Ratgeber schreiben

Buch? Selbstlernkurs? – Tipps für größere Schreibprojekte (1)

Beim Schreiben gibts ja zwei Disziplinen:

  • häufiger kurze Texte produzieren (Fachartikel, bloggen, Newsletter, …)
  • einmalig oder gelegentlich richtig große Texte anpacken (ein Kapitel zu einem Buch beisteuern, ein ganzes Buch schreiben, Selbstlernkurse, …)

Kurze Texte haben die meisten ganz gut im Griff. Vor allem, weil man sie leicht im Blick behalten kann und einfach weniger dranhängt. Ist ein Blogartikel mal nicht soooo nützlich oder etwas missverständlich, fällt das nicht so schwer ins Gewicht. Größere Schreibprojekte sind ein anderes Paar Stiefel.

Keine Angst! – Aber …

Immer wieder kommen Kunden zu mir, weil sie endlich mal den Traum vom eigenen Buch anpacken oder unbedingt ein Kaufprodukt [E-Book, Selbstlernkurs in einzelnen Lektionen] erstellen wollen.

Manche haben Angst vor der eigenen Courage.

Auch wenn du ganz sicher keine Angst zu haben brauchst, finde ich es immer gut, wenn jemandem ein bisserl die Knie zittern. Denn das zeigt, dass sie die Sache nicht unterschätzen.

Alles,  was wir neu angehen – und was komplexer ist –, fordert von uns mehr, als wir bisher gewohnt sind. Selbst wenn du alle nötigen Fähigkeiten bereits hast, ist das Kaliber ein anderes. Das wirkt sich auf alles aus:

  • auf das Konzept: Wie du das Projekt ausrichtest + strukturierst, vor allem schlüssig aufeinander aufbaust, ohne dass Längen und Doppelungen entstehen.
  • auf die Inhalte: Was du wie schreibst.
  • auf deine Herangehensweise: Die Organisation und das Selbstmanagement beim Schreiben.

Je weniger Übung, desto weniger ist vielleicht die Zuversicht. Doch lass dich davon nicht schrecken! Es gibt für alles das berühmte erste Mal. Aus meiner Erfahrung mit über zwei Dutzend eigenen Ratgebern, zahlreichen Kunden-Büchern und früher mal etlichen Selbstlernkursen kann ich dir sagen: Selbst, wenn du schon geübter bist, gibt es immer Luft nach oben, noch besser zu werden.

Wolltest du also immer schon gerne ein Buch schreiben oder dir endlich ein neues Standbein mit Selbstlernkursen aufbauen, dann nur zu!

Unterschätz das Projekt nicht. Aber trau dich ran.

Was im Kleinen gilt, gilt genauso im Großen: Die Schreib-Basics, die ich euch immer wieder ans Herz lege, sind bei umfangreichen Projekten genauso relevant. Darum bringt dir das gezielte Üben bei kleinen Texte so viel für umfangreichere Schreibpläne.

Der Plankton-Arbeitstitel

Ich werde nicht müde, euch die Bedeutung von vorläufigen Arbeitstiteln mantramäßig einzutrichtern. 🙂 Dazu gibts übrigens einen neuen Workshop!

So ein Titel – der Haupttitel und sämtliche Zwischen-Überschriften – sind ein extrem wichtiges Schreibtool FÜR EUCH SELBST. Später dann, wenn der erste Entwurf komplett steht, kannst du Titel ändern, aufhübschen, reißerischer machen … was immer du willst. Doch vor und während des Schreibens zählt nur eins: die Aussagekraft!

Der Arbeitstitel ist nur für dich selbst: Er darf zu lange werden, ungelenk oder umgangssprachlich klingen. Kein Mensch außer dir sieht ihn!

Seine einzige Aufgabe ist, dich während des gesamten Schreibprozesses auf Kurs zu halten.

Je treffender du ihn formulierst, desto mehr legt er von Anfang an genau fest, worauf dein Buch oder Selbstlernkurs hinausläuft. Das gilt ebenso für den Ton, den du einschlagen willst – was besonders wichtig ist, wenn du etwas speziell in den Mittelpunkt rücken oder gezielt einen etwas anderen Stil anpeilst (unkonventioneller werden, Leser mit etwas konfrontieren, o. Ä.).

Es ist also total okay, wenn du einen schnittigen vorläufigen Titel für dich wählst, solange du darauf achtest, dass er nicht einfach blumig ist, sondern dass ganz genau rauskommt, worums geht. Steck damit von vornherein die Inhalte stärker ab. Das ist besonders wertvoll, wenn du eigentlich über ein Thema schreiben willst, aber bestimmte Aspekte ausklammerst, in denen du nicht so sattelfest bist oder auf die du keine Lust hast.

Beispiele [aufs Bild klicken für größere Ansicht]:

Weichenstellende Fragen

Die weichenstellenden Fragen, die Ihr aus dem Blog und vielleicht meinen Workshops kennt, erweisen euch hier ebenfalls einen großen Dienst:

Der Umfang

Leg den Umfang zunächst einfach mal als Seitenzahl fest. Ein typischer Ratgeber hat je nach Verlag und Reihe zwischen 120 und 200 Seiten  Bei einem Selbstlernkurs hast du vielleicht eher eine Vorstellung, wie umfassend einzelne Lektionen sind.

Leg den Umfang ungefähr fest. Es ist noch völlig egal, wie genau die Seitenzahlen sind und wie viele Zeichen auf eine Seite passen.

Was natürlich schon wichtig ist, ist das Format. Planst du ein Pocketbüchlein im Postkartenformat fällt das anders ins Gewicht. Genauso wie ein fettes Handbuch im Überformat. Wenn du also sicher weißt, dass du eine Buchidee für ein bestimmtes Format planst, dann das bereits im Auge haben.

Die Zielgruppe

Ob Ratgeber oder Selbstlernkurs: Oft möchte man die Käufergruppe möglichst groß halten. Das ist einerseits sehr gut, andererseits passiert das gerne mal unbedacht. Denn wenn Zielgruppen zu sehr gemischt werden, versenkst du dein Projekt [aufs Bild klicken für größere Ansicht]:

Mal ganz zu schweigen davon, dass es nicht möglich ist, dein Buch – oder den Selbstlernkurs – gezielt zu vermarkten.

Trotzdem brauchst du dein Projekt nicht zu eng zu fassen. Du kannst sehr wohl deinen Plankton-Arbeitstitel anschauen und denken „Für wen ist das sonst noch relevant“, ohne dass du inhaltlich zu sehr auf individuelle Bedürfnisse eingehst.

Die Zielgruppe ist nicht umsonst eine weichenstellende Frage, denn hier haben Autoren oft eine Grundidee im Kopf, die super sein kann, manchmal aber von vornherein zu schwammig oder zu speziell wird. Besonders, wenn du dein Buch einem Verlag anbietest, kann es sinnvoll sein, auf weitere mögliche Käufergruppen einzugehen, die nicht direkte Zielgruppe des Buches sind.

Ich kann an der Stelle nicht konkretere Tipps geben, wie du die Zielgruppe für dein Projekt anpackst, denn das muss man bezogen auf die konkrete Buchidee + im Kontext der anderen weichenstellenden Fragen abklopfen.

Dein Ziel/deine Motivation

Diese weichenstellende Frage spricht den Menschen hinter dem Schreibprojekt an. Dein eigentliches, ganz persönliches Engagement für dein Thema. Die Frage kann dein gesamtes Projekt verändern. Sie kann dazu führen, dass du direkt in diesem Stadium noch mal auf Los gehst und deinen Plankton-Arbeitstitel + die Zielgruppe veränderst.

Der Grund ist, dass wir bei großen Projekten als Fachleute oft was Naheliegendes nehmen. Die erste Idee, die kommt, ist gerne mal das, was oft nachgefragt wird oder das, was und wie überall sonst schon zu dem Thema steht.

Ein Beispiel:

Ein Trainer für Online-Marketing ist mit diesem Arbeitstitel gestartet: Blog, Newsletter und Social Media – wirkungsvolles Online-Marketing für Selbstständige

Jetzt überlegt er sich, warum er ausgerechnet darüber schreibt. Der Clou ist, diese Frage wirklich aus dem Bauch raus zu beantworten, sich selbst zu fragen:

Ja warum interessiert mich, den Menschen hinter dem Projekt, denn diese ganze Thematik/warum will ich darüber schreiben?

Das soll nur ein Paarzeiler werden – der unter anderem emotional abklopft, was ich mit dem Thema zu tun habe.

Sagen wir, unser Trainer schreibt:

Mei, ich krieg immer die Krise, wenn ich sehe, wie viel Potenzial die meisten Selbstständigen im Internet verschießen – die einen machen viel zu viel, die anderen zu unregelmäßig und die meisten verknüpfen nicht klug mit ihren Kaufleistungen. Das Internet kann so viel bringen, mit wenig Geld, aber nur wenn man die Regeln kennt.

Jetzt merkt er: Hey, ich will nicht einfach „wirkungsvolles Online-Marketing“, es geht mir um die Regeln und die Disziplin, sie einzuhalten, weil es sonst nicht funktionieren kann. Darum ändert er den Arbeitstitel um in:

Blog, Newsletter und Social Media – Die wenigen, aber wirkungsvollen Spielregeln, die Selbstständige kennen müssen, wenn sich Online-Marketing richtig lohnen soll und wie sie umzusetzen sind

Jetzt hat er seinen Arbeitstitel viel mehr darauf fokussiert, worums ihm geht. In diesem Fall weiß er sogar, wie er das weitere Vorausdenken aufbauen wird: Auf den Spielregeln.

Schon in diesem einen Beispiel wird klar, wie unterschiedlich man ein Thema anpacken kannst – auch vom Ton her. Der Plankton-Arbeitstitel und dein Ziel/deine Motivation „als Mensch“ hinter dem Schreibprojekt bestimmten von vornherein das Wie mit. Das macht das Ganze für dich selbst viel aufregender und bringts außerdem weg vom neutralen Runterbeten von Know-how. Beides sehr wichtige Voraussetzungen, dass du dein Thema richtig gut zu fassen kriegst und es mit Herzblut schreibst.

Die dritte weichenstellende Frage – „Was soll der Leser wissen, können oder tun?“ kommt bei großen Projekten beim Vorausdenken der einzelnen Kapitel/Lektionen dran. Dazu mehr in Teil 2.