Selbstdarstellung, Stil + Stilmittel

Wie bist du eigentlich? (2)

Wenn wir als EinzelunternehmerIn für unser Business schreiben, ist es extrem wichtig, die Person hinter den Texten greifbar zu machen:

  • Wie ist der Mensch drauf, der mir da schreibt?
  • Wie ist seine Meinung, Denke und Herangehensweise?
  • Was hat er auf dem Kasten?

Die wenigsten von uns sind in einer Nische unterwegs, die kaum jemand sonst bietet. Potenzielle Kunden sind also vermutlich nicht „gezwungen“, ausgerechnet dich zu beauftragen.

Fast jeder von uns ist in einer Branche unterwegs, wo es eine Menge anderer Anbieter gibt. Was aber immer einzigartig ist, ist das Gesamtpaket:

deine Leistung + du

Denn das kann, zumindest wenn du in deinem Business wirklich du bist, niemand sonst genau so bieten.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass du so eine Selbsteinschätzung in der Form, wie ich sie dir empfehle, noch nicht gemacht hast [Teil 1 lesen inkl. meinem Beispiel, auf das ich mich hier teilweise beziehe].

Darum hier einige Tipps, die dein Ergebnis auf jeden Fall verändern und noch besser machen werden. 🙂

Tipp 1: Sei spezifisch, damit es dir gerecht wird!

Das, was einem spontan einfällt, ist meistens:

Das Naheliegende: Dem Hirn fällt als erstes ein, was es kennt – die typischen Schlagwörter und das, was du vielleicht schon öfter gehört hast à la „Ich bin zuverlässig“.

Ein Teilaspekt: Ich bin beispielsweise schnell. Das zieht sich durchaus durch meine Arbeit durch, es beeinflusst die Zusammenarbeit mit Kunden und es ist absolut ein Qualitätsmerkmal für mich, aber es ist nicht vorrangig, um mich + meine Art zu charakterisieren. Ein anderes Beispiel: Es kann sein, dass du ebenfalls von dir sagst, du bist humorvoll. Doch ist das etwas, was dich wirklich zentral ausmacht und nützt du deinen Humor aktiv bei deiner Arbeit mit Kunden? – Ich schon. Doch für dich ist es vielleicht nur ein Teilaspekt wie bei mir die Schnelligkeit.

Mach nicht den Fehler, dich mit dem ersten, was dir einfällt, zufriedenzugeben! Denn sonst kommt da eher eine generische, lauwarme Selbsteinschätzung raus, die dir nicht genug gerecht wird.

Noch wichtiger ist aber, dass manche Begriffe nicht geeignet sind, dich und deine Art schreiberisch darzustellen. Denn wir wollen nicht einfach schreiben „Ich bin soundso“, sondern deine zentralen Eigenschaften sollen deinen Stil beeinflussen, das Was und Wie du schreibst.

Viel aussagekräftiger – für dich + deine Texte – ist es, wirklich deine ureigene Art [in der vielleicht erst mal Macken mit drin sind] herauszusieben.

Tipp 2: Sei gnadenlos ehrlich!

Jetzt kommt ein großes Achtung: Wir wollen hier nichts beschönigen! Das ist keine Werbeveranstaltung, sondern eine Charakterisierung, die DIR SELBST vor Augen führt, wie du im beruflichen Kontext bist und was du in deinen Texten durch das Was und Wie viel deutlicher zeigen solltest. Potenzielle Auftraggeber müssen wissen, wen sie sich da einkaufen! Das ist ein wesentlicher Filter:

  • Denn wenn deine Art attraktiv ist, bekommst du eher neue Aufträge.
  • Und wenn deine Persönlichkeit, Herangehensweise, Denke, etc. so gar nicht zu einem Kunden passt, werdet Ihr beide sowieso nicht glücklich miteinander.

„Gnadenlos“ heißt, dass du dich ehrlich charakterisierst, sogar wenn eine deiner drei zentralen Eigenschaften ungut klingt oder du sie sogar selbst nicht immer leiden magst. Relevant dabei sind zwei Ebenen:

Komplexität und Kehrseite Jede Eigenschaft und Verhaltensweise hat eine Bandbreite. Wenn Ungeduld etwas ist, das dich zentral ausmacht, dann hat dieses Ungeduldigsein ganz verschiedene Vor- und Nachteile für deine Arbeit und den Umgang mit Kunden. Oder jemand charakterisiert sich als „laut“ und mag diese Seite gleichzeitig nicht immer an sich leiden, weil er zwar so ist, aber über die Bandbreite, was das im beruflichen Kontext alles bedeutet, noch nie reflektiert hat.

Sofern du also Begriffe drin hast, die sich nicht unbedingt supertoll anhören, halte sie trotzdem fest. Also nicht zensieren und auf keinen Fall hübsch klingend umdeuteln.

Intensität und Aussagekraft Wir sind Menschen aus Fleisch und Blut. Jede/r von uns hat sein Temperament und verschieden ausgeprägte Eigenschaften, Verhaltensweisen und Überzeugungen. Darum haben so zentrale Charakteristika eine verschiedene Intensität. Du brauchst also Begriffe, die genau einfangen, wie du bist und der Intensität gerecht werden. Statt „strukturiert“ kann bei jemandem „Kontrollfreak“ rauskommen (wobei das Strukturierte ein wichtiger Teilaspekt ist). Und statt „gebe Kontra“ wird vielleicht „Absprachen sind heilig, sonst ist mit mir nicht gut Kirschen essen“.

Ich erlebe in Workshops immer wieder, dass sehr viele EinzelunternehmerInnen überfordert mit der Frage sind, was sie ausmacht/wie sie sind. Gehts dir auch so? – Nicht schlimm! Doch dann ist es allerhöchste Zeit, dir auf den Zahn zu fühlen! Mach, wie gesagt, ruhig ein paar mehr Begriffe als nur drei und filtere deinen Kern nach und nach raus.

Wenn du dir nähere Gedanken über deine Bandbreite der jeweiligen Eigenschaft machst, dann denk dran, dass du dabei ehrlich bleibst! Ein Beispiel:

Jemand sagt von sich „ich bin laut“. Was heißt das denn alles genau für diese Person? – Bei etwas, das man selbst als unvorteilhaft empfindet, kommen vielleicht erst negative Ideen dazu:

  • Ich plappere manchmal vorschnell drauflos.
  • Ich überrenne/übertöne oft andere, lasse sie nicht zu Wort kommen.
  • Eher zurückhaltende, leisere Personen bekommen nicht immer genug Raum.

Doch das ist nicht alles! Was bedeutet es noch für die Arbeit unserer Beispielperson?

  • Ich kann mir Gehör verschaffen.
  • Ich kann mich durchsetzen. In jeder Situation. Und egal, wer mein Gegenüber ist.
  • Ich beharre, frage und bohre nach, wenn mir was unklar ist + um meinen Kunden Relevantes – wenns sein muss – aus der Nase zu ziehen.
  • Ich scheiß mir nichts, wenn es darum geht, meine Meinung zu sagen.

Das ist mit Bandbreite gemeint! Aber: Bitte bleib ganz fest bei dir selbst, ganz ehrlich! Es geht nicht darum, künstlich was Gutes rauszuziehen. Es geht darum, dass du selbst bei ganz zentralen Eigenschaften schaust, was steckt denn da noch drin?

Fällt dir absolut nur Negatives ein, dann lass den Begriff weg, denn dann ist es vielleicht was, das dich zwar ausmacht, das aber für dein Business + deine Texte nicht was ist, das du deutlich hervorheben möchtest. Wir suchen ja die Charakteristika, die du als zentral in den Vordergrund stellen willst.

Es ist natürlich erhellend, auch die Begriffe näher aufzudröseln, die du nicht für deinen Stil nutzen willst, weil du sie als negativ empfindest. So zeigt sich, in welcher Hinsicht du vielleicht einen Gang runterschalten oder dich in einem Detail ein wenig anders verhalten möchtest.

Tipp 3: Verschenke kein Charakterisierungspotenzial durch Doppelungen und Schwammigkeit!

Eine Stolperfalle ist es, Dinge auszuwählen, die sehr ähnlich sind. Zum Beispiel:

  • nichts bringt mich aus der Ruhe!
  • total besonnen
  • wäge ab

Das Abwägen ist bei der Besonnenheit automatisch mit drin. Wenn es dir wichtig ist, das festzuhalten, gehört es in deine nähere Definition des einzelnen Begriffes.

  • positiv
  • kreativ
  • Meine Überzeugung: Es gibt immer eine Lösung!

Das „immer eine Lösung“ und „positiv“ haut in die gleiche Kerbe. Das „kreativ“ wiederum ist eines dieser schwammigen Schlagwörter wie „zuverlässig“ (siehe oben).

Selbst, wenn das alles stimmt, verschenkst du mit solchen Doppelungen, weitere zentrale Facetten deiner Persönlichkeit auszuloten.

Du siehst: Ganz schön anspruchsvoll, diese Selbsteinschätzung! Und ganz schön erhellend.

Deine Texte sollen genau SO klingen

Fazit. Stil zeigt sich durchs:

  • Wie bin ich?
  • Was ist zentral: Was macht mich aus in meiner Art/meinem Verhalten/meiner Herangehensweise?

Das beeinflusst das WAS und WIE.

In deiner täglichen Arbeit mit + für deine Kunden. Und in deinen Texten: Über welche Themen schreibe ich in welcher Weise?

Diese zwei Leute hier sind in der gleichen Branche tätig:

Person A

Ich gehe den Dingen immer auf den Grund. Ich muss immer alles verstehen und will Zusammenhänge wissen. Darum kann ich gut zuhören und frage Löcher in den Bauch. Die Dinge sind immer komplexer! Ich plädiere fürs „erst denken, dann handeln“. Darum brauche ich meine Zeit: ich beleuchte immer verschiedene Möglichkeiten, bevor es weitergeht.

Ich gebe den Ton an! Unkoordiniertes Vorpreschen bringt nichts. Gerade wenn mehrere Leute beteiligt sind, kommt man vom Weg ab. Bei eigenen Projekten bin ich kontrollfreakig: Ich sage, wos langgeht und halte die Zügel in der Hand. Bei meinen Kunden plädiere ich bei internen Projekten immer für einen Verantwortlichen + generell für Eigenverantwortung.

Advocatus Diaboli: Ich schaue immer auf Worst-Case-Szenarien. Darum wirke ich oft „anti“ oder wie ein Bremser. Das ist mir aber egal, denn das meiste lässt sich vermeiden, sofern man es kommen sieht. Ansonsten gilt: Vorbereitung ist alles! Dazu muss man halt alle Seiten abklopfen, auch wenns bremst oder wer mal die Augen rollt.

Person B

Frohnatur! Ich bin grundhappy. Das steckt an oder  schreckt ab, aber ich weiß, dass mit so einer grundpositiven Energie und einem Lächeln viel mehr viel leichter geht.

Meine Devise: liebevoll den Rücken stärken Für alles, was wir vorhaben/ändern wollen/meistern müssen, brauchen wir Kraft, Lust und Energie. Gerade dann, wenns schwierig ist. Mit Zwang oder Zähne zusammenbeißen kommt man nicht weit!

Ich packe immer den Stier bei den Hörnern. Aus Tatendrang aber vor allem, damit sich die Dinge nicht verschlechtern. Ist was unangenehm, halte ich es mit einem „Los! Augen zu und durch!“ und damit fahre ich bestens, auch wenns manchmal vielleicht vorgeprescht ist. Und mei: Aus Fehlern lernt man.

Da wird doch sofort klar, dass die Selbstdarstellung dieser zwei Personen total unterschiedlich sein muss. Dass die Website völlig anders klingen muss, dass Blog und Newsletter, Selbstlernkurse oder Bücher anders klingen.

Denn wie man ist, bestimmt, was man hervorhebt und vor allem wie man sich ausdrückt. Außer du verbirgst, wie du bist. In der Beziehung ist bei sehr vielen EinzelunternehmerInnen ganz viel Luft nach oben, was ihr „schriftliches Ich“ angeht.