Zeit + Aufwand
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Wenn das Schreiben mühsam ist

Die Schreiberei kann ganz schön in Arbeit ausarten! Besonders, wenn du regelmäßig schreibst.

Hakt es, kostet das Kraft, Zeit, Nerven. Das ist gleichzeitig für uns EinzelunternehmerInnen bares Geld.

Läuft es nicht richtig rund bei dir? Dann leg mal den Finger auf die Auslöser:

1. Du magst nicht (mehr)

Keine Sorge, es muss nicht gleich sein, dass du die Schnauze vom Schreiben voll hast. Doch auch das kann sein! Ich treffe mitunter auf Selbstständige, die glauben, sie müssten bloggen oder auf Social Media schreiben, obwohl sie das gar nicht wollen. Es kann sehr gut sein, dass dir das Schriftliche nicht liegt. Dass du in einem anderen Kanal – Podcast, Video – viel mehr in deinem Element bist, aber Bloggen, Social Media oder einen Newsletter einfach als etwas abgespeichert hast, das du eben tust.

Das Nichtwollen kann sich übrigens auf eine Stilrichtung oder Text-Art beziehen, etwa wenn du keine rechte Lust mehr hast, über dein Fachthema zu schreiben. Vielleicht hast du mal voller Elan ein Blog angefangen oder dich mit einem Thema selbstständig gemacht, das dich nicht mehr sonderlich juckt. Vielleicht hat sich so viel Routine in deine Artikel eingeschlichen, dass dir langweilig ist (dazu gleich mehr!).

2. Du kannst es nicht/Du weißt nicht wie

Das „Ich will nicht“ maskiert allerdings oft auch ein „Ich kann nicht“ oder zumindest die innere Überzeugung, es nicht gut genug zu können; den eigenen Ansprüchen oder den angenommenen Ansprüchen anderer nicht gerecht zu werden. Oftmals maskiert sich das Nicht-wissen-wie als „Ich will nicht“.

Wenn man nicht weiß, wie-wo-was, ist alles naturgemäß mit sehr viel mehr Aufwand verbunden. Und das ist jetzt besonders kritisch:

  • Denn es gibt das WISSEN, WAS MAN NICHT WEISS,
  • das VERMUTEN, DASS MAN ETWAS NICHT WEISS
  • und den TOTALEN BLINDEN FLECK.

Wer nicht weiß, was es da noch an Wie geben könnte, kann nirgends ansetzen. Haha, ja lies das am besten ein zweites Mal!

Dazu kommt, dass wir nur zielgerichtet an uns und unseren Fähigkeiten arbeiten können, wenn wir unseren aktuellen „Trainingsstand“ kennen, also vor dem WIE realistisch einschätzen können, WO wir stehen.

3. Du steckst in einer Schublade

Das mit der Schublade kann verschiedene Qualitäten haben:

  • Es gibt Schubladen, die uns persönlich gelten: Andere, die beispielsweise pauschal behaupten „Du bist immer so umständlich!“, „Du schreibst so weich“, „Typisch Akademiker!“, …
  • Wir zimmern uns Schubladen aber auch selbst: „Ich bin halt so“ [nicht strukturiert/einfach nicht kreativ genug], „Meine Texte sind so langweilig“, … Mitunter kommen diese Überzeugungen im Gewand innerer Barrieren: „Wer will das lesen?“, „Es ist alles schon gesagt“, „Es gibt da viel größere Experten“, …
  • Und schließlich kann es sein, dass die Richtung, die dein gesamtes Business eingeschlagen hat – oder die dein Blog/dein Newsletter hat, sich zu einer Sackgasse für dich entwickelt hat. Entweder, weil die Luft raus ist und du kein Engagement mehr für diese Sache hast oder einfach, weil dein Herz mittlerweile für was anderes schlägt, du aber das Gefühl hast, du kommst da nicht raus.

Limitiert in solchen Schubladen, schreibt es sich äußerst lustlos. Wer dennoch produziert, damit sich wenigstens regelmäßig was tut, quält sich schnell. Ganz zu schweigen davon, dass – selbst, wenn es trotzdem flutscht – die Texte oft eher blutleer sind.

4. Dir fehlt die Zeit

Der Zeitfaktor kann einfach bedeuten, dass du generell zu wenig Zeit hast (oder dir nimmst) für das, was du schreiben willst/sollst/musst. Dabei spielen das Wie und das ökonomische Schreiben eine große Rolle.

Knappe Zeit kann bedeuten, dass das Schreiben einfach zu lange dauert. Meistens sind es einzelne Schreibphasen, die einen aufhalten:

Manchmal sind es andere, die einem Zeit stehlen: Weil sie nicht alle Informationen auf einmal geben, ständig wieder was umwerfen, weil sich jemand ewig bitten lässt oder weil die Abläufe zwischen mehreren Beteiligten suboptimal geregelt sind.

5. Feedback + Kompromisse rauben dir die Freude

… und nagen im Extremfall sogar an deinem schreiberischen Selbstvertrauen.

Ich erlebe es gerade bei unsicheren Autoren immer wieder, dass sie – manchmal sogar mehrmals im Entstehungsprozess – unentwegt andere nach Feedback fragen. Das ist nicht hilfreich!

  • Zum einen macht es jeden Text holprig und nüchtern, wenn man sich zigmal unterbricht, ändert und alle möglichen fremden Stimmen einstricken will. Fast noch schlimmer finde ich es, dass dieses Vorgehen komplett unmöglich macht, seinen eigenen Stil zu finden!
  • Zum anderen führt es dazu, dass so ein Artikel eine verhältnismäßige Endlosgeschichte wird: Wer kennt es nicht, wie wenig Spaß es macht, wenn man dieselbe Sache wieder und wieder in die Hand nehmen muss. Mal ganz zu schweigen davon, dass das bei Blogartikeln echt nicht geht, weil Aufwand und Ergebnis auf mehreren Ebenen nicht mehr dafürstehen.

Dann gibts natürlich die Projekte, die in Co-Autorenschaft entstehen. Das sind nicht nur größere Sachen wie gemeinsame Bücher oder Selbstlernkurse. Ich habe schon Kunden gehabt, die zusammen bloggen. Und zwar nicht: Mehrere Leute steuern Artikel für ein Blog bei, sondern zwei oder drei Leute haben ständige Feedbackschleifen für denselben Artikel – und doktern alle dran rum!

6. Deine Texte fühlen sich falsch an.

Schreiben wird auch mühselig, wenn es sich für dich falsch anfühlt. Wie Klamotten, die nicht passen, weil sie den falschen Schnitt haben oder die zwar sitzen, aber so überhaupt gar nicht deinem Stil entsprechen.

Sehr wichtig: Linst du gerne bei anderen oder kopierst sogar deren Stil? Dann weg mit der Krücke Fremdmaterial!

Kraft kostet es, wenn man sich reinhängt, und denkt und macht und tut, aber dann mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist.

Weitere Kraft kostet es, wenn man es in die Tonne tritt oder mit endlosem Rumgefeile anfängt. Da bringt das Zerknüllen oft mehr.

Enorm Kraft kostet es außerdem, wenn man das Ganze dann veröffentlicht, obwohl man es gar nicht mag. – Gerne kombiniert mit einer Schublade à la „Ich bin halt so“ oder „Ich kann es nicht anders!“. Im Extremfall magst du deine Website oder dein Blog gar nicht leiden.

7. Du beißt dich fest

… das kann ein Festbeißen in Recherche sein oder in die Vorstellung, dass ein Text inhaltlich oder sprachlich „perfekt“ sein muss – was dazu führt, wieder und wieder zu überarbeiten.

Ein großer Übeltäter dabei ist es, ins Blaue zu schreiben. Mit einer schwammigen Idee loszulegen und dann während des Schreibens immer wieder umzubauen, dazuzudenken, endlos zu „feilen“ – was meistens leider nur zum Verschlimmbessern führt oder zig unvollendete Artikel auf der Festplatte versauern.

In Workshops ist eine meiner Hauptaufgaben, daran zu erinnern, schrittweise folgerichtige Entscheidungen für den Text zu treffen, die schlüssig aufeinander aufbauen – damit das Schreiben von Anfang bis Ende flutscht und mit Zeit + Übung  immer flotter wird.

Ökonomischer schreiben

Das Gegenteil von mühsam ist es, locker schreiben zu können. Nicht unnötig Kraft einsetzen. Genau das machen wir aber meistens, besonders wenn wir ungeübt sind, was das unterliegende Handwerk angeht.

Jede Fähigkeit – auch das Schreiben – hat mit Technik zu tun und damit, durch Übung versierter zu werden. Auf eine Art, die dir selbst entspricht.

Jeder, der schon irgendwas so gut gelernt und geübt hat, dass es leicht geht, kennt die mühsame Anfangszeit. Ich merke das gerade beim Hooping: Wenn ich mir blaue Flecken hole, weil ich die nötige Kraft total überschätze. Oder wenn ein Trick darum nicht geht, weil ich viel zu viel tue: zu viel Schwung nehme, mich unnötig verrenke, den Reifen zu fest halte, vor lauter Konzentration anspanne, mit der Brechstange rangehe  … Und wie anders es sich anfühlt, wenn ich etwas geübter bin: Wenn ich gezielt mal lockerer lasse und herausfinde, was ich da genau brauche. Wenn ich auf kleinere Teilaspekte achte, ohne alles zackbumm vollständig perfekt können zu wollen. Zu respektieren, dass das Besserwerden ein Prozess ist.

Mit dem Schreiben ist es genauso: Wer einfach nur immer dasselbe tut, wird – gerade wenn es mühsam ist – dieses Anstrengende konservieren. Darum guck dir mal die Punkte, die dir gerade bekannt vorgekommen sind, näher an! Da, wo es unnötig Kraft kostet, kannst du etwas anders machen – und ganz unperfekt lernen, ökonomischer und mit Freude ranzugehen.

 

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