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Datenschutz: Warum ich einiges ausbaue und lösche

Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) greift ab Mai, und ich gestehe: Ich habe bis vor kurzem gar nicht gecheckt, wie komplex das ist. Natürlich ist es nicht so ein Drama wie bei größeren Unternehmen, doch auch wir Kleinen müssen einen Berg an Details beachten, überprüfen und einbauen – weil sonst wieder einmal Abmahngefahr droht. Nur diesmal ist es drastischer.

Eine kurze Gedankenschleife:

Letzte Woche stehe ich am Bahnhof in Offenbach, plötzlich poppen von sich aus die Abfahrzeiten samt Bahnsteigen auf meinem Handy auf. Nicht aufgrund einer Anfrage, nicht aus einer einschlägigen App heraus. Mein Telefon hat von sich aus gewusst, dass ich dort am Bahnhof stehe. Das ist nicht schlimm, und das weiß ich natürlich, dass das so ist. Doch dass da tatsächlich aktiv was mit gemacht wird und beispielsweise GPS eben nicht nur praktisch für den Stadtplan ist, das wird mir erst in solchen Momenten so richtig bewusst: Wenn Google mir aktiv sagt, dass ich vor zwei Wochen in Café X an dieser Adresse war und vor einer Woche in Restaurant Y und ob ich jetzt eine Rezension abgeben will.

Kürzlich habe ich von I know where your cat lives erfahren. Dort wurden nach dem Zufallsprinzip 1 Millionen Katzenfotos, die auf öffentlichen Plattformen geteilt wurden, auf ihre Metadaten ausgewertet. Auf einer Weltkarte wird das Katzenbild samt Wohnort dargestellt. Die Nutzer können ihre Katze entfernen, indem sie die Privatsphäre-Einstellungen auf der entsprechenden Plattform erhöhen.

Das Thema Datenschutz hat mich ehrlich gesagt bisher nie groß gejuckt. Klar gabs Grenzen, aber es gibt dieses schleichende Gewöhnen: Software, die nur noch installiert werden kann, wenn man mit dem Netz verbunden wird und bestimmte Erlaubnisse gibt. – Mal mehr und mal weniger passende Anzeigen, die eingeblendet werden. – Produktempfehlungen auf Websites. Fotos samt eigenen Statements, wo man gerade ist, und und und.

Das ist manchmal harmlos, hat bis zu einem gewissen Grad Service- oder zumindest Wurschtigkeits-Charakter. Andererseits ist es beunruhigend. Erst recht, weil wir gar nicht mehr wissen, wer was wann absaugt. Und weil wir selbst nicht immer dran denken, wie-wo-was mit Daten überhaupt alles gemacht werden kann und wird.

Dr. Barbara Niedner schreibt in ihrem Buch Agil ohne Planung – Wie Unternehmen von der Natur lernen können, das ich letztes Jahr schon mal im Newsletter empfohlen habe:

Oft höre ich „Ich habe im Internet nichts zu verbergen oder zu verstecken“. Stimmt, wir sehen nicht, was mit den Daten passiert. Was ich nicht sehe, brauche ich auch nicht verstecken. […] Früher war die Speicherung von Daten noch „sichtbar“. Wir haben eine große Diskette in den PC geschoben und konnten diese sogar für den Zugriff sperren. Heute läuft das auf Smartphones und Notebooks im Hintergrund ab, ohne dass wir es greifen oder sehen können. […] Nützlich wären da Smartphones und Notebooks, die beim Absaugen von Daten vibrieren. Die Gefahr wäre spürbar. Wir würden genauso zusammenzucken, wie wenn uns im dunklen Wald plötzlich ein Tier begegnet.

Da ich zudem vor knapp drei Jahren einen Datenschutzbeauftragen zum Geburtstag geschenkt bekommen habe, rückt das alles immer mehr auf meinen Radar. [Ich soll hinschreiben, dass ich viel zu wenig auf ihn höre, sagt er.]

Das – plus der bürokratische Aspekt, nun jeden Fitzel rund um personenbezogene Daten zu dokumentieren und überall Hinweise zu machen – haben mich überlegen lassen, wie ich das alles reduzieren kann.

Darum sorge ich auf meinen Websites an einigen Stellen dafür, dass das Sammeln personenbezogener Daten schlicht und ergreifend aufhört. Das bedeutet:

Ich schließe die Himbeerwerft. Die Datenschutzgeschichte war jetzt nicht der eigentliche Grund, aber der Auslöser. Wer noch mal stöbern will: Ende April mach ich irgendwann zu. Auf Twitter bin ich darum ab jetzt @Schreibnudel.

Ich habe die Share-Buttons entfernt. Ja, ich kenne „Shariff“, doch ich habe mich entschieden, völlig auf die Teilenknöpfe zu verzichten.

Ich baue das amazon-Partnerprogramm aus. Links zu amazon behalte ich nach wie vor bei, weil ich es praktisch finde, sich ein Buch direkt anzusehen. Wer lieber woanders kauft, kann das ja tun.

Die größte Änderung: Ich entferne die Kommentar-Funktion. Hier werden die meisten Daten gesammelt  – und auch wenn ich persönlich sie in keiner Form nutze oder auswerte (Zugriffslogs etc. verwende ich generell nicht), so kann ich nicht wissen, was alles auf anderen Servern damit geschieht.

Dazu kommt das Blogbackup-Programm. Hier habe ich tatsächlich noch nie darüber nachgedacht, dass nicht nur meine Blogdaten transferiert werden, sondern auch die Kommentare. Ein Beispiel dafür, wie leicht es uns im Alltag aus dem Kopf fällt, wo überall Daten verschickt werden. Natürlich: Nicht überall wird mit hinterlegten Daten aktiv etwas gemacht. Aber das heißt nicht, dass sich das nicht ändern kann – und es heißt nicht, dass sie zu 100 % gegen Zugriff geschützt sind. Im Internet, darüber müssen wir uns klar sein, gibt es keine absolute Sicherheit.

Insofern ist es ganz gut, dass ich durch die Datenschutz-Grundverordnung gezwungen werde, zu schauen, wo an meinem bescheidenen, „unschuldigen“ Ende Daten gesammelt und teilweise irgendwohin transferiert werden.

Da sich der Datenschutz auf alle bestehenden personenbezogenen Daten bezieht, reicht das reine Deaktivieren der Kommentare nicht, ich muss die alten Daten entfernen.

Bei dieser Gelegenheit lösche ich alte Beiträge: Alle Mitmach-Aktionen, die nur auf Kommentaren basieren, sind schon weg. Und weil ich eh gerade dabei bin, schaue ich alles durch und trenne mich von Texten, die ich nicht mehr haben möchte.

5 Gründe, Texte im Blog zu löschen

Es ist einerseits zwar schade, wenns keine Kommentare mehr gibt, andererseits hat sich in den letzten Jahren der Dialog ohnehin auf andere Plattformen verlagert. Ich habe gestern mit dem Löschen begonnen und sehe deutlich, dass die meisten Kommentare von 2011 und 2012 sind, danach nimmt es stetig ab. Die meisten Beiträge sind ohne Resonanz. Kein Wunder, dass schon vor einigen Jahren viele Blogs, damit begonnen haben, Facebook-Kommentare unter ihren Artikeln einzublenden statt der eigenen Kommentarfunktion.

Ganz wichtig: Ich will jetzt keine Angst vor der Datenschutz-Grundverordnung machen, obwohl die nicht so trivial ist, wie die bisherigen Maßnahmen, wo es ausgereicht hat, mal eben einen Infotext wo einzukopieren (wie die Cookie-Warnungen oder die bisherigen Datenschutzerklärungen, die verhältnismäßig standardmäßig bei allen gegolten haben). Auch wir EinzelunternehmerInnen müssen da jetzt schon kräftig Hausaufgaben machen. – Doch so radikal wie ich muss man natürlich nicht sein! Es fühlt sich für mich nur richtiger an, die Datensammelei bei der Gelegenheit einzudämmen. Außerdem macht es mir weniger Kopfschmerzen.

PS:

Der Umbau dauert einige Tage. In dieser Zeit sind bei einigen Beiträgen die Kommentare schon zu, bei anderen noch auf + es gibt tote links. Außerdem muss ich mich noch um die weiteren nötigen Formalitäten kümmern, um der DSVGO gerechtzuwerden. Also nicht wundern, wenn die eine oder andere Stelle im Blog Baustellencharakter hat.

Und mit mir „reden“ könnt Ihr jederzeit über Twitter oder Ihr schickt mir wegen Themenvorschlägen einfach eine gute alte E-Mail. 🙂

 

Kategorie: Ankündigungen

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Seit 1999 bin ich selbstständig, seit einigen Jahren aufs Schreiben spezialisiert. Das Wichtigste, wenn man Neues lernen und besser werden möchte, ist das Dranbleiben. Damit das gelingt, braucht es Neugier und Spaß an der Sache. Das wiederum erfordert, dass man sich traut, nicht perfekt zu sein.