Selbstdarstellung, Stil + Stilmittel

Wie bist du eigentlich? (1)

Ich arbeite deshalb ausschließlich mit EinzelunternehmerInnen, weil mich am Schreiben besonders interessiert, die Person hinter den Texten greifbar zu machen:

  • Wie ist der Mensch drauf, der mir da schreibt?
  • Wie ist seine Meinung, Denke und Herangehensweise?
  • Was hat er auf dem Kasten?

Das ist nicht nur wichtig, wenn du für dein Business schreibst. Es macht Texte vor allem einzigartig. Dein Erfahrungsschatz + deine Art, mit der du dein Know-how weitergibst, sind wichtig, wenn du nicht einfach neutral Informationen verschenken willst, sondern bleibenden Eindruck bei deiner Zielgruppe hinterlassen möchtest.

Das gilt für Selbstdarstellungstexte [Website etc.] genauso wie für Blog- und Newsletterartikel.

Die Sache mit der Kompetenz

9 von 10 Kunden antworten auf die Frage, wie sie wirken wollen: „Kompetent!“

Dazu gibts jetzt eine zweigleisige Antwort, denn auch wenn es mir in diesem Text um deinen Stil geht, müssen wir natürlich gleichzeitig über den Inhalt reden.

Gleis 1: Der Inhalt – Ist die Kompetenz da? Wird sie sichtbar?

Dass du sattelfest im Thema bist, davon gehen wir aus. Und dass du die Leistungen, die du auf deiner Website versprichst, wirklich leisten kannst, sowieso. Wenn nicht, hat dein Business ein grundlegendes Problem.

„Kompetent wirken“ ist natürlich durchaus dennoch ein wichtiges Ziel, aber eher, wenn wir es von der anderen Seite betrachten: Es ist möglich, schriftlich

  • missverständlich, lückenhaft oder wirr rüberzukommen,
  • etwas auszulassen oder trivialisierend zu wirken,
  • keinen persönlichen, glaubwürdigen und im Extremfall keinen guten Eindruck zu hinterlassen.

Gehen wir davon aus, dass das Fundament stimmt – also dass du das, worüber du schreibst, grundsätzlich kannst -, sind die Ursachen für eine ungünstige Wirkung schreiberischer Natur.

Der Inhalt ist das WAS. Stehen die Kernbotschaften klar verständlich im Text? Kann der Leser folgen und sie auf seine eigene Situation anwenden?

Gleis 2: Der Stil – Wer schreibt das? Wird die Person greifbar?

Jetzt wird es spannend! Denn die Inhalte – das, was du schreibst – sind zwar das Rückgrat, doch wie DIE INHALTE UND DU auf deine Leser wirken, dafür ist verantwortlich, wie du darüber schreibst.

Da muss ich wieder betonen, dass wir alle unterschiedlich sind:

  • Wir haben verschiedene Persönlichkeiten mit unterschiedlichem Temperament.
  • Wir haben eine ganz eigene Art, die im „richtigen Leben“ deutlich sichtbar ist: Wir sitzen + gehen anders, gestikulieren verschieden oder gar nicht, wir hören uns unterschiedlich an (lauter/leiser, engagierter/besonnener, melodisch/eintönig …), wir haben einen ganz anderen Wortschatz mit spezifischen Eigenheiten.
  • Wir haben bestimmte Standpunkte, die die einen offensiv rausposaunen, vertreten, diskutieren – und andere nur punktuell äußern oder bisher eher für sich behalten.
  • Wir haben verschiedene Überzeugungen und Herangehensweisen, die durch unseren ureigenen persönlichen Lebens- und Berufsweg geprägt sind.

Wenn ich zu 20 Friseuren gehe, habe ich unabhängig vom Ergebnis 20 verschiedene Erlebnisse. Wenn ich 20 Trainer zum gleichen Thema besuche, sind das 20 verschiedene Trainings. Wenn ich 20 Elektriker buche, habe ich 20 verschiedene Begegnungen. – Und zwar nicht mal dann, wenn alle davon ihre Persönlichkeit so richtig „raushängen“ lassen.

Im Business wird leider nach wie vor zu viel von sich versteckt. Da geht bei fast allen immer noch was. 😉

Wer sich greifbar machen will, muss wissen, wie er ist

Es sagt sich so leicht, dieses Sich-greifbar-machen. Dabei ist ziemlich wahrscheinlich, dass du dir dessen noch gar nicht so recht bewusst bist, was hervorsticht – wie du dein Naturell im Businesskontext festklopfen würdest.

Wir suchen keine „Kompetenzbeweise“, sondern es geht um Adjektive, die zentral für deine Persönlichkeit sind.

Darum so gefragt: Beschreibe dich mit drei aussagestarken Begriffen!

Hier eine Hilfestellung: Du suchst deutliche Konstanten, die dich ausmachen, und weil es businessrelevant ausgewogene Dinge sein sollen, nutz diese drei Fragen:

  • Gibt es ein Extrem vom Temperament her?
  • Dominiert ein Gefühl, eine Wesensart?
  • Welche charakteristische Verhaltens- und Vorgehensweise gibt es?

Schreib dir ruhig zu jeder Frage mehrere Wörter auf, die dir entsprechen, aber entscheide dich am Schluss für drei – und stelle sie so zusammen, dass sie wirklich den Kern deiner Art bestens einfangen.

Bitte jetzt nicht einfach lospreschen, sondern erst in Ruhe weiterlesen. Das ist nämlich anspruchsvoller, als ihr denkt!

Soll man andere fragen?

Bitte nicht! Diese Fremdeinschätzungen haben eine völlig andere Qualität:

Zum einen suchen wir keine privaten Beschreibungen, sondern wir suchen das, was dich in deiner Arbeit ausmacht.

Zum anderen willst du deine Persönlichkeit künftig noch deutlicher in deinem Business zeigen. Das kann nur dann gelingen, wenn es deine Selbsteinschätzung ist. So, wie du dich wirklich derzeit siehst – und kein „Die-Leute-sagen-dass-ich“.

Das ist wichtig:

Fang wirklich das ein, was am bedeutendsten für deine Arbeit ist. Eine gute Sache ist es, anschließend deine drei Charakteristika etwas klarer aufzudröseln. Dann merkst du nämlich, ob einer der Begriffe noch nicht aussagekräftig genug ist und kannst nachbessern [weitere Tipps im zweiten Teil].

Ein Beispiel. Ich bin:

Hier geht’s übrigens überhaupt nicht um vorteilhafte, werbliche, schnittige Wörter. Es geht darum, dass du dich zu 100 % charakterisierst. Dass du selbst sagst:

Yep, so bin ich! Das sind drei meiner dominantesten Eigenschaften. 

Ich habe meine drei Begriffe sehr sorgfältig ausgewählt. In diesen drei Merkmalen stecken meine Art, meine Herangehensweise und meine Überzeugung. Wenn du wirklich zentrale Aspekte wählst, merkst du, dass sich diese Begriffe total durch dein Business ziehen. Bei mir bedeutet das:

humorvoll

Ich gehe die Dinge grundsätzlich locker an, lache ständig, sogar wenns schwierig wird oder Fehler passieren. Durch meinen Humor werden meine Kunden locker, können immer öfter über sich lachen, sind eher unperfekt, tauen weiter auf – und werden echter.

Wenn eine Situation schwierig wird, kann ich dadurch immer einen guten Draht herstellen und entschärfen. Aber: Das ist kein Haha-Humor, sondern es gibt ganz klares „Schluss mit lustig“ – siehe Grundhaltung. Ich will Spaß haben. An allem. Und ich will dieses Unbeschwerte bei meinen Kunden wecken. Unverkrampft und selbstironisch geht alles leichter.

geradeheraus

Ich sage, was ich denke. Auch wenns unpopulär ist, manchmal zu ungefiltert. Weil ich nie gemein bin, kommt das fast immer richtig an, kann aber krass rüberkommen. Meine Kunden wissen das.

Wenn ich was lobe oder als super hervorhebe, sage ich oft „Ich bin nicht höflich!“, weil ich nichts davon halte, künstlich zu beschönigen. Ich habe keine Scheu, auf Fehler etc. hinzuweisen.

Grundhaltung: Entweder wir machens richtig oder gar nicht!

Ich hasse Kaugummiprojekte und wenn ich das Gefühl habe, Kunden haben selbst keine rechte Lust oder geben ihrem Vorhaben keine Priorität, hab ich sofort kein Interesse mehr. Manchmal nehme ich Aufträge darum von vornherein nicht an, wenn ich durch eine E-Mail schon merke „Oha!“ In der Zusammenarbeit mit Kunden gilt: Wir ziehen das durch – und zwar ohne zu hudeln und ganz systematisch. Etwas nicht wissen oder nicht zu können, ist ganz normal! Aber wenn man sich schon Unterstützung holt, ist es kein Grund, was andauernd auf die lange Bank zu schieben oder sich endlos um Entscheidungen zu drücken. Meld dich, dann machen wir, aber du musst deinen Anteil leisten.

Ich bin ein Einmischer. Wenn ich merke, dass ein Hund woanders begraben ist und es sinnvoll ist, sich dem zu widmen, sage ich das – was sogar dazu führen kann, dass ich einen Auftrag nicht annehme oder stoppe, wenn sich was anderes als relevant herausstellt, der Kunde das aber nicht will. Ich erwarte von meinen Kunden, dass sie sich für sich selbst engagieren! Dazu gehört, kein Larifari abzuliefern oder zu schludern. Diese Grundhaltung, dass wir uns beide reinhängen und das durchziehen, ist allen klar.

Das ist meine Selbstcharakterisierung. Hier wird total deutlich: Ich bin nicht für jeden.

Genau wie du und deine Persönlichkeit/Art und Herangehensweisen nicht für jeden da draußen was ist!

An meinem Beispiel siehst du außerdem, was mit „im Kontext deiner Arbeit“ gemeint ist. Denn ich bin durchaus generell humorvoll und geradeheraus, aber es gibt natürlich Bereiche meines Privatlebens, wo ich improvisiere, schludere, keine Lust habe, was anfange und dann bleiben lasse – aber wenn ich mit Kunden was arbeite, dann mach ich das entweder richtig oder gar nicht.

Anspruchsvoller als gedacht!

Vielleicht bist du schon ganz wild, mit deiner Selbst-Charakterisierung loszulegen. Oder du denkst: „Das ist leicht! Ich kenn mich voll gut und bin in meiner Arbeit total authentisch!“

In beiden Fällen bitte langsam mit den jungen Pferden! 🙂 Denn diese kleine Selbsteinschätzung ist anspruchsvoller, als sie aussieht:

Teil 2 von „Wie bist du eigentlich?“ lesen

… mit drei wichtigen Tipps, was es zu beachten gilt, wenn du dir richtig gerecht werden möchtest.