Korrespondenz/Marketing

Minikurs: Vortragsankündigung (Teil 1)

Jeder Vortrag verlangt Zeit und oft irgendeine Form von Aufwand vonseiten deiner Zielgruppe. Du buhlst stets mit etwas anderem um deren Zeit + Prioritäten:

  • Ist es dein Vortrag wert?
  • Schaufle ich mir die Zeit dafür frei?
  • Steht was anderes zurück? Was ganz besonders wichtig ist, wenn dein Vortrag mit anderen, zeitgleich laufenden Vorträgen konkurriert oder in die Freizeit der Zuhörer fällt.

Darum muss jede noch so kurze Ankündigung so anziehend sein, dass die Zielgruppe „hin muss“. Das geht über attraktiven Klartext.

Die Wahrscheinlichkeit, dass deine Zielgruppe ausgerechnet zu dir kommt, steigt, wenn ein Vortrag vom „nice to have“ [könnt ich mir ja vielleicht mal anhören] zum „must have“ wird [das ist definitiv wichtig/nützlich für mich]. Gerade kurze Ankündigungstexte sind kritisch, denn es gibt dort einfach sehr wenig Platz. Darum ist es umso wichtiger, nie direkt ins Reine schreiben zu wollen.

Wenn du als EinzelunternehmerIn ins Rahmenprogramm einer Veranstaltung möchtest, konkurrierst du in der Regel mit vielen anderen. Es gibt Veranstaltungen, bei denen die Vortragsplätze äußerst begehrt sind + ein besonderes Renommee mitbringen.

Hier kannst du enorm mit einem guten Titel und einer knackigen Ankündigung punkten – denn Tatsache ist, dass viele Selbstständige es nicht schaffen, ihre Ideen attraktiv und überzeugend zu verdichten. Wenn es dir gelingt, hast du sofort die Nase vorn!

Ein Leitfaden für dich.

Erster Schritt: Die Substanz zusammentragen

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Bei allem, was du vorhast, ist meine goldenste aller Empfehlungen: Fang nie direkt mit dem Schreiben an, sondern trag immer vorher die Substanz zusammen.

In dieser Phase …

… formulierst du noch gar nichts! Du sprichst also – außer im Arbeitstitel – dein Publikum noch nicht direkt an und schmückst nix blumig aus.

… bist du so aussagekräftig wies geht! Du schreibst in ganzen Sätzen, aber im „Selbstgesprächmodus“, also einfach nur für dich, die Kerninhalte hin. So, wie es dir gerade einfällt.

… hast du so viel Platz wie du willst! Auch wenn später die Ankündigung kurz und knapp wird, beim Zusammentragen der Substanz nicht zu wortkarg werden! Hier steckt das Fleisch an den Knochen – und das Gold – für das Was und Wie deiner Ausschreibung.

1. Der Arbeitstitel deines Vortrags

Bring deinen Vortragstitel in eine vorläufige, attraktive + aussagekräftige Form. Er muss noch nicht perfekt sein, wir widmen uns dem endgültigen Titel ausführlich im nächsten Arbeitsschritt.

Der Arbeitstitel ist nur für dich! Den sieht sonst keiner. Er kann länger ausfallen, holpern oder umgangssprachlich sein. Wichtig ist, dass er ganz genau auf den Punkt bringt, worum es geht und gegebenenfalls die Zielgruppe einbezieht, wenn der Vortrag für eine bestimmte Gruppe gedacht ist.

Zum Beispiel kann ich einen allgemeinen Akquise-Vortrag für Selbstständige halten, ich kann aber auch direkt sagen „Akquise für Hosenscheißer“ und schon habe ich klar gemacht, dass es für alle ist, die sich vor der Akquise scheuen. Aber Achtung: „Akquise für Hosenscheißer“ wäre noch kein kompletter Arbeitstitel, denn Akquise kann ja alles sein (siehe Beispiel unten).

2. Vortragsinhalte und Rahmenbedingungen

Notier dir alle Kerninhalte, die idealerweise in irgendeiner Form in die Ankündigung gehören. An dieser Stelle geht es noch nicht um den späteren Umfang der Ausschreibung! Zunächst ist wichtig, dass du dir einen Überblick verschaffst beziehungsweise relevante Informationen und Argumente überlegst:

  • Was?/Was nicht? Worum geht es in deinem Vortrag? Das „was nicht“ ist dann relevant, wenn du dich klar von einer Sache/Sichtweise oder einem Aspekt abgrenzen willst.
  • Für wen?/Für wen nicht? Welche Zielgruppen möchtest du in deinem Vortrag sitzen haben? Für wen sind die Inhalte relevant und gegebenenfalls für wen nicht?
  • Wann? Angaben zu Zeit und Dauer.
  • Wo? Wo findet der Vortrag statt?
  • Warum? Was bringt es der Zielgruppe, hinzugehen? Der potenzielle Besucher fragt sich: „Was hab ich davon?“

Was ebenfalls den Text beeinflusst: Wo/in welchem Umfeld erscheint die Ankündigung? Wenn es schon ein Layout fürs Programm oder die Website gibt (manchmal ist das Design vom alten Jahr aktuell), ist es gut, sich das anzuschauen: Dann kannst du nämlich sehen, wie die anderen so auftreten und wie du die Gestaltung eventuell pfiffig nutzen kannst.

3. Eckdaten zu deinem Profil

In der Regel hast du zwei oder drei Zeilen für eine eigene Kurzvorstellung, die an den Vortragstext angehängt wird.  Dieses Kurzprofil kannst du je nach Veranstaltung/Zielgruppe anpassen.

Überleg dir: Was sind die relevantesten Informationen, die du in der Ankündigung zu DIR erwähnen möchtest?

Jetzt hast du deine Substanz zusammen!

Das Ergebnis könnte so aussehen:

Akquise für Hosenscheißer – Was du brauchst, um dein Angebot selbstbewusst + regelmäßig telefonisch bei Firmen vorzustellen (und dich dabei sogar noch wohlfühlst!)

Darum gehts im Vortrag:

  • Akquise hat zu Unrecht ein Imageproblem: Was EinzelunternehmerInnen verinnerlichen müssen. Warum das Sich-selbst-verkaufen-lernen ein Muss ist + wie gute Akquise aussieht, ohne blöd, aufdringlich und angeberisch zu sein
  • Dass Körbe ganz normal sind. Welche Gründe es dafür gibt, warum „du“ abgelehnt wirst + welches realistische Mindset Selbstständige haben müssen.
  • Interaktiv: Alle ordnen sich auf dem Angsthasometer ein + wie das Angsthasometer ein super Coachingwerkzeug ist, um die Akquisemuskeln nach und nach zu entwickeln
  • Die 5 Faktoren fürs souveräne telefonische Akquirieren: (1) individuell recherchieren, kein schablonenartiges Gießkannenrundrufen (2) Das ist ein Mensch! (3) die Informationen so sortieren, dass der Empfänger sofort aufhorcht (+ interessiert dranbleibt) (4) Dialog statt Monolog (und bloß kein Werbetext) (5) realistische Ziele, was der Anruf erreichen kann – und was jeweils dabei wichtig ist

Für wen?/Für wen nicht? … wies im Titel steht: Die Hosenscheißer! Es geht mir besonders um die, die sich echt scheuen, zum Hörer zu greifen. Die total Angst haben und wenn sie sich zwingen, dann meistens sehr schlecht rüberkommen (unsicher, hektisch, …). Und den ersten Korb, der kommen wird, total persönlich nehmen und pauschal denken „Ich kann das nicht!“, „Die wollen mich nicht!“, „Ich hasse telefonieren!“.

Wann? von 15.00 bis 15.45 Uhr – aber nur 30 Minuten Vortrag und eine Viertelstunde Frage-Antwort-Session

Wo? Beim Tag der offenen Tür von XY am 10. Mai

Was hat die Zielgruppe davon?

  • Die Zielgruppe sieht einen vollen Raum voller Leute, die von sich zugeben, dass sie Hosenscheißer sind und hören, dass das völlig normal ist und sie sich nicht alleine „anstellen“.
  • Sie lernen das böse Wort Akquise unter einem völlig anderen Blickwinkel kennen: Dass es ein Service für den potenziellen Kunden ist und dass es keinesfalls so ist, dass ein Akquiseanruf bedeutet, dass der sofort was verkaufen wird.
  • Und sie bekommen ein paar wenige, klar fokussierte Erfolgsfaktoren, mit denen sie ihre Telefonakquise aufbauen + messen können (inkl. Selbstcoaching, um die Akquisemuskeln weiterzuentwickeln).

Eckdaten zu mir: ich war früher im Vertrieb und im Einkauf – bei beiden bin ich selbst ins kalte Wasser gesprungen (war gar nicht ein Akquisetyp!); habe Buch über Akquisebasics geschrieben; coache EinzelunternehmerInnen rund ums Schreiben und die Selbstdarstellung

Als letzten Arbeitsschritt für die Substanz:

Was soll in den Vordergrund? Markiere farbig, wenn es Kerninhalte gibt, die du unbedingt reinhaben + vielleicht sogar betonen willst. Berücksichtige dabei die Dauer deines Vortrags! Ich erlebe immer wieder, dass Leute völlig unterschätzen, wie viel/wie wenig in einen Vortrag passt.

Oft entsteht die Ankündigung bevor du den Vortrag ausarbeitest, da gehen dann gerne mal die Gäule mit einem durch – vor allem, weil man ja schnittig und attraktiv sein will.

Nimmst du in der Ankündigung den Mund zu voll, weckst du unter Umständen viel zu große Erwartungen, die der Vortrag dann nicht erfüllt.

Darum guck dir deinen Arbeitstitel noch mal an – eventuell ergibt sich aus deinen umrissenen Inhalten und der Zielgruppe, dass es dir eigentlich um etwas anderes geht.

Schau auch bei dem, was du inhaltlich hervorhebst, dass du dich nur für die Aspekte entscheidest, die du in deinem Workshop unterbringen kannst, ohne dabei zu oberflächlich zu werden. Wie immer: Lieber weniger, und das richtig!

Bei meinem Beispiel oben habe ich ziemlich viele Inhalte vor. Das wäre in nur 30 Minuten nicht gut machbar, weil ich die 5 Faktoren ja näher aufdröseln und nahebringen muss. Also muss irgendwas entweder rausfallen [in einen Zusatz-Handout; als Blogartikel, auf die ich im Vortrag verweisen kann; weiterführendes youtube-Video, …] oder ich dampfe meine Faktoren ein und begrenze mich auf die drei wichtigsten.

 

Minikurs „Vortragsankündigungen“

Teil 1: Die Substanz zusammentragen
Teil 2: Das Titel-Brainstorming
Teil 3: Der Ankündigungstext