typische Fehler

Schriftgröße und Hintergrund

Am Mittwoch, als ich gerade den Text über Absätze veröffentlicht hatte, klingelt es an meiner Tür. Die Handwerker sind da, um Rauchmelder zu installieren. Bevor sie gehen, bekomme ich ein Blatt mit „Nutzerinformationen“ – farbig, A 4, einseitig bedruckt:

  • oberes Drittel: Skizzen vom Rauchmelder mit Erklärungen der Bestandteile
  • mittleres Drittel: Kästen, in denen die Funktion beschrieben wird und Verhaltenstipps im Gefahrenfall
  • unteres Drittel: eine Bildergeschichte, wie man sich verhalten soll: 9 Illustrationen von einem Mann, bei dems brennt, wie er sich duckt, die Türe zuschlägt, rausläuft etc.

unlesbarKlingt viel auf einer Seite? Ist es auch, erst recht, weil die Zeichnungen oben und unten etwas mehr Platz bekommen haben. Zu viel Inhalt auf einer Seite geht auf Kosten der Lesbarkeit.

Das Layout des Blattes ist prinzipiell super gemacht. Es ist gut aufgeteilt und der Mittelteil farbig hinterlegt. Hier hat der Mitarbeiter das Beste rausgeholt, was bei der Maßgabe „sämtliche Informationen müssen auf eine A4-Seite gequetscht werden“ möglich war.

Das Blöde ist, dass zu viel Text auf einer Seite immer bedeutet, dass die Schrift kleiner wird. Ich hatte schon vor einigen Jahren 10 Formatierungen aufgezählt, die einen Text unlesbar machen.

Die popelkleine Schrift ist in diesem Fall ein riesiges Problem – erst recht, bei einer Anleitung, wie man sich im Brandfall verhalten soll. Verschlimmert wird das aber noch durch den Hintergrund.

Ich will kein Urheberrecht verletzen und es geht mir nicht darum, jemanden vorzuführen. Weil das aber so ein klassischer Fehler ist, seinen Text unlesbar zu gestalten, weil man zu viel quetscht, habe ich das mal sinngemäß nachgebaut. Dafür brauchte ich übrigens wieder meine Lupe, weil es mir aufgrund der Schriftgröße auch auf weißem Hintergrund fast umöglich wäre, zu entziffern, was dasteht. Über diesem Segment gibt es weitere graue Kästen drüber und drunter. Die schiere Menge dieser miniklein gedruckten Anweisungen im Design „schwarzes Loch“ erschwert das Lesen zusätzlich.

brandfall

Bildschirm vs. Druckqualität

Derart kleine Schrift ist immer ein Problem. Doch wenn man den Kontrast wegnimmt, wie hier, wird die Lesbarkeit erst recht sabotiert.

Dazu kommt, was mir selbst schon passiert ist: Eine farbige Schattierung, gerade wenn die Farbtöne ähnlich sind, kann am Bildschirm deutlicher wirken, als im Ausdruck.

In meinem Beispiel eben ist der Hintergrund im Druck nochmal einige Schattierungen dunkler. Letztes Jahr ist mir das in meinen eigenen Workshopunterlagen aufgefallen! Das war in dem Fall weniger dramatisch, weil ich meine Unterlagen in 14er-Größe schreibe. Auch das habe ich gelernt, dass in Workshops, wo es doch mehr Informationen auf einmal gibt, die reguläre Schrift von 11 und 12 Punkten schon anstrengend werden kann.

Sogar Profis passiert das Hintergrund-Problem. Eines meiner Bücher ist seitenweise unlesbar, weil sinnigerweise Gelbtöne verwendet wurden in Schrift und Schattierung.

Das ist eh problematisch, weil selbst Gelb auf Weiß ein Albtraum ist [mangelnder Kontrast]. Aber einen dunkleren Gelbton auf einen helleren zu drucken, da kann man sich schon ausrechnen, dass das schwierig wird. In den Druckfahnen, die ich bekam, war das deutlich sichtbar. Als ich nachgefragt habe, hieß es: „Ja, wissen wir, da achten wir drauf, das wird später richtig deutlich.“

Wurde es nicht.

Und das war ein Verlag, der sein Handwerk wirklich versteht – es ist sehr einfach, in diese Falle zu tappen. Vor allem, wenn das Design am Bildschirm super aussieht und man selbst die Inhalte kennt.

Plus: Oft vergrößert man am Bildschirm, um besser damit zu arbeiten. – Originalgröße und Ausdruck sind zwei Paar Stiefel. Das erklärt auch, dass die Schrift auf Plakaten in der U-Bahn, die man über die Gleise hinweg vom Bahnsteig aus betrachtet, fast alle viel zu klein sind, um irgendwas zu lesen. Die Leute haben offenbar nur die Bildschirmvariante oder einen kleinen Ausdruck angeschaut, anstatt die Originalbedingungen zu simulieren.

Passt mir da bitte auf! Auch Online-Produkte , wie Selbstlernkurse oder Präsentationen/Unterlagen, die Ihr mailt, werden selten nur am Bildschirm angeschaut, sondern gedruckt.

Und noch was, das man gern vergisst: Der Empfänger hat selten einen Farbdrucker. Dein Design kann superschön klar in bunt aussehen – aber in s/w-Qualität gehen die Kontraste vielleicht flöten.