sich managen

Schreiben ist eine Fähigkeit. Und Fähigkeiten sind anspruchsvoll.

Immer mal kommt es in einem Workshop vor, dass es bei jemandem nicht so läuft. Manchmal ist das Hirn komplett verbrettert, weil es voll mit anderem ist. Manchmal trifft es Leute, die schon geübter sind und bei denen das Schreiben „eigentlich“ flutscht. Dann wird die Brechstange eingesetzt! Immerhin ist heute Workshop, da muss doch …

Tatsache ist: Unsere Tagesform schwankt. Das wird immer so sein. Genauso eigentlich wie an normalen oder guten Tagen alles wunderbar klappt, gibt es die Tage, wo wir nicht so gut können. Wo die Konzentration im Arsch ist, wir lustlos sind oder uns einfach die Dinge nicht so gelingen wie sonst.

Das macht sich generell im Leben bemerkbar: Manchmal hab ich produktive Tage, da schaff ich ganz nebenbei das Doppelte von dem, was ich eigentlich vorhatte. Mit links! Und ein paar geniale Ideen obendrauf!

Auch aus dem Sport kenne ich es gut: Letztes Mal brillant gelaufen, kräftig, motiviert, Durchhaltevermögen, dass es eine helle Freude war. Heute auf einmal Mehlsack.

Kein schönes Gefühl! Aber Realität.

brechstange

Zwingen bringt da gar nichts. Pause machen und das Schreiben auf morgen verschieben, geht nicht immer. Aber was sehr wohl geht, ist

  • eine kurze Pause einlegen oder etwas anderes zuerst machen
  • sich um dich selbst zu kümmern, dir was Gutes tun [Kuchen holen, mit nettem Kunden telefonieren, Spaziergang machen …]
  • und freundlich mit dir selbst zu sein, Stichwort „Selbstgespräche“.

Womit wir beim nächsten Punkt sind:

verzweifelt

„Leichter gesagt, als getan?“, meinste. Gerade, wenn du dazu neigst, dich negativ mit anderen zu vergleichen oder dir Unfähigkeit zu bescheinigen?

Das stimmt! Es von heute auf morgen mal eben bleibenzulassen, würde nicht gehen. Ehrlich gesagt, glaube ich sogar, dass jeder Mensch solche Momente kennt – dass sie nur bei einigen verstärkt vorkommen.

Hiermit bescheinige ich Euch Zweiflern offiziell: Ihr seid nicht zu blöd, um versiert, schneller, pfiffiger oder oder oder schreiben zu lernen!

Aber je nachdem, wie Ihr es angeht und wie regelmäßig Ihr gezielt übt, desto unterschiedlich flott stellen sich Fortschritte ein.

Es gibt Leute, die etwas ganz schnell lernen. Was übrigens nicht nur mit Talent zu tun hat (das gibts natürlich). Sondern das Schreiben basiert ja immer auf allen anderen Dingen, die jemand weiß, kann und wie er es bisher gemacht hat.

Alleine die Tatsache, dass jemand sich selbst nicht verunsichert, sondern sagt „Mist, stimmt, da klappt grad was nicht – wie könnte es klappen?“ sorgt dafür, dass diese Person konsequentere Fortschritte machen wird. Weil sie sich nicht in sich selbst verliert, sondern aufs Schreiben fokussiert.

Unabhängig davon lernen wir unterschiedlich schnell. Ich bin zum Beispiel jemand, der durch Wiederholung lernt. Früher hab ich Standard/Latein getanzt: Mein damaliger Partner hat eine komplizierte Figur einmal angeschaut und in allen Details perfekt gekonnt! Ich musste mich zig mal hinstolpern: Wie war das? Äh, wie war da die Hand noch mal? Äh, okay, jetzt klappt das linke Bein, aber das rechte …

– Ich kenne mich. Ich weiß, dass ich diesen Lernprozess so habe! Darum weiß ich, dass ich etwas länger brauche; ich erkenne gleichzeitig sehr gut, wie ich nach und nach eins nach dem anderen beherrsche. Es wäre mir unmöglich, mich auf Anhieb auf alles gleichzeitig zu konzentrieren.

Andere können das.

Ich lern anders.

Weil ich das weiß, fordere ich das von Trainern natürlich ein: Ich hebe die Hand und sag „Machs bitte noch mal langsam vor.“ Und wenn ich es noch drei Mal brauche, bitte ich noch drei Mal darum. – Wenn was nicht klappt, sag ich:

„Irgendwas mach ich falsch! Schau mal bitte her und sag mir, wo was nicht stimmt. Ich vermute es an dieser Stelle!“ Und dann mach ich es vor und lass mich korrigieren.

Achte drauf, was du brauchst, um gut zu lernen. Komm dir nicht vor wie ein Depp! Es ist doch klasse, dass du deine Fähigkeiten erweiterst – das ist kein Pappenstiel, das ist anspruchsvoll. Es ist ganz natürlich, dass selbst, wenn du etwas verstanden hast, es noch nicht sofort mit dem Tun klappt.

weissnichtwie

Siehst du das Muster, das sich durch alles durchzieht?

Die Leute, die Fortschritte machen, kennen alle diese unschönen Phasen + Gefühle ganz genauso! Aber sie verharren nicht drin. Sie bleiben nicht auf sich fixiert, wenn was nicht läuft oder sie was nicht können, sondern sie sagen: „Grmpf!“ und vielleicht „ScheißeScheißeScheißeScheiße!“ – aber dann sagen sie: „Hmmmm …“

Ich freu mich immer, wenn Kunden rufen „Hilfe, ich hänge!“ oder „An der Stelle wollte ich eigentlich soundso, aber es ist nicht so richtig stimmig geworden, aber ich weiß partout nicht, wies besser geht!“

Zum Schreiben gehört nicht das Schreiben alleine. Sondern es ist eine ganze Menge verschiedener Autorenqualitäten erforderlich und mit die Wichtigste ist, zu erkennen, dass „irgendwas“ nicht stimmt. Am Anfang weiß man vielleicht gar nicht, WAS nicht stimmt. Aber man merkt, DASS es nicht stimmt. Yay!

In dieser Phase hast du die „Gefahr erkannt“. Du hast schon was gelernt, denn sonst wärst du gar nicht drüber gestolpert.

An der Stelle ist wichtig, einzukreisen, was genau da nicht stimmt. Was ist da los? Hier gibts ein ausführliches Beispiel, das dafür passt. Immer noch nicht erwarten, dass du sofort versiert die Lösung hast.

Das ist ein Lernprozess! Und diese Stufe im Lernprozess ist Gold Wert! Einkreisen lernen, was da nicht stimmt.

Wenn man das hat, hat man meistens Ansätze zur möglichen Lösung. Die ist vielleicht noch nicht perfekt, aber auch das ist wiederum Übungssache. Das eine geht ohne das andere nicht! Also erwarte nicht von dir, dass du alles auf Anhieb kannst. Das wird nicht passieren. Zumindest nicht, wenn du deine Schreibfähigkeiten auf gesunde Beine stellen willst.

frown

Wers noch nicht weiß: Mein zweiter Vorname ist Ungeduld.

Der IMPULS, dass etwas schon gehen müsste, könnte, sollte, stellt sich bei einigen von uns recht schnell ein. In jedem Lebensbereich.

Die Beispiele mit einer neuen Sprache, Sport und Musik finde ich immer besonders logisch. Denn da WILL man viel schneller voran, hat mit der Zeit durchaus Fortschritte, die sich ganz gut anfühlen – aber es geht eben nicht von heute auf morgen versiert. Das ist uns total klar!

Wenn es so einfach wäre, würde jeder

  • mehrere Sprachen beherrschen.
  • im Handstand zum Einkaufen gehen und im Spagat an der Bushaltestelle relaxen.
  • und meisterhaft auf der Gitarre improvisieren.

Beim Schreiben ist es noch schlimmer, weil wir das alle dauernd im Alltag tun. Aber Schreiben ist eben nicht nur Buchstaben hintippen und lesen können. Hier gehts doch um viel mehr! Erst recht, wenn du für dein Business schreibst, was einen Rattenschwanz an weiteren Aspekten fordert.

zumfensterraus

Weißte was? Nicht alles ist uns gleich wichtig.

Wenn ich zurückschaue, was ich schon in meinem Leben angefangen und wieder aufgehört habe, dann hab ich wesentlich mehr wieder zum Fenster rausgeworfen oder mir ein bisschen Wissen und Können angeeignet, es aber nicht wirklich weiterverfolgt.

Das ist okay.

Weil uns nicht alles gleich wichtig ist.

Hier gilt es zu unterscheiden, warum du was wie können willst. Nicht alles braucht es bis zur Perfektion, aber manches eben schon. Wer für sein Business schreibt, aber viel zu lange für jeden Text braucht, bremst sich aus – WENN er regelmäßig schreibt. Gehts nur um einen Artikel im Halbjahr: Kein Problem! Brauch ruhig fünf Tage für den Text. – Aber bloggst du regelmäßig, dann summiert es sich, wenn du Ewigkeiten in einen kleinen Blogartikel steckst. Denn das wird dir erstens nicht bezahlt und es blockiert dich zweitens, um in dieser Zeit dein Business echt voranzubringen. – Dabei sind wir noch gar nicht bei der Art deiner Texte und wie viel sie dir tatsächlich bringen.

Ich will damit sagen:

Wir müssen Prioritäten setzen. Aber WENN uns eine Fähigkeit wichtig ist, weil sie uns „eigentlich“ Freude macht, weil wir größere Pläne damit haben oder weil wir diese Sache einfach regelmäßig brauchen, dann braucht es Durchhaltevermögen.

Denn alles Neue und Ungewohnte fordert. Und das fühlt sich nicht immer gut an, wenn wir an Grenzen kommen. Dafür umso mehr, wenn wir darüber hinweggehen.