Lesefluss

Überleitungen machen das Lesen flüssiger

Hin und wieder erwähne ich die Logik beim Schreiben: Wie wichtig es ist, dass deine Leser ungehindert von oben bis unten durchkommen, ohne dass ihr Hirn stolpert. Und wie oft es vorkommt, dass wir als Fachleute meinen, alles ist klar wie Kloßbrühe, weil wir mit unserem Expertenkopf Inhalte dazudenken, die gar nicht dastehen.

Ein wesentlicher Faktor für einen guten Lesefluss sind Überleitungen. Die fehlen allerdings oft!

Mit Überleitungen ist nicht gemeint, ewig drumherumzureden oder gar deinen Text hefeteigmäßig aufzublähen. Idealerweise ergibt sich die Logik daraus, wie du deinen Text grundsätzlich aufbaust und wie aussagekräftig du deine Zwischen-Überschriften wählst. Doch selbst, wenn hier alles passt, kann es passieren, dass sich deine Absätze wie angetackert aneinanderreihen, anstatt flüssig ineinander überzugehen.

Darum achte in der Feintuningphase, wenn der Text im Entwurf fix und fertig ist, besonders darauf, wie klar + flüssig deine Überleitungen sind.

Ein paar Ideen, wie verschieden das Überleiten ausfallen kann:

Eine Brücke von A nach B schreiben

Achte darauf, wie der letzte Absatz endet und der neue beginnt. Bist du inhaltlich noch bei der gleichen Sache, und es geht schlüssig weiter?

Hast du das Gefühl, du springst zu abrupt auf einen anderen Gedankengang über, dann prüf zunächst, ob du einen Querschläger-Gedanken drin hast: Das kann eine Gedankenschleife sein oder du öffnest die Türe zu einem anderen Thema. In diesen Fällen nicht einfach eine Verbindung von A nach B schaffen, sondern den Querschläger bereinigen.

Passt alles? Es besteht nur eine Kluft von A nach B? Dann schau, mit welchem Satz du eine gedankliche Hängebrücke schaffen kannst. Und denk an Zwischen-Überschriften! Die fehlen oft oder sind recht schwach auf der Brust, was Formulierung und Aussagekraft angeht.

Etwas anteasern, das der Leser haben will

Weiter vorne im Text kann sich ein Teaser gut machen: Prüf deine Intro beziehungsweise die ersten Absätze daraufhin, ob als Bindeglied eine Karotte sinnvoll ist:

  • Entweder andeuten, wie es wäre, wenn …/dass du gleich auf X und Y zu sprechen kommst, weil …
  • Oder du versprichst einen bestimmten Effekt: Das kann einfach nur in Form einer rhetorischen Frage sein oder indem du als Überleitung einen Paarzeiler einziehst, der differenzierter voranstellt, was deine Leser von dem haben, was noch kommt.

Das schafft einen klassischer Spannungsbogen: Du deutest was an, gibst aber noch nicht alle Infos. Der Leser will jetzt unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Vorab eine vertiefende Erklärung geben

Hast du deine Leser mit etwas komplett Neuem konfrontiert oder willst du sie stärker an die Hand nehmen, ist eine nähere Erklärung besser, als vorschnell weiterzumachen.

Vor allem, …

… wenn du nicht sicher sein kannst, dass eine Info jedem bekannt ist. Beispiel: Ich erwähne in einem Text, dass mein Vater auf der Intensivstation lag und ein Durchgangsyndrom hatte. Die Leser können folgen, weil sie wissen, was „Intensivstation“ heißt, doch viele bleiben hängen, weil sie vom Durchgangssyndrom noch nichts gehört haben. Ist diese Info relevant, muss ich überleitend näher darauf eingehen, bevor es weitergehen kann.

… wenn du die Relevanz der nachfolgenden Information verstärken möchtest. Wer Persönlichkeits- und Lebenstexte veröffentlicht, gibt Tipps rund um Gefühle, Einstellung, Verhalten. Meist ist das daran gekoppelt, wie man eine bestimmte Hürde oder Schwierigkeit überwinden kann. Das Bindeglied zur Lösung ist eine intensivere Schilderung des Problems und seiner Konsequenzen.

… wenn du den Weg bereiten willst, dass der Leser etwas Bestimmtes tut. Wann immer deine LeserInnen aktiv werden sollen, ist wichtig, sie stärker bei der Hand zu nehmen. Differenzierter zu werden, was warum relevant ist, ist der perfekte Verstärker für das anschließende Tun.

Deine eigene Sicht/Erfahrung dazwischenschalten

Oft schreiben wir relativ theoretisch über das, was man wissen, können oder tun sollte. Doch das bleibt gerne mal abstrakt. Um einen Praxisbezug herzustellen, ist es ideal, etwas von dir preiszugeben.

Ein wichtiges Bindeglied kann demnach eine Anekdote oder Überlegung sein – von früher oder aktuell. Damit verankerst du die Theorie in den Alltag. Die Relevanz steigt. Erst recht, wenn deine Leser sich mit dir identifizieren, zumindest aber nachvollziehen können, wie es dir damit geht.

Denk dran: Du bist die wichtigste Zutat!

Die eigene Erfahrung kann eine kleine Beichte sein:

  • Dass du früher ebenfalls soundso gedacht/gehandelt hast, es aber mittlerweile anders siehst.
  • Dass du lange mit einer derartigen Sache gehadert hast …
  • Dass du aus eigener Erfahrung weißt, wie dies und das ist …

Letzteres ist ein besonders wichtiges Bindeglied, wenn du etwas ansprichst, von dem du weißt, dass viele Leser Vorbehalte haben werden.

PS:

Wenn wir von schlüssigen Überleitungen reden, stellt sich die Frage, ob du genug Absätze machst.

Vielleicht interessieren dich außerdem meine Tipps für den Text-Einstieg und für den Schluss.