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Themen im Alltag finden

Leser lieben echte Geschichten. Die erkennen sie wieder oder können sich zumindest einfühlen. Außerdem wird es gleich viel spannender, wenn es nicht nur um Theorie und Tipps geht, weil die Sache direkt im Alltag verankert ist. Am allerbesten ist jedoch, dass du deinen Lesern kleine Einblicke „in dich“ geben kannst. Kommt dann noch hin und wieder ein Makel vor [dosiert!], nimmt man deine Tipps noch viel lieber an.

Für uns BloggerInnen ist die Inspiration aus dem Alltag auch toll,

  • weil uns so die Themen nie ausgehen.
  • weil wir mehr Abwechslung in unsere Artikel bringen.
  • weil sich eigene Erlebnisse + Gedanken daraus flott schreiben.
  • Manchmal ist es wie Therapie: Man bloggt sich was vom Hals.

Es scheint auf der Hand zu liegen, wie man Alltagserlebnisse aufschnappt, und doch höre ich immer wieder BloggerInnen klagen: „Mir fällt nie was Passendes auf!“

Natürlich passiert es selten, dass man gerade zu einem Text, den man aktuell schreibt, im eigenen Alltag was erlebt. Oft macht man sich etwas passend – und noch öfter initiiert das Erlebnis einen Text. Dazu ist wichtig, dass du im Alltag deine Antennen ausgefahren hast.

Vieles, das man im echten Leben mitbekommt, gibt was fürs eigene Blog her.

Man muss es nur erkennen:

Ich hab etwas gesehen/beobachtet.

Dazu brauchst du deine Antennen. Denn ständig passiert was um uns herum, das relevant wird, wenn wir es mit unserem Fachthema in Verbindung bringen. Zum Beispiel eine Interaktion, etwa beim Friseur, du bekommst was mit in einem Laden oder im Zug …

Es gibt Leute, die von Haus aus eher mit sich selbst befasst sind und gar nicht mitbekommen, was um sie herum passiert. Weitaus häufiger bleibt man einfach nicht aufmerksam genug an einer Beobachtung dran. Damit meine ich nicht nur, aufzupassen, wie sich etwas entwickelt oder wie es ausgeht. Es kann bedeuten, nachzufragen – denn manchmal hat man einen persönlichen Bezug. Vielleicht warst du ja mit einer Freundin im Laden und sie hatte eine merkwürdige Begegnung mit einer Verkäuferin. Wie war das für sie? Warum hat sie so und nicht anders reagiert? Wie unterschiedlich habt Ihr das erlebt? – So kann sich ein ganz anderes Thema rauskristallisieren.

Es kann natürlich etwas sein, das du an dir selbst beobachtet hast, etwa eine bestimmte Verhaltensweise.

Ich hab etwas gehört/erzählt bekommen.

Oft reduziert man diesen Punkt auf den Inhalt, etwa ein Freund erzählt einem von miesem Kundenservice. Doch der wichtige Aspekt ist hier vielleicht nicht nur das, worum es ging oder wie sich die Leute verhalten haben.

An der Geschichte gibt es vielleicht ein bestimmtes Detail, das der eigentliche Aufhänger an dieser Alltagssache ist. Vielleicht ist es die Aufregung der Freundin, obwohl die Sache schon so lange her ist. Oder es ist die Einleitung „Ich erzähl dir jetzt was, das einem Kollegen passiert ist, aber erzähl es nicht weiter“ …

Ich hab etwas gelesen.

Manchmal schnappt man eine Info auf, die man weitergeben will. Oder man hat ein Buch oder eine Website entdeckt, und das ist der Alltagstipp.

Doch pass auf: Interessanter sind manchmal ganz andere Details!

  • Vielleicht hast du was gelesen, das du unmöglich findest, und greifst das als Meinungstext auf.
  • Vielleicht hast du etwas Altbekanntes zum x-ten Mal gelesen und auf einmal einen Heureka-Effekt. Dann ist DAS vielleicht das Blogthema.
  • Oder du willst deinen Bloglesern einfach verdeutlichen, wie wichtig es ist, Wissen weiterzugeben und greifst aus diesem Blickwinkel das auf, was du aktuell gelesen hast.

Ich hab etwas erlebt/getan/mir ist etwas passiert.

Sehr vieles, das man so tut oder womit man konfrontiert ist, lässt sich im Blog einstricken – erst recht, wenn man es passend macht.

  • Wenn du im Supermarkt an der Kasse die Tasche aufmachen sollst, kommst du dir als Dieb verdächtigt vor. Aber das muss nicht die Geschichte sein. Es kann auch sein, dass du total defensiv geworden bist und das der eigentliche Punkt ist.
  • Oder du hast jemandem nicht aufgeholfen, der hingefallen ist, und sinnierst darüber, wie oft Leute wegschauen. Auch wenn du dieses eigene Erlebnis nicht preisgeben willst, schenkt dir der Alltag ein Thema!
  • Oder es geschieht etwas, das ein Muster auslöst: Bei frischem Brot denke ich an meine Oma; wenn die Polizei hinter mir fährt, hab ich sofort ein schlechtes Gewissen; wenn mir was nicht auf Anhieb gelingt, neige ich zum Resignieren … – daraus kann sich alles ergeben.

Dauerbrenner nutzen

Dann gibt es die Dinge, die JEDER Mensch ständig im Alltag hat: Zähne putzen, Schlange stehen, was essen, Knatsch mit anderen, was aufschieben …

Sprich: Es gibt Alltagssituationen, die 100 % der Menschen in ihrem Alltag immer wieder erleben. Auch die lassen sich wunderbar zum Mittelpunkt eines Textes machen, wenn du reinzoomst und sie mit deinem Fachthema verknüpfst.

Zum Beispiel, dass du es hasst, dass du dir jeden Tag wieder aufs Neue deine Zähne putzen musst, aber machst es trotzdem, weil … Oder dich beschäftigt, inwiefern Streit ein reinigendes Gewitter sein soll, wenn du es selbst äußerst unangenehm findest. Oder du greifst deine Wut über den nicht klingelnden Paketzusteller auf und konkretisierst, auf wie viele Arten es frustrierend ist, wenn man als Kunde so ausgeliefert ist.

Fürs Schreiben mit Alltagsdingen gelten drei Grundregeln:

 

Du schreibst keine Dokumentation! Ein Alltagsbeispiel ist immer nur Mittel zum Zweck: es soll den Text inhaltlich stützen oder dem Leser helfen, deine Botschaft praxisnah für sich umzulegen. Es geht nicht darum, dass du detailgetreu erzählst, was da genau geschehen ist!

Es ist ein ganz klassischer Fehler, dass Beispiele zu ausschweifend wiedergegeben werden und dann die Aussage verwässern. Das macht einen Text langatmig, weniger relevant und Autoren nehmen sich Platz für echten Lesernutzen weg [oft ohne es zu merken: Oh, ist ja schon lange, klingt gut, veröffentliche ich].

Es darf nicht erkennbar sein, außer … Gerade, wenn du aus deinem Businessalltag erzählst, ist wichtig, dass du immer auf deine Außenwirkung achtest: Könnten sich Kunden erkennen? Auch wenn nicht: Könnte der Eindruck entstehen, dass du Geheimnisse ausplauderst, lästerst oder auf Kunden runterblickst? Denk bitte dran, dass sich oft Leute angesprochen fühlen, auch wenn du sie gar nicht meinst.

Man kann jederzeit Beispiele verfälschen oder mehrere verschiedene Kunden/Vorfälle „in eins verschmelzen“. Möchtest du detaillierter über etwas oder jemanden erzählen, frag die Person doch einfach, ob du darüber bloggen darfst, was gerade bei positiven Beispielen eine gute Sache ist. Das kann ja trotzdem auf Wunsch anonym sein oder mit einigen verfälschten Details.

Bau, wann immer es sich anbietet, einen Zusatznutzen ein. Oft nutzt man ein Alltagsbeispiel für einen Text und übersieht, dass man noch einen Zusatznutzen einbauen kann. Das gilt besonders für Empfehlungen. Zum Beispiel schreibt jemand einen Artikel über das „Arbeiten im Café“ und schwärmt, dass es in seinem Café so schön ruhig ist, überall Steckdosen sind und das WLAN nichts kostet. Wäre doch klasse, wenn man erfahren würde, wo dieses tolle Café ist. Oder jemand schwärmt über seine bestens organisierte Zahnarztpraxis und warum da der Service rundum passt. Wäre doch schön – auch für den Zahnarzt – wenn diese tolle Praxis verlinkt wird.

Sowas muss nicht sein und es muss auch nicht mitten im Text stehen. Ein dezenter link, ein Info-Kästchen oder ein PS sind schöne Optionen, den Zusatznutzen zu nennen, ohne den Lesefluss zu stören.

Welche Funktion hat diese Alltagssache für meinen Text?

Schreiben ist Freiheit. Wie du so ein Alltagsbeispiel in einem Blogartikel verwendest, kann ganz unterschiedlich ausfallen. Die Varianten sind vielfältig und davon abhängig, was du gerade für einen Text schreibst – mit welchem Umfang, welchem Ziel und was der Leser wissen/können oder tun soll.

Auch relevant ist natürlich, was sonst in den Text muss. Denn die Alltagssituation soll den Text bereichern, nicht aufblähen oder wichtigen Platz verdrängen. Grundsätzlich kann man es so aufteilen:


Die Alltagssache als Aufhänger.

Hier ist das Erlebnis nicht der Hauptfokus des Textes, sondern ein Stilmittel. Zum Beispiel:

  • als Sprungbrett ins Thema (Textbeginn)
  • weiterspinnen und durchgehend reinstricken, aber der eigentliche Fokus liegt nicht auf DIESER Sache
  • die Alltagssache rahmt den Text ein = Beginn + Ende setzt mit der Anekdote eine Klammer
  • die Sache auf den Kopf stellen: man erzählt das Erlebnis, überrascht die Leser aber damit, dass man das Gegenteil behauptet, als er erwartet
  • philosophisch werden, als Analogie nutzen: Ich sehe die Sache so; ich habe mir daraufhin dies und das gedacht; wie wäre es, wenn …

Die Alltagssache ist der Hauptteil.

Das Erlebnis oder die Beobachtung steht im Fokus des Textes. Du verfolgst damit ein konkretes Ziel, zum Beispiel:

  • Das ist toll/nachahmenswert, weil …
  • Oder im Sinne von „so macht mans besser“/“das geht gar nicht weil …“
  • So auf keinen Fall (lediglich als Abschreckung).

Je nachdem, worum es geht und wie du es schilderst, spricht das Erlebnis für sich. Oder es ist nötig, dass du mehr dazu erklärst, deine LeserInnen zu den Facetten + Erkenntnissen führst, die dir wichtig sind.

Leser können die Komplexität einer Sache oft nicht erkennen. Dazu kommt, dass sich wahnsinnig viele Leute schwer damit tun, zu abstrahieren: Was heißt das für mich? Wie ist das übertragbar? Was ist „die Moral von der Geschicht“?


Die Alltagssache als Schluss.

Etwas seltener sieht man es, dass am Schluss ein Alltagsbeispiel kommt. Doch das geht natürlich auch: Man kann ein Thema aufgreifen, den Lesern erklären oder hinterfragen lassen – und als Stilmittel zum Schluss sowas bringen wie:

  • „Sonst geht es Ihnen wie …“
  • “Mir ist das kürzlich geglückt, indem …“
  • “Ich sehe mich schon das nächste Mal geduldig im Wartezimmer …“

 

PS: Das Alltagserlebnis muss nicht aktuell passiert sein. Es kann etwas von früher sein. Oder du malst ein Zukunftsszenario.

 

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