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Realistische Zeitangaben

Blog- und Newsletterartikel, Seminarunterlagen, Selbstlernkurse, Bücher sind mit Versprechungen und praktischen Übungen gepfeffert, die mit einem Zeitrahmen verknüpft sind.

Sehr oft sind diese Zeiten allerdings unrealistisch. – Das ist sozusagen ein Dauerbrennerthema, das mir gerade mal wieder gehäuft unterkommt. Darum schauen wir uns das heute mal näher zusammen an:

• Du gibst ein Versprechen, das du eigentlich nicht geben kannst.
• Du gehst zu sehr von dir aus.
• Du packst zu viel Zeug in zu wenig Zeit.

Du gibst ein Versprechen, das du nicht geben kannst.

Manchmal ist es das „du musst nur, dann“, manchmal ein „mach das, dann tritt sofort dies ein“. Oder es ist ein Zeitrahmen à la „Wenn du mit dem Laufen anfängst, ist es mühsam, aber nach zwei Wochen stellt sich ein Glücksgefühl ein + du läufst mit Leichtigkeit!“

Sowas findet sich übrigens besonders gerne in Selbstdarstellungs- und Marketingtexten. Im Wunsch, etwas besonders attraktiv für potenzielle Käufer zu machen, werden Garantien ausgesprochen, die in dieser Form nicht realistisch sind.

Verlockend, aber hinderlich: vereinfachen

Problematisch ist das, weil es deine Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzt. Ein Teil der Leser sagt direkt „nääääääh“. Bei anderen werden Erwartungen geweckt, die sich nicht – zumindest nicht bei allen – erfüllen.

Das heißt übrigens nicht, dass wir nie Versprechen geben können. Je nachdem, wie du ein Thema oder eine Übung aufziehst und deine Leser durchführst, ist es sehr wohl möglich zu sagen: Wenn du X in dieser Form machst, tritt Y ein – und je realistischer du das, was der Leser dafür tun oder lassen soll, desto zielsicherer kannst du sogar ein Z für Zeit mit dazupacken.

Das kann bedeuten,

  • dass das Schreiben der Übung fordernder für dich selbst wird, weil du kleinteiliger reingehen musst
  • und dass die Realität kein Batschbumm von Jetzt-auf-Plötzlich-Versprechen wird, dir also weniger attraktiv erscheint.

Doch das lohnt sich! Denn du gewinnst an Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Noch wichtiger ist, dass die Leser, die du damit ins Tun bringst, dann tatsächlich Fortschritte erleben. Das ist das Wertvollste, was deine Texte für dich – und dein Business – erreichen können. Denn dann tut sich bei deinen Lesern spürbar was, was dann eher zum bezahlten Auftrag führt.

Du gehst zu sehr von dir aus.

Zu sehr von sich selbst auszugehen, ist generell ein Problem beim Schreiben. Denn wir Menschen ticken nicht nur unterschiedlich, sondern haben es immer mit verschiedenen Umständen zu tun. Dazu kommt, dass du in deinem Fachgebiet total sattelfest bist und tagein, tagaus damit zu tun hast.

Das gilt übrigens nicht nur für Persönlichkeits- und Lebensthemen, also wenn sich ein Text um Denke, Einstellung, Verhalten dreht. Ich staune immer bei Video-Tutorials im Bewegungsbereich, wie viele Yogalehrer, Tanztrainer & Co. Anleitungen „für Anfänger“ geben, die eindeutig nur für Fortgeschrittene machbar sind.

Dieses „zu sehr von sich ausgehen“ wirkt sich auch auf Zeitangaben aus:

Wenn du angibst, dass „XX Minuten von etwas“ oder eine bestimmte Wiederholungszahl reichen, damit Y eintritt.

Beispiel: Ein Entspannungstrainer erklärt eine flotte Atemübung, bei der nach nur fünfmaligem Ein- und Ausatmen der Stress verfliegt, der Kopf frei wird.

Wenn du eine Anleitung mit einem Zeitrahmen versiehst, was aber nur bei dir so schnell geht, weil du sowas oft machst.

Beispiel: Eine Aufgabe zur Selbstreflexion oder für ein Brainstorming wird mit einem kurzen Zeitrahmen versehen, weil das aus der eigenen Erfahrung des Autors ratzfatz geht. Dabei wird übersehen, dass die Leser viel länger brauchen, bis sie sich sortiert haben oder der Zeitraum so kurz ist, dass sie nur wenige, naheliegende Gedanken haben können.

Ganz besonders gilt das für Themen und Situationen, die für den Leser schwierig sind. Häufig schreiben wir Fachleute nämlich ziemlich theoretisch über Dinge, die die Zielgruppe enorm belastet. In dem Moment, wo man sich selbst mit etwas herumschlägt [und mit Konsequenzen leben muss], ist das mit dem Denken, Tun und Lassen was völlig anderes!

Klar: Für manche Übungen ist ein wesentlicher Bestandteil, die Zeit knapp zu halten. Doch dann bitte in die LeserInnen reinversetzen und gegenchecken: Berücksichtigt meine Zeitangabe, dass die meisten ungeübter sind oder zum ersten Mal mit dieser Übung konfrontiert werden (vor allem das Reflektieren können viele Leute nicht oder nur stockend, erst recht, wenns um Persönlichkeits- und Lebensthemen geht).

Passt mir bitte besonders auf, wenn Ihr Aufgaben und Übungen schreibt, die Ihr normalerweise gemeinsam mit euren Kunden macht, sie also aktiv durchführt und die Ergebnisse besprecht. Denn es ist eine ganz andere Angelegenheit, wenn Leser vollkommen auf sich gestellt sind + mit den Ergebnissen in Eigenregie was anfangen können sollen.

Du packst zu viel Zeug in zu wenig Zeit.

Manchmal wird mir schwindlig, was alles gleichzeitig in Übungen gepackt wird. Ganz besonders oft begegnet mir das bei Ritualen und Gewohnheiten, die Leser täglich machen sollen.

Da werden dann Tätigkeiten, Ruhepausen, Bewegungsabläufe, Zwiegespräche, Journaleinträge, Sortier-Rituale (äußerlich/innerlich), Affirmationen, etc. in einer Form aufgeführt, die

  • enorm lange dauert
  • oder sich als eine wahnsinnige tägliche To-Do-Liste entpuppen.

Doch den jeweiligen Autoren fällt das nicht auf, weil drüber steht: „Ein kurzes Morgenritual“ oder „Nur zehn Minuten für dich“.

Denkt bitte immer dran: Wir sind beim Schreiben mit einer Mission unterwegs, was dazu führen kann, dass wir uns selbst Sand in die Augen streuen.

So kann es sein, dass du angefangen hast, ein „10 Minuten-Ritual“ zu schreiben. Aber während des Schreibens führst du das aus, packst jenes mit rein und dann fällt dir noch was Wichtiges ein, was noch gut wäre.

Ich erinnere mich an eine Kundin, die eine richtig gute 3-Minuten-Übung geschrieben hat, was ihre unsicheren Leserinnen morgens vor dem Badezimmerspiegel tun und zu sich sagen sollten, um Selbstliebe zu üben. Die Übung war wirklich großartig, doch dann kamen fünf Affirmationen mit einer abstrusen Wiederholungszahl. Ich glaube, jeden Satz 20 x mit Überzeugung zu sich sagen.

Mal abgesehen davon, dass Leserinnen, die das versuchen, sich wahnsinnig beeilen müssten, 100 Sätze aufzusagen [und dann noch mit Überzeugung!] wäre das eine äußerst ermüdende Übung geworden, denn wer spult schon jeden morgen 100 Sätze ab? – Die Übung war, wie gesagt, toll. Sie war nur zu vollgepackt!

Es ist außerdem immer wichtig, den Kontext einer Übung zu berücksichtigen. Wenn ich eine Anleitung für ein Brainstorming gebe, das Leser für sich alleine machen können, ist das eine völlig andere Situation, als wenn ich dasselbe Brainstorming in ein Umfeld versetze, wo mehrere Leute offen zu ihren Ideen stehen sollen. Natürlich spielt das Thema eine große Rolle: Will ich, dass meine Leser ein kritisches Thema anpacken oder eines, das einen wunden Punkt berührt, dann ist das ein ganz anderes Kaliber. Nicht nur vom Zeitrahmen, das ich für eine Übung stecke, sondern auch vom Ablauf der Übung, weil ich ganz anders aufdröseln/an die Hand nehmen muss – was sich wiederum auf die Zeit auswirkt.

Gar nicht so leicht: Übungen und Anweisungen glasklar beschreiben

Bevor du veröffentlichst: Check die Zeit!

Es ist völlig normal, dass uns vor lauter Schreib-Eifer solche Ungenauigkeiten unterlaufen. Doch besonders bei Zeitangaben ist es wichtig, noch mal genau abzuklopfen:

Ist das realistisch?

Nicht nur, aber besonders dann, wenn du ein Versprechen dran gekoppelt hast.