überarbeiten

Der Absatz

Ich hatte eh auf meinem Zettel, ein Plädoyer für den Absatz zu schreiben, weil mir manchmal in Workshops auffällt, dass Einige gewohnheitsmäßig alles hintereinanderweg schreiben.

Erst wollte ich mich aufs Konzipieren konzentrieren: Die eigene Ordnung in einem Text, damit man selbst schnell überblickt, was man schreiben wird.

Doch dann habe ich gestern nach Informationen zu meinem Smartphone gesucht und bin zufällig gleich auf zwei nützliche Artikel gestoßen, die fast unlesbar waren, weil die Informationen in riesigen Textwüste-Blöcken versteckt waren.

Dabei war ich sogar noch an meinem großen Laptop zugange, bei kleineren Displays wird es noch mühseliger. Wenn Absätze ein knappes Gut bei dir sind, lies bitte weiter.

Bleiwüste behindert

bleiwueste

„Bleiwüste“ ist ein tolles Wort! So treffend und fast schon hübsch … also der Klang. Bleiwüste zu lesen ist der Albtraum.

Ich weiß noch, wie frustriert ich bei einem meiner Bücher war: Als ich die Druckfahnen zum Freigeben bekam, war ich mit Hunderten von überfrachteten Seiten konfrontiert. In mühevoller Kleinarbeit habe ich Schadensbegrenzung gemacht (was gar nicht so leicht ist, denn in dem Stadium  darf sich natürlich nicht alles verschieben). Doch dann hieß es: Bleibt wie gehabt. Die Bleiwüste aller Bleiwüsten landete im Buchhandel.

Bestimmt kennt Ihr es selbst: Bei manchen Büchern und Artikeln wirft man nur kurz einen Blick drauf und fängt gar nicht erst zu lesen an. Bleiwüste sieht schon nach „boah, das wird anstrengend“ aus. Das Auge kann sich nirgends festhalten. Das Hirn kann nicht schlüssig folgen, tut sich tierisch schwer mit dem Verstehen.

Wann genau ein Absatz hingehört, ist meiner Meinung nach Gefühls- und Geschmackssache.

  • Kommt eine neue Information?
  • Wird etwas weiter vertieft?
  • Oder folgen gleich mehrere Informationen, Gründe oder Anweisungen hintereinander?

In diesen Fällen ist mehr Raum angesagt. Wenn du das nicht merkst, was sein kann, achte einfach auf sehr lange Textpassagen. Immer, wenn sich ein umfassender Textblock zusammenballt, gibt’s Gelegenheit, es ein wenig zu entzerren. Natürlich bitte inhaltlich da, wo so eine kleine „Pause“ im Text angebracht ist. Zum Zuviel komm ich gleich noch.

Absätze heben Kernaussagen hervor

Zentrale Aussagen verdienen ein Spotlight. Das kann in Form einer Aufzählung sein. Wenn du dir den folgenden Absatz mal anschaust, bei dem es um zu viele Absätze geht, dann könnte ich diese Informationen natürlich in einen Fließtext packen. Das wäre okay, wenn ich statt eines Schlangensatzes mehrere kurze Sätze machen würde. Aber: Wenn es mir wichtig ist, diese verschiedenen Gründe übersichtlich ins Blickfeld zu rücken, ist eine Aufzählung eine gute Idee.

Dosiert eingesetzt lockern Aufzählungen einen Artikel außerdem auf, das Layout wird lebendiger. Beim Schreiben gilt übrigens immer: keine Häufungen. Nimmt ein Wort, ein Satzzeichen, ein Stilmittel in einem Text überhand, dann im Feintuning regulieren. Ein Text, in dem nonstop Aufzählungen sind, zerfleddert – außer es ist ein gezieltes Listenformat.

Ein Absatz hebt auch einen Merksatz oder zusätzliche Informationen wie einen link hervor, eventuell kombiniert mit einer Einrückung.

5 x Feintuning für Aufzählungen

Geiz nicht mit Platz! Gönn deinen Inhalten etwas Luft.

Es gibt ein Zuviel des Guten:

Hat ein Text zu viele Absätze, zerfasern die Gedanken. Dann wird das Lesen abgehackt, was entweder bedeutet, …

  • dass zu viele Gedanken maschinengewehrartig hintereinander kommen.
  • dass einzelne Infos zu wenig schlüssig ausgeführt/miteinander verbunden sind.
  • oder dass der Text total schlüssig ist, aber durch zu viele Absätze unnötig zerrissen und damit schlecht lesbar wird (von Schriftbild und Lesefluss her, beides entscheidet über das Verstehen).