Korrespondenz/Marketing

Minikurs: Vortragsankündigung (Teil 2)

Zunächst gings um das Zusammentragen der Substanz. Der erste zentrale Aspekt dabei ist immer der Arbeitstitel: Der bringt nämlich für uns selbst glasklar auf den Punkt, worums in dem Vortrag geht.

In meinem Beispiel war das:

Akquise für Hosenscheißer – Was du brauchst, um dein Angebot selbstbewusst + regelmäßig telefonisch bei Firmen vorzustellen (und dich dabei sogar noch wohlfühlst!)

Als endgültige Form ist das natürlich zu lange. – Doch Vorsicht! Der endgültige Titel ist nicht einfach nur ein Umformulieren des Arbeitstitels. Oft passiert es nämlich, dass sich durch die weiteren Überlegungen aus Schritt 1 der Vortragstitel verändert.

Im vorherigen Artikel kannst du meine Beispielsubstanz für den Vortrag nachlesen und dass ich dabei schon gemerkt habe, dass es mit der Zeit, die mir für meinen Vortrag zur Verfügung steht, knapp wird. Wenn ich sowas merke, dann würde ich natürlich nicht meinen ursprünglichen Arbeitstitel als Grundlage für das Brainstorming nehmen, sondern den erstmal anpassen. In meinem Fall spitze ich es darauf zu:

Akquise für Hosenscheißer – Warum das Sich-selbst-verkaufen-lernen ein Muss ist + wie gute Telefonakquise aussieht, ohne blöd, aufdringlich und angeberisch zu sein

Das ist nicht einfach ein schnittiges Umformulieren meines obigen Arbeitstitels, sondern ich habe mich jetzt auf zwei Aspekte fokussiert, die das Was und Wie meines Vortrags sehr viel klarer festlegen. Ohne meine Substanzüberlegungen wäre das nicht möglich gewesen.

Jetzt kanns weitergehen. Schauen wir uns erst mal verschiedene nützliche Titel-Varianten an, die beim Hirnen helfen.

Das Titel-Brainstorming

Warum empfehle ich, jetzt schon den endgültigen Titel festzulegen, wo der doch üblicherweise sinnvollerweise ganz am Schluss festgelegt wird?

Das liegt am Prinzip „Vortragsankündigung“: Bei so einem kurzen Text ist es wichtig,

  • sich über den Stil klar zu werden,
  • keinen Platz zu verschwenden, indem du was doppelst.

Das, was im Titel steht, bestimmt also den Rest des Textes.

Außerdem hast du deine Substanz so richtig konkret festgelegt. Du weißt also, was du prinzipiell erreichen willst mit dem Vortrag und hast bereits mögliche Inhalte konkretisiert.

Nun suchst du einen aussagestarken + zugkräftigen Titel für deinen Vortrag, der diesen Eckpunkten gerecht wird.

Achtung, Achtung!
 Jetzt kommt eine eigentlich selbstverständliche Erinnerung, die aber immer wieder außer acht gelassen wird: Ein Brainstorming ist zunächst mal ein Sammeln. Es geht zunächst nicht darum, den perfekten Endtitel zu finden: Sie brainstormen falsch (vierteilige Artikelreihe)

Beim Titel hast du verschiedene Denk-Möglichkeiten:

Was drauf steht, ist drin.

= Du sagst einfach, worum es geht.

  • Die 7 Grundlagen, einen Welpen zu erziehen
  • Die größten Fehler, die alle frischgebackenen Führungskräfte machen
  • Die andere Seite des Schreibtisches: Darauf achten Personaler bei der Bewerbung

Ein Statement

= Du nutzt eine Information, äußerst eine Meinung oder stellst eine Behauptung auf.

  • 80 % aller Ehen werden nach drei Jahren geschieden.
  • Studienabschlüsse sind nicht mehr relevant, um Karriere zu machen.
  • Warum meine Zeit als Führungskraft die wichtigste meines Lebens war.

Der Gedankenstopper

= Du verwendest eine verblüffende Formulierung, triffst eine unerwartete Aussage oder verwendest Begriffe, die es eigentlich nicht gibt.

  • Du kannst essen, was du willst + dabei abnehmen.
  • Diagnose: Akquiseallergie
  • Warum Choleriker in Wirklichkeit arme Würstchen sind

Ein Versprechen

= Du garantierst ein sicheres Ergebnis

  • Endlich weiß ich, was ich will! [Berufszielfindung]
  • Der Neukunden-Magnet: So ziehst du Aufträge an, die du haben willst.
  • Gewohnheiten: Legen Sie bleibend den Schalter um!

Die Lösung im Mittelpunkt

= Du stellst das in Aussicht, was der Teilnehmer braucht.

  • Endlich mehr Zeit für mich!
  • In drei Schritten zum Elevator Pitch.
  • Nach diesem Vortrag hast du eine tragende Geschäftsidee.

Das Problem im Mittelpunkt

= Du stellst das in den Vordergrund, was den potenziellen Teilnehmer plagt.

  • Haben Sie es satt, immer übersehen zu werden?
  • Immer wieder von der Depression verschluckt!
  • Bist du beziehungsunfähig?

Natürlich kannst du Varianten kombinieren, mit einem Untertitel ergänzen oder im Text später den Titel weiterführen (dazu kommen wir noch). Denk vor allem dran, dass du durch die Wortwahl und Formulierung deinen Charakter – und den des Vortrags! – durchblicken lässt.

 

Stell dir vor, ich halte einen Vortrag für Bewerber und es geht um den Umgang mit Absagen. Der könnte ganz unterschiedlich heißen:

  • „Körbe“ tun weh. Aufpäppel-Strategien, um dich zuversichtlich weiter zu bewerben
  • Schluss mit dem Gejammer! Nach der Absage ist vor der Bewerbung.
  • Systematisch bewerben: Was du aus Absagen lernen kannst
    – und was nicht

Jeder dieser Vorträge dreht sich darum, wie man mit Absagen umgeht, und doch wird aus den Titeln sofort klar, was die Zuhörer erwartet.

 

Ich empfehle meinen Kunden immer, sich eine halbe Stunde Zeit zu nehmen, um alle Varianten durchzuprobieren. Auch, wenn die eine oder andere Variante dir erstmal nicht gefällt und du sie auslassen würdest. Das bringt auf viele neue Gedanken – und holt aus den bisherigen Mustern raus.

Aus den Ideen, die später nicht in den Titel kommen, ergeben sich oft andere gute Ansätze für den Vortrag [oder für Blogartikel etc.].

Details zu einem bewähren Vorgehen und was dabei wichtig ist, findest du im Formular Titel-Brainstorming (PDF zum Herunterladen)

 

Minikurs „Vortragsankündigungen“

Teil 1: Die Substanz zusammentragen
Teil 2: Das Titel-Brainstorming
Teil 3: Der Ankündigungstext