Schreibfluss, Themenwahl

Mitteilungsdrang

Reden wir über den Unterschied, irgendwas zu schreiben und irgendwas wirklich schreiben zu wollen. – Ich gehe mal gar nicht so weit, zu sagen, dass da etwas „raus muss“, auch wenn das manchmal so ist.

Selbstständige, die über ihr Fach schreiben, kennen sich aus. Du hast jede Menge Fachwissen: Infos, Details, Zusammenhänge, Konsequenzen. Du hast praxiserprobte Tipps, Methoden und Übungen. Du weißt, was typische Hürden sind und wie damit umgehen. Und und und

Du hast also genug Stoff, um über etwas zu schreiben. Wenn du schön auf Kurs bleibst, klare Ziele mit deinem Text verfolgst, deine Leser stark an die Hand nimmst und dafür sorgst, dass deine Texte nützen, dann wirst du auf jeden Fall solide Ergebnisse bringen.

Wenn du aber über Dinge schreibst, zu denen du einen Mitteilungsdrang hast, dann nützt du all das, was du als Fundament mitbringst – tust dich aber wesentlich leichter mit dem Schreiben, bringst deinen eigenen Dreh rein und hast ein echtes Anliegen.

Mitteilungsdrang ist nichts, was man einfach nur von sich behaupten kann. Es ist etwas, das man spürt.

Mitteilungsdrang ist mehr als nur „schreib ich halt“ und „mir macht das Schreiben Freude“. MitteilungsDRANG ist etwas, das raus möchte. Das dir Rückenwind gibt und dich motiviert, was richtig Gutes zu produzieren.

Drei Faktoren – alleine oder in Kombination

mitteilungsdrang
Meiner Erfahrung nach geht es beim Mitteilungsdrang immer um diese drei Aspekte:

  • Es liegt mir etwas Prinzipielles wirklich am Herzen, z. B. dass man sich das Leben nicht unnötig schwer machen sollte.
  • Ich bin total engagiert bei einem bestimmten Thema.
  • Ich möchte unbedingt eine bestimmte Zielgruppe unterstützen.

Jetzt aber Achtung! Es kann sein, dass du eines oder mehrere dieser Aspekte wirklich ganz intensiv fühlst. Dass du zu den wenigen Leuten auf der Welt gehörst, die zu 100 % (und ich meine ganz und gar) einen Beruf, ein Thema, eine Zielgruppe gefunden haben, die sie mit unbändiger Leidenschaft erfüllt.

Viel wahrscheinlicher ist es aber, dass du nur einzelne Aspekte – auch mal nur situationsbezogen – wirklich intensiver fühlst.

Wir reden hier wirklich von extremer als „ist mir wichtig“, „erfüllt mich“, „mag ich gerne“.

Hier mal ein eigenes Beispiel:

Am Herzen: Ich finde es wichtig, dass Leute lieber kleine Schritte machen als gar nichts, davon bin ich überzeugt. Das findet sich immer wieder in meinen Texten, aber es ist jetzt für sich gesehen nichts, wo ich total leidenschaftlich nach draußen gehe und meine Botschaft unter die Leute bringen wollte. Das ist eher so eine Grundüberzeugung, die ich habe, aber nix, was speziellen Mitteilungsdrang befeuern würde.

Zum Thema: Ich blogge übers Schreiben. Aber das Schreiben generell sticht nicht besonderen Mitteilungsdrang bei mir an. Das ist halt mein Thema. Aber zoomen wir mal weiter rein und greifen einen Teilaspekt raus: Ich plädiere total für Unperfektion beim Schreiben in vielerlei Hinsicht. Das ist mir total wichtig und da merke ich, dass ich das unbedingt immer wieder aufgreifen, erinnern, begründen will – und die vielen Aspekte demonstrieren/geraderücken, warum Perfektion dem Schreiben sogar schadet. AHA: MITTEILUNGSDRANG!

Zielgruppe: Ich habe mich auf Selbstständige spezialisiert, das liegt hauptsächlich daran, dass es mich interessiert, die eigene Persönlichkeit rauszuholen, sich das Schreiben zu erleichtern, besser zu schreiben und so das Business mit Texten voranzubringen. Es ist aber jetzt nichts, wo ich irgendwie ein besonderes Anliegen hätte.

Es geht aber noch weiter!

Mein eigenes Beispiel war jetzt ja nur ein Auszug: Ich könnte mir zu jedem Punkt andere Aspekte überlegen und durchspielen – es gibt also meistens wenige Auslöser für echten Mitteilungsdrang, auch welche in Kombination.

Das greife ich jetzt anhand einer weiteren Variante auf:

Situations- und textbezogen

Vielleicht hast du zu nichts aus deinem Fachgebiet generell einen Mitteilungsdrang, dann nutz die temporären Gelegenheiten – gerade jetzt in dieser Lebensphase oder weil du etwas bei mehreren Kunden mitbekommen hast oder weil ein spezieller Blickwinkel dich besonders reizt.

Am Herzen: Sagen wir, es haben mehrere Leute Termine vereinbart oder angekündigt, ihre Rechnungen zu bezahlen und das nicht eingehalten. Jetzt ärgerst du dich wie die Sau. Also schreibst du einen Blogbeitrag zum Thema „Haltet gefälligst Eure Versprechungen!“ – und weil dir das gerade echt am Herzen liegt, hast du hier und jetzt dazu richtigen Drang, den Text zu schreiben.

Thema: Jemand schreibt ein Führungskräfteblog und hat zunehmend keine Lust mehr. Er scheint, über alles schon geschrieben zu haben – wie man Leute motiviert, wie Kritik geht, und und und.

Plötzlich merkt er: Hey, wenn ich manchen Themen einen bestimmten Aufhänger gebe, hab ich wieder richtig Lust drauf, weil ich da was zu sagen habe oder weil ich endlich mal was aufgreifen will, was niemand sonst schreibt. – Vielleicht ärgert er sich, dass sich so viele Führungskräfte ihrer Verantwortung für die Menschen nicht bewusst sind.

Zielgruppe: Unser Führungskräftetrainer merkt, dass ihm ChefInnen, die ängstlich sind, total wichtig sind und dass er denen unbedingt das eine oder andere mitgeben will, damit sie einen besseren Job machen können.

Ein Mitteilungsdrang ist also nicht unbedingt was, das man generell hat, das immer da ist, sondern es kann was sein, dass sich punktuell zeigt – oder das man sich, wenn man einen neuen Text angeht, erstmal HOLT, indem man die Themen, Zielgruppe und das, was einem wichtig ist, entsprechend hinbiegt.

Die ideale Kombination ist, wenn man nicht nur eins davon nutzt, sondern zwei oder alle drei miteinander kombiniert.

Wie kannst du das ad-hoc für dich nutzen?

Indem du dir dessen bewusst wirst, was du generell innerhalb deines Fachthemas – beim Schreiben – verstärkt aufgreifen möchtest. Manchmal ist es nämlich so, dass die aktuelle Kunden-Realität gar nicht dem entspricht, wo die eigene Leidenschaft steckt.

Dann ist ein Blog eine gute Sache, dem Business eine etwas andere Richtung zu geben.

Du kannst aber auch einfach bei jedem Newsletter- oder Blogtext, den du angehst, vorab für Rückenwind sorgen, indem du einen der drei Mitteilungsdrang-Auslöser als Startpunkt nimmst.

z. B.

Heute schreib ich was für ängstliche Führungskräfte!

Und dann schaust: Was würde für die heute passen?

Oder du hilfst dir noch mehr drauf, indem du dich fragst: Was liegt mir denn – generell oder für diese Zielgruppe am meisten am Herzen?

z. B. Mir ist wichtig, dass Führungskräfte ihre Vorbildfunktion wahrnehmen.

Also hab ich jetzt schon zwei Ansätze: Ich kann mir ein Thema raussuchen, wo beides mit drin ist. Zum Beispiel: Wenn Führungskräfte mit eigenen Fehlern nicht umgehen können – und schon hab ich den Angstfaktor drin und die Vorbildfunktion.

Ich kann aber sogar noch weiter gehen und schauen: Gibt’s ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt?

z. B. sich trauen, unpopuläre Entscheidungen zu vertreten

In dem Fall habe ich drei Anhaltspunkte
– ängstliche Führungskräfte
– unpopuläre Entscheidungen vertreten trauen
– Vorbildfunktion

Und schon kann ich mir ein Thema stricken, das diese drei Aspekte enthält, die mir besonders wichtig sind. Zum Beispiel könnte mein Plankton-Arbeitstitel lauten: „Du bist ChefIn und drückst dich davor, unpopuläre Entscheidungen zu treffen? Das hat böse Folgen – für deine Leute + für dich“

❗ Je mehr Mitteilungsdrang-Anstecher drin sind, desto spannender für dich selbst und desto mehr will da wirklich was raus!