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Wie stehe ich, der Mensch, dazu?

Einzigartige, engagierte, vielseitige Texte, mit denen du deine Leser berührst, brauchen als wichtigste Zutat: Dich! Denn wie sehr dich dein Thema selbst berührt, entscheidet, wie du es anpackst – und rüberbringst. Mit ein Grund, warum der Plankton-Arbeitstitel so wichtig ist.

Wenn du hier neu bist oder nicht so ganz genau weißt, was mit Plankton-Arbeitstitel gemeint ist, stöber dich durch die früheren Artikel. Dort gibt es jede Menge Erklärungen samt Beispiel.

Wer schon mal in einem meiner Workshops war, weiß, dass das eine weichenstellende Frage ist: Was ist dein Ziel/deine Motivation, warum du diesen Text schreibst? Diese Frage wird gerne etwas falsch beantwortet. Vor allem merke ich, dass es vielen schwer fällt, wirklich emotional zu benennen, wo sie stehen. Das passiert auch in anderen Lebensbereichen.

Ein Gefühl benennen, …

… und zwar differenzierter, fällt erstaunlich vielen Menschen schwer.

Auf die Frage

„Was fühlst du gerade?“

werden gerne andere Gedanken oder Zustandsbeschreibungen gegeben.

Was fühlst du, wenn dein cholerischer Chef dich runterputzt?
„Ich finde das unfair! So geht man mit niemandem um.“

Wie hast du dich am Tag deiner Scheidung gefühlt?
„Ein Traum ist zerplatzt. Ich wollte immer eine intakte, glückliche Familie.“

Wie hat es sich angefühlt, als du beim Marathon über die Ziellinie gelaufen bist?
„Mei, anstrengend war das! Aber ich war sogar die 15. in meiner Altersklasse und werde es wieder tun.“

Trainer, Coaches und Therapeuten kennen das besonders, dass sie mitunter mehrmals nachhaken müssen – und manche Leute dennoch mehrere Anläufe brauchen, um dann erneut am Gefühl vorbeizuschießen.

Selbst wenn es dir leicht fällt, zu benennen, wie du gefühlsmäßig zu deinem Thema stehst, so gilt es, das dann auch in den Text einfließen zu lassen = das andere Paar Stiefel, das zu Beginn meist sehr ungewohnt ist.

Wie stehst du emotional dazu/wie berührt es dich?

Stell dir eine Abteilung mit einem cholerischen Chef vor. Die meisten finden das Verhalten wahrscheinlich ungut, doch die völlig verschiedenen Persönlichkeiten werden sich anders fühlen und daraus leitet sich ab, wie sie zu ihrem Chef und seinem Verhalten stehen + wie sie damit umgehen können.

Hier nochmal ein kurzer Überblick, was alles mit reinspielt, wenn es um Persönliches geht:



 


 

Diese ganzen Faktoren spielen bei jedem Menschen mit rein. In jeder Situation. Ob wir einen Text zu einem Thema schreiben und uns in eine Situation/unsere Leser hineinversetzen. Oder ob wir uns gerade in unserem eigenen Leben mit etwas auseinandersetzen.

Marschieren wir also in die Abteilung und fragen jeden einzeln danach, wie er sich FÜHLT, wenn der Chef mal wieder cholerisch ist, dann werden die Antworten verschieden ausfallen:

  • Ich fühle mich in dem Moment total hilflos und klein.
  • Ich bin total aggressiv.
  • Ich bin ganz gelassen, weil ich so „Anfälle“ von mir selbst kenne.
  • Ich verachte ihn + bin entsetzt, wie man sich so gehen lassen kann.
  • Ich habe Angst und komme in Beschwichtigungsmodus.

Vielleicht hast du automatisch beim Lesen gerade überlegt, wie du dich fühlst, wenn du es mit so einer cholerischen Person zu tun hast. Und vielleicht hast du gemerkt, dass du im ersten Anlauf über das Cholerische gewettert – oder gewertet hast – aber nicht bei dir und dem, wie sich das für dich anfühlt, geblieben bist.

Schreiben sollte immer persönlich sein!

Wenn ich mir selbst kurz darüber klar werde, wie ich emotional zum Thema stehe, dann bekomme ich wichtige Informationen zum

Was
= Wie baue ich den Text auf und welche Inhalte müssen rein?

und

Wie
= Wie „hört“ sich mein Text später an?

 

Der eigene Stil, nach dem viele suchen, ...
… hängt nicht nur mit dem Formulieren zusammen, sondern die Basis dafür ist, dass du – der Mensch hinter dem Text – deinen Standpunkt, deine Erfahrungen, vor allem aber deine eigene Sprache einfließen lässt. Beides muss Hand in Hand gehen.

 

Sehen wir uns mal die individuelle Kettenreaktion an, die sich ergibt, wenn man sich des eigenen Musters bewusst wird. 

Bleiben wir beim cholerischen Chef. Ich gehöre zu den Menschen, die wütend werden, wenn jemand so mit mir umgeht … daraus ergibt sich eine Kettenreaktion:

Ich lasse mir das nicht bieten und schiebe sofort klare Riegel vor

Dadurch habe ich eine Erfahrung gemacht, die andere Leute, die ängstlich und reaktiv sind, nicht kennen: nämlich dass Choleriker sich anders verhalten, wenn sie kontra bekommen.

Dieses Abchecken meiner eigenen Gefühlswelt (und was sich daraus ergibt) kann ich jetzt für mein Thema nutzen.

Ich kann es nützen, um überhaupt erst meinen Plankton-Arbeitstitel zu finden.

Statt einen neutralen Arbeitstitel zu nutzen, wie „5 Tipps im Umgang mit einem cholerischen Chef“ kann ich schreiben:

  • 3 Dos + 3 Don’ts, wenn du es mit einem cholerischen Chef zu tun hast
  • Wie ich herausgefunden habe, dass ich cholerischen Chefs schnell die Luft rauslassen kann und dadurch ein respektvolles Miteinander möglich wurde
  • Du hast einen cholerischen Chef? Warum die wichtigste Regel ist, dich nicht einschüchtern zu lassen – und wie du das schaffen kannst

Da siehst du wieder, wie viel stärker du den Plankton-Arbeitstitel dafür nutzen kannst, um über genau die Teilaspekte zu sprechen, die dir wirklich am Herzen liegen oder in denen du dich sattelfester fühlst.

Außerdem zeigt es, wie viel mehr tolle Texte zu einem Plankton-Thema möglich sind. Ich könnte alle drei dieser Texte in einem Blog verwenden und sie würden sich wunderbar ergänzen – so hätte ich aus einem Thema schon drei Texte gemacht UND ich gehe insgesamt viel mehr in die Tiefe.

Oder ich kann bei einem bereits vorhandenen Plankton-Arbeitstitel eine individuellere Richtung einschlagen.

Ich habe im eingangs erwähnten Text Was ist dein Ziel/deine Motivation? bereits die weichenstellenden Fragen erklärt. Meine Workshophaserl sind bestens damit vertraut.

Das Konzept fängt also damit an, dass wir den Arbeitstitel haben, einen bestimmten Umfang anpeilen (damit wir wissen, wie viel Platz wir haben) und dann kommen die zwei ersten weichenstellenden Fragen:

Für welche Zielgruppe ist dieser Text?
Was ist dein Ziel/deine Motivation?

Die Zielgruppe stellt die erste große Weiche. Wenn ich mich bei meinem Cholerikertext an Leute wende, die bisher total paralysiert sind, dann muss ich ganz andere Tipps geben + völlig anders mit denen reden. Auch da differenzieren Autoren oft zu wenig, aber das ist heute nicht unser Thema.

Richte bitte den Fokus bei den folgenden Beispielen auf den Paarzeiler bei „Was ist mein Ziel/meine Motivation?“. Das ist die Frage, wo ich als Autorin MIR KURZ KLARMACHE, wie mich dieser Arbeitstitel selbst berührt, wo ich meinen emotionalen Bezug habe. Der Text, der aus diesen Antworten jeweils entsteht, würde völlig anders ausfallen, obwohl Arbeitstitel und Zielgruppe gleich sind. – Genau darum heißen die Fragen weichenstellende Fragen. Jede einzelne Antwort soll neue Informationen bringen, die sich auf den Textinhalt und das Wie auswirken.

 


Du hast einen cholerischen Chef? Warum die wichtigste Regel ist, dich nicht einschüchtern zu lassen – und wie du das schaffen kannst

Umfang: 2 Seiten

Für welche Zielgruppe ist dieser Text?
unsichere Leute, die sich wie das Kaninchen vor der Schlange fühlen

Was ist dein Ziel/deine Motivation?
Bei cholerischen Ausflippereien fahre ich sofort meine Stacheln aus („Mit mir nicht!“). Zu meiner Überraschung habe ich gemerkt, dass meine cholerischen Chefs das nicht nur gut abhaben konnten – sie sind mit mir ganz anders umgegangen.


 

Der emotionale Bezug könnte aber auch so ausfallen:

 


Du hast einen cholerischen Chef? Warum die wichtigste Regel ist, dich nicht einschüchtern zu lassen – und wie du das schaffen kannst

Umfang: 2 Seiten

Für welche Zielgruppe ist dieser Text?
unsichere Leute, die sich wie das Kaninchen vor der Schlange fühlen

Was ist dein Ziel/deine Motivation?
Zu meinem Entsetzen habe ich live erlebt, dass Hascherl- und Einlenkverhalten das cholerische Verhalten noch mehr anfachen. Ich schreibe ein Plädoyer fürs Kontrageben, weil ich weiß, dass sich nur so für die Ängstlicheren der Wind dreht.


 

Die Frage nach deinem Ziel/deine Motivation ist also kein neutrales Hinschreiben irgendwelcher Allerweltsgedanken, sondern die Frage dient dazu, dass du für dich KURZ abcheckst, wie du – als MENSCH hinter dem Fachwissen – zum Thema stehst.

Das gilt natürlich genauso für deine anderen Businesstexte!

… vor allem deine Website.

Es kommt immer auf dich, den Menschen hinter der Leistung, an. Besonders bei uns EinzelunternehmerInnen.

Darüber schreibe ich immer wieder! Kürzlich mit einer kleinen Anleitung, wie du das für dich auf den Punkt bringen kannst: Wie bist du eigentlich?