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Buch-Interview: Maria Sartori-Plebani

Maria Sartori-Plebani gibt Italienischkurse [icomeitaliano.lu] – privat und in Unternehmen, und das seit über 20 Jahren.

Wir kennen uns schon seit ewig über meine Blogs. In den letzten Jahren ist Maria schreiberisch von Null auf Hundert gekommen!

 

Du hast mittlerweile drei Sprachlern-Bücher veröffentlicht und ich weiß von einem weiteren spannenden Buchprojekt, das du gerade mit einem Verlag besprichst – dazu verraten wir natürlich noch nichts. Erzähl doch mal bitte, wie du zum Schreiben gekommen bist.

Angefangen habe ich „so zum Spaß“, aber ich denke, dass ich immer schon irgendwie den Funken in mir hatte. Ich habe viel Phantasie, bin kreativ und ich erfinde gerne Geschichten. Schon seit einer Ewigkeit kaufe ich Bücher über das Schreiben, und ich lese auch viel und gerne.

Vor ungefähr zwanzig Jahren hatte ich ein Erlebnis, das ich als Startpunkt für eine Geschichte nahm, die ich erfand und niederschrieb.

Es war im Frühling 1996. Ich erinnere mich noch gut daran: Ich erfand Tag für Tag die Erlebnisse der Hauptperson, so, als ob alles in dem Moment geschehen würde, als ich es niederschrieb. Ich finde das immer noch ziemlich lustig.

Mit der Zeit wurde es das erste Buch einer Trilogie.

 

Du hast mich anfangs mal wegen eines Buch-Coachings gefragt, doch ich musste dir einen Korb geben, weil ich kein Italienisch kann und weil Sprachlern-Bücher andere Anforderungen als „typische“ Ratgeber haben. Wie bist du an dein erstes Buch rangegangen?

Die Entstehungsgeschichte von diesem ersten Buch finde ich spannend. Sie könnte ein Ansporn für andere Leute sein, nicht aufzugeben.

Also, ich hatte diesen kurzen Roman geschrieben und fand, dass er es wert wäre, gedruckt zu werden. Ich bat eine Freundin, ihn zu lesen und mir ihre Meinung zu sagen. Sie gab mir den Rat, die schwierigen Wörter zu übersetzen, als Fußnote; das Buch habe ich nämlich auf Italienisch geschrieben. Diesen Vorschlag habe ich weiterentwickelt und den Text auf der linken Seitenhälfte geschrieben. Rechts immer die Übersetzung der schwierigen Wörter und Ausdrücke auf Deutsch und Französisch. Am Ende von jedem Kapitel Übungen (insgesamt 26).

Die Übungen habe ich nach diesem Schema geschrieben:

– Übung zum Textverständnis
– Übung zum Wortschatz
– Übung zur Grammatik

Zuerst habe ich das Buch „selbst“ gedruckt und gebunden unter Freunden/Bekannten verkauft oder verschenkt, dann „offiziell“ mit ISBN-Nummer.

Das zweite und dritte Buch habe ich ungefähr nach dem gleichen Schema verfasst, sie sind viel ausführlicher, was den Übungsteil betrifft. Ich bin der Meinung, dass der Leser – der schon die Mittelstufe erreicht haben sollte – durch diese Bücher enorme Fortschritte machen kann. Jetzt ist das zweite Buch ausverkauft. Ich will es überarbeiten und merke und staune 😉, wie viele Informationen und Übungen es enthält. Genau wie das dritte Buch.

 

Stichwort Verlage und/oder Selbstpublishing. Wie sind deine Gedanken und Erfahrungen dazu?

Bei Selbstpublishing übers Internet kenn ich mich nicht aus. Ich habe einfach nur selbst drucken lassen und dann in meinem kleineren Umfeld verkauft. Der Verlag, der jetzt meine Bücher vertreibt, war mir schon bekannt, so kam ich recht leicht in Kontakt.

Es gibt meiner Meinung nach dreierlei zu beachten:

  • Wenn ein Buch gedruckt ist, beginnt erst der zweite große Teil der Arbeit: verkaufen … Da stellt sich die große Frage: Wie das Werk bekannt und (zum Kauf) verlockend machen? Da sollte man beobachten und sich informieren, wie die Verlage werben und vertreiben.
  • Für Sachbücher sollte man eine neue + spannende Idee haben, den Vorschlag den richtigen Verlagen vorstellen und hoffen.
  • Was Romane betrifft, ist es schwieriger, einen Verlag zu finden, der zustimmt, so die allgemeine Meinung. Die Konkurrenz ist sehr groß. Viel mehr Menschen schreiben als lesen …

 

Wie organisierst du dir neben deinem regulären Alltag  – Beruf, Familie, Zeit für dich – das Schreiben, wenn du an einem Buchprojekt arbeitest?

Ich bin eine „manische“ Schreiberin. Das heißt: Wenn ich mich in ein Buch vertiefe, bin ich sozusagen für die Umwelt nicht da (meine Familie scheint sehr geduldig zu sein, sie haben sich noch nie beklagt). Ich denke 24 Stunden daran und bin auch immer am Computer. Das ist keine gute Vorgehensweise, weil der Kopf sowieso nach einigen Stunden „schließt“ und es kommen keine guten Gedanken mehr, und wenn, dann sehr langsam. Aber ich bin da in meiner intensiven Schreibphase und da bin ich fast besessen.

Es passiert mir auch, dass ich Ideen habe für ein Buch, es aber doch nicht schreibe, weil ich weiß, dass ich dann eventuell für mehrere Wochen für niemand mehr „da bin“. 😉

Zum Thema Organisieren kann ich sagen, dass ich vom ersten zum dritten Buch Fortschritte gemacht habe. Das dritte habe ich in viel kürzerer Zeit geschrieben, und der Aufbau gelang mir viel leichter, auch wenn er doch etwas anders war als der des zweiten Buches. Ich hatte ja schon das passende Konzept.

Meine Erfahrung zum Konzipieren: Wenn ich den Kopf von anderen Gedanken freimache und eine ruhige Zeit und einen ruhigen Ort gefunden habe, kann das relativ schnell gehen, ich meine die Grundidee, das Gerüst.

 

Wenn du zurückschaust auf deine fertigen Bücher: Was ist dir am schwersten beim Schreiben gefallen, was war am leichtesten? Hat dich dabei etwas überrascht oder hast du dich selbst überrascht?

Es war eine Überraschung für mich, zu sehen, dass ich im Stande bin, etwas Nützliches (für viele Menschen nützlich, nicht nur für die Familie und engen Bekanntenkreis) und ziemlich Umfangreiches zu Ende zu bringen – und das bis jetzt drei Mal! Das tut auch dem Selbstwertgefühl sehr gut, meinem Selbstwertgefühl umso mehr: Ich dachte immer, ich sei jemand, der nichts zu Ende bringen kann!

Wenn ich die Arbeit an allen drei Werken betrachte, ist sicher das Layout, also das Formatieren des ersten Buches, am schwierigsten gewesen. Ich konnte auch noch nicht gut am Computer schreiben mit all den Möglichkeiten, die es gibt. Das war wirklich nicht einfach damals!

 

Durch deine Bücher hast du dir weitere Chancen eröffnet …

Ja. Ich bin mit Buchhandlungen in Kontakt getreten, bin bekannter geworden, habe als Italienisch-Lehrerin mehr Glaubhaftigkeit und auch immer neue Schüler.

 

Was hast du schreiberisch noch so alles vor? Und: Was würdest du gerne noch anpacken/erreichen?

Also, das sage ich jetzt ganz leise, weil sonst meine Wünsche nicht in Erfüllung gehen … das bleibt sowieso unter uns und den Lesern/Innen: Ich habe einen Roman geschrieben, in zwei Sprachen – italienisch und deutsch, also zwei Bücher – und suche einen Verlag, beziehungsweise zwei.

Dann ist noch das Projekt, das du angedeutet hast, und weitere Ideen für Romane.

Abschließend eine Anekdote. In dem Roman, den ich in zwei Sprachen geschrieben habe, habe ich einen amerikanischen Schriftsteller erfunden, der sogar einen Pulitzer-Preis gewonnen hat.

Der erste Verleger, dem ich das Manuskript geschickt habe, hat den Schriftsteller bei Google und Wikipedia gesucht und sich darüber geärgert, dass alles erfunden war. 🙂

 


 

 

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2 Kommentare

  1. Danke, Gitte!

    Ich ernenne dich hiermit offiziell zu meiner „Pusherin“ 😉 (*)

    (*) SWG-Pusherin = Sielbstwertgefühl-nach-oben-Treiberin 😉

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