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Deinen Expertenkopf steuern

Immer wieder erwähne ich den Expertenkopf – meistens ist der beim Schreiben mit Vorsicht zu genießen: Denn wir wissen so viel, dass das gerne mal auf einmal raus will.

Das, gekoppelt mit dem Irrglauben, dass ein Text nützlicher wird, je mehr man reinstopft [„viel hilft viel“] macht Probleme auf allen Seiten. Für die Leser. Vor allem für dein Business und deine Schreibfähigkeiten. Wenn zu viel Inhalte in einen Text dürfen, endet das an der Oberfläche oder es kommt zu Kraut und Rüben.

Jetzt ist so ein Expertenkopf natürlich ein richtiger Schatz. Ist doch genial, sattelfest in einem Thema zu sein! Je versierter du in deinem Arbeitsalltag bist, desto mehr Know-how, klare Ansichten und Erfahrungen tummeln sich da. Also schauen wir mal, wie du deinen Expertenkopf beim Schreiben positiv anzapfen und weiterentwickeln kannst.

Letzteres ist einer der besten Nebeneffekte, wenn du für dein Business schreibst: Du merkst, was du alles auf dem Kasten hast UND du wirst noch schlauer, weil du beim Schreiben dein Wissen anders aus dem Kopf holst. Vor allem bist du gefordert, das, was im Alltag funktioniert, oft neu auszudenken.

Als Selbstständige/r kannst du nicht 1:1 übertragen, was du im Alltag machst

Pick eine kleine, konkrete Sache raus!

Yep, das ist das Plankton, von dem ich immer spreche. Jetzt heißt das nicht umsonst „Plankton“ – es ist nämlich noch viel kleiner als du mit deinem Expertenkopf denkst.

Ein Beispiel:

  • Ich schreibe was zu Geduld. = Das ist kein Plankton: Das ist ein viel zu weites Feld – Schlagwörter sind immer dein Feind!
  • Für Leute, die nicht warten können: Geduldiger werden. = Das ist ein Plankton-Thema, zu dem man ganz viele Texte schreiben könnte – je nach Arbeitstitel.
  • Für Nichtwartenkönner: 3 witzige Übungen, mit denen du in der nächsten Warteschlange deine Geduld trainieren kannst = Ein aussagekräftiger Arbeitstitel gibt dem Plankton-Thema eine glasklare Richtung. Du weißt genau, worum es im Text geht.

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Gerade weil in deinem Hirn ein riesiger Wissens-, Meinungs- und Erfahrungsschatz steckt, ist es wichtig, es auf eine konkrete Sache anzusetzen.

Sei dir bewusst, dass dein Hirn jetzt leuchtet wie ein Weihnachtsbaum.

Selbst bei einem so klaren Suchbefehl ist jede Menge los in deinem Expertenkopf. Denn wenn du „Warteschlange, nicht warten können, Geduld“ denkst, geht im Hirn der Punk ab.

Darum ist der Plankton-Arbeitstitel so wichtig: Der hält dich auf Kurs, aber nur, wenn du ihn wirklich fest vor der Nase behältst. Es geht eben nicht nur um „ungeduldig, nicht warten können in Warteschlangen“, sondern wir wollen hier und jetzt

3 witzige Übungen,
mit denen Nichtwartenkönner
in der nächsten Warteschlange
ihre Geduld trainieren können

Wenn du dich ganz eng an diese Kriterien hältst, dann hilft dir dein Gehirn. Ich betone das, weil das viele eben nicht tun: Selbst, wenn sie einen superkonkreten, aussagekräftigen Plankton-Arbeitstitel wählen, denken sie dann doch nur grob an ihr Thema. Das merke ich nicht nur daran, dass oft jede Menge anderes Zeug im Konzept landet, sondern vor allem an den Pappenheimern, die ihr Konzept und den Entwurf OHNE Überschrift – also ohne den Plankton-Arbeitstitel – angehen.

Da fall ich übrigens regelmäßig in Ohnmacht!

Alles am Plankton-Arbeitstitel ist relevant, darum hast du ihn so aussagekräftig wie möglich formuliert: Er sagt dir, worauf dein Text genau hinausläuft. Er steckt bereits grob die Bandbreite des Themas ab.

Dein Expertenkopf aber ist sehr dominant, der kann – und will – immer wieder ausbrechen. Darum ist es so wichtig, das, wofür du dich entschieden hast, ganz fest als Geländer für den Text zu nutzen.

Stell dir gezielte Fragen!

Damit kommen wir zugleich auf den Faktor „Zeit“ zu sprechen: In meinen Workshops gebe ich für jede Schreibetappe eine Zeitempfehlung und sag „stell dir eine Eieruhr“! Bei manchen löst das Panik aus, weil sie sich gedrängelt fühlen.

Jetzt ist es aber so, dass wir uns locker die Zeit begrenzen können. Weil wir sattelfest im Thema sind!

Ich erinnere immer wieder daran: Im Alltag, wenn Ihr angerufen werdet oder einem Kunden gegenübersitzt, dann müsst Ihr auch nicht eine Stunde lang rumüberlegen!

Natürlich könnt Ihr ad-hoc Informationen, Beispiele, Tipps, Erfahrungen … rausspucken.

Jetzt sagen mir Kunden oft: „Aber, aber … im Alltag ist das viel leichter, weil ich da eine konkrete Frage beantworten kann!“

Genau!

Wenn du also merkt, dass du zu viel gleichzeitig im Kopf hast oder dich von deinem Plankton-Thema entfernst, dann stell dir gezielte Fragen zu einzelnen Aspekten.

In unserem Beispiel etwa:

– Was macht einen ungeduldigen Menschen besonders verrückt in einer Warteschlange?
– Wie äußert sich die Ungeduld innerlich + äußerlich?

Das sind jetzt nur zwei spontane Fragen, doch du siehst schon: Darin stecken die Ansätze, was du als Sofortmaßnahme praktisch angehen kannst + welche Aspekte du ansprechen/dem Leser bewusst machen willst.

Das lässt sich übrigens ganz wunderbar in normalen Gesprächen üben:

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Kram in deinem Kopf, was es dazu noch zu sagen gibt.

Unser Hirn ist effizient. Das, was ihm am schnellsten einfällt, ist das, was „vorne im Kopf“ ist – das Altbekannte, Übliche, die Basics eben. Die sind durchaus wichtig, doch dabei darfst du es nicht belassen!

Wenn du immer nur das nützt, was dir als Erstes einfällt,

  • käust du in Texten das wieder, was überall sonst schon steht.
  • schreibst du das, was die meisten Leser schon wissen.
  • hältst du dich klein, weil du das Vorhandene lediglich konservierst.

Das hat übrigens gar nichts mit Zeit zu tun: Nur weil man nicht gleich das Erstbeste nutzt, ist nicht gleich langes Überlegen nötig, um was Neues zu denken.

Unser Hirn ist ein schlauer Fuchs. Es ist nicht nur flott darin, in seinem Archiv zu kramen, sondern es ist sehr schnell darin, Zusammenhänge zu erkennen und sich auf Basis dessen, was es weiß, NEUE Gedanken zu machen. Du musst es nur lassen.

Verfolge neue Ansätze … um selbst Aha-Effekte zu bekommen.

Neben einer guten Portion Neugier: Vertrau auf dich!

Wenn es um das Schwarz-auf-Weiß-Aufschreiben geht, halten sich viel zu viele EinzelunternehmerInnen noch zu sehr zurück. Gründe, dich ich dazu oft höre:

  • Ich habe Angst, dass ich mich zu sehr aus dem Fenster lehne.
  • Mein eigenes Wissen/meine Meinung ist doch gar nicht so interessant!
  • Ich zitiere lieber Fremdmaterial, dann bin ich nicht angreifbar (auch nicht von Kollegen).
  • Ich schreibe über Thema X erst gar nicht. Es ist doch schon alles gesagt!

Dabei ist es genau anders rum: Als EinzelunternehmerInnen schreiben wir für unser Business. Unsere Kunden und solche, die es werden sollen, möchten VON UNS lesen. Die brauchen nicht den xten alten Aufguss – gerade darum ist deine persönliche Interpretation, Erfahrung und deine Herangehensweise besonders interessant.

Eine wunderbare, simple Grundeinstellung ist, das, was man weiß, immer wieder zu hinterfragen – auf gute Art:

  • Wie ist das genau oder wenn sich Gegebenheit X verändert?
  • Ist das wirklich so?
  • Ist das alles?
  • Wie könnte es noch sein?
  • Was spricht dafür … und was dagegen?

So kommst du weiter. Und deine Texte.  Und deine Leser.

 

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