Selbstdarstellung
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Bitte kein Copy-Paste!

In letzter Zeit haben sich die Selbstdarstellungsworkshops geballt, allem voran Seminarausschreibungen, „Vorstellbriefe“ und Kurzprofile. Da sind „alte“, also bereits vorhandene Texte meist richtig hinderlich. Darum hier nochmal die Gründe, warum ich meinen Kunden das KOPIEREN-EINFÜGEN verbiete. 😉

Natürlich verstehe ich den Impuls: Man hat da ja schon was. Viele tun sich zudem sehr schwer, über sich selbst zu schreiben. Da liegt das Wiederverwerten ja nahe! Erst recht, wenn man es sich zeitintensiv aus den Fingern gesogen hat oder von jemand anderen hat schreiben lassen.

Ein verwandter Impuls ist es, sich in der Not bei einer oder mehreren anderen Websites zu bedienen: Besonders, wenn dieser andere es aus eigener Sicht perfekt zusammengefasst hat.

Du tust dir mit alldem keinen Gefallen.

1. Alter Aufguss mit Flickwerkpotenzial

Warum es fast immer eine schlechte Strategie ist, was Vorhandenes umzustricken, hab ich schon mal beschrieben: Aus alten Blogartikeln einen Selbstlernkurs basteln, aus Seminarunterlagen ein Buch zusammenzustellen, das führt meistens in den Wald.

Bei der Selbstdarstellung ist es noch nachteiliger:

Stammen die vorhandenen Texte aus deiner Selbstständigen-Anfangszeit, waren die Leistungspalette, das Selbstverständnis und der eigene Stempel schlicht noch gar nicht so klar. Ganz einfach, weil die Erfahrung gefehlt hat. Dazu kommt, dass sich ein neues Business oft in den ersten 6-12 Monaten ziemlich verändert. Kein Wunder: Die Startsituation war ein Plan. Im Alltag kristallisieren sich Schwerpunkte erst heraus. Manchmal kommen sie von außen auf einen zu.

Doch auch für gestandene Selbstständige ist es schade, das Alte zu konservieren. Denn wir entwickeln uns ja weiter. Nicht nur vom Fokus und Leistungsspektrum her, sondern ganz persönlich. Das habe ich im früheren Artikel mit dem Vergangenheits- und Gegenwarts-Ich bezeichnet.

Die Heute-Gitte ist natürlich die gleiche Gitte wie früher. Und doch drückt sie sich ganz anders aus, findet andere Sachen wichtiger, legt mehr Wert auf Sachen, die früher anders gelagert waren. Nächstes Jahr und in fünf Jahren sieht das wieder völlig anders aus!

2. Du denkst nicht neu + begrenzt dich

… womit wir schon beim nächsten Punkt sind: Unser Hirn ist praktisch veranlagt. Setze ich es auf eine bestimmte Denkfährte, nimmt es das, was es kennt und bewegt sich im Naheliegenden.

Frage ich also „Was nützt die Leistung XY deinen Kunden?“ und du kopierst drei schnittige, allgemeine Nutzenversprechen aus einem vorhandenen Text, dann kreisen deine Gedanken um diese drei Punkte.

Ein Beispiel:

Da macht jemand Führungskräfte-Coaching und hat auf der Website als Nutzen stehen:

  • Sie haben einen externen Sparringspartner.
  •  Ich hole Sie da ab, wo Sie stehen.
  • Sie bekommen klare, praxistaugliche Handlungsschritte für jedes Problem.

Das sind alles durchaus relevante und wertvolle Aspekte, doch wie sie da so stehen, sind sie recht allgemein und werden von wahnsinnig vielen Coaches so oder so ähnlich angeführt. Das hat durchaus nachvollziehbare Gründe [siehe Punkt 3]. Doch bleiben wir einen Moment beim begrenzten Denken.

Mein Beispiel-Coach hat also diese fertigen Punkte – und jetzt komm ich und sage „Mei, das ist ja jetzt relativ allgemein. Das schreiben total viele. Mach doch mal konkreter, was DEIN Coaching dem Kunden bringt!“

Wenn diese drei Punkte die Ausgangslage sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Beispiel-Coach anfängt, die drei Punkte umzuformulieren. Oft wird dann die Strategie „mehr ist mehr“ gefahren und Konkretwerden wird damit gleichgesetzt, dass man einfach MEHR schreiben sollte:

  • Sie haben einen externen Sparringspartner: Ich bin unbeteiligt und zeige Ihnen die verschiedenen Blickwinkel auf.

Klingt konkreter, gell? Tatsächlich ist es noch immer ein recht generisches Coaching-Versprechen, das so ähnlich fast überall steht.

Das heißt: Ein vorhandener Text gibt dir inhaltlich und sprachlich einen bestimmten Rahmen vor. Das ist in dem Fall hinderlich! Vor allem, weil es AUSSERHALB der vorhandenen Aspekte noch viel stärkere, individuelle Argumente gibt. Immer! Das weiß ich, weil ich meine Kunden manchmal recht ausdauernd piesacken muss. 😉

3. Meist fehlt von vornherein Substanz

Das mit der fehlenden Substanz passiert ganz schnell. Dafür gibts Gründe, die gerne in Kombination auftreten:

Wir passen uns anderen an: Tatsache [und deine Chance!] ist, dass viele Selbstständige mehr oder weniger gleich auftreten. Täglich sehen wir, wie große Firmen sich zeigen. Wir bekommen Marketingsprech vor Augen und Ohren. Dann sind da noch die Kollegen und die Konkurrenz. Ich weiß nicht, wie oft ich schon gehört habe „Das ist in meiner Branche halt so“ oder „Meine Zielgruppe will das genau so haben“. Stimmt nicht!

Die Zielgruppe will für sie relevante Informationen und gute Argumente. Und du als EinzelunternehmerIn willst DICH und DEIN BUSINESS und DEINE HERANGEHENSWEISE und das WAS DIR WICHTIG, ist berücksichtigen. Diese zwei Blickwinkel sind relevant, nicht was andere machen. Sonst gehst du bestenfalls in der Masse der Anbieter unter, schlechtestensfalls rauscht deine zu generische Information bei der Zielgruppe durch.

Wir sind in unserem Thema zu Hause: Das ist der Expertenkopf, an den ich euch immer wieder erinnere. Wir wissen mehr. Wir meinen was auf bestimmte Art. Wir wissen, was damit zusammenhängt. Wir wissen, was was bringt. Wir haben einschlägige Erfahrung. Und und und. Das führt aber leider dazu, sich mit Sätzen zufriedenzugeben, die wir im eigenen Kopf mit sehr viel mehr Bedeutung anreichern. Darum werde ich nicht müde, zu betonen: Der Leser kann sich nur auf das verlassen, was dasteht! Er steckt nie genauso im Thema. Er kennt dich persönlich nicht und weiß nicht, was dich ausmacht.

Wir fordern uns zu wenig: Das ist jetzt schwierig, weil man das oft nicht merkt. Nicht nur beim Schreiben! Das mit dem Nutzen ist echt ein schönes Beispiel, weil mich meine Kunden da regelmäßig hilflos anschauen. Die einen stutzen, weil sie nie auf die Idee gekommen sind, mal etwas unmittelbarer und vor allem tiefer reinzugehen. Die anderen sind so in der SELBSTdarstellung vertieft, dass sie völlig vergessen, überhaupt mal zu überlegen, welche Anliegen, welche Situationen und welche Vorbehalte es auf Seiten der Zielgruppe gibt.

Und dann ist da manchmal eine innere Sperre vor dem „Sich-anpreisen“, „Angeben“ oder gar irgendwelche Versprechungen zu machen. Doch darum gehts nicht! Es geht darum, dich als EinzelunternehmerIn darzustellen und darum, potenzielle Kunden von dir zu überzeugen.

Besser frisch von der Leber weg!

Ich weiß, es ist ungewohnt, einfach draufloszuschreiben. Nicht gleich zu formulieren und perfekt zu sein. Doch genau darin steckt der Schlüssel für lebendige, EIGENE Texte.

Wenn jemand das liest, der dich persönlich kennt, soll er sagen: „Das bist ganz du! Ich hör dich richtig raus!“

Gerade darum ist das Frisch-von-der-Leber-weg so wichtig: Denn wenn du NUR FÜR DICH, ohne groß zu formulieren, einfach mal so richtig klar aufs Papier bringst, worum es wirklich geht, dann klingt es gleich ganz anders. Im ersten Wurf darf das holpern, umgangssprachlich klingen oder etwas zu lang ausfallen.

Meiner Erfahrung nach stecken da drin immer die Perlen, die teilweise nur noch poliert werden brauchen oder viel Stoff zum Rosinenpicken geben.

In meist glatten, fertig formulierten Sätzen hingegen, steckt meist weder genug Substanz, noch Leben, noch eigener Stempel drin.

Wenn du also einen guten Text für dein Business brauchst, ob neuer Webtext, eine Ausschreibung, einen Flyer, eine Anzeige, oder oder oder: Nieder mit dem Copy-Paste!

 

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