Korrespondenz/Marketing

Minikurs: Vortragsankündigung (Teil 3)

Im ersten Teil gings um das Zusammentragen der Substanz. Im zweiten um das Titel-Brainstorming.

Heute gibts Tipps für die Ankündigung. Diese sind nicht nur für Vorträge relevant, sondern gelten für andere Marketingtexte genauso. Besonders die systematische Vorgehensweise!

Ich zitiere mich mal selbst:

Jeder Vortrag verlangt Zeit und oft irgendeine Form von Aufwand auf Seiten deiner Zielgruppe – unabhängig davon, ob es um die potenziellen Teilnehmer oder mögliche Auftraggeber geht.

Du buhlst stets mit etwas anderem um deren Zeit + Prioritäten:

  • Ist es dein Vortrag wert?
  • Schaufle ich mir die Zeit dafür frei?

Steht was anderes zurück? Was ganz besonders wichtig ist, wenn dein Vortrag mit anderen, zeitgleich laufenden Vorträgen konkurriert oder in die Freizeit der Zuhörer fällt.

Darum muss jede noch so kurze Ankündigung so anziehend sein, dass die Zielgruppe „hin muss“. Das geht über attraktiven Klartext.

Die Wahrscheinlichkeit, dass deine Zielgruppe ausgerechnet zu dir kommt, steigt, wenn ein Vortrag vom „nice to have“ (könnt ich mir ja vielleicht mal anhören) zum „must have“ kommt (das ist definitiv wichtig/nützlich für mich).

Darum ist es so wichtig, aussagestark zu sein, was deine Inhalte und deine Art angeht.

Schritt 1: Der Platz und ggf. das Layout

Idealerweise hast du von vornherein erfahren (oder erfragt), welchen Umfang du zur Verfügung hast + weißt, wie das Layout aussieht. Am allerwichtigsten ist, wie gesagt, der Umfang. Den am besten in Zeichen inkl. oder zzgl. Leerzeichen geben lassen.

Sagen wir, die Info ist diese:

  • Ausschreibungstext: 600 Zeichen inkl. Leerzeichen
  • über dich: 150 Zeichen inkl. Leerzeichen

Dass man erst schreiben kann, wenn man den Umfang kennt, ist eigentlich selbstverständlich, doch ich erlebe es wirklich fast immer, dass Kunden ankommen mit „ich soll eine Ankündigung schreiben“, „ich brauche einen Anzeigentext“, „ich darf einen Artikel liefern“ – und wenn ich sage: „Wie ist der genaue Umfang?“, dann wissen sie es nicht! Oft nicht mal annähernd.

Tu dir immer den Gefallen, genaue Informationen einzuholen, denn sonst wird dein Text möglicherweise von jemand anderem gekürzt oder du hast die ganze Arbeit nochmal.

Schritt 2: Schöpfe aus deiner Substanz

Du hast deinen Titel fertig. Und du hast im allerersten Teil festgelegt, was prinzipiell alles rein kann bzw. rein muss. Außerdem hast du markiert, was besonders wichtig ist.

  • Schreib deinen neuen Titel hin.
  • Da du den Umfang kennst, kannst du dir jetzt vor Augen führen, wie viel Textmenge das Daumen mal Pi ist.
  • Dann wähl aus deiner zusammengetragenen Substanz erst einmal das aus, was unbedingt rein soll. Noch nichts formulieren!

Bei mir ist es ein Vortrag für einen Tag der offenen Tür. Da die Ankündigung in einem Flyer des Veranstalters steht, kann ich mir Infos zu Ort, etc. sparen.

Wenn du selbst ein Plakat machst oder deine Ankündigung in eine Online-Datenbank einstellst, dann weißt du genau, welche Information bei welchem Umfang dazugerechnet werden muss.

Das ist mein „ausgesiebtes“ Beispiel der zentralen Infos, die ich in der Ausschreibung berücksichtigen will:

15.00 bis 15.45 Uhr
Akquise für Hosenscheißer – potenzielle Kunden anrufen, ohne blöd, aufdringlich und angeberisch zu sein

  • Sich-selbst-verkaufen ist ein Muss
  • dass es völlig normal ist, Schiss zu haben, und sie sich nicht alleine „anstellen“
  • Akquise ist ein Service für den potenziellen Kunden – ein Vorstellen, kein Klinkenputzen
  • Die 5 Faktoren fürs souveräne telefonische Akquirieren
  • mit Konsequenz und Erfolgskontrolle die Akquisemuskeln entwickeln

Eckdaten zu mir: ich war früher im Vertrieb und im Einkauf – bei beiden bin ich selbst ins kalte Wasser gesprungen (war gar nicht ein Akquisetyp!); habe Buch über Akquisebasics geschrieben; coache EinzelunternehmerInnen rund ums Schreiben und die Selbstdarstellung

Wenn du im Teil 1 vergleichst, dann wirst du sehen, dass das alles Punkte sind, die ich bereits zusammengetragen hatte. Ich habe aufgrund meines Titels und des groben Abschätzens des Umfangs die Kernpunkte rausgeholt, die ich berücksichtigen will.

Jetzt habe ich die wichtigsten Informationen vor mir und kann an den Entwurf gehen.

Hier schwenke ich mal gerade über in ein paar zentrale Tipps:

Schreib im Entwurf – quick & dirty!

Gebetsmühlenartig erinnere ich: Bitte versuch nie, auf Anhieb ins Reine zu schreiben.

Halte dich an deine vorausgedachten Inhalte und dann schreib frisch von der Leber weg. 🙂 Wichtig ist, dass es nach dir klingt. Bloß nicht in dem Stadium großartig rumformulieren: Das hält auf, nimmt Schwung und macht deine Persönlichkeit platt. Außerdem konzentrierst du dich aufs Feintuning, anstatt darauf, den Platz gut für die Inhalte zu nutzen.

Ein Plädoyer fürs Quick & Dirty

Wichtig: Behalte deinen Umfang schon im Auge, aber schreib zunächst mal eine spontane, unperfekte Version runter, die ruhig auch ein bisserl länger sein darf im ersten Anlauf. Betonung auf „ein bisschen“. Wenn du dir von Anfang an erlaubst, einen Roman zu schreiben, brauchst du ewig und tust dich enorm schwer, später zu verdichten.

Sei nicht schnarchnasig!

Du weißt es, ich weiß es: Die meisten Vorträge bei so Veranstaltungen sind schrecklich langweilig. Dazu kommt, dass innerhalb eines Rahmenprogramms meistens parallele Vorträge laufen. Die Chance, dass du Zuschauer anziehst, steigt, wenn du keine neutrale, distanzierte Ankündigung schreibst, sondern ein bisschen Leben drin ist.

Immerhin willst du einen Vortrag zu diesem Thema halten. Da nehme ich mal an, dass du dazu einen Mitteilungsdrang hast, idealerweise so richtig engagiert bist. Darum lass dich raus!

Du bist eine eigene Persönlichkeit: Manche Leute sind laut, begeistert und frech – andere sind ruhiger, klar und herzlich, wieder andere sind eher sachlich und geradlinig. Das ist supergut so! Gerade darum wollen wir dich nicht durch Formulierungen plattmachen, sondern es gilt: Schreib den Entwurf so, wie du bist.

Wie bist du eigentlich?

Genau dafür ist das quick & dirty da: Schreib, wie dir der Schnabel gewachsen ist! Bleib nahe an der Zielgruppe, wie es denen geht/was du ihnen sagen willst. Der Entwurf ist genau das – ein Entwurf! Später, wenn der steht, kannst du ihn hübsch machen und Aussagen „dosieren“.

Vergeude keinen Platz!

Wie gesagt: Bei so kurzen Texten ist es total wichtig, keinen Platz zu verschwenden. Darum haben wir u. a. den Titel zuvor fix gemacht.

In meinem Fall heißt der Vortrag „Akquise für Hosenscheißer – potenzielle Kunden anrufen, ohne blöd, aufdringlich und angeberisch zu sein“.

Bei Kunden sehe ich immer, dass sie damit anfangen, ihr Thema zu erklären. Sie schreiben dann im Ankündigungstext sowas wie

„Akquise ist gar nicht so einfach und vielen Leuten zittern regelrecht die Knie. Was ist, wenn ich abgelehnt werde?“

Unser Ankündigungstext darf 600 Zeichen inkl. Leerzeichen haben. Der Titel hat ca. 100, bleiben noch 500. Mit einem  einleitenden Satz wie diesem hätte ich weitere 100 Zeichen vergeudet, denn ich sage hier nichts anderes als im „Akquise für Hosenscheißer“ eh schon steht.

Gleiches gilt für den Text selbst:

  • Sag nichts, was schon in anderen Worten dasteht.
  • Führe keinen Inhalt unnötig näher aus.

Wir haben keinen Platz zu verschenken.

Sei realistisch!

Pass auf, dass deine Ankündigung deinem Vortrag gerecht wird. Wer eine total spritzige Ausschreibung macht, aber im Vortrag eine Folienschlacht abliest, enttäuscht die Leser.

Wer den Mund zu voll nimmt, was die Leute alles erfahren, aber dann nicht abliefern kann, ebenfalls.

Es ist wichtig, sich daran vor dem Schreiben zu erinnern, denn manchmal gehen die Marketinggäule mit einem durch. Ich mach dir gleich noch zwei Alternativen, wie unterschiedlich eine Ausschreibung aussehen kann.

Feintuning erst ganz am Schluss

Jetzt hast du deinen Entwurf, der schon ungefähr deinem Umfang gerecht wird. Nun geht’s ans Feintuning: Vielleicht gibts was zu kürzen oder straffen. Vielleicht willst du einen Aspekt ein wenig zahmer formulieren, mehr Pfiff oder Dringlichkeit reinbringen. Oder du merkst, du willst eine Grundinfo doch noch deutlicher machen und was anderes rauswerfen.

All das – das Reparieren, Polieren, Korrigieren – ist immer erst ganz am Schluss dran.

 

zwei Varianten der gleichen Ausschreibung

 

15.00 bis 15.45 Uhr
Akquise für Hosenscheißer – potenzielle Kunden anrufen, ohne blöd, aufdringlich und angeberisch zu sein
Ob wir wollen oder nicht: Als Selbstständige müssen wir uns aktiv verkaufen. Vermeidungsstrategien sind verständlich, doch damit sabotierst du dich nur selbst. – Ich verrate dir, warum Akquise in Wirklichkeit ein Service ist und wie du es anstellst, damit die Angerufenen das auch so sehen. Du bekommst 5 Faktoren, damit die Telefonakquise was bringt und sich sogar gut anfühlt! Und wir reden über Erfolgskontrolle. So entwickelst du konsequent deine Akquisemuskeln.

Gitte Härter, schreibnudel.de und Buch-Autorin (Kundenakquise). Sie war in Vertrieb + Einkauf tätig und weiß: ins kalte Wasser springen, härtet ab.

 

15.00 bis 15.45 Uhr
Akquise für Hosenscheißer
– Potenzielle Kunden anrufen: selbstbewusst und mit Freude (ja, das geht!)

Die Hürde, im Business regelmäßig auf Fremde zuzugehen, verschwindet mit dem richtigen Mindset: Du erfährst, dass es um ein Win-Win geht. Dass du mit einem Telefonanruf überhaupt nichts verkaufen sollst, sondern dich bei potenziellen Kunden auf den Radar bringst. Außerdem verrate ich dir die 5 Faktoren fürs souveräne telefonische Akquirieren und warum Körbe dazugehören. Ein bisschen Kopfwaschen gehört dazu: Ohne Erfolgskontrolle und Konsequenz läuft nichts!

Gitte Härter, schreibnudel.de: Ich war viele Jahre in Vertrieb + Einkauf und coache EinzelunternehmerInnen rund um Selbstdarstellung und Schreiben.

 

Minikurs „Vortragsankündigungen“

Teil 1: Die Substanz zusammentragen
Teil 2: Das Titel-Brainstorming
Teil 3: Der Ankündigungstext