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Standpunkt zeigen …

… erfordert, ihn überhaupt zu kennen. Für schreibende EinzelunternehmerInnen ganz besonders, weil schriftlich gerne die Persönlichkeit abgekoppelt wird. Genau das Falsche!

Es ist extrem wichtig, dass wir beim Schreiben wir selbst sind. Nicht nur fühlt sich das gleich viel besser an. Es kann außerdem viel mehr flutschen.

Das allerwichtigste ist aber, dass du dich als EinzelunternehmerIn zeigen musst. Immerhin sind Texte dein Marketinginstrument. Du schreibst keinen Newsletter, Facebook-Postings oder bloggst, weil dir gerade langweilig ist. Sondern weil es dir was bringen soll.

„Bringen“ heißt in erster Linie, es trägt monetär zu deinem Business bei. Auch wenn das Schreiben in der Regel mittel- bis langfristig zu Aufträgen führt, ist das das Ziel. Kostet dich das Schreiben mehr, als es dir bringt?

Jetzt geht’s einerseits darum, überhaupt Aufträge zu bekommen. Andererseits darum, die richtigen Auftraggeber für dich zu gewinnen. Schreiben kann das nur leisten, …

  • wenn du mehrwertige Texte schreibst, die nicht an der Oberfläche bleiben, damit sich das Lesen lohnt.
  • wenn das, was bei dir steht, nicht eh schon überall sonst steht/“klar“ ist.
  • wenn du deine Art zeigst: DEINE Ansicht, DEINE Herangehensweise, DEINE Erfahrungen. Und natürlich DEIN Temperament.

Es soll gelten „what you see is what you get“: Das, wie du mich hier in meinen Texten erlebst, kaufst du ein. Auf diese Weise bekommst du einen persönlichen Draht zu den Lesern. Und es bleiben die besonders hängen, die deine Art und Sicht der Dinge gut finden. Wos passt.

„Standpunkt zeigen“ ist also nicht nur für spezielle Meinungstexte relevant, sondern jeder deiner Texte soll eindeutig von dir sein.

Was steckt drin?

Selbst, wenn du das bereits so siehst, kann das Prinzip „Standpunkt zeigen“ immer noch recht abstrakt sein. Zu oft gelingt es nämlich nicht, sich selbst in Texte einzubringen.

Ein typischer Denkfehler ist, dass das Formulieren das Problem ist. Das Zentrale wird dabei gerne übersehen: Überhaupt erstmal für sich selbst zu klären, was drinsteckt!

Bevor wir was formulieren können (das Wie), müssen wir ganz konkret das Was kennen. Die gute alte Substanz.

Wir alle sind unterschiedliche Leute.

Hier im Blog gibt’s unzählige Artikel zum Plauderton und noch viel mehr Appelle, dass du du selbst bleibst, wenns schriftlich wird. Ein Text ist dein Stellvertreter. Der soll nach dir klingen.

Das ist übrigens der Grund, warum ich nur mit EinzelunternehmerInnen arbeite: Die sind nämlich ihr Unternehmen. Der Angestellte einer Firma, vertritt die Firma – deren Image, deren Ton (oder bewusste Neutralität). Bei einem Einzelunternehmen macht ein einzelner Mensch sein Business aus.

Wenn fünf Coaches in eine Firma marschieren, sind da fünf unterschiedliche Menschen, die sich schon am Empfang verschieden verhalten. Sie gehen anders, sie reden anders, sie „fühlen sich anders an“.

Wenn ich zu fünf Physiotherapeuten gehe, habe ich als Kunde fünf Mal ein unterschiedliches Erlebnis. Das liegt daran, dass die sich, wenn wir uns gegenüber stehen, nicht neutralisieren können. Selbst wenn sie alle geschäftsmäßig-neutral tun würden, kommen die persönlichen Unterschiede durch.

Es ist total wichtig, dieses Eigene beim Schreiben durchzulassen. Ja: zu lassen! Das ist nämlich gar nichts, was man großartig lernen muss. Man muss sich „nur“ abgewöhnen, sich selbst beim Schreiben zu neutralisieren. 😉

Wir haben verschiedene Meinungen.

Zusätzlich zu unserer ganz eigenen Art, unserem Temperament haben wir eine Fülle von Ansichten zu großen und kleinen Dingen. Zu Einzelaspekten. Unter verschiedenen Blickwinkeln.

Ich nenne das die INHALTLICHE QUALITÄT.

So kann ich zum Beispiel den Spruch „Der Kunde ist König“ grundfalsch finden. Ein anderer findet ihn goldrichtig. Hier macht das WEIL die inhaltliche Qualität aus. Je nachdem, wie ich ein Thema betrachte, sehe ich es. Darum ist das mit dem Konkretwerden immer so wichtig, besonders wenns ums Thema geht.

Ich kann grundsätzlich eine Meinung haben, zum Beispiel „Für mich wäre es nichts, vegan zu essen“. Doch innerhalb dieses Themas kann ich weitere ganz verschiedene Ansichten vertreten, die sich auf einzelne Aspekte beziehen. Man hat also nie nur einen einzigen Standpunkt zu einer Sache.

Klar weiß ich, dass du das weißt. Doch ich sehe halt auch immer, wie beim Schreiben gerne alles zusammengeklopft wird – und gerade das Konkretwerden zu sehr auf der Strecke bleibt. Doch nur in der Tiefe steckt der Lesernutzen!

Jeder Standpunkt ist mit einem Gefühl verknüpft.

Neben der inhaltlichen Qualität gibt es immer, immer, immer eine EMOTIONALE QUALITÄT.

 

Nimm den Ausgang der Wahl. Manche macht das Ergebnis tief betroffen, andere sind stinkesauer, wieder andere rollen trotzig mit den Augen – und so mancher schlägt den Kopf an die Tischplatte. Es gibt Leute, denen macht das richtig Angst. Andere wiederum sind zufrieden, weil es ein Zeichen von Demokratie ist, ganz unabhängig vom Wahlausgang. Und wieder andere sind happy, entweder weil ihr Wunschziel erreicht wurde. Oder einfach zufrieden, weils einen Denkzettel gibt.

Egal, worum es geht: Wenn wir nicht nur eine Begriffsdefinition von etwas schreiben oder einen neutralen Inhalt weitermelden, dann schwingt immer ein Gefühl mit.

Finde ich also den Spruch „Der Kunde ist König“ ungut, dann entscheidet die emotionale Qualität mit über den Text. Nervt mich diese leere Worthülse einfach nur, dann klingt mein Text ganz anders, als wenn ich heulen könnte, weil da so viele Chancen vergeben werden.

Liegt mir ein Thema total am Herzen, ist es mir ein echtes Bedürfnis, über etwas zu schreiben, dann fällt der ganze Text ganz anders aus, als wenn ich eine Sache einfach nur schade finde, weil …

Je nach Thema und je nachdem, wie genau ich das Thema anpacke [Plankton-Arbeitstitel], steckt eine andere Art von Leidenschaft dahinter: Einerseits, was das Gefühl, anderereits, was die Intensität betrifft. Und das muss ich mir vor dem Schreiben bewusst machen.

Sei einfach du!

So aufgedröselt, klingt sowas immer etwas technisch und aufwändig. Doch es ist sogar sehr viel einfacher: Denn wenn wir uns beim Schreiben nicht so verkünsteln, sondern lernen, viel näher an uns selbst zu bleiben, dann ist da ja ein automatischer Zugang zu dem, was und wie ich über etwas denke.

Genau wie du in einem Gespräch mit Freunden oder am Tisch mit Kollegen vielleicht nicht immer spontan formulieren kannst, was du sagen willst, dir aber durchaus bewusst bist, dass dir gerade was gegen den Strich geht oder du total glücklich über eine Entwicklung bist. Frage ich nach, könnte ich relativ schnell freilegen, was das ist und inwiefern es dies-und-das auslöst.

Beim Schreiben wird das gerne mal komplett übersprungen. Dabei ist das der Unterbau für vielseitige Texte mit deinem Stempel. Es macht außerdem das Schreiben sehr viel spannender und abwechslungsreicher. Und dich schlauer!

 

4 Kommentare

  1. Hallo Gitte,

    Lange Zeit habe ich mich bei Texten in den Hintergrund gestellt. Ich wollte, dass meine Bilder und mein Text im Vordergrund die Aufmerksamkeit haben sollten. In Zeitschriftenreportagen liest man oft Texte, die lau sind. Wo ich merke, dass sich ein Journalist hinter Aussagen anderer versteckt. Du machst mir mit diesem Blog Mut. Ein Blogger hat ja meist keinen Vorgesetzten dem er etwas recht machen muss. Die persönliche Sicht und Meinung sind viel lesenswerter. Übrigens ich lese Deine Tipps sehr gerne. Gruß Andreas

    • Gitte Härter sagt

      Hallo Andreas,

      schön dich zu lesen – und noch schöner, dass du immer gerne bei mir mitliest.

      Als Fotograf sagen Bilder natürlich auch eine Menge aus (wenn man, auch da, seine eigene Sicht der Dinge reinbringt). Von daher funktioniert das schon super, wenn man so seine eigene Handschrift im Bild hat, denn das transportiert jede Menge.

      Doch es ist genau, wie du es sagst: als Leser ist es viel spannender und bringt noch viel mehr Dimension rein, wenn sich der Mensch hinter Bild + Text zeigt.

      Und das mit dem „muss niemandem was recht machen“ möchte ich noch ergänzen zu „machs dir selbst recht“. Das Schöne ist ja sozusagen unsere ultimative Freiheit. Wir können im Blog tun, was wir wollen. Wir können – und sollen – uns sogar zeigen. Aber wir haben völlig im Griff, was und wie wir das tun.

      Fast alle sind da einfach zu gezügelt unterwegs. Was für eine Freiheit (auch selbst), einfach mal sich selbst mehr ausleben zu dürfen/wollen/können/sollen! Yeah!

  2. Sehr trefflich beschrieben mit der emotionalen Qualität! Dieser Aspekt gefällt mir so sehr, dass ich ihn in meinem eigenen Artikel über Content-Qualität von heute unbedingt noch einbauen sollte. Vielen Dank für diesen Input!

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