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aufgedröselt: Relevanz – aus Lesersicht

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Letztlich entscheiden unsere Leser, was relevant für sie ist. Ausschlaggebend dafür ist keineswegs nur das Thema deines Artikels, sondern auch das WER, WAS und WIE:

Interessiert

Ob Newsletterbetreff, Info auf Social Media oder über die gute alte Suchmaschine: Zunächst gilt es, überhaupt die Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Hier entscheidet natürlich das, was der Leser als erstes sieht: In der Regel ist es die Überschrift, allenfalls noch Begleittext oder Einstieg.

Klar gibt es Fans, die einen schon kennen und super finden, die mehr oder weniger alles lesen. Das geht uns ja selbst so. – Doch an den meisten rauscht im Netz enorm viel vorbei.

Blitzschnell wird gefiltert:

  • Ist das mein Anliegen/meine „Welt“? Nur wenn dein Thema den Leser in irgendeiner Weise betrifft, spitzt er die Ohren.  Das kann ein direktes Betreffen sein, ein indirektes – oder es ist einfach ein Interesse für die Sache (beziehungsweise deinen Ansatz zum Thema).
  • Spricht mich der Text an? Hier spielt das Wie bereits stark mit rein. Bin ich durch die Art, wie mir das Thema nahegebracht wird, angefixt oder sofort abgetörnt? Das heißt übrigens nicht, dass es einen einzigen Ton gibt, der allen gefällt. Im Gegenteil: Dass du dir selbst treu bleibst und deine Texte so klingen, wie du bist („Plauderton“), ist ein sehr wichtiger Filter – für beide Seiten.
  • Bin ich neugierig, mehr zu erfahren? Wenn das erreicht ist, ist die erste Hürde genommen: Du hast Interesse geweckt! Dein Leser schaut näher hin.

Lass mich an der Stelle gleich noch mal betonen, wie wichtig diese Filter-Geschichte ist. „Relevanter werden“ heißt nicht für alle Menschen da draußen schreiben. Das geht gar nicht und es ist nicht mal erstrebenswert. Du findest ja auch nicht alle Themen der Welt hochspannend oder alle Leute, die da draußen rumlaufen, gleichermaßen sympathisch.

Der Blick, was „relevanter“ für deine Leser bedeutet, ist dafür wichtig, dass du ganz bewusst näher bei dir bleibst und für die Leser schreibst, die du haben möchtest. Denn wir Selbstständigen schreiben für unser Business. Texte sollen unterm Strich zu Weiterempfehlungen und Aufträgen führen.

Natürlich spielt das Was hier eine große Rolle. Und wer sich mit dem Schreiben schwer tut beziehungsweise gar nicht recht seine eigene Wirkung einschätzen kann, hat an der Stelle Handlungsbedarf. Denn dein Text kann noch so super sein – wenn ihn die Leser, die du erreichen willst, gar nicht wahrnehmen, ist er für die Katz.

Dranbleiben

Die nächste Hürde, die sich in Sekunden entscheidet, ist zweiteilig:

  1. Liest der Leser den Text bis ganz unten aufmerksam durch?
  2. Hat er irgendeine Reaktion dabei?

Bis zum Schluss durchlesen, ist schon eine Leistung! Doch es bringt nicht wirklich was, wenn am Ende gar nichts passiert ist. Das ist wahnsinnig oft so. Beobachte dich einfach mal selbst, wie oft du was durchliest – es aber genauso schnell versandet und vergessen ist.

Zum Dranbleiben gehört nicht nur das Durchlesen, sondern dass der Text beim Leser ankommt, irgendetwas auslöst. Dabei spielt überhaupt noch keine Rolle, ob du supertolle Tipps oder Anleitungen gibst. Soweit sind wir noch gar nicht!

Zunächst geht es darum, den Leser wirklich zu erreichen:

  • Bin ich so? Entspricht das meiner Welt? Kann der Leser sich, seine Situation, seine Umgebung wiedererkennen?
  • Fühle ich mich verstanden? Besonders bei Persönlichkeits- und Lebensthemen braucht es Realitätsnähe mit einem Schuss Verständnis. Hier gibt es übrigens einen verbreiteten Fallstrick: Coaches oder Autoren, die in einer ähnlichen Situation waren, stülpen gerne mal über. So gings mir/so geht’s meinen Kunden oder Pauschalaussagen à la „alle geschiedenen Männer sind so“, „alle Frauen in technischen Berufen fühlen sich so“. Überstülpen erreicht genau das Gegenteil bei den Lesern, die sich darin nicht wiedererkennen.
  • Kann ich nachvollziehen, was der Text mir sagt? Sogar wenn der Text etwas anspricht oder empfiehlt, was Einzelne so nicht sehen oder was ihnen beim ersten Lesen nicht gefällt (weil es unbequem ist oder sie erstmal den Kopf schütteln), kann er wunderbar ankommen. Nämlich dann, wenn er nachvollziehbar ist. Wenn es dir gelingt, dass Leser den Blickwinkel wechseln, auch wenn sie deine Ansicht nicht teilen, oder du Beispiele und Szenarien so konstruierst, dass sie verständlich und idealerweise übertragbar sind.

Fürs Dranbleiben sind das Was und Wie ausschlaggebend: Wie strukturiert baust du dein Thema auf, wie führst du durch? Sprichst du mit dem Leser oder redest du an ihn hin?

Tun

Ich werde nicht müde, zu betonen, wie schwierig es ist, Leser tatsächlich ins Tun zu bringen. Oft denkt man ja: „Hey, ich hab einen Super-Tipp, eine tolle Übung oder ganz praktische, wirksame Schritte für meine Leser. Wenn ich das jetzt klar hinschreibe, dann machen die das alle!“

Weit gefehlt!

Schau doch mal bei dir selbst, wie oft du tatsächlich etwas mit einem Text machst, außer ihn zu lesen oder weiterzuleiten? Und nein „bookmarken“ zählt nicht als Tun. 🙂 Bei vielen Denk- und Verhaltensthemen reicht ein einmaliges Tun nicht mal aus, da muss es gelingen, den Leser noch stärker bei der Stange zu halten – und das schon innerhalb des einen Textes.

Die Leser, die wirklich etwas tun, sind immer nur ein kleiner Teil. Das ist okay! Und doch muss das Ziel sein, immer noch mehr Leser zum Tun zu bringen. Hier spielt mit rein:

  • Vertraue ich der Quelle? Glaube ich, dass die Person, die den Text geschrieben hat, weiß, wovon sie spricht? Ist sie vertrauenswürdig für mich? Möchte ich ihren Empfehlungen folgen?
  • Kann ich das umsetzen? Das ist vielschichtig, je nachdem, was du vom Leser willst: Vom „Passt es in meinen Alltag?“ über „Halte ich es für realistisch?“ bis „Ist es für mich machbar (Zeit, Geld, Selbstbewusstsein, …)?“
  • Und noch mal ein „Kann ich das?“ Jetzt geht’s um die Anleitung: Habe ich genug Informationen, wie genau ich was tun soll, um Ergebnis X zu erreichen? Hier kommt uns Autoren sehr häufig die eigene Überzeugung und unser Expertenkopf gehörig in die Quere.
  • Muss ich das tun? Das kann einerseits der Leidensdruck sein, weil ich ein Problem habe oder mich nicht wohlfühle mit dem Ist-Zustand. Es kann aber auch einfach ein Ergebnis sein, das mir wahnsinnig attraktiv erscheint. Beide Motivationen hängen nicht nur davon ab, wie Leser das einschätzen, sondern wie gut dein Text das hervorheben kann + die Leser davon überzeugt, dass sie unbedingt jetzt die Ärmel hochkrempeln und mit dem Gelesenen was tun.

Aktion ist das Ideal! Sofern dein Text stark genug ist, dass der Leser durchs Tun direkt irgendeine Art von Lohn einheimst, hast du einen Stein im Brett. Denn deine Texte bringen wirklich was. Das macht deine weiteren Texte und vor allem deine Kaufleistungen relevanter.

Aufgedröselt zum Deutlichmachen

Relevanz lässt sich nicht durch ein, zwei Schreibtipps erhöhen, es ist eben immer alles ein wenig komplexer. Gute Texte sind eine anspruchsvolle Angelegenheit, weil du auf vielen Ebenen gefordert bist.

Mir geht’s heute darum, die Leserperspektive mal wieder so richtig einzunehmen. Um relevant zu sein, reicht ein gutes Thema alleine nicht aus.

 

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