Lesernutzen
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Je mehr dein Text den Lesern nützt, desto mehr nützt er dir.

Heute reden wir über „gefühlten“ und „tatsächlichen“ Lesernutzen.

Als EinzelunternehmerInnen schreiben wir, weil sich das für uns lohnen soll. Klar: Idealerweise ist eine Portion Idealismus oder/und Schreiblust dabei. Doch für die meisten geht es darum, schreiberisch Marketing für ihr Business zu betreiben. Wir binden uns die Arbeit mit Fachartikeln, Newsletter und Blogs ans Bein, weil wir uns davon Resultate erhoffen.

Die meisten Texte haben einen hohen gefühlten Lesernutzen, aber einen wesentlich niedrigeren tatsächlichen Mehrwert.

Positiv ausgedrückt: „A bissl was geht immer!“

Negativer gesagt: Extrem viele Texte bringen viel weniger, als wir denken. Und nützen daher viel weniger, als wir glauben. Das hat zum einen mit dem Expertenkopf zu tun: Weil wir uns selbst so gut auskennen, lesen wir viel mehr rein, als tatsächlich dasteht. Zum anderen kann es sein, dass du gezielt Informationen zurückhältst, weil du schreiberisch nicht verschenken willst, was man eigentlich bei dir kaufen sollte.

Wer für sein Business schreibt, geht immer in Vorleistung. Je mehr deine Texte „abliefern“, desto mehr funktioniert das Schreiben als Marketing.

Nehmen wir die Leserperspektive ein:

Das klingt so logisch und selbstverständlich! Tatsächlich ist es ein äußerst anspruchsvolles Paket, dass da gleichermaßen berücksichtigt werden will. Dazu kommt, dass jeder Text dazu individuelle Erfordernisse mit sich bringt.

Für wie relevant hält der Leser deine Infos und Tipps?

Du veröffentlichst fleißig. Doch ein Text wird nur dann überhaupt wahrgenommen, wenn er vom Leser als relevant angesehen wird. Dann gehts erst los:

  • Liest er komplett?
  • Bleibt er aufmerksam dabei?
  • Hat er das Gefühl, es hat sich gelohnt, den Text zu lesen?

Damit steigt die Wahrscheinlichkeit,

  • dass einzelne Texte im Netz geteilt oder per E-Mail empfohlen werden.
  • dass er wiederkommt + zum regelmäßigen Leser wird.

Mal abgesehen davon, dass viele Themen von vornherein zu schwammig oder/und zu groß gewählt sind, so dass sie zwangsläufig zu weit an der Oberfläche bleiben, kann ich aus Erfahrung sagen, dass 9 von 10 Workshopteilnehmer im ersten Anlauf eines Textes zu sehr mit ihrem individuellen Know-how hinterm Berg halten. Sobald wir konkreter reingehen, staunen sie selbst, was sie da alles noch viel Besseres auf dem Kasten haben.

Wie gut gelingt es dir, einen Draht zu deinen Lesern aufzubauen?

Nach wie vor findet im Business die Tatsache zu wenig Beachtung, dass über Sympathie, Glaubwürdigkeit und Vertrauen verkauft wird. Angebote sind in der Regel austauschbar – oder wirken zumindest so.

Mal ganz unabhängig von den objektiven Kriterien, was dein Text an Mehrwert bringt, ist die Frage aller Fragen: Gelingt es mir, einen persönlichen Draht herzustellen? Eine Verbindung zwischen mir und meinen Lesern.

Das stärkt nicht nur die Stammleser, die meistens eifrig weiterempfehlen und von sich aus mit dir – bzw. deinen Texten – in Kontakt bleiben. Es führt außerdem dazu, dass man, wenns denn darum geht, einen Auftrag zu geben, als erstes an dich denkt.

Ein Draht ist immer was, das der Leser fühlt oder eben nicht:

  • Fühle ich mich gemeint?
  • Habe ich das Gefühl, die Person hinter dem Text zu kennen?
  • Versteht sie mich/mein Anliegen?
  • Ist das „einer dieser Experten“ oder ist es ein Mensch aus Fleisch und Blut, den ich als glaub- und vertrauenswürdig wahrnehme?

Diese Ebene erreichst du vor allem durch deinen Plauderton, also dadurch, dass das, was du schreibst, ganz du bist – dass Leute, die dich kennen, sagen: „Ich hör dich richtig!“ Ein ganz normaler Mensch bringt weder Fach-Teflon, noch Oberlehrer; plaudert aus dem Nähkästchen, hat Standpunkte und gibt schon mal eigene Hürden + Defizite preis.

Du erreichst die Ebene unter anderem dadurch, dass du nicht nur Informationen an die Leser hinschreibst, sondern ihre individuelle Lage berücksichtigst: Was du für deine Leser noch tun kannst

Ist alles einwandfrei verständlich?

Hier im Blog gibts tonnenweise Texte, die das Verstehen/Missverstehen thematisieren. Ob Gedankenschleifen, unklare Formulierungen, distanziertes Von-hinten-durch-die-Brust-ins-Auge und und und. Vieles hat damit zu tun, dass der Lesefluss gestört wird.

In erster Linie muss klar sein, was warum wie wichtig ist. Das ist eine ganz schön anspruchsvolle Aufgabe, denn besonders bei Persönlichkeits- und Lebensthemen haben wir es mit einer Masse uns unbekannter Leser zu tun.

Trotz aller Komplexität lässt sich am fertigen Entwurf relativ leicht abklopfen, wie verständlich dein Text ist: Es gilt einfach nur darauf zu achten, WAS WIRKLICH DASTEHT. Hier spielt nämlich wieder unser Expertenkopf mit rein. Für uns selbst sind die Dinge klar wie Kloßbrühe. Dazu kommt, dass unser Hirn automatisch dazudenkt, was es weiß.

Doch unsere Leser können sich nur auf das verlassen, was dasteht. Wenn du also einen Entwurf auf Verständlichkeit durchliest, ist wichtig, wirklich nur zu schauen WAS STEHT DENN JETZT TATSÄCHLICH DA?

Wer sich damit schwer tut, kann üben, aus einem Text die Essenz rauszuholen. Also pro Absatz ungeachtet der hübschen Formulierungen einfach nur für sich den nüchternen Kern rausschreiben.

Meine versierten Workshophaserl, die das Vorausdenken bereits beherrschen, haben das Problem übrigens nicht. Denn die stellen vorher sicher, welche Substanz in den Text muss und bauen schlüssig aufeinander auf.

Kommt beim Leser etwas in Gang?

Ernüchternd aber wahr: Ratgebertexte – ob in Artikel-, Selbstlernkurs- oder Buchform – werden meistens nur gelesen. Wenn überhaupt.

In Gang kommen heißt, dass sich irgendwas beim Leser bewegt.

  • dass er sich auf einen Gedanken oder deine Perspektive einlässt
  • dass er von etwas überzeugt wird/umdenkt
  • dass er einen persönlichen Aha-Effekt hat

An diesen drei Abstufungen merkt man schon, wie viel mehr ein Text leisten muss, wenn sich so richtig was bewegen soll. Dabei ist noch gar nicht von der Königsklasse die Rede: Dem Tun.

Was bringts deinem Leser?

Ist es für den Leser machbar?

Bei Denk-, Einstellungs- oder Verhaltensweisen bringt dein Text nur was, wenn du machbare Schritte wählst. Und da gehen jetzt gerne die wohlmeinenden Gäule mit einem durch. Es wird viel zu viel reingepackt!

Anstatt realistisch zu bleiben, stärker an die Hand zu nehmen und kleine, praktikable Schritte zu wählen, sitzen Fachleute beim Schreiben gerne dem „Mehr hilft mehr“ auf. Doch mehr Nutzen bringen heißt nicht, noch mehr reinstopfen! Ganz im Gegenteil.

Erscheint dein Text – oder Teile davon – erstrebenswert und machbar, äußerst sich das manchmal übrigens nur in einem „Könnte/müsste ich auch mal“, „das bookmarke ich mir für später“ und „die Übung/den Tipp druck ich mir aus“.

Das ist schon mehr als bei vielen anderen Texten passiert. Doch wie wir alle wissen, heißt das noch lange nicht, dass jetzt Aktion folgt.

Kommt er ins Tun?

Schau dir nochmal die Grafik an, jetzt wo deutlicher ist, welche Ansprüche jeder einzelne dieser Begriffe an deinen Text stellt:

Bereits bei der Frage, ob ein Leser einen Text als relevant genug empfindet, überhaupt zu lesen + bis zum Ende aufmerksam dabeizubleiben, fallen schon jede Menge weg.

Einen echten Draht aufzubauen, tun viele Texte leider ebenfalls nicht (obwohl sie könnten).

Die Verständlichkeit kommt sehr schnell ins Stolpern … und so weiter und so fort …

Das soll dich übrigens nicht demoralisieren, sondern anspornen! Es geht mir darum, dass Texte, die deinen Lesern wirklich viel bringen sollen, ganz schön was fordern. Die gute Nachricht ist, dass jeder Selbstständige das liefern kann. Meistens wird es nur nicht genug im Blick gehalten, auf jeden Fall selten so gut erfüllt, wie es möglich wäre.

Auch wenn du schon gut dabei bist. A bissl was geht immer!

Es gibt noch ein paar Kniffe, die es dir erleichtern, dem Leser Beine zu machen.

Teil 2: Wie nah ist das an meiner Realität? 

 

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