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Warum es nicht schlimm ist, wenn jemand deinen Newsletter abbestellt

… oder dir auf Social Media entfolgt.

Jetzt haben wir den Salat: Wieder hat jemand den Abmelde-Button geklickt. Das hat ja immer irgendwie was von Ablehnung.

  • Was hab ich getan?
  • Das letzte Thema kam nicht gut an!
  • Da mag jemand meine Texte nicht mehr – oder findet mich blöd.

Wenn dir solche Gedanken durch den Kopf schießen, ist das natürlich eine totale Über-Reaktion. Meistens wissen wir das sogar. Und doch neigen wir dazu, die Dinge persönlich zu nehmen.

 

abmelden

Wer hat deinen Newsletter abonniert?

Realistisch betrachtet, besteht so ein Verteiler aus einer bunten Mischung:

  • Leute, die dich kennen – bestehende Kunden, Blogleser, … Schreibst du schon länger, sind darunter ein Schwung langjähriger LeserInnen.
  • Leute, die deine Website oder deinen Social Media-Kanal beim Googeln gefunden und spontan abonniert haben.
  • Leute, denen du empfohlen wurdest – persönlich oder über einen link auf einer anderen Plattform.
  • Branchenkollegen, die sich informieren wollen, was andere so machen, oder gezielt bei dir mitlesen –  aus Neugier oder weil sie sich von dir inspirieren lassen möchten. Da gibt es eine Breite Spanne von „find ich klasse, empfehle ich weiter“ über „erweitert meinen Horizont“ bis hin zu den wenigen schwarzen Schafen, die sich bei dir bedienen werden, um ihr eigenes Business zu bestreiten.
  • Netzwerker, die sich verbinden wollen. Auch hier gibt’s ein breites Feld individueller Auffassungen: vom „du hast meinen Newsletter abonniert, darum abonniere ich deinen“ bis hin zu näher interessierten, aktiveren Kontakten.

Da könnte man noch weiter differenzieren, doch das soll an dieser Stelle reichen. Wichtig ist, dass du dran denkst: Ganz unabhängig davon, ob du 20 oder 2000 Abonnenten hast: Du hast es immer mit einer Mischung zu tun.

Noch wichtiger ist, dass dein Newsletter-Verteiler niemals zu 100 Prozent auch Kunden sind oder werden. Die meisten lesen nur. Einige empfehlen dich weiter. Nur ein Bruchteil von der Gesamtabonnentenzahl wird – manchmal erst viele Jahre später – etwas bei dir kaufen.

Je nachdem, wie dein Newsletter aufgezogen ist, hast du vielleicht sogar die Erfahrung gemacht, dass er schon gerne gelesen wird, dass du eventuell sogar total wenige Abmeldungen hast – gleichzeitig aber kommt nichts dabei rum.

Als EinzelunternehmerInnen brauchen wir nicht möglichst viele Newsletter-Abonnenten, sondern ein Newsletter ist ein Marketingwerkzeug, das zu Aufträgen führen soll. Denn wenn er zwar super ankommt und deine Leserzahlen steigen, das Verschenken von Wissen aber nicht oder nicht genug zu Aufträgen führt, dann ist der Newsletter eine reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Relevant ist also weniger, wie riesig der Verteiler ist, sondern wie viel er dir bringt. Es gibt Newsletter mit niedriger dreistelliger Abonnentenzahl, die viel mehr bringen als welche, die in die Tausende gehen. Was natürlich damit zu tun hat, ob dich deine LeserInnen als Dienstleister wahrnehmen, dich richtig eingeordnet haben und was du für deine Newsletter-Abonnenten zu verkaufen hast. Das ist allerdings ein anderes Thema.

  • Nicht jeder, der abbestellt, hat deinen Newsletter überhaupt gelesen.
  • Nicht jeder, der abbestellt, ist oder war ein Kunde für dich.
  • Und nicht jeder, der deinen Newsletter abbestellt, ist verloren.

Warum bestellt jemand ab?

Um das Abbestellen nicht wie einen persönlichen Korb zu werten, hilft es, sich mal vor Augen zu führen, wie vielfältig die Gründe für diese Entscheidung sind. Das kennt man doch alles von sich selbst:

„Ich habe was anderes erwartet.“

Man abonniert einen Newsletter oder folgt einem Social Media-Kanal, und nach den ersten Einblicken merkt man: Hm, das ist doch nichts für mich!

„Ich ertrinke in Newslettern!“

Reden wir über Newsletter, spielt die Unsitte eine Rolle, dass manche Newsletter-Versender einen ungefragt eintragen oder dass bei einer Online-Bestellung ein Haken gesetzt war, den man übersehen hat. Bei vielen ist das Postfach überschwemmt – da trudeln neben den gewollten Newslettern jede Menge ungewollter ein. Irgendwann bekommt man die Krise und geht mit der Sense durch.

„Ich komme nicht mehr nach!“

Es gibt im Netz überall sehr viel zu lesen. Ich habe über die Jahre sogar oft E-Mails bekommen, wo Abonnenten richtiggehend bedauern, dass sie abbestellen „müssen“, weil sie, wenn sie ehrlich zu sich sind, einfach nicht mehr nachkommen, alles zu lesen. Unter deinen aktuellen Abonnenten hast du ganz bestimmt welche, die am Newsletter festhalten, ihn archivieren für „wenn ich mal Zeit habe“ oder die direkt auf den Löschknopf drücken – mit dem Vorsatz, demnächst mal wieder einzusteigen. Bei vielen davon passiert das nie.

„Ich bin von der Informationsflut überwältigt.“

Newsletter, die echten Nutzen bieten, bringen zwar Inspiration, Anregungen und konkrete Tipps, aber das ist gleichzeitig immer mit To-Dos verknüpft. Je nach Thema erkennt man als LeserIn echten Handlungsbedarf oder man hat Lust, sich zu verbessern, Neues auszuprobieren und und und. Doch das kann zu viel werden! Manchmal ist man momentan nicht in der Lage, noch mehr aufzunehmen. Gerade, wer viel über ein bestimmtes Thema liest, ist irgendwann einfach satt … oder richtiggehend übersättigt.

„Ich finde nicht mehr genug im Newsletter.“

Das ist vielschichtiger. Zum einen spielen die Inhalte deines Newsletters eine Rolle. Vielleicht hast du die thematische Richtung mit der Zeit etwas verändert. Vielleicht sind dir andere Dinge wichtig geworden. Vielleicht wiederholst du dich immer öfter.

Und: Deine LeserInnen wachsen mit! Ein Thema ist manchmal an ein aktuelles Vorhaben, eine Phase oder persönliche Bedürfnisse geknüpft. Je nützlicher deine Texte sind, desto mehr lernen deine Leser außerdem von dir. Beim einen oder anderen machst du dich damit mit der Zeit „überflüssig“ – was den Newsletter angeht. Was nicht gleichbedeutend damit ist, dass du den Leser als Multiplikator oder künftigen Kunden verlierst.

„Ich lese lieber woanders.“

Mittlerweile haben wir eine große Alternative von Kanälen, auf denen wir Beiträge verfolgen können. Die einen lesen lieber direkt im Blog oder via Feedreader. Viele bevorzugen die Updates auf Facebook & Co. Und es gibt nach wie vor die Fans von E-Mail-Newslettern. Nicht alle mögen alles.

Ich zum Beispiel habe gerade mal zwei Newsletter abonniert und selbst die lese ich nicht immer. Das liegt daran, dass ich im regulären Alltag so intensiv mit meinem Mailprogramm arbeite, dass ich es nicht auch noch mit Newslettern überfrachten will. Die Leute, die mich interessieren, besuche ich lieber direkt oder folge ihnen auf Social Media (nicht immer per Abo).

Darum ist es eine gute Idee, deine Inhalte auf mehreren Kanälen bereitzustellen (was wiederum nicht heißt, auf allen Kanälen alles zu doppeln).

„Ich setze andere Prioritäten.“

Unsere LeserInnen sind Lebensabschnittsgefährten. Mit manchen verbringt man einen längeren Zeitraum, andere sind kurzlebiger und es gibt die, die nach der ersten Kennenlernphase schnell wieder tschüss sagen. Dazu kommt, dass Zeit endlich ist.
Um Platz, Muße, Energie für Neues zu haben, heißt es, sich von etwas zu verabschieden – sogar, wenn es etwas Gutes ist.

In erster Linie ist entscheidend, welche Vorlieben und Gewohnheiten der einzelne Leser hat. Hier gibt es eine kleine Follower-Typologie, die das für andere Plattformen näher beschreibt.

Und wenn es doch mit dir zu tun hat?

Natürlich gibt es durchaus Abmeldungen, die mit deinen Texten oder dir zu tun haben. Besonders, wenn es deinen Newsletter schon lange gibt:

„Der Nutzen ist für mich nicht mehr groß genug.“

Wir lesen bei anderen mit, weil wir irgendeine Art von Mehrwert daraus ziehen.

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Als LeserIn investiert man Zeit und Aufmerksamkeit. Die Gründe oben laufen alle auf eine zentrale Frage raus: „Bringts das noch für mich?“

Doch es kann natürlich sein, dass deine Texte als nicht nützlich genug empfunden werden [kann man lesen, muss man aber nicht]. Das ist völlig normal, zumal, wie gesagt, der Wissensstand und die Bedürfnisse unserer Leser variieren.

Darum ist es wichtig, den Newsletter ausgewogen zu planen, nicht zu einseitig zu werden und deine Texte auf umsetzbaren Nutzen abzuklopfen: Über Redaktionspläne kann man streiten – aber beim Newsletter ist er empfehlenswert

Es geht um Qualität, nicht Quantität.

Natürlich ist ein großer Verteiler eine schöne Sache, aber es ist Unfug, zu sehr nach großen Zahlen zu schielen. Für uns Selbstständige ist nämlich nicht relevant, wie hoch die Abo-Zahl ist, sondern relevant ist, ob + was der Newsletter zu unserem Business beiträgt. Denn dafür schreiben wir ihn!

Wenn also jemand, aus welchen Gründen auch immer, entscheidet, dass er deinen Newsletter gerade nicht oder nie mehr lesen will, ist es viel besser für dich, das zu wissen. Eine Abmeldung bringt dir mehr, als ein aufgeblähter Verteiler, von denen viele gar nicht wirklich lesen.