Themenwahl
Kommentare 2

„Planktonisieren“ – ein Beispiel


Ich kenne Christopher nicht und ich weiß nicht genau, was er vorhat, aber ich hab gleich mal gefragt, ob ich seinen Tweet als Sprungbrett für einen Artikel nehmen darf. Ich darf. <3

Beim „Plankton“ gehts um eine klitzekleine Themenfacette. Darum sind Schlagwörter generell der Feind! Warum, das hab ich hier schon mal näher erklärt:

Wenn Christopher bei der „Medienfreiheit“ ans Plankton will, gibt es zwei Möglichkeiten:

Variante 1: Ich hab „eigentlich“ was Bestimmtes im Sinn

Das ist erstaunlich oft der Fall! Wie im Video erwähnt, starten viele mit einem groben Schlagwort, obwohl es ihnen durchaus um was Bestimmtes geht. Das kommt in Workshops immer wieder raus, wenn ich nachhake: „Das ist zu schlagwortartig, was meinst du denn?“ In 90 % der Fälle wirds sofort konkreter. Denn meistens hat man sehr wohl eine genauere Richtung, über die man schreiben will.

Vielleicht geht es Christopher in Wirklichkeit darum, dass Medienfreiheit zu oft beschnitten wird.

Oder es geht ihm darum, wie Medienfreiheit in bestimmten Ländern aufrecht erhalten werden kann, auch wenn die Regierungen alles daran setzen, Nachrichten zu kontrollieren.

Vielleicht geht es ihm aber um ein noch konkreteres Thema: Die Problematik, dass Leute, die sich für Medienfreiheit einsetzen oder offen ihre Meinung im Netz kundtun, das oft unter Bedrohung für Existenz und Leben tun.

Unabhängig davon, um welches Thema es geht: Hantiert nie nur mit so großen Schlagwörtern! Sondern kreist unbedingt näher ein, was Sache ist. In den seltensten Fällen wollen Leute ein generelles großes Thema so richtig in aller Breite runterbrechen (dazu kommen wir gleich).

Meistens gibt es bereits eine klarere Idee, zumindest eine bestimmte Richtung. Darum nie nur mit einem Schlagwort starten, sondern ein paar mehr Worte verlieren. Notiert Euch, worums geht. Das muss noch gar nicht schnittig klingen, sondern es geht darum, dass Ihr für Euch aussagekräftiger einkreist, was Sache ist.

Dann steht da statt „Medienfreiheit“ beispielsweise sowas hier:

Probleme, die Medienfreiheit für Einzelne mit sich bringt
oder
Diese Dinge gefährden + beschneiden die Medienfreiheit
oder
Medienfreiheit kritisch betrachtet – pro und contra

Wohlgemerkt: Das sind noch keine Plankton-Arbeitstitel! Aber jetzt gibts ein klarer abgestecktes Thema. Und damit wird das „Verplanktonisieren“, wie Christopher es nennt, viel einfacher!

Variante 2: Ich will das Thema generell runterbrechen

Jetzt gibt es natürlich Gelegenheiten, wo man ein wenig systematischer schauen will, was alles in einem großen Thema steckt. Da mein Blog für EinzelunternehmerInnen ist, die für ihr Business schreiben, ist das immer eine individuelle Sache. Die Frage ist: Aus welchen großen Brocken besteht das Schlagwort FÜR MICH?

Sagen wir mal, es gibt drei Selbstständige, die sich überlegen, ein Business-Blog rund um „Kommunikation“  zu starten.

Kommunikationsfachkraft A
… deckt folgende Themen ab:

  • Rhetorik
  • Standpunkt beziehen
  • Präsentieren

Kommunikationsfachkraft B
… deckt folgende Themen ab:

speziell für Führungskräfte
Gewaltfreie Kommunikation
respektvolles Miteinander
Mitarbeitergespräche

Kommunikationsfachkraft C
… deckt folgende Themen ab:

aus dem Stegreif reden
sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen
schlagfertig kontern

Kommunikation ist der gemeinsame Nenner. Trotzdem decken sie völlig verschiedene Bereiche ab: Kommunikation ist nicht gleich Kommunikation.

Zunächst geht es beim Herunterbrechen also darum, dass du die großen Bereiche bestimmst, die für dich relevant sind – ohne schon zu sehr in die Details zu gehen.

Nehmen wir an, Christopher will öfter mal über Medienfreiheit schreiben und darum etwas systematischer schauen, was da alles an Themen drinsteckt. Dann würde er nie vom Schlagwort direkt zum „Plankton“ springen, sondern er würde erstmal für sich die größeren Bereiche zu Medienfreiheit definieren. Dabei geht’s nicht um irgendwelche offiziellen Definitionen, sondern – genau wie bei unseren Kommunikationsfachleuten – würde er gucken: Was ist für mich prinzipiell relevant?

Sind die Bereiche  nicht von vornherein klar, nützt es, sich mit ein paar zentralen Fragen draufzuhelfen. Mit den Antworten werden die näheren Unterbereiche klar:

  • Was ist Medienfreiheit eigentlich genau?
    [Was heißt es, was heißt es nicht: Welche Definitionen und Begriffe muss man dazu kennen?/Was umfasst es alles? Wer ist beteiligt/betroffen? Welche Gesetze gibt es dazu? …]
  • Warum ist Medienfreiheit so wichtig?
  • Was fördert die Medienfreiheit?
  • Was bedroht sie?

Die Antworten brechen dann in aussagekräftigen weiteren Aspekten auf, was dazu jeweils relevant ist.

So aufbereitet lässt sich das große Ursprungsthema ganz flott viel konkreter umreißen.

Was ist jetzt der Plankton-Arbeitstitel nochmal?

Zum Plankton gibt es hier im Blog unzählige Artikel. Wer noch gar nicht weiß, was das ist, kann in den Schreib-Basics nachlesen.

Das Prinzip:

Es gibt „See-Themen“. Das sind die riesengroßen Schlagwörter, aus dem dein Fachgebiet besteht. Zum Beispiel: „Ich schreibe was zu Kommunikation.“

Diese großen See-Themen lassen sich in konkretere Teilthemen herunterbrechen, die allerdings noch zu komplex für einen Artikel wären. Zum Beispiel: „Ich schreibe, wie man Konflikte löst.“ Das ist viel zu riesig und schwammig. Wer so einen Artikel schreibt, bleibt fast zwangsläufig an der Oberfläche oder hat schnell den Eindruck, dass er keine Themen mehr übrig hat.

Und es gibt das Plankton: Die kleinen, total konkreten Teilfacetten eines Themas. Bei der Konfliktlösung wäre so eine Teilfacette: „Was tun, wenn der Gesprächspartner zu weinen beginnt?“

Bist du auf Plankton-Ebene angelangt, heißt es, vor dem Schreiben eines Artikels immer einen klaren Aufhänger zu wählen. Denn auch zu so einem Plankton-Thema wie „Was tun, wenn der Gesprächspartner zu weinen beginnt?“ lassen sich zig verschiedene Artikel schreiben! Hier findest du eine Latte konkreter Plankton-Arbeitstitel zu diesem Beispiel.

 

PS: Ich muss übrigens sehr lachen, dass so viele von Euch unabhängig voneinander das „Plankton“ zum Verb machen. Planktonisieren gibts mittlerweile in verschiedenen Formen.

 

2 Kommentare

  1. Liebe Gitte

    Vielen Dank für deinen Artikel!

    Ich muss zuerst mal die Ausgangslage klarstellen: Der Text, um den es geht, stammt nicht von mir. Ich habe die Aufgabe ein Feedback darauf zu geben.

    Der Autor stellt die These auf, dass die Medienfreiheit eine Illusion ist. Er geht also nicht mehr um ein einzelnes grosses Schlagwort, sondern die grobe Richtung ist bekannt. Dennoch weiss ich als aufmerksamer Leser deines Blogs und Plankton-Fan, dass wir das Thema noch weiter runterbrechen müssen.

    Ich hätte dazu verschiedene Ansätze. ABER: Ich ahne, das zentrale Problem ist dass die Kernfragen nach dem Zielpublikum, der Absicht des Autors und dem Lesernutzen nicht detailliert genug beantwortet sind.

    • Gitte Härter sagt

      Huhu Christopher,

      entschuldige, dass ich mich erst heute melde – der August hatte es in sich!

      Bestimmt bist du mittlerweile eh schon fertig. Noch ganz kurz „ins Blaue“ geschossen (weil ich die Details nicht kenne – zum Beispiel, ob es darum geht Feedback als Probeleser zu geben oder praktisch eine „Antwort“ darauf zu verfassen. Ich gehe mal von Letzterem aus). Du schreibst allerdings „… dass wir das Thema noch weiter runterbrechen müssen“.

      Als Plankton-Fan hast du es genau richtig erfasst:

      „ABER: Ich ahne, das zentrale Problem ist dass die Kernfragen nach dem Zielpublikum, der Absicht des Autors und dem Lesernutzen nicht detailliert genug beantwortet sind.“

      Medienfreiheit ist eine Illusion ist ein gutes Plankton-Thema = es ist ein guter klar herausgebrochener Bereich (wie ich oben schon angedeutet habe).

      Aber zu jedem Plankton-Thema lassen sich total viele Artikel schreiben, also brauche ich zunächst den Plankton-Arbeitstitel: eine vorläufige Überschrift, die schon reinpackt, worauf ich mit dem Text überhaupt raus will.

      Das heißt: Wenn ich sage „Medienfreiheit ist eine Illusion“, dann hab ich wiederum entweder schon eine grobe Richtung, warum ich das behaupte. Oder aber ich habe (wenn ich jetzt in einem Redaktionsteam bin), den Ansatz, gemeinsam die These zu besprechen, DASS es eine Illusion ist, aber vielleicht wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht, was genau wir da machen wollen.

      Und dann würdest du wiederum systematisch immer eine Teil-Entscheidung für den Text treffen.

      In Ermangelung von Details nehme ich jetzt mal einen XX Artikel als Beispiel: Ich nehme als Arbeitstitel also einfach

      XX Gründe, warum Medienfreiheit eine Illusion ist.

      Das wäre also der Ansatz, wo ich verschiedene Argumente dafür mische.

      Wichtig: Wenn hinter dem Artikel ein klarer Standpunkt steht (wie oben beschrieben), dann würde das anders ausfallen: Zum Beispiel: „Die Medienfreiheit ist auch in westlichen Ländern eine Illusion – Politik, Gesetze und Gesellschaft steuern ganz gewaltig rein“

      Das wären jetzt zwei Beispiele für Plankton-Arbeitstitel.

      Und dann kommen die „weichenstellenden Fragen“, mit denen du gezielte Entscheidungen für den Text triffst BEVOR du Struktur + Inhalte dafür festlegen kannst.

      Beispiel:

      XX Gründe, warum Medienfreiheit eine Illusion ist.

      Umfang: max. 2 Seiten

      Die weichenstellenden Fragen sind:
      – Die Zielgruppe:
      – Dein Ziel/deine Motivation:
      – Was soll der Leser wissen, können oder tun?

      Zu allem (Umfang, Zielgruppe, Ziel/Motivation, Was wissen, können, tun) gibt es weiterführende Artikel mit Beispielen im Blog. Einfach die Suche anwerfen.

      Wenn du einen fix und fertigen Artikel hast, dann ist das natürlich schwierig und da kann ich auf die Ferne auch nichts sagen: Denn da kann es sein, dass man den Artikel reparieren kann durch Struktur oder weitere Argumente oder oder oder Es kann aber auch sein, dass der Artikel von Grund auf danebenschießt.

      In diesem Fall würde ich als Feedbackgeber einfach erstmal alles listen, was mir auffällt. Also nicht irgendwie auf Formulierung oder so Details eingehen, sondern eher mit Fragen oder Statements, das was mir fehlt oder auffällt notieren und dem Autor dann zurückgeben. Denn es ist ja sein Text und seine Meinung, die eventuell – so wie es bei dir klingt – zu allgemein ist.

      Ich sag dir da als Plankton-Fan nichts Neues. 😉 Aber vielleicht ist es eine gute Idee, bei nächsten Themenideen mal mit Eurem Redaktionsteam vor dem Schreiben vom Plankton-Arbeitstitel über die weichenstellenden Fragen mal näher reingehen. Das muss aber, wie du sicher weißt, wirklich konkret passieren, sonst bringts nicht so viel.

      Herzliche Grüße
      Gitte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.