Lesernutzen

Wie nah ist das an meiner Realität?

Im ersten Teil gings darum, wie komplex das mit dem Lesernutzen ist. Dass Texte, die den Lesern wirklich viel bringen sollen, dich auf mehreren Ebenen fordern.

Wenn du möchtest, dass sich bei deinen Lesern was tut, gilt immer die Devise: So viel steuern, wies grad geht.

Wobei ich noch mal erinnern will, dass pro Thema und Text der handfeste Nutzen sehr unterschiedlich ausfällt. Das war die Sache mit den kleineren Brötchen. Vielen galoppiert nämlich der Ehrgeiz davon. Ein typisches Beispiel ist das hier:

Als AutorIn solltest du immer eine klare Absicht mit einem Text verfolgen. Und darauf abgestimmt etwas beim Leser erreichen wollen. Mach nicht immer große Fässer auf! Damit schaffst du die beste Voraussetzung, dass überhaupt was passieren kann.

Erstes Problem: Die generelle Infomasse

Vergiss mal für einen Moment deine Schreiber-Rolle, sondern denk mal an dich als Konsument. Da sitzt du also vor deinen Bücherregalen und am Bildschirm, bist durchaus interessiert, neugierig und willig, was zu erfahren, zu reflektieren, zu lernen. Bestimmt hast du einige konkrete Interessengebiete oder Bereiche, wo du ein Problem hast oder den Ehrgeiz, besser zu werden. Darüber hinaus gibt’s alles Mögliche, was du so nebenbei aufschnappst, durch links in deiner Timeline oder bei der Recherche zu was anderem.

Wir alle wissen, wie groß die Masse an Informationen ist. Ich bin bestimmt nicht die Einzige, die sich total viel bookmarkt [„für später“, haha!].

Aus allem, was wir abonniert haben, was wir gezielt suchen und was wir über Social Media so vor die Augen bekommen, kommt nur ein Bruchteil überhaupt zu uns durch.

Jede Menge Informationen und Tipps prallen an uns ab, manches lesen wir kurz an oder überfliegen es. Einiges lesen wir von A bis Z durch. Weniges davon „sticht“ uns an oder überzeugt. Hin und wieder probieren wir was aus. So richtig üben oder etablieren? Da wird die Luft schon dünner …

Erschwerend kommt hinzu:

Wir haben im Laufe unseres Lebens schon jede Menge aufgeschnappt und angesammelt. Doch über unseren tatsächlichen Erfahrungsschatz und unser Know-how hinaus glauben wir, dass wir etwas schon genau kennen, wissen oder tun – obwohl das gar nicht immer stimmt. Unser Hirn ist effizient, unsere Überzeugungen oft stark. Da wird zackizacki im Alltag entschieden, womit man sich näher beschäftigen will.

Darum sortieren wir alles, was uns vor die Augen kommt, flott aus: Wir halten Dinge für eh klar, aufwändig, uninteressant, schwierig, nutzlos, blöd,…

Als Autoren haben wir mit all dem zu kämpfen. Darum ist die Schreiberei richtig guter Texte so anspruchsvoll. Es geht nie nur um die Inhalte!

Der Leser fragt sich „Wie nah ist das an meiner Realität?“

Das An-die-Hand-nehmen

Wie wichtig es ist, seine Leser an die Hand zu nehmen, vergessen leider viele Autoren im Eifer des Schreibens. Sie konzentrieren sich zu sehr auf die Inhalte und sehen in dem Moment ihr Thema zu sehr aus Expertensicht.

Im Alltag mit deinen Kunden hast du den Vorteil, dass du persönlich wirkst und auf die Leute eingehen kannst. Beim Schreiben musst du dir individueller, menschlicher Hürden bewusst sein, die deine Leser haben – sogar wenn es um vermeintlich simple, schnell gemachte Dinge geht.

Willst du die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass dein Text konkret etwas bewirkt, dann back kleine Brötchen – machbare kleine Schritte. Und versetz dich in  deine Leser, damit du deinen Text auf Einseitigkeit oder unnötige Filter abklopfen kannst. Außerdem ist es wichtig, mögliche Vorbehalte vorwegzunehmen und die Zuversicht zu stärken.

Was heißt das jeweils genau (mit Beispielen):

Hand in Hand mit der konkreteren Zielgruppe

Die einen oder anderen denken jetzt vielleicht „Aber die Zielgruppe besteht ja aus so vielen unterschiedlichen Leuten! Das kann ich doch nicht alles berücksichtigen“, antworte ich: Ja, das stimmt.

Genau dafür ist das (Plankton-)Thema da und vor allem das viel fokussiertere Auswählen der Zielgruppe PRO TEXT.

Siehe: Verflixte Zielgruppen-Patzer

Ganz schön komplex, gell?

Yep! Genau darum poche ich so sehr darauf, systematisch vorzugehen und die eigentliche Denkarbeit VOR dem Schreiben des ersten Wortes zu machen. Denn dann ist es gar nicht mehr so schwierig, weil du folgerichtig deine Absicht nach und nach fokussierst.

Schreibt man einfach drauflos, ist es fast unmöglich, sich richtig auf die Zielgruppe zu fokussieren und solche inneren Vorbehalte differenziert zu berücksichtigen.

Teil 1: Je mehr dein Text den Lesern nützt, desto mehr nützt er dir.