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„Tun Sie dieses! Lassen Sie jenes!“ – die Grenze zum Oberlehrer

Die einen scheuen sich, Klartext zu reden. Die anderen bloggen überhaupt nicht, weil sie eine Allergie dagegen haben, wenn ihnen andere „sagen, was sie zu tun haben“. Und wieder andere möchten dringend den Eindruck vermeiden, dass sie die Weisheit mit Löffeln gefressen haben.

Es ist sehr gut, sensibel für die eigene Wirkung zu sein! Denn auch, wenn das Motiv und die Inhalte noch so richtig und wichtig sind, kann es durchaus passieren, dass sie beim Leser nicht ankommen. Im Extremfall, weil er sich auf die Füße getreten fühlt.

Und doch finde ich es immer sehr schade, wenn sich schreibende Selbstständige in möglichst neutrale, zurückhaltende Formulierungen flüchten. Oder gar das Schreiben komplett bleiben lassen. Denn eins ist sicher: In diesen beiden Fällen ist genauso wenig bis nichts gewonnen.

Wer für sein Business schreibt, um sich als Fachkraft bekanntzumachen oder/und um Aufträge zu generieren, muss Vertrauen in sein Know-how und in seine Art + Herangehensweise schaffen.

Alle bisher angesprochenen Extreme sind kontraproduktiv: Der Oberlehrer-Touch, den sehr viele Texte tatsächlich haben. Meist, weil ihnen die Tiefe fehlt.

Aber eben genauso die besondere Neutralität und das Zurücknehmen. Was bringt ein Text, der vielleicht gut ist, aber den Menschen dahinter äußerst unsicher wirken lässt? Im Extremfall erreicht er, dass ich sensibel werde, etwas zu tun … aber einen Mitbewerber google, dem ich den Auftrag gebe.

Was trägt zum Oberlehrer bei – und was schafft Vertrauen?

Stellen wir mal gegenüber, womit du schreiberisch schnell mal klugscheißerst und was im Gegensatz dazu sympathisch, glaubwürdig ankommt.

Letzteres brauchen wir: Du bist die Fachkraft! Du weißt, wovon du schreibst. Darum geht es um souveränen Klartext. Besonders bei Persönlichkeits- und Lebensthemen brauchen deine Leser zudem das Gefühl:

Er/Sie versteht mich!

Je nach Thema auch:

… hat Verständnis für meine Lage.

ein Klick aufs Bild + es wird größer

Weg mit der Krücke „Fremdmaterial“!

Klare Ansagen sind keine unsympathischen Befehle!

Klartext zu schreiben, ist eine ganz wichtige Formulierungsdevise. Deine Leser schätzen es sehr,

  • wenn du einen klaren Standpunkt vertrittst
  • und ihnen gerade bei Tipptexten animierend und auffordernd zur Seite stehst.

Jetzt sieht Klartext bei jedem von uns anders aus. Ich bin jemand, der sehr geradeheraus ist. Meine Kunden wissen: Das ist manchmal unbequem, aber sie können sich immer drauf verlassen, dass ich nicht aus Höflichkeit irgendwas abmildere oder „nett bin“, um nett zu sein. Auch bin ich eher holzhackermäßig, als feinsinnig.

Bei dir ist das ganz bestimmt anders! Denn wir alle haben unsere eigene Persönlichkeit – und damit einher geht unsere ganz eigene Art. Es gibt Menschen, deren Klartext ist automatisch herzlich und verständnisvoll … nicht zu verwechseln mit liebevoller Verpackung von Rumgeeiere!

Wieder andere haben eher einen sachlichen Ansatz von Klartext … nicht zu verwechseln mit distanzierter Neutralität.

Bevor du dich also um deine Wirkung beim Schreiben kümmerst und dir um Formulierungen Gedanken machst, ist es wichtig, bei dir selbst zu erkennen, wo deine Klartext-Sprache im Business ist. Denn es kann sehr gut sein, dass du im Privatleben – bei deiner Familie, den Kindern oder gegenüber Freunden – sehr wohl Klartext sprichst, es im Business bisher aber nicht tust.

Weil du noch zu neu bist. Oder weil du dich absichtlich zurückhältst. Eine weitere Möglichkeit ist, dass du „live“ – gegenüber deinen Auftraggebern – total klar und souverän auftrittst, aber beim Schreiben mit angezogener Handbremse fährst. Oft passiert das übrigens aus Angst vor Leser-Reaktionen.

Doch wenn du schreibst, wovon du überzeugt bist und deine eigene Stimme nutzt – wovor brauchst du dann Angst haben?

 

1 Kommentare

  1. Liebe Gitte,
    ein sehr hilfreicher Artikel! Diese Angst, zu oberlehrerhaft rüberzukommen, kenne ich nur zu gut. Mir gefällt es sehr, wie du Komplexes immer wieder so klar und Schritt für Schritt auseinanderdröselst. Vielen Dank dafür!

    Liebe Grüße
    Angelika

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