Korrespondenz/Marketing
Kommentare 4

Social Media: Warum ich dir deinen vollen Namen ans Herz lege

Das ist ein Plädoyer für den Klarnamen im Netz. Bei uns Einzelunternehmen sind WIR das Business. Selbst, wenn du deiner Firma irgendeinen Phantasienamen gegeben hast, stehst dahinter du.

Du bist das grundlegendste Alleinstellungsmerkmal. Niemand kann die Kombination Dein Angebot + Du identisch anbieten.

Kein Grund, gleich 10 cm größer zu werden! Denn das heißt nicht, wie das gerne mal propagiert wird, dass jeder automatisch supertoll und besonders ist. Aber: Als EinzelunternehmerInnen haben wir alle Voraussetzungen, unser Business wirklich zu einem einzigartigen zu machen. Dazu gehört vor allem, dass wir als Person greifbar werden und das, was uns ausmacht, einbringen. Das beginnt damit, dass du deinen Namen zeigst.

Mein Appell für den Klarnamen kommt auch als Leserin von Blogs, Kommentaren und Social Media-Postings. Mir fällt nämlich immer wieder auf, wie sehr ich einen ganz anderen Bezug zu den Inhalten + den Menschen dahinter bekomme … beziehungsweise über manche Postings einfach oberflächlich weglese.

Warum ist das ein Unterschied?

1. Dein Name prägt sich ein.

Bei allem, was du im Internet postest, ist die Frage: Mach ich das nur für mich privat – oder bin ich „offiziell“ unterwegs? Poste ich, um zumindest unter anderem mit meinem Business präsent zu sein?

Das ist ein großer Unterschied!

Darum lohnt es sich auch, auf jeder Social Media-Plattform vorher klar für sich zu entscheiden, in welcher Funktion man hier präsent sein will.

Mir geht’s an dieser Stelle nicht um deine Inhalte oder darum, dass alles, was du von dir gibst, auf dein Business reflektiert – auch wenn das stimmt und sehr wichtig ist. Sondern es geht mal nur darum: Will ICH wahrgenommen werden, auch mit meinem Business? In dem Fall ist nur ein Vorname oder Phantasiename in meinen Augen kontraproduktiv. Nicht nur, aber in erster Linie mal wegen der Wiedererkennbarkeit.

2. Du wirst mit deinen Inhalten stärker in Verbindung gebracht.

Regelmäßige Postings führen dazu, dass man dich mit der Zeit kennt.

Das stellt unter regelmäßigen Lesern ein „Er/sie kenn ich doch“ her. Alles, was man häufiger sieht, wirkt vertrauter. Und wenn deine Kommentare noch dazu irgendwas haben, das man gerne verfolgt – etwa, weil sie unterhaltsam oder nützlich sind -, dann prägt sich dein Name nicht nur ein, sondern die Neugier, mal aufs Profil oder deine Website zu klicken, steigert sich von Mal zu Mal.

Dann kommt es nicht nur eher zu neuen Bloglesern, Newsletter-Abonnenten und Aufträgen, sondern vermehrt zu Empfehlungen.

Ich werde zum Beispiel oft nach bestimmten Dienstleistern gefragt, wo ich nach kurzem Nachdenken sage: „Ich kenne da jemanden von Twitter, mit dem ich zwar keine näheren Kontakte habe, aber der einen netten und kompetenten Eindruck macht.“ – Diese wenigen Leute, die sich da im Kopf verhaken, sind immer die, die persönlicher sind, weil zusätzlich zu gehaltvollen Postings ihr Name präsent ist. Durch ständiges Sehen verhaften sich Menschen, mit denen ich nichts weiter zu tun habe, mit ihrem grundsätzlichen Angebot in meinem Hirnkasterl. Und dann flattert bei denen die Anfrage eines potenziellen Kunden rein – über die Gitte aus München, die sie ebenfalls nur bei Twitter immer mal auf dem Schirm haben.

3. Du stellst einen persönlicheren Draht her.

Namen verbinden. Am Bildschirm sitzt immer ein anderer Mensch.

Nicht nur wirkt es ganz anders, wenn „Anja Müller“ was twittert, als wenn es „H + S Finanzdienstleistungen“ tut, sondern ich bekomme vor allem mit der Zeit einen Bezug zu Anja Müller.

Erst recht, wenn sie persönlich postet und mir sympathisch ist. – Sympathie hat übrigens gar nichts damit zu tun, ob Inhalte vielleicht mal nicht interessieren oder ob Anja Müller sich kritisch äußert. Wenn sie das auf gute Weise tut [dazu kommen wir gleich noch], wird sie selbst mit der größten Antihaltung bestens rüberkommen.

An der Stelle sei noch mal aufs Foto verwiesen: Genau wie der „Klarname“, also dein echter Name, ist es mit einem Logo als Profilbild. Es ist weit weniger persönlich und greifbar – was unter anderem für den nächsten Aspekt eine große Rolle spielt.

4. Deine Inhalte werden nicht als reine Werbung wahrgenommen

Wenn du deinen Briefkasten – den mit der Schneckenpost – öffnest und da ist ein Stapel Zeug drin, wirst du ganz schnell mal alles sichten. Ohne großartig ins Detail zu gehen, schätzt du die Post schon aus Erfahrung ein:

  • Du erkennst sofort typische Werbesendungen.
  • Du weißt, was offizielle Serienbriefe sind.
  • Dir ist klar, wohinter sich vermutlich Rechnungen verbergen.
  • Natürlich erkennst du auf Anhieb sehr gut, ob da was Persönliches kommt.

Diese Entscheidungen treffen wir ganz schnell. Manches beachten wir nicht weiter und werfen es gleich weg. Anderes wird zuerst aufgemacht und aufmerksam gelesen. Und vieles einfach schnell überflogen.

Im Internet ist das genauso. Wir schätzen blitzschnell Inhalte ein und schenken ihnen unterschiedliche Aufmerksamkeit.

Je mehr lediglich eine Firma im Vordergrund steht – was durchs Logo noch unterstrichen wird –, desto weniger persönliche Aufmerksamkeit bekommst du. Das heißt nicht, dass deine Postings oder Kommentare nicht gut sind. Im Gegenteil: Wenn sie hilfreich sind, werden sie durchaus geschätzt.

Es geht mir darum, dass wir nicht nur über das Fachliche verkaufen, sondern im Internet besonders über Glaubwürdigkeit, Vertrauen und Sympathie potenzielle Kunden und ein gutes Renommee aufbauen.

*wiederhol* Als EinzelunternehmerIn bist du das Unternehmen.
Nutz diese persönliche Note!

Postiver Nebeneffekt: Die meisten Leute schreiben viel „normaler“, wenn sie unter ihrem eigenen Namen – und nicht per Firmenname – unterwegs sind.

5. Das bewusste Posten erhöht sich …

Das geht Hand in Hand mit dem drüber: Steht der eigene Name bei dem, was man so von sich gibt, ist man sich viel mehr dessen bewusst, dass das jetzt wirklich mit mir persönlich in Verbindung gebracht wird.

Das kann manchmal ein gutes Sicherheitsnetz sein, nämlich dann, wenn man zu einer Kurzschlusshandlung neigt, weil einen ein Thema oder die Art, wie was geschrieben ist, spontan so aufregt, dass man sich inhaltlich oder im Ton vergreifen würde.

Es ist außerdem ein sehr gutes Training für alle, die sich nicht trauen, einen klaren Standpunkt zu äußern. Ich sehe es so oft in meinem und in anderen Blogs, dass Kritik gerne mal anonym gepostet wird. Warum denn? – In dem Moment, wo du deinen Klarnamen nennst, stehst du zu deiner Meinung!

Es ist absolut in Ordnung, anderer Ansicht zu sein. Es ist auch okay, sich mal über was aufzuregen. – Wer anonym postet, versteckt sich. Was schade ist. Und leider führt es erst recht dazu, dass man sich trollig aufführt. Oft einfach ohne groß nachzudenken.

  • Weiß man, da steht jetzt mein Vor- und Zuname dabei, dann lernt man es, seinen Standpunkt – auch wenn er unbequem ist – auf eine Art rüberzubringen, die andere annehmen können.
  • Und man lernt vor allen Dingen, seinen eigenen Standpunkt richtig gut zu begründen. Das bringt dir selbst was und es ist wiederum vorteilhaft für dein Business.

Oder: Man steht zu einer pöbeligen, beleidigenden Art. Auch gut! So lange du dir klar darüber bist, dass es gleichzeitig aufs Business reflektiert, ist nichts dagegen zu sagen, kontra zu geben. Selbst, wenn es auf eine Art ist, die polarisiert. Dazu zu stehen, und zwar mit dem echten Namen und idealerweise mit dem link zu deiner Website, das hat Format.

Erkennt man an deinem Blog, wie du heißt?

Alle, deren voller Name nicht im Header steht – also ganz oben, im Kopf der Website: Bitte lieber noch mal nachsehen!

Ich finde immer wieder Seiten, wo ich vergeblich suche! Oft, weil das Blog separat vom Business geführt wird. Noch viel häufiger ist der Name für die meisten so eine Selbstverständlichkeit, dass sie DENKEN, er steht da.

Tatsächlich findet er sich weder im Seitenbalken, noch als Autorenname bei den Texten – bei Businesseiten steht er oft nicht mal bei „über mich“. Wenn man Glück hat, ist er auf der Kontaktseite – doch auch da haben viele nur ein Formular. Und nur im Impressum, das reicht echt nicht.

Weil wir gerade dabei sind: Auch in E-Mail-Absendern stehen manchmal nur die Vornamen, nur die Nachnamen, nur der Firmenname, interne Bezeichnungen wie „markus-privat“ oder sogar Abkürzungen.

Du entscheidest!

Bist du anderer Ansicht oder gefällt es dir besser, mit Firmenname und Logo aufzutreten, ist alles wunderbar. Ich will da niemanden missionieren.

Das ist ja das Gute: Als Selbstständige haben wir die volle Entscheidungskraft. Wir können tun und lassen, was wir wollen, so lange wir es bewusst entscheiden.

 

4 Kommentare

  1. sehr gut, und ganz „gitte-mäßig“ tiefgreifend

    Ich möchte folgendes hinzufügen

    Profilbild / Foto: meiner Meinung nach ist es nicht notwendig zu einem Fotografen zu gehen (es sei denn, man übt einen Beruf aus, wo das Aussehen ausschlaggebend ist). Ein hübsches Bild bei dem man denkt: „ja, das bin ich“ genügt (ich schreibe das, weil ich viel Geld ausgegeben habe für das Bild, und jetzt benütze ich ein Foto, das mir ein Bekannter gemacht hat)

    • Gitte Härter sagt

      … dankeschön – auch für deine wichtige Ergänzung, Maria.
      Es leben die super Kameras jetzt! Da kann man wirklich – bei gutem Licht und wenn jemand ein gutes Auge hat – supertolle Fotos selbst machen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.