einfach selbst was erfindet.

Wie eingangs gesagt, muss das später nicht im Text landen (kann aber). Es hilft dir auf jeden Fall, dein Thema witzig zu betrachten. Selbst wenn der Text nicht lustig wird, sorgt die Herangehensweise dafür, dass du den Text anders aufziehst. Zum Beispiel:

  • Eine chinesische Weisheit besagt: Du sollst deine Fenster nur alle zwei Jahre putzen.
  • Mein Motto ist: Wieso Salat, wenn du Schnitzel haben kannst!

Natürlich soll das nicht einfach Schmarrn werden, sondern schon mit dem Thema verbunden sein. Beim Fensterputzen könnte das Thema lauten, dass man oft Gewohnheiten übernommen hat und sie ohne zu hinterfragen „machen muss“, z. B. jeden Freitag die Fenster putzen, weil das die Mutter immer so gemacht hat. Wenn man mit der absurden chinesischen Weisheit anfängt, kann man ausführen, was sich hinter dieser Weisheit genau verbirgt. Wenn es abstrus ist, kommt gleich ein Schuss Humor in den Text.

Leser zum Schmunzeln zu bringen oder sonst die Gefühle zu aktivieren, ist immer gut! Es macht deine Texte wirkungsvoller und man merkt sich die Botschaft besser.

Ob du das dann genau so verwendest, ist zweitrangig. Aber du bringt das Gehirn auf andere Wege und denkst um eine neue Ecke.

Der übliche Rat ist …/Was … nicht weiß …

Eine sehr schöne Sache ist es, an übliche Empfehlungen anzudocken, aber dann zu widersprechen, sie auf den Kopf zu stellen … also die Leser mit einer überraschend anderen Ansicht konfrontiert.

zum Beispiel:

  • Der Kunde will kein König sein.
  • Einarbeitungspläne für neue Mitarbeiter sind Quatsch
  • Wenn du es eilig hast, geh nicht langsam, sondern renn los!

Oder du greifst etwas auf, z. B. was „die Wissenschaft“ oder „die Gesellschaft“ sagt und setzt etwas dagegen à la „Was … nicht weiß/nicht bedenkt/falsch verstanden hat …“

Das soll natürlich nicht nur ein Gimmick sein, sondern jetzt heißt es, das im Text dann schlüssig weiter auszuführen.

PS: Bitte drandenken, dass das nur Ideen für die Themenwahl sind. Nicht einfach aus dem Stand losschreiben. Gerade bei einem kreativeren Anfang gerät sonst schnell die Substanz in den Hintergrund. Der Plankton-Arbeitstitel und ein ordentliches Konzept sollten immer vorgeschaltet sein! zu den Schreib-Basics